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SabiY: Absetzten von Amisulprid

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SabiY
Beiträge: 3
Registriert: Donnerstag, 22.03.18, 10:35

SabiY: Absetzten von Amisulprid

Beitrag von SabiY » Donnerstag, 22.03.18, 11:12

Hallo Liebes ADFD-Forum,

ich verfolge schon lange immer wieder Beiträge von euch und möchte an dieser Stelle als aller erstes Einmal Danke sagen!
Mein Partner hat im letzten Jahr sein Amisulprid langsam abgesetzt und ausgeschlichen. Es war für uns beide eine harte Zeit und ich konnte hier im Forum das ein oder andere nachlesen, dass mich beruhigt hat, oder mir geholfen hat zu verstehen, was beim Absetzten von Amisulprid vor sich geht. Für eure Einsatz und eure Hilfe daher erstmal ein herzliches Dankeschön!!

Ich habe nun noch eine Frage und hoffe ihr könnt mir helfen.
Die Geschichte vorab.
Mein Partner hat vor rund 6 Jahren angefangen Quetiapin einzunehmen. Mit dem Quetiapin ging es ihm soweit eigentlich ganz gut - irgendwann hat es sich jedoch so entwickelt, dass er morgens so müde war, dass er zum Teil sogar am Frühstückstisch einfach wieder weggenickt ist.
Daraufhin hat er auf Amisulprid umgestellt. Das hat aber leider absolut überhaupt nicht gut funktioniert.

Nach langem überlegen hat er sich dann dazu entschieden zu versuchen ohne Neuroleptika zu leben und hat das Medikament (von 150mg) in 5 Monaten auf 0 auszuschleichen. Es war eine harte Zeit für uns beide, natürlich vor allem für ihn. Die Nebenwirkungen waren vor allem Nervosität, Schlafstörung, Aggression.
Die letzte Dosis nahm er im Oktober (jetzt ist März).

Nun sind mir vermehrt in letzter Zeit Dinge an ihm aufgefallen, die mich verunsichern und bei denen ich nicht weiß, wie ich damit umgehen soll.
Zum Teil ist er extrem nervös und tanzt neben mir rum (eigentlich bewegen sich nur seine Beine), seine Zündschnur ist extrem kurz, manchmal rastet er wegen absoluten Kleinigkeiten aus. Seine Sicht auf alles, auf das Leben, die zukünftige Entwicklung seines Lebens ist sehr negativ geworden und er beschwert sich oft über Dinge (oftmals absolute Kleinigkeiten), die ihm passieren - das ist eigentlich überhaupt nicht seine Art, er ist ein durchweg positiver Mensch und normalerweise ein richtiger Fels in der Brandung. Auf der anderen Seite ist er zum Teil extrem euphorisch, macht Scherze, ärgert mich (liebevoll) aber auf eine sehr extreme Weise.

Wenn ich das selbst lese, dann hört sich das an wie eine Manische-Depression, ich glaube aber nicht, dass es so ist.

Nun zu meiner Frage: Ist es möglich, dass das noch immer mit dem Absetzen von Amisuprid zusammenhängt? Wie lange können Absetzerscheinungen andauern und kann ich irgend etwas tun um zu helfen?
Er hat nach einem schlimmen Schicksalsschlag angefangen die Neuroleptika einzunehmen. Ist es möglich, dass jetzt nach dem Absetzten eine Art Posttraumische-Belastungsstörung verzögert auftritt? (Wie komme ich darauf: Wir ging es vor einigen Jahren ähnlich, nachdem ich selbst die Hölle erlebt hatte)

Ich würde mich freuen, wenn ihr mir einen guten Rat hättet.
Viele Grüße
Zuletzt geändert von Gwen am Sonntag, 24.06.18, 15:02, insgesamt 2-mal geändert.
Grund: Name im Titel ergänzt zur besseren Übersichtlichkeit im Forum

padma
Moderatorenteam
Beiträge: 20653
Registriert: Sonntag, 06.01.13, 17:04

Re: Absetzten von Amisulprid

Beitrag von padma » Donnerstag, 22.03.18, 13:39

hallo Saby, :)

willkommen im ADFD.

Danke dir für dein Lob fürs Forum. :D
Daraufhin hat er auf Amisulprid umgestellt. Das hat aber leider absolut überhaupt nicht gut funktioniert.
War die Umstellung abrupt? Das kann zu Entzugssymptomen führen, da ein neues Medikament, die Entzugssymptome vom alten nicht unbedingt abfangen kann.
Nach langem überlegen hat er sich dann dazu entschieden zu versuchen ohne Neuroleptika zu leben und hat das Medikament (von 150mg) in 5 Monaten auf 0 auszuschleichen.
Das war zu schnell. Bei insgesamt 6 Jahren NL Einnahme hätte das sehr viel langsamer erfolgen müssen.

Was du beschreibst sind mögliche Absetzsymptome. Unruhige Beine, niedrige Frustrationstoleranz, "ausrasten" sind typisch. Auch euphorische Stimmungen sind möglich.
Wie lange können Absetzerscheinungen andauern und kann ich irgend etwas tun um zu helfen?
Absetzsymptome können sehr lange anhalten, schlimmstenfalls Jahre.
Er hat nach einem schlimmen Schicksalsschlag angefangen die Neuroleptika einzunehmen. Ist es möglich, dass jetzt nach dem Absetzten eine Art Posttraumische-Belastungsstörung verzögert auftritt?
Ja, das ist möglich. Die NL haben das Trauma ja nicht geheilt sondern nur gedeckelt. Nach dem Absetzen kann das alles wieder hochkommen, leider sogar noch stärker als zuvor.

Hier zum Einlesen: viewtopic.php?f=32&t=12884
Die verlinkte Broschüre beinhaltet viele Tipps.
und kann ich irgend etwas tun um zu helfen?
was du v.a. tun kannst, ist Geduld und Verständnis für ihn zu haben. Dir klar machen, dass vieles nicht "er selbst" ist, dass er von Neuroemotionen beherrscht wird.

Man kann auch über die Wiedereinnahme einer minimalen Dosis nachdenken, aber nach 6 Monaten, bin ich da eher skeptisch.

Wenn sich eine PTBS entwickelt hat, wäre auch da ein Ansatzpunkt. Allerdings wäre es gut, solange er noch im Entzug ist, nur stabilisierend zu arbeiten
Wenn ich das selbst lese, dann hört sich das an wie eine Manische-Depression, ich glaube aber nicht, dass es so ist.
Warum sollte eine solche Störung aufeinmal aufgetreten sein? Ich denke, du kannst da deinem Gefühl trauen.

Könntest du bitte noch eine Signatur erstellen (Anleitung ist bei dem link mit verlinkt)

liebe Grüsse,
padma
Diagnose: somatoforme Schmerzstörung ,Fibromyalgie
seit 2002 Fluoxetin zur Schmerztherapie

Quasi - Kaltentzug 2012, Wiedereindosierung, schleiche im :schnecke: Tempo aus
Absetzverlauf:
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1.1.2020: 0 mg, Die :schnecke: steht auf dem Kilimanjaro :D



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SabiY
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Registriert: Donnerstag, 22.03.18, 10:35

Re: Absetzten von Amisulprid

Beitrag von SabiY » Donnerstag, 22.03.18, 22:42

Hallo Padma,

das ging ja schnell mit deiner Antwort :) vielen Dank.
War die Umstellung abrupt? Das kann zu Entzugssymptomen führen, da ein neues Medikament, die Entzugssymptome vom alten nicht unbedingt abfangen kann.
Ja, das war mit dem Arzt damals so abgesprochen. Und es kam auch zu Entzugserscheinungen. Allerdings nicht so schlimm wie beim komplett Absetzten selbst. Es war viel mehr so, dass er das Medikament an sich nicht gut vertragen hat. (Z.b. extreme Motivationslosigkeit, ect.)

Toll ist, dass er auch nach dem Absetzten des Amisulprids kaum mehr Symptome seiner ursprünglichen Erkrankung hat.

Danke für deine Info. Ich bin froh zu wissen, dass es noch immer von den Medikamenten kommen kann und hoffe jetzt einfach, dass es ihm bald besser geht. Es ist leichter, wenn man weiß, dass es nicht "wirklich" der Andere ist, der sich gerade so verhält.
Man kann auch über die Wiedereinnahme einer minimalen Dosis nachdenken, aber nach 6 Monaten, bin ich da eher skeptisch.
Das wird er sicher nicht machen, er ist unglaublich froh von diesen Medikamenten weg zu sein.

Eie Signatur habe ich erstellt und ich hoffe das klappt so. :)

Falls es euch interessiert - oder vielleicht auch anderen weiterhilft, die in einer ähnlichen Situation sind, kann ich hier in ein paar Monaten ein Update reinsetzten.

Viele Grüße und einen schönen Abend.
Saby
Mein Partner hat Quetiapin & Amisulprid abgesetzt- seid 2017. Ich bin so stolz auf Ihn :fly:

Jamie
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Re: Absetzten von Amisulprid

Beitrag von Jamie » Donnerstag, 22.03.18, 22:49

Hallo Sabi :),

klar wollen wir von dir und deinem Partner hören / lesen :hug:

Melde dich gerne regelmäßig oder wenn du Fragen hast.

Grüße
Jamie
...........SIGNATUR...............


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Re: Absetzten von Amisulprid

Beitrag von SabiY » Sonntag, 24.06.18, 14:29

Hallo Liebes ADFD-Forum,

wie versprochen kommt hier nach einigen Monate das Update zu unserer momentanen Situation.

Ich hoffe, dass ich damit dem ein oder anderen Mut machen kann, der etwas ähnliches erlebt.

Die Probleme, die ich oben beschrieben habe, sind wie weggeblasen. Ich habe meinen Fels in der Brandung zurück.
Was mich selbst erstaunt hat: Ich hatte damit gerechnet, dass es ein langsamer Prozess der Besserung ist - das war es aber nicht. Mit einem Schlag (vor ca. 5 Wochen) war er plötzlich wieder da - der Mann in den ich mich damals so Hals über Kopf verliebt habe.
Und heute ist wirklich nichts mehr zu bemerken von dem was wir durchgemacht haben. Jedes Mal, wenn er mit wachen Augen vor mir steht, mich liebevoll ansieht und ich spüre wie ruhig, zufrieden und positiv er ist, könnte ich die ganze Welt umarmen.

Ich möchte euch an dieser Stelle danken - in den letzten Monaten war ich nicht nur einmal kurz davor einfach wegzulaufen, weil ich es nicht mehr ertragen konnte. Nicht zuletzt wegen eurer Antworten habe ich den Mut gehabt, weiterzumachen und bin heute überglücklich darüber.

Ich wünsche euch allen, ob selbst Betroffener oder Angehöriger alles erdenklich Gute!
Mein Partner hat Quetiapin & Amisulprid abgesetzt- seid 2017. Ich bin so stolz auf Ihn :fly:

padma
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Re: SabiY: Absetzten von Amisulprid

Beitrag von padma » Dienstag, 26.06.18, 13:55

hallo Saby, :)

vielen Dank für dein update. Das macht wirklich Mut, ich kopiere deinen Beitrag in unsere NL - Erfolgsgeschichten. http://www.adfd.org/austausch/viewtopic ... 43#p255543

Es freut mich sehr für euch beide. :party2:

Ich wünsche euch weiterhin alles Gute,
liebe Grüsse,
padma
Diagnose: somatoforme Schmerzstörung ,Fibromyalgie
seit 2002 Fluoxetin zur Schmerztherapie

Quasi - Kaltentzug 2012, Wiedereindosierung, schleiche im :schnecke: Tempo aus
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