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Daniel89: Falsche Indikation. Will sämtliche Antidepressiva absetzen.

Wenn Antidepressiva abgesetzt werden, kann dies zu schweren und langwierigen Entzugserscheinungen führen. Viele Hersteller und Ärzte verharmlosen diese Problematik leider.
Daniel89
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Daniel89: Falsche Indikation. Will sämtliche Antidepressiva absetzen.

Beitrag von Daniel89 » Freitag, 13.07.18, 10:59

Hallo ihr Lieben,
ich war die letzten Tage in Eurem Forum unterwegs und wünschte mir, dieses bereits viel früher gefunden zu haben. In erster Linie will ich mich mal dafür bedanken, dass hier so viele Menschen mitarbeiten, berichten und unterstützen! Das ist wirklich großartig!
Es gibt zahlreiche interessante Themen, die hier behandelt werden und ich freue mich darauf, mich mit diesen die kommenden Tage weiter zu befassen. Zudem hat mich das durchlesen mancher persönlichen Geschichten dazu gebracht, dass ich meine eigene Geschichte niederschreibe und ich muss sagen, dass es das mit Abstand beste war, was ich in meiner Situation machen konnte. Mir gelang es erstmals, die letzten Jahre Revue passieren zu lassen und die lange Zeit, die ich schon in Behandlung bin, im zeitlichen Ablauf nachvollziehbar darzustellen und, was am wichtigsten ist, mir klar vor Augen zu führen, was da eigentlich so alles los war. Das hat dazu geführt, dass meine Ausführungen doch sehr lang geworden sind, da sich über die letzten Jahre einfach so viel angestaut hat, was endlich raus musste. Ich hoffe, es ist in der Länge zumutbar.

Zu Euch geführt hat mich der Wunsch, von den Antidepressiva, die ich seit vielen Jahren nehme, loszukommen. Ich muss gestehen, dass ich mich, obwohl bereits seit sieben Jahren in Behandlung, bislang nur sehr wenig mit meiner Diagnose (Bipolar 2) auseinandergesetzt habe. Das liegt zum einen daran, dass ich meine Symptome immer als Krankheit aufgefasst habe, anstatt anzuerkennen, dass die Symptomatik schlicht und ergreifend ein Teil von mir ist, die es sich verdient hat, dass ich mich tiefgreifender mit ihm auseinandersetze. Diesen Teil habe ich an mir nie akzeptiert und habe ihn zur Krankheit stigmatisiert, und mit Krankheiten kennen sich nun mal Ärzte aus. Zum anderen war ich lange der Meinung, dass ich mich nicht mit meiner Diagnose auseinandersetzen muss, weil es mir durch die Einnahme von Medikamenten ohnehin bald besser gehen wird und die bipolar Störung mein einzig wahres Problem ist. Die vergangenen Wochen haben mir allerdings endlich die Augen geöffnet und es ist mir eigentlich unbegreiflich, wie mir meine Diagnose, auf schön Deutsch gesagt, so am Ar :censored: h vorbeigehen hat können, obwohl sie seit sieben Jahren mein Leben bestimmt und sich jedem erdenklichen Bereich manifestiert hat.

Ich habe bereits seit meiner Jugend, ungefähr seitdem ich 12 bis 13 Jahre alt bin, Stimmungsschwankungen, die sich immer durch depressive und schwach ausgeprägte manische Phasen ausgedrückt haben. Die manischen Phasen waren gekennzeichnet durch erhöhte Produktivität, höherem Selbstbewusstsein, gesteigerter Kommunikationsfreude und (für meine Verhältnisse) leichter Überdrehtheit. Diese Phasen dauerten maximal drei Tage, die manischen meist kürzer als die depressiven. Von selbstschadenden Verhalten war nie eine Spur. Die depressiven Phasen etwas intensiver ausgeprägt, aber variierten in ihrer Stärke. Im Prinzip war ich schon immer etwas schwermütiger und konnte ein paar Durchhänger im Monat haben. Diese Durchhänger unterschied ich lange nicht von den depressiven Phasen, wodurch ich erst spät erkannte, dass diese an die manischen Phasen gebunden waren. Daher wurde mir auch erst mit 18 bis 19 Jahren klar, dass ich möglicherweise manisch-depressiv sein könnte. Diese Episoden trugen sich in etwa einmal im Monat zu.

Meine schulische Ausbildung wurde durch die Stimmungsschwankungen kaum gestört, ich hatte einen großen Freundeskreis, hatte Spaß und Interesse am Leben. Wie bereits angesprochen, rückten diese Symptome mit zunehmenden Alter auch zunehmend in mein Bewusstsein. Dieser Prozess hat die ebenfalls schon angesprochene Abkopplung der Symptome von mir selbst eingeleitet. Ich habe begonnen, sie als Belastung wahrzunehmen, als etwas Abnormales, das es galt loszuwerden.
Gleich nach meiner Schulzeit hatte ich eine neue Freundin und mit dem Zivildienst begonnen. Der Rettungsdienst lag mir nicht wirklich, aber nüchtern betrachtet war ich einfach nicht der Typ dafür. Es fiel mir immer schwer, unter Stress zu arbeiten und das wesentlich größere Problem: Seit frühen Schultagen, habe ich unter, ich nenne es mal Stress, stark zu zittern begonnen. Das startete bei Referaten, bei denen es mich von Finger- bis Zehnspitze durchgeschüttelte. Das Zittern wurde für mich zunehmend zu einem Problem und bis heute ist es so, dass ich kontextabhängig zu zittern beginne, wobei es schon ausreichen kann, dass ich mich nur beobachtet fühle. Kurz und bündig: Das Zittern beeinflusst mich in meinem Sein, es war immer eine Belastung, ich habe es immer verflucht und wollte es immer loswerden. Und vielleicht nicht uninteressant: Es trat in einem Zeitraum auf, in dem ich auch erstmals an Depressionen litt.

Zurück in die Zivildienstzeit: Insgesamt war es ein tolles Jahr, und obwohl ich psychisch durchaus belastet war, trug ich viel Lebensfreude in mir und konnte mit dieser neuen Situation gut umgehen.
Anschließend ging es an die Uni. Reichlich planlos begann ich ein Studium, dass ich nach zwei Semestern wieder links liegen ließ. Es entstand eine erste Existenzkrise, an der auch meine Beziehung zerbrach. Ich fiel in ein tiefes Loch.

Erste Behandlung

Erstmals begab ich mich in diesem Sommer (2011) zu einem Psychiater und bekam Lamotrigin und Efectin (Venlafaxin) (Dosierung unbekannt). Die Nebenwirkungen, die sich bei mir am stärksten eingeprägt haben, waren Hitzewallungen und Schweißausbrüche. Die Folge dieser Schweißausbrüche waren Panikattacken. In der U-Bahn, im Hörsaal, bei Partys etc. Auch wenn sich meine Depression wieder gebessert hatte, wurde meine Leben plötzlich durch eine andere Beklemmung kontrolliert: Die Angst mich zu blamieren. Eine Angst die ich durch mein Zittern schon länger in mir trug, aber durch die mir zu Anfangs unerklärlichen Schweißausbrüche eine nie dagewesene Intensität erfuhr. Zeitgleich lernte ich eine neue Frau kennen, ich fand einen Job, der gut neben dem Studium laufen konnte und mir ging es, vor allem dank ihr, wieder relativ gut. In den Psychiater hatte ich wegen der Nebenwirkungen jegliches Vertrauen verloren und ich setzte die Medikamente auf eigene Faust ab. Daraufhin erlitt ich sehr schwere Depressionen und wurde auch stark suizidär. Ich beendete meine Liaison, kündigte meinen Job, wrackte seelisch wie körperlich komplett ab, war wochenlang nur zu Hause. Bis ich verstanden habe, was damals überhaupt passiert war, sind Jahre vergangen. Um ehrlich zu sein, habe ich es erst jetzt wirklich verstanden. Und bis jetzt trug ich die Angst in mir, dass ich wieder in die Depression fallen, die beinahe so dunkel war, wie der Tod selbst. Bis jetzt machte ich mir Vorwürfe, dass ich damals mein Leben nicht im Griff hatte und alle die mir nahestehen und -standen an den Auswirkungen bis heute zu leiden haben. Und erst jetzt wird mir wirklich klar, dass die Medikamente mich zwar aus meiner tiefen Depression geholt, mich aber vom ersten Moment an in eine Neue hineintrieben.

Tagesambulanz

Im November 2011 ging es in ambulante Behandlung.

Entlassungsdiagnose:
Bipolar affektive Störung, ggw. mittelgradige depressive Episode F31.3

Drei Monate besuchte ich die Tagesklinik und machte dort zusätzlich Ergo-, Musik-, Bewegungs- und Physiotherapie. Auch psychologische Gespräche konnte ich hin und wieder in Anspruch nehmen - dort gab es aber interessanterweise die geringsten Kapazitäten. Im Prinzip waren manche Angebote für mich sinnvoll und andere weniger.

Bereits mit Beginn des erstens Monats wurde ich auf folgende Medikamente eingestellt (die Mg-Werte beziehen sich auf meine Entlassung):
Lamotrigin (200mg Lamictal),
Mirtazapin (60mg)
Bupropion (150mg Wellbutrin)

Bupropion wurde zwischenzeitlich auf 300mg erhöht, allerdings musste die Dosis wegen erhöhtem Blutdruck wieder verringert werden. Zu Beginn der Behandlung litt ich unter Lichtempfindlichkeit, Störung des Libido und bekam Hautausschläge. Nach dem anfänglichen Erfolg, dass ich meiner großen Depression entkam, wollte sich in den nächsten drei Monaten, abgesehen von der Erlangung des Titels „Tischtennis-Meister Station 6“, keiner mehr einstellen. Meine Stimmung schwankte tageweise und ich verfiel wesentlich häufiger in Depressionen als vor meiner Episode und hatte keine manischen Phasen mehr (im Entlassungsbrief ist dazu zu entnehmen, dass diese "jedoch sicher auch im Zusammenhang mit einer Persönlichkeitsproblematik" stehen :) ). Daneben machten mir besonders die Schweißausbrüche weiterhin zu schaffen. Diese führten dann auch tatsächlich zu einer "Persönlichkeitsproblematik", da sie mein Selbstbild mehr und mehr zerrütteten und ich dafür nicht mal mehr die Medikamente verantwortlich machte (waren ja jetzt andere[sic!]) sondern Geist und Körper.
Nachbetrachtet wurde ich damals durch die Medikamente zudem emotional enorm abgestumpft. Als Beispiel will ich mein Empathieempfinden anführen. Vor der Behandlung war ich sehr feinfühlig gegenüber anderen Personen, mir war das Wohlergehen meiner Mitmenschen wichtig, ich war an ihnen interessiert und ich habe mir fremde Angelegenheiten zu Herzen genommen. Im Zuge der Behandlung stumpfte ich in diesem Bereich rapide ab. Zum einen Teil durch die Medikamente zum anderen wegen den Nebenwirkungen respektive den Schweißausbrüchen. Heute merke ich, dass sich meine Kapazitäten in diesem Bereich immer mehr verringern, da ich in mir nur mehr Platz für meine unzähligen Ängste habe. Zum Ende der Tagesklinik wurden mir dann aus diesem Grund "teilweise narzisstische Züge" attestiert. Ende Februar 2012 wurde ich entlassen.

Der ewige Kranke

Bei meinem neuen Facharzt, war zunächst die Direktive, die Dosis der Medikamente etwas zu verringern. Lamotrigin wurde auf 100mg dosiert, Mirtazapin auf 30mg. Danach habe ich mir leider erst wieder im November 2013 Aufzeichnungen gemacht.

Damalige Medikamente:
Lamutriging 100mg
Mirtazapin 45mg
Bupropion 150mg
Fluoxetin 20mg.

Meiner Erinnerung nach, wurde relativ häufig an der Dosis der Medikamente herumgeschraubt, da ich weiterhin häufig und tageweise an Depressionen litt und auch sonst kaum Lebensfreude empfand. U.a. wurde ich wieder auf Buopropion 300mg eingestellt (trotz Vermerk im Entlassungsbrief), was wieder zu erhöhtem Blutdruck führte. Im Jänner 2014 hatte ich meinen letzten Termin bei diesem Facharzt.

Damalige Verordnung:
Fluoxetin (20mg)
Lamutrigin (100mg)
Mirtazapin (45mg)
Bupropion wurde also gestrichen.

Parallel machte ich eineinhalb Jahre lang Gesprächstherapie (bis April 2014), die mich absolut nicht weiterbrachte. Was aber wahrscheinlich zu einem großen Teil an mir lag, da ich Themen, die mich wirklich beschäftigten, nicht ansprach, da sie mir unangenehm waren (z.B. das Schwitzen). Ansonsten war ich wieder an der Uni und habe die kommenden sechs Jahre Studien angefangen und wieder abgebrochen - meistens wegen auftretender Ängste und dadurch bedingte Depression. Beziehungen zu Frauen ergaben sich kaum, da ich auch nicht mehr das Bedürfnis danach fühlte.
Im März 2013 verwies mich meine Therapeutin an einen privaten Facharzt und Universitätsprofessor, zu einer nochmaligen diagnostischen Abklärung und um sinnvolle Therapiemöglichkeiten zu besprechen. Nach zwei Terminen wurde folgende Diagnose gestellt:

Dysthymie F34.1
Rezidivierende Depression F33.0
emotional instabile Persönlichkeitsstörung F60.3
negativistische Persönlichkeitsstörung F60.81.
Weiters ist vermerkt, dass meine Stimmungsschwankungen eher im Sinne der Borderline-Störung zu sehen sind.

Die Medikation nach dem ersten Termin:
Lamutrigin (100mg)
Burpropion (150mg)
Quetiapin (50mg, Seroquel XP)

Die Medikation nach dem zweiten Termin (drei Wochen später):
Lamutrigin (200mg)
Burpropion (150mg)
Mirtazapin (30mg)

Was beinahe jener Medikation aus der Tagesklinik entsprach.
Im April 2015 begann ich eine Psychoanalyse und der Therapeut wurde auch gleichzeitig mein Psychiater. Die Medikamente die ich bereits genommen habe, wurden von der Dosis etwas angepasst (leider keine Aufzeichnungen) und ich bekam Olanzapin (5mg, Aedon) dazu. Die Therapie selbst zeigte leider keinen positiven Effekt und nachdem wir uns einige Einheiten fast ausschließlich anschwiegen, habe ich sie nach einem Jahr abgebrochen. In meiner damaligen Situation habe ich diese „psychoanalytischen Provokationen“ schlicht weg nicht vertragen und verspürte weder Lust noch hatte ich die Kraft für einen Konflikt auszutragen. Das Olanzapin setzte ich, nachdem ich es insgesamt ca. 4 Monate genommen habe und ohne Nebenwirkungen, selbst ab.
Rückzug

Ungefähr ab April 2016 hatte ich also keinen Facharzt mehr und verlor zunehmend die Hoffnung. Ich bekam permanente Suizidgedanken, da ich sonst auf Dauer keinen Ausweg sah. Ich begann mich zunehmend zurückzuziehen: Zu Freunden brach ich jeglichen Kontakt ab, zu einem Großteil der Familie ebenfalls, ich begann wieder zu rauchen, betrank mich alleine, nahm an Gewicht zu, ging teilweise Tagelang nicht außer Haus und lebte davon, was der bänkische Überziehungsrahmen hergab. Mein Ziel war es mich zu zerstören. Ich wollte mich an einen Punkt bringen, an dem ich den Suizid wirklich begehen konnte.
Diesen Punkt erreichte ich nie. Nicht einmal in Ansatz. Und das war im Endeffekt das Aha-Erlebnis, bei dem ich erkannte, dass in mir doch noch lebensbejahende Tendenzen vorhanden sind, obwohl der Vorhang eigentlich fallen müsste. Dies wurde der Moment, an dem sich die Dinge langsam wieder zum Guten entwickelten.

Neuanfang

Ich begann Pläne zu schmieden und hatte, nach einer gefühlt endlosen Zeit, wieder eine Zukunft vor Augen. An den primären medikamentösen und psychischen Problemen änderte sich freilich nicht viel.

Im Sommer 2017 hatte ich den Entschluss zu einer Ausbildung gefasst und zog aus diesem Grund zurück Nachhause. Bis zum Ausbildungsbeginn im Mai 2018 war ich Berufstätig. In der Arbeit selbst und im Privatleben hatte ich wieder deutlich mehr sozialen Kontakt, wobei mir der Kontakt zu fremden Leuten und das Sein in großen Gruppen schwerfiel und mich anstrengte. Ich nahm daher manchmal Alprazolam (mg?, Xenor) oder Oxazepam (15mg, Praxiten). Alprazolam nahm ich auch bereits 2012 zweitweise z.B. zur Führerscheinprüfung (soll man nicht, ging aber nicht anders). Ab Jänner 2018 begab ich mich wieder in fachärztliche Hände. Hier bekam ich zusätzlich noch Escitalopram (10mg) gegen die Nervosität bzw. Angstzustände. Im Mai begann ich dann mit der Ausbildung und bekam an Tag zwei eine Panikattacke.

Ich hatte schon lange keine Panikattacke mehr erlebt und ich bekam sie meist in öffentlichen Verkehrsmitteln, in Situationen, in denen es mir nicht möglich war, auf der Stelle das Fahrzeug zu verlassen (ging natürlich immer mit Schwitzen einher). Weiters kann ich mich an eine im Hörsaal erinnern: Einführungsvorlesung, hunderte Menschen die um Plätze kämpfen, ich in einer Sitzreihe schön in der Mitte eingepfercht.
An diesem Kurstag im Mai 2018 teilte ich mir einen Klassenraum mit 17 anderen Personen. Prinzipiell konnte ich aufstehen und nach draußen gehen, wie oft und wann ich wollte (was ich auch tat), die Atmosphäre war locker, alle Menschen freundlich. In mir machte sich über den Kurstag trotzdem immer mehr Verunsicherung breit, ich hatte zeitweise Hitzewallungen (es war ein kühler, verregneter Tag) und bekam von dem, was rund um mich passierte, immer weniger mit. Nach neun Stunden war ich komplett ausgelaugt und ich nahm das alles mehr als plötzliche Erkrankung denn als Panikattacke wahr. Am Rückweg saß ich mit zwei Kollegen in der U-Bahn, versuchte mich an einem Gespräch und musste feststellen, dass das Einzige, was ich noch tun kann, die sofortige Flucht ist. Über Umwege fuhr ich dann nach Hause, kam langsam wieder zu Ruhe und verbrachte die nächsten zwei Tage mehrheitlich im Bett. Nach eineinhalb Wochen Pause, versuchte ich wieder in den Kurs einzusteigen, bekam aber an diesem Tag Angstzustände und verließ die Wohnung nicht. Die Ausbildung war damit Geschichte.
Diese Panikattacke war mit Abstand die stärkste, die ich je hatte und war gleichzeitig Auslöser, tiefgreifender Veränderungen, da sie mir die über Jahre angestauten Ängste auf vorzüglichste Art servierte.
Meine Fachärztin riet mir zu einer neuerlichen Diagnostik (Zuweisungsdiagnose: Bipolar II / DD Persönlichkeit?) und leitete mich zu einem neuen Psychotherapeuten weiter. Bei der Diagnostik ist folgender Befund entstanden:

bipolare-II Störung (F31.8)
Ängstlich-vermeidende (selbstunsichere) Persönlichkeitsstörung (F60.6)

Die Systemische Therapie selbst mache ich jetzt seit drei Einheiten und bislang bin ich vom Ansatz sehr angetan. Vergleichbare Gefühle, hatte ich zu Beginn meiner ersten zwei Therapien auch („endlich hört mir jemand zu“). Allerdings hat es mein jetziger Therapeut geschafft, mir binnen kürzester Zeit die Augen zu öffnen, mir bewusst zu machen, dass Psychopharmaka nichts für die Ewigkeit sein sollten und meine Diagnose eigentlich nur ein Versuch ist, das für andere nicht Fassbare fassbar zu machen, ein Versuch das persönliche zu verallgemeinern. Irgendwo so banal, dass ich mich frage, wie ich nicht selbst habe draufkommen können. Wie ich sieben Jahre lang Tabletten einwerfen konnten und es nicht wagte, die schulmedizinischen Dogmen zu hinterfragen.
Die Ereignisse der letzten Wochen haben in mir zu einem radikalen Umdenken geführt. Tatsache ist, dass ich über die Jahre, bereits seit der Jugend, meinen Körper verflucht habe. Mir hat so viel nicht gepasst an mir, dass ich mich zunehmend von meinem Körper und damit im Endeffekt von mir selbst entfremdet habe. Die bipolaren Phasen stellen dabei nur einen Teil dar, wurden mit Beginn der Behandlung allerdings zum einzig Bösen hochstilisiert, ohne dass sie mich jemals wirklich eingeschränkt haben. Natürlich gab es Phasen, in denen es mir dreckig ging. Natürlich gab es Phasen, in denen ich mich zurückgezogen habe. Doch mir war immer klar, dass ich nach morgen, übermorgen oder überübermorgen wieder am Damm bin und mein Leben dann wieder in geordnete Bahnen zurückkehrt. Das Einzige was mir damals wirklich gefehlt hat, waren die Werkzeuge, um mit solchen Phasen angemessen umzugehen und die Fähigkeit, das Positive daran zu sehen und sie zu nützen! Denn wenn ich so alleine in meinem depressiv-dunklen Loch sitze, wird mir vieles über mir selbst erst richtig bewusst. Es ist eine Art Selbstreinigung und diese zu unterbinden, hat mich dorthin gebracht, wo ich bis vorkurzem war: In die komplette Selbstverleugnung.
Die wahren Probleme die ich habe, sind nicht durch Medikamente zu lösen, sie sind und werden nie die Werkzeuge sein. Eine Tablette, die mir die Angst nehmen soll, macht das nur für ein paar Stunden und kann niemals dorthin vordringen, wo wirklich gearbeitet, wo nach einer Lösung gesucht werden muss. Ab dem Zeitpunkt, an dem ich damit angefangen habe diese Psychopharmaka über einen längeren Zeitraum zu nehmen, war es unmöglich, diese Probleme zu lösen, da ich jegliche Verantwortung an die Substanzen abgetreten habe (was, wie bereits oben erwähnt, natürlich auch an mir gelegen hat). Das diese Medikamente dann noch zusätzlich Nebenwirkungen verursachen und einen solchen Selbstheilungsprozess nur weiter unterdrücken und Symptome sogar noch verschlimmern, kann man nur als Irrwitz bezeichnen.
Ich kenne mich mit psychischen Erkrankungen allgemein viel zu wenig aus und will daher auch klarstellen, dass das eine reine Selbstanalyse ist. Mir ist bewusst, dass bipolare Störungen – und natürlich auch andere neurologische Erkrankungen - viel mehr ins extreme gehen können, als es bei mir der Fall ist. Ich zweifle auch nicht daran, dass Psychopharmaka situativ Sinn machen, denn ich habe es ja selbst erlebt. Allerdings empfinde ich diese Medikamente als so extrem in ihrer Wirkung, dass der Umgang damit in meiner bisherigen Behandlung viel zu locker und langwierig war. Teilweise monatlich Dosierungen zu ändern, neue Medikamente zu verschreiben und wiederum andere abzusetzen, alles Begründet auf der Basis, wie es mir die vergangenen 30 Tage gegangen ist und das über Jahre. Ob man eine solche Vorgangsweise als richtig empfindet, sei jedem selbst überlassen.
Und jetzt komme ich auch langsam zum Abschluss. Im Moment nehme ich folgende Medikamente:

Lamutrigin (150mg)
Burpropion (150mg)
Mirtazapin (30mg)
Escitalopram (10mg)

Bei meinem letzten Facharzttermin, haben wir das Escitalopram auf 20mg erhöht. Das führte bei mir zu noch stärkeren Angstgefühlen und heftigen Schweißausbrüchen. Vor ersterem wurde ich gewarnt, das sollte aber nach zwei Wochen vergehen. Wie dem auch sei, mir waren die Auswirkungen zu extrem, da ich nicht einmal mehr eine Einkaufsrunde machen konnte, und habe die Dosis nach sieben Tagen wieder auf 10mg heruntergesetzt.

Für mich ist mittlerweile klar, dass ich von allen Medikamenten weg will, da ich mich nicht als krank empfinde, sondern die Medikamente mich über Jahre krank gemacht haben. Von meinem Therapeuten habe ich für das Vorhaben ganz klar Unterstützung erfahren und mit meiner Ärztin werde ich beim nächsten Termin in drei Wochen darüber reden.

Aktuell tunt sich folgende Fragen auf:
Soll ich mit dem Ausschleichen bereits jetzt schon beginnen, ohne meine Psychiaterin darüber zu konsultieren? Prinzipiell würde ich damit lieber heute als morgen anfangen, da ich dieses Gift nicht mehr zu mir nehmen will.
Was für ein Gefühl habt ihr, nachdem ihr meien Geschichte gelesen habt? Ist die Entscheidung in meiner Situation die Medikemente abzusetzen aus eurer Erfahrung eine gute?
Wie bewerten ihr meine Krankengeschichte? Habt ihr ähnliche Erfahrungen gemacht oder reagieren ich in gewissen Aspekten etwas über?


Symptome die aktuell existent sind, die sich teilweise bereits über Jahre hinziehen und bei denen ich die Möglichkeit in Betracht ziehe, dass sie durch Psychopharmaka ausgelöst wurden:

Sehr starkes Schwitzen: Die Intensität wird durch verschiedene Einflüsse bestimmt. 1) Tagestemperatur 2) Temperaturumschwünge (z.B. im Winter von draußen in einen geheizten Raum kommen) 3) Unsicherheit im Sozialleben 4) Beklemmungsgefühle (öffentliche Verkehrsmittel oder Situationen in denen ich nicht einfach gehen kann, wie beim Friseur) 5) Das Gefühl beobachtet und bewertet zu werden. Das Schwitzen ist die ersten drei, vier Jahre nur am Rücken wirklich stark aufgetreten. Danach mehr und mehr am gesamten Oberkörper und mittlerweile an eigentlich allen Körperregionen, wobei es am Rücken und auch unter den Achseln immer am stärksten ist. Wenn ich an anderen Körperregionen schwitze, dann passiert das meist aus dem Grund, dass ich denke, dass ich an dieser Region nicht schwitzen darf. Zwei Beispiele: Früher habe ich mir für einige Jahre übers Hemd ein Jackett angezogen, womit das Thema eigentlich erledigt war, da man dieses nicht durchschwitzen kann. Aber irgendwann begann ich dann ausschließlich in diesem Setting auch am vorderen Oberkörper zu schwitzen. Im zweiten Beispiel kann es vorkommen, dass ich am Hosenboden anfange zu schwitzen, wenn ich für längere Zeit wo sitze. Natürlich bedingt durch den Initialgedanken, dass ich dort jah nicht zum Schwitzen beginnen darf.
Wenn ich entspannt bin, das ist eigentlich nur zuhause, tritt das Schwitzen nie auf, da könnt ich auch zehn Runden durch die Wohnung laufen.
Über die letzten Jahre habe ich zudem begonnen, dass ich bei fast allen sozialen Anlässen Alkohol trinke, da es das Gedankenkreisen einschränkt, mich beruhigt, und somit auch das Schwitzen aufhört. Diese Dynamik würde ich sehr gerne aus meinen Leben bekommen, da sie sich in vielerlei Hinsicht negativ darauf auswirkt.

Gedankenkreisen: Ich weiß nicht mehr genau, wann das Gedankenkreisen begonnen hat, aber ich nehme an, mit der ersten großen Depression 2011 knapp vor oder nachdem ich erstmals Medikamente genommen habe. Auf alle Fälle verfolgt es mich seitdem ständig und kann in Druck-, Angstsituationen sehr stark werden. In diesen wird es dann teilweise auch unmöglich den banalsten Dingen zu folgen, da ich nur mehr selbstbezogene, negative Gedankensprünge habe. Im „Normalzustand“ bin ich permanent mit mir selbst beschäftigt, komm von einem Gedanken zum nächsten, ohne einen bis zum Ende zu denken.
Anspannung, Nervosität, innere Unruhe: Über den Tag gesehen, gibt es nur wenige Phasen, in denen ich diese Symptome ablegen kann. Ich wende seit drei Wochen Entspannungs- und Atemübungen an, nach denen sich diese Zustände für zwei, drei Stunden beruhigen (ist in etwas so, als würde man ein volles Glas ausleeren und dann wieder unter den leicht laufenden Wasserhahn stellen). Außerdem hilft mir Sport den Fokus zu schärfen.

Gedämpftes Selbstbewusstsein: Das ist eigentlich das, was man mir, und ich mir selber, über die Jahre als „ausgeglichene Stimmung“ verkauft hat/habe. Und ich meine damit nicht die Selbstsicherheit, sondern meine Selbstwahrnehmung, die Wahrnehmung meiner Gefühlswelt. Mir geht es eigentlich gut, keine Anzeichen von Depression, aber ich empfinde keine Lebensfreude, sondern überwiegend Gleichgültigkeit, weil ich keinen Zugang zu mir finde und Emotionen stark unterdrückt werden. Gleichzeitig habe ich das Gefühl, dass diese Emotionen in Wirklichkeit aus mir rauswollen, was wahrscheinlich wieder zur Unruhe führt.

Leichte Übelkeit: Es gibt Tage, an denen mir im Verlauf übel wird. Ich könnte mir vorstellen, dass das mit der anhaltenden Anspannung zu tun hat.

Depressive Tage im Monat: Wie bereits angesprochen, haben die Medikamente in dieser Hinsicht von Beginn an nicht ihren Zweck erfüllt, sondern Schwankungen verursacht, die vorher nicht da waren. Waren es vor der Behandlung ca. vier depressive Tage im Monat sind es jetzt bis zu zehn. Es kann allerdings auch vorkommen, dass ich einen Monat kaum depressive Tage habe (wie vor der Behandlung). Die Anzahl depressiver Tage hat über einen längeren Zeitraum gesehen jedoch massiv zugenommen.
Müdigkeit: An den meisten Tagen fühle ich mich unausgeschlafen, obwohl ich mindestens acht Stunden schlafe. Ein Gefühl, dass ich vor der Behandlung wesentlich seltener hatte.

Mundtrockenheit: Es gibt Tage, an denen mein Mund dauertrocken ist und ich sehr viel Wasser trinke (5-7 Liter).
Als letzten Punkt will ich noch Schritte aufzählen, die ich abseits des medikamentösen Weges gesetzt habe, um diesen Symptomen entgegenzutreten. Für weitere Vorschläge bin ich mehr als offen. 😊

Globoli und Bachblütentropfen: Gegen die Nervosität. Kann ich nur eine leichte Wirkung erkennen, die in keinem Vergleich zu Xenor und ähnlichen Präparaten steht. Dafür spüre ich keinerlei Nebenwirkungen.
Salbeikonzentrat Tabletten: Gegen das Schwitzen. Verwende ich erst seit wenigen Tagen, aber ich denke nicht, dass sie helfen werden, da das Schwitzen zu einem großen Teil psychosomatisch ist.

Leinöl: Für mehr Antrieb und Energie. Finde ich eine durchaus positive Ergänzung zum Ernährungsplan und trinke ich bereits seit vielen Monaten.

Low-Carb: Ich ernähre mich seit 2015 ca. meist Low-Carb. Davor waren eigentlich in jeder Mahlzeit massig Kohlenhydrate vertreten und das hat sich zum einen negativ auf meine Verdauung und zum anderen auf mein Hautbild ausgewirkt. Insgesamt fühle ich mich durch die Ernährungsumstellung wesentlich wohler, auch wenn sie relativ fleischlastig ist (aber nicht sein muss!), da sehr viel vegetarisches Fastfood wegfällt.

Kalt duschen: Mache ich seit zwei Monaten und ich finde es absolut großartig. Ich fühle mich wacher und besser gelaunt. Zudem soll es gut für die Haut sein und das Immunsystem stärken. Kostet zwar anfangs Überwindung, aber zahlt sich aus.

Laufen und Trainieren: Wenn ich nicht stark depressiv bin oder sonst verhindert, mache ich täglich Sport. Ich werde dabei wesentlich entspannter und kann mich auf die körperliche Anstrengung konzentrieren. Beim Laufen kann schwitzen und mir steht die Möglichkeit offen, schnell wieder nach Hause zurück zu rennen, wenn es erforderlich sein sollte. Insofern ist es für mich eine sehr gute und effektive Methode bedenkenlose rauszugehen.

Gaming-Rechner Verkauft: Vor kurzem habe ich meinen Computer verkauft, da ich deutlich zu viel Zeit damit verbrachte, Spiele zu spielen. Das Spielen war für mich wie eine Droge, da es das Gedankenkreisen eingrenzte und auch sonst dafür sorgte, dass ich entspannter bin. Aber es hatte halt auch seine Nebenwirkungen: Der soziale Kontakt litt enorm, ich war nicht motiviert, mich mit mir selbst zu beschäftigen und es führte zu starken Verspannungen. Mir geht es prinzipiell auf die Nerven auf etwas, egal ob Spiele, Zigaretten, Süßigkeiten etc. süchtig zu sein und tendiere zu radikalen Schritten, um Abhängigkeiten zu beenden.
Meditation: In den letzten Tage habe ich begonnen zu meditieren. Das verweist das Gedankenkreisen in die Schranken und ermöglicht es mir, mich auf einen spezifischen Gedanken zu fokussieren. Oft suche ich in mir auch nach dem Gefühl, dass mir im Moment die meiste Angst bereitet und versuche diese zu lösen, in dem ich sie zuerst akzeptiere und dann „mit ihr zusammen“ nach einer Lösung suche, indem ich sie kontrolliere (akzeptieren), in einen positiven Ausgang konvertiere und zum Abschluss kommandiere (ein klares Bild vom positiven Ausgang der Angstsituation erschaffen, auf das man im Ernstfall auch zurückgreifen kann). Das hat bislang sehr gut geklappt.

So, das war es vorerst mal. Ich schicke an alle aus dem ADFD Forum ganz liebe Grüße!
Daniel
Zuletzt geändert von Murmeline am Samstag, 14.07.18, 5:44, insgesamt 1-mal geändert.
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Absetzverlauf:
Escitalopram (Wasserlösmethode)
18.7.18 9mg
16.8.18 8mg
15.9.18 7mg
1.11.18 6mg
1.12.18 5mg
4.1.19 4mg

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escargot
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Re: Will sämtliche Psychopharmaka in Zukunft absetzen und würde mich über Meinungen zum Vorgehen und meiner Geshichte fr

Beitrag von escargot » Freitag, 13.07.18, 12:47

Lieber Daniel,

herzlich Willkommen!

Da nimmst du ja eine ganze Palette an Med ein. Verstehe das immer nicht (bei mir selbst auch nicht), warum es immer noch mehr und noch mehr sein müssen und kann deinen Wunsch alles abzusetzen gut nachvollziehen.

Ich meditiere auch seit Ca. 2 Jahren und habe einen MBSR-Kurs von Jon Kabat-Zinn besucht und das war für mich so ein Meilenstein in meiner psychiatrischen Vita und ich war seitdem auch nicht mehr stationär.
Es braucht aber viel Zeit und Übung das Ganze auch so richtig zu verinnerlichen und manchmal tue ich mich noch heute schwer das was da ist so anzunehmen, wie es nunmal ist.

Wünsche Dir jedenfalls alles Gute und lass mal ein Kraftpäckchen hier. Denn das wirst du brauchen...

liebe Grüße
escargot
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MurmelinepadmaDaniel89JamieNeale
DIAGNOSEN
02.2014-12.2016 Paranoid-halluzinatorische Schizophrenie
01.2017-heute schizoaffektive Störung
05.2017-Schizophrenes Residuum

MEDIKATION
=> Bedarf max. 2 mg Tavor! (selten)

Täglich :
Olanzapin 0,8 mg, Risperdal 1,5 mg, Tavor 1 mg
800 mg Magnesium
2 X 425 mg Passionsblume
Vitamin B12
....
► Text zeigen
01.12. 0,8 mg Olanzapin, 2 mg R, 1 mg T
Schlafprobleme, Geräuschkulissen, Angst
seit 13.12. fast symptomfrei, endlich Schlaf!! DP/DR
21.12. Schlafprobleme, Ängste
22.-26.12. Schatten!, starke Dissoziationen (DP/DR)
01.01.19 0,8 mg O, 1,5 mg Risperdal, 1 mg T
Schlafprobleme
02.01. über Stunden vernichtende Stimmen (verschwanden bei Brockenwanderung)!!

Daniel89
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Re: Will sämtliche Psychopharmaka in Zukunft absetzen und würde mich über Meinungen zum Vorgehen und meiner Geshichte fr

Beitrag von Daniel89 » Freitag, 13.07.18, 22:04

Hallo escargot,
vielen Dank für deine Antwort. :)

Aus heutiger Sicht hätten Medikamente auf kurze Zeit absolut ausgereicht, da der geregelte Tagesablauf und die angebotenen Therapien und Aktivitäten in meinen Augen den weit aus bzw. eigentlich den einzigen positiven Einfluss hatten. Aber mittlerweile sehe ich diese sieben Jahre wirklich positiv, da es Erfahrungen waren, aus denen ich als gestärkte Persönlichkeit herauskommen werde. Das Schlimme ist einfach, dass ich sehr viel Glück hatte die letzten Wochen und dieses Glück sehr vielen Betroffenen erst viel später oder nie zu Teil wird.

Danke für den Tipp mit dem MBSR-Kurs! Ich hab mich jetzt kurz dazu eingelesen, und es hört sich wirklich sehr interessant an und könnte mir bei meinen Angst- und Stressproblemen eine große Hilfe sein. Auch MBCT als "Rückfallprophylaxe" in depressiven Episoden ist sehr spannend. Ich fühle mich nach meinen "laienhaften" Meditieren immer so wohl, dass dies etwas ist, was ich auf jeden Fall weiterverfolgen und mehr nutzen werde.

@Admin: Ich hab noch zwei, drei Formatierungsfehler entdeckt, die ich gerne ausbessern würde. Und den Titel würde ich auch gerne etwas kompakter machen, wäre/ist das möglich?
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Re: Will sämtliche Psychopharmaka in Zukunft absetzen und würde mich über Meinungen zum Vorgehen und meiner Geshichte fr

Beitrag von escargot » Freitag, 13.07.18, 22:22

Hallo Daniel,

hätte man mich damals nicht gezwungen, hätte ich weder das Tavor noch das Olanzapin je angerührt. Wobei ich zugegebenermaßen zumindest ohne Tavor auch nicht aus der Psychose raus gekommen wäre. Hatte derart drastischen Schlafmangel.... da würde jede(r) "ver-ück" werden.

Ja MBSR kann sehr hilfreich sein nicht nur bei psychischen Erkrankungen!
Es freut mich ehrlich von deinem Glück zu lesen! Magst du mal erzählen? Ich bin neugierig! Überhaupt Glück empfinden zu können ist ganz groß und einfach nur toll!

Jede hat mal angefangen mit dem Meditieren und das Schöne ist, dass man gerade nicht vollkommen sein muss dazu auch jeder Makel willkommen ist und man ihn lediglich integrieren und annehmen können muss (in umgekehrter Reihenfolge).

Manchmal und manchmal sehr oft, schweifen meine Gedanken auch ab, aber ich sage mir dann, dass das vollkommen okay so ist, lasse sie kurz zu und dann ziehen, wie die Wolken am Himmel. Alles ist auch eine Frage der Übung und man wird immer erfahrener mit der Zeit und der Weg ist immer auch ein Stück weit das Ziel. So will ich das sehen.

Liebe Grüße
escargot
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Re: Will sämtliche Psychopharmaka in Zukunft absetzen und würde mich über Meinungen zum Vorgehen und meiner Geshichte fr

Beitrag von Murmeline » Freitag, 13.07.18, 22:23

Hallo!

Deinen Text kannst du nur eine kurze begrenzte Zeit selbst bearbeiten. Wäre es ok, wenn die Fehler stehen bleiben?

Titel: schrieb einfach deinen neuen Wunschtitel in deinem nächsten Beitrag, jemand von Team ändert dann ab.

Grüße, Murmeline
Erfahrung mit Psychopharmaka (Citalopram, langjährig Venlafaxin und kurzzeitig Quetiapin), seit Sommer 2012 abgesetzt
Hinweis: Das Team sorgt für die Rahmenbedingungen im Forum und organisiert den Austausch. Ansonsten sind wir selbst Betroffene und geben vor allem Erfahrungswerte weiter, die sich aus unserer eigenen Geschichte und aus Erfahrungen anderer ergeben haben.

Dein Behandler nimmt Absetzproblematik nicht ernst? Das geht anderen auch so, siehe hier
Einer Deiner Ärzte erkennt Probleme mit Psychopharmaka an? Dann berichte doch hier

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Re: Will sämtliche Psychopharmaka in Zukunft absetzen und würde mich über Meinungen zum Vorgehen und meiner Geshichte fr

Beitrag von Daniel89 » Samstag, 14.07.18, 0:09

escargot hat geschrieben:
Freitag, 13.07.18, 22:22
Hallo Daniel,

hätte man mich damals nicht gezwungen, hätte ich weder das Tavor noch das Olanzapin je angerührt. Wobei ich zugegebenermaßen zumindest ohne Tavor auch nicht aus der Psychose raus gekommen wäre. Hatte derart drastischen Schlafmangel.... da würde jede(r) "ver-ück" werden.
Könntest du mir deinen ersten Beitrag verlinken? Würde mich sehr interessieren.
escargot hat geschrieben:
Freitag, 13.07.18, 22:22
Es freut mich ehrlich von deinem Glück zu lesen! Magst du mal erzählen? Ich bin neugierig! Überhaupt Glück empfinden zu können ist ganz groß und einfach nur toll!
Mein größtest Glück war ehrlich gesagt meine Panikattacke am zweiten Kurstag der Ausbildung, die ich im Mai gestartet habe. Dadurch ist erst alles ins Rollen gekommen. Ich hab endlich einen Therapeuten gefunden, der den für mich als Person richtigen Ansatz vertritt. Bei den vorangegangen Therapien ist es vereinfacht gesagt darum gegangen, nach äußeren Einflüssen zu suchen, die Schuld an meinem "Zustand" sind (z.B. Eltern, Kindheit, Beziehungen oder nur darüber reden, wie die letzte Woche war). Meine jetzige Therapie rückt mich als Person in den Mittelpunkt, die Arbeit am mir im Jetzt steht im Fokus und nicht die Arbeit an dem ich-vor-zwanzig-Jahren oder vor einer Woche. Und ich fühle, dass ich durch dieses im Jetzt arbeiten viele kleine Erfolge erreiche, die sehr viel positive Energie freisetzen. Ich hatte in den letzten Tagen sehr heftige Angstzustände (durch die Erhöhung des Escitaloprams) und konnte kaum außer Haus gehen. Früher haben mich solche Erlebnise schwer getroffen und ich war verzweifelt. Plötzlich kann ich ihnen mit Stärke begegnen, ich spüre die Energie mich weiter mit diesen Zuständen auseinander zu setzen - anstatt mich wie bisher zu verkriechen.
Das alles hat dazu geführt, dass ich wieder vermehrt ins Sozialleben eintauche (u.a. dieses Forum) und endlich wieder Freunde regelmäßig sehe(n) (kann und will). Und plötzlich verspüre ich das Bedürfnis, mit Freunden und Familie über die Ereignisse der letzten Jahre zu sprechen - was früher undenkbar war, weil ich gar nicht wusste, was eigentlich los ist mit mir und ich mich geschämt habe ich zu sein. Aber seitdem ich über meine Erlebnise spreche, bekomme ich nur Unterstützung und viele Freunde von mir sind so gar glücklich darüber, da sie sich auch endlich einiges von Seele reden können. Kurz: Ich fühle mich nicht mehr allein mit meinen Problemen und das gibt mir Sicherheit.
Und das positivste der letzten Wochen ist einfach, dass ich wieder eine Frau kennen gelernt habe. Auch wenn alles sehr frisch ist und irgendwie auch ein wenig angsteinflößend; endlich wieder Zuneigung und Geborgenheit empfinden zu können nach so vielen Jahren, ist eine wunderschöne Sache, ganz egal, wie es am Ende ausgeht.

escargot hat geschrieben:
Freitag, 13.07.18, 22:22
Manchmal und manchmal sehr oft, schweifen meine Gedanken auch ab, aber ich sage mir dann, dass das vollkommen okay so ist, lasse sie kurz zu und dann ziehen, wie die Wolken am Himmel.
Das empfinde ich auch so :) Manche Gedanken sind auf der Durchreise und andere gerngesehene Gäste.




Murmeline hat geschrieben:
Freitag, 13.07.18, 22:23
Hallo!

Deinen Text kannst du nur eine kurze begrenzte Zeit selbst bearbeiten. Wäre es ok, wenn die Fehler stehen bleiben?

Titel: schrieb einfach deinen neuen Wunschtitel in deinem nächsten Beitrag, jemand von Team ändert dann ab.

Grüße, Murmeline
Hallo Mumeline,
ist kein Problem. Als neuen Titel dachte ich mir: "Falsche Indikation. Will sämtliche Antidepressiva absetzen." Das ist dann etwas spezifischer. Danke dir!
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Re: Daniel89: Falsche Indikation. Will sämtliche Antidepressiva absetzen.

Beitrag von Ululu 69 » Samstag, 14.07.18, 17:09

Hallo Daniel,

ich habe mir deine Geschichte jetzt komplett durchgelesen. :)

Du hast einen langen, steinigen Weg hinter dir. Für mich klingst du aber sehr klar und reflektiert und du scheinst auf einem guten Weg zu sein.

Es dauert wohl oft etwas länger bis man die Therapie findet, die für einen selbst hilfreich ist.
Mir ging es auch so, dass ich am ehesten von einer Verhaltenstherapie profitieren könnte.
Ich hatte allerdings auch eine sehr "normale" Kindheit und fand immer, dass es da nichts aufzuarbeiten gibt.
Viel wichtiger war, Strategien zu erlernen, wie ich mit Angst, Panik und Katastrophengedanken umgehen kann.

Ich denke, dass du persönlich auf jeden Fall von einer Reduzierung deiner Medikamente profitieren könntest. Gerade diese Gefühle Abflachung, die auch du beschreibst, ist eine typische Wirkung der Psychopharmaka. So gut wie jeder hier im Forum kennt das.

Um möglichst Symptomfrei abzusetzen solltest du dich in die Grundsatzinformationen einlesen.

viewtopic.php?f=18&t=12880

Herzlich willkommen noch von mir und ich wünsche dir einen guten Austausch.

LG Ute
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Re: Daniel89: Falsche Indikation. Will sämtliche Antidepressiva absetzen.

Beitrag von Jamie » Samstag, 14.07.18, 19:29

Hallo Daniel,

willkommen im Forum :).

Bei mir wurde in meinem Leben Wesentliches besser, als ich aufhörte nach irgendwelchen Ärzten, Therapien oder Medikamenten zu suchen, die mir mein Leid (und mein Leben) angeblich erträglicher machen würden.

Wichtig war auch, dass ich mir von meinem Umfeld verbat, mich weiter diesbezüglich zu drangsalieren (ich bekam bis zum Schluss gesagt, ich hätte mich nicht genug angestrengt usw :evil: ).

Ich hatte bis 2013 12 Jahre nach Strategien gesucht mit meiner nicht enden wollenden Insomnie klarzukommen und nichts hatte geholfen bis auf Benzos, die 3 Wochen wirkten und dann war ich abhängig und sie wirkten 8 Jahre nicht mehr :o .
So konnte es nicht weitergehen und ich wollte auch nicht mehr. Es brachte mich an den Abgrund meiner Existenz.

Als die Suche begann sich auf mich zu konzentrieren statt in der Medizin mein Heil zu suchen, wurde es langsam besser.
Ich begann Ratgeber und spirituelle Bücher zu lesen, fing an mich mit Meditation und Achtsamkeit zu befassen, entwickelte mehr geistiges Bewusstsein, Reife und Liebe.
Ich begann Techniken wie Autogenes Training, der Sichere Innere Ort, Bodyscan mit Farben zu verinnerlichen und stieß am Ende auf Eckhart Tolles Hörbuch "Jetzt! Die Kraft der Gegenwart", was mein ganzes Sein veränderte - zum Positiven hin.

Ich kann dich nur beglückwünschen zu all den Erkenntnissen, die du mittlerweile gewonnen hast, denn ich bin mir sicher, es ist der richtige Weg!

Zum Schwitzen noch einen Satz: Schwitzen kann man schlecht beeinflussen, wer sich davor ängstigt, hat Angst vor Kontrollverlust und Peinlichkeit.
Doch was kann schlimmstenfalls passieren?
Schlimmstenfalls: Du schwitzt alles durch und die Leute reden hinter vorgehaltener Hand über dich?
Mehr als das kann nicht passieren und wenn du in deinem Inneren dich ein wenig heil fühlst, kann dir all das nichts anhaben.
Man stirbt nicht und andere schwitzen auch.
Sei also sanfter, entspannter und nachsichtiger zu deinem Körper und deiner Psyche.

Du kannst, wenn es dir sehr unangenehm ist, ja einen Rucksack mit Wechselkleidung mitnehmen und gegen Schweißgeruch ein gutes Deo oder Natronpulver, falls du es lieber alternativ magst, nutzen.
Es kann dir nichts anhaben, wenn du ihm nicht die Macht darüber gibst, dir etwas anhaben zu
können.


:)

Bitte denke über diesen Satz nach. :)

PS. die Salbeitabletten kannst du dir schenken; bei dieser Form des Schwitzens greifen sie nicht und das hast du ja selbst bereits erkannt.

Viele Grüße
Jamie
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:arrow: Eure Mithilfe ist gefragt - wer benutzt die Wasserlösemethode?


:!: mein Erfahrungsbericht (AD absetzen / erzwung. Kaltentzug / SSRI / Akathisie): viewtopic.php?f=51&t=12478


Meine PN-Funktion ist deaktiviert. Ich danke für euer Verständnis.

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Re: Will sämtliche Psychopharmaka in Zukunft absetzen und würde mich über Meinungen zum Vorgehen und meiner Geshichte fr

Beitrag von escargot » Samstag, 14.07.18, 23:07

Daniel89 hat geschrieben:
Samstag, 14.07.18, 0:09
Könntest du mir deinen ersten Beitrag verlinken? Würde mich sehr interessieren.
Lieber Daniel,

weiß leider nicht genau, was du meinst. Bin auch noch ziemlich neu hier... :schnecke:

auch weiß ich ehrlicherweise nicht, wie verlinken hier geht (bin auch zu 95 % mit dem Handy nur hier und ein Technikidiot sondergleichen).

Liebe Grüße
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Re: Daniel89: Falsche Indikation. Will sämtliche Antidepressiva absetzen.

Beitrag von Gwen » Sonntag, 15.07.18, 20:38

Hallo Daniel, Hallo Escargot,

hier ist escargots Thread: https://adfd.org/austausch/viewtopic.php?t=15372 (ich vermute, dass Du den meinst). Wenn Du den Thread von jemanden suchst, kannst Du am einfachsten auf den jeweiligen Namen oben über einem Beitrag klicken. Dann bekommst Du die Profilseite desjenigen angezeigt. Ganz unten steht der Thread, in dem derjenige am meisten geschrieben hat. Meist ist das der eigene.

Viele Grüße Gwen
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Re: Daniel89: Falsche Indikation. Will sämtliche Antidepressiva absetzen.

Beitrag von Daniel89 » Sonntag, 15.07.18, 20:59

Vielen Dank für all eure Beiträge und eure Unterstützung! :)
Ululu 69 hat geschrieben:
Samstag, 14.07.18, 17:09
[...]
Du hast einen langen, steinigen Weg hinter dir. Für mich klingst du aber sehr klar und reflektiert und du scheinst auf einem guten Weg zu sein.
[...]
Viel wichtiger war, Strategien zu erlernen, wie ich mit Angst, Panik und Katastrophengedanken umgehen kann.
[...]
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Liebe Ute,
danke, dass du dir die Zeit genommen hast und für die netten Worte :) Mit den bisher erlernten Strategien, habe ich nach einem Monat bereits mehr Erfolge feiern können, als nach sieben Jahren medikamentöser Behandlung. Ich werde diesem Weg auf jeden Fall die Treue halten. Und danke für den Link! Ich beginne kommende Woche mit dem Ausschleichen mit Hife der Wasserlösmethode. Werde aber vorher noch möglichst viel zu dem Thema hier im Forum lesen, um mir die Sorgen diesbezüglich zu nehmen. Es gibt ja wirklich schon sehr viel Informationen, die hier gesammelt wurden, wofür man in unserer Situation nur dankbar sein kann!
Jamie hat geschrieben:
Samstag, 14.07.18, 19:29
[...]
Ich begann Techniken wie Autogenes Training, der Sichere Innere Ort, Bodyscan mit Farben zu verinnerlichen und stieß am Ende auf Eckhart Tolles Hörbuch "Jetzt! Die Kraft der Gegenwart", was mein ganzes Sein veränderte - zum Positiven hin.
[...]
Zum Schwitzen noch einen Satz: Schwitzen kann man schlecht beeinflussen, wer sich davor ängstigt, hat Angst vor Kontrollverlust und Peinlichkeit.
[...]
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Du kannst, wenn es dir sehr unangenehm ist, ja einen Rucksack mit Wechselkleidung mitnehmen und gegen Schweißgeruch ein gutes Deo oder Natronpulver, falls du es lieber alternativ magst, nutzen.
Hallo Jamie,
danke für deine Tipps! Ich spüre in mir aktuell den Drang das Training an meinem Ich zu intensivieren und gehe daher jedem Hinweis mit größtem Interesse nach :)
Beim Schwitzen ist es glaube ich tatsächlich zu einem Großteil oder gänzlich eine psychische Sache und keine körperliche. Als ich letztens am Weg zur Therapie war (mit der U-Bahn), hatte es 28C und ich hab keinen Tropfen geschwitzt, weil ich so eine innerliche Ruhe spürte. Bei der Rückfahrt, wurde ich dann etwas unruhiger und da hat es dann auch wieder leicht begonnen. Es ist irgendwie immer eine Frage der "Tagesverfassung". Es hat auch geholfen, dass ich Wechselgewand einstecken hatte :) Unter den Achseln verwende ich ein sehr starkes Aloe Vera Deo, mit dem sich, alle drei Tage angwendet, das Schwitzen eingestellt hat.
Jamie hat geschrieben:
Samstag, 14.07.18, 19:29
Es kann dir nichts anhaben, wenn du ihm nicht die Macht darüber gibst, dir etwas anhaben zu
können.
Das zu verinnerlichen ist bestimmt eine der größten Aufgaben, die ich vor mir habe. Ich habe bislang ein paar mal probiert ohne Unterhemd spazieren zu gehen oder mit der U-Bahn zu fahren, um mich selbst zu testen - herauszufinden, welche Einflüsse die Ängste auslösen. Mir ist zwar bewusst, dass es gerade wenn ich unter vielen Menschen bin stärker wird bzw. erst dann anfängt. Aber auf die Details meiner Ängste bin ich bislang nicht gestoßen. In diesen Situationen entsteht im Kopf eine solche Unruhe und so ein Durcheinander, dass es schwer ist, dem weiter nachzugehen.
escargot hat geschrieben:
Samstag, 14.07.18, 23:07
Lieber Daniel,

weiß leider nicht genau, was du meinst. Bin auch noch ziemlich neu hier... :schnecke:
Hallo escargot,
ich meinte deine "Vorstellung", da mich deine Geschichte näher interessiert. Sorry, dass ich mich so undeutlich ausgedrückt habe :) Ich habe deinen Beitrag schon gefunden!


Ich hab die letzten Tage versucht, zum Thema Absetzen möglichst viel zu lesen, aber natürlich noch längst nicht alles geschafft, was für den Anfang wichtig wäre. Daher habe ich zwei Fragen:

Ist es nur zu empfehlen, ein Medikament nach dem anderen komplett abzusetzen, oder auch eine Option, dass man vorerst die Dosierung eines Medikaments nach dem anderen halbiert? Z.B. Woche 1-20 von Lamictal 100mg auf 50mg und Woche 20 - 40 Wellbutrin von 150mg auf 75mg.

Gibt es ein bestimmtes Medikament, welches ihr mir fürs erste Mal Ausschleichen empfehlen würdet? Habe bislang nur oberflächlich gelesen, dass viele mit Mirtazapin Probleme haben dürften? Generell würde ich ja gerne Wellbutrin oder Escitalopram zuerst absetzen, da ich die leise Hoffnung habe, dass das Schwitzen dann aufhört. Wellbutrin hatte ich sogar schon mal abgesetzt, kann mich aber nicht mehr daran erinnern...
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Beitrag von escargot » Sonntag, 15.07.18, 21:13

Hallo Daniel,

ein Medikament nach dem anderen ausschleichen! Sonst weißt du gar nicht was woher kommt von deinen Absetzsymptomen und es ist noch mehr Stress als ohnehin schon. Dein Brain muss eine enorme Anpassungsleistung vollbringen.
Und vor allem nicht gleich halbieren. Hier ist immer von 5 - 10 % alle 4 - 6 Wochen die Rede.

Aber die anderen können dir wahrscheinlich noch besser Tipps geben,was zuerst dran sein sollte....

gut, dass du meinen Thread auch so gefunden hast! Danke für dein Interesse!

Liebe Grüße
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Beitrag von Daniel89 » Sonntag, 22.07.18, 11:19

Hallo!

Ich habe mir gedacht, mal ein kurzes Update zur aktuellen Lage zu verfassen, das tut immer gut. :)

Ich bin jetzt seit fünf Tagen dabei Escitalopram (von der Firma +pharma) abzusetzen. Dazu verwende ich eine geteilte 20mg Tablette (lässt sich gut teilen) und löse sie in 100ml Wasser auf. Anschließend ziehe ich 10ml raus. Nehme also aktuell 9mg zu mir und habe vor, das mal die nächsten vier Wochen zu tun.

Aktuell ist es etwas schwer von Absetzsymptopmen zu sprechen, da die Symptome bereits vor der Reduktion aufgetreten sind. Aber ich vermerke alle Symptome seit wenigen Tagen in meinem Stimmungskalender, um den Überblick zu behalten. Nach dem Aufstehen warte ich immer ein wenig, bis ich die Medikamente (150mg Welbutrin, 50mg Lamutrigin, 9mg Escitalopram) nehme und habe das Gefühl, dass es mir in der Zeit am besten geht.

Die Ängste haben über die letzten Tage leider wieder stark zugenommen, weshalb ich vielen Aktivitäten aus dem Weg gehe. Ausschlaggebend ist vor allem das starke Gedankenkreisen der letzten Tage, was mich nicht zur Ruhe kommen lässt und eine Übelkeit in der Magenregion erzeugt. Gestern hatte ich dann in Schüben auftretende Hitzewallungen und permanente Mundtrockenheit.

Am (kühlen) Abend wollte ich dann einen Freund besuchen, der gleich in der Nähe zu mir wohnt. Als ich vorm Haustor stand, konnte ich einfach nicht eintreten. Wir sind dann eine Stunde spazieren gegangen und haben zwei Bier getrunken, was angenehm war. Allerdings schwitzte ich mir die sprichwörtliche Seele aus dem Leib, was der Nervosität nicht dienlich war.

Wie bereits in einem vorherigen Post angesprochen, habe ich vor Wochen eine Frau kennen gelernt. Die Dinge habem sich leider etwas seltsam bzw. unerwartet entwickelt und ich fühle mich seit ein, zwei Wochen in der Warteschleife. Ich habe mit ihr auch schon darüber gesprochen, dass ich Klarheit brauche, wie es weitergeht, doch bislang weiß sie das selber nicht. Ich glaube, dass davon sehr viel Unsicherheit in mir rührt und das Gedankenkereisen befeuert wird.

Mein aktuelles Ziel ist es einer Selbsthilfegruppe beizutreten. Ich habe auch bereits eine bei mir in der Nähe gefunden. Mit meinen aktuellen Angstzuständen im Bewusstsein, kann ich mir aber nicht vorstellen, in einem geschlossenen Raum mit mir Unbekannten zu verbringen.

Ich werde jetzt täglich Calmedoron (Globoli) nehmen, vielleicht hilft es mir ein wenig bei den Ängsten.

Meine Stimmung ist trotz aller Vorkommnisse sehr stabil und ich bleibe aktiv. Das gute Grundgefühl besteht also weiterhin. :)

Alles Liebe!
Daniel
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Re: Daniel89: Falsche Indikation. Will sämtliche Antidepressiva absetzen.

Beitrag von escargot » Sonntag, 22.07.18, 22:53

Lieber Daniel,

ich hatte das selbe "Problem" mit dem Erstkontakt in der Selbsthilfegruppe und habe mir eine Begleitung organisiert.

Vielleicht geht das bei dir auch? Und bei mir letzte Woche gab es eine kurze Vorstellungsrunde und ich habe es kurz erklärt und sie durfte bleiben (sonst wäre ich auch wohl wieder gegangen)...

nächste Woche versuche ich es allein. Aber war auch schon bei Trialogseminaren, aber kannte immer mindestens einen weiteren Teilnehmer und die Leitung.

Das mit der Frau ist ja etwas ärgerlich! Hoffe es klärt sich da noch, da so ungeklärte Verhältnisse immer doof sind gefühlsmäßig auch finde ich.

Schöne Grüße
escargot
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22.-26.12. Schatten!, starke Dissoziationen (DP/DR)
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Schlafprobleme
02.01. über Stunden vernichtende Stimmen (verschwanden bei Brockenwanderung)!!

Daniel89
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Re: Daniel89: Falsche Indikation. Will sämtliche Antidepressiva absetzen.

Beitrag von Daniel89 » Dienstag, 07.08.18, 0:47

Hallo ihr Lieben,

in den letzten zwei Wochen ist so einiges passiert und es geht weiterhin bergauf.

Mit Bergaufgehen will ich auch gleich beginnen: Vorletztes Wochenende war ich drei Tage mit Freunden wandern, was mir sehr gut getan hat. Besonders die Ruhe war sehr erholsam und das Gedankenkreisen wie weggeblasen. In aller Ruhe wieder mal etwas von Anfang bis Ende durchzudenken, war für mich beinahe ein Ereignis. :) Am ersten Tag habe ich beim Abendessen noch etwas Nervosität in mir gespürt, die ich aber gut unter Kontrolle bekommen habe. Die restliche Zeit war ich dann sehr locker und ich habe Landschaft, Ruhe und Gesellschaft genießen können.

Während der Autofahrt retour habe ich dann irgendwie schon gespürt, dass der Stress zu Hause auf mich wartet. Das alles hat mir zu denken gegeben - vielleicht bin ich doch kein 100%-Stadtkind, wie ich immer angenommen habe? Der permanete Lärm, die ganze Aufregung ringsherum setzt mir öfters wirklich zu. Hinzu kommt, dass ich momentan innerstädtisch und straßenseitig wohne; Einkaufsstraße ums Eck, eingekässelt von Hauptverkehrsstraßen - immer Trubel, wenn ich das Haus verlasse. Und dann halt noch drei Gastgärten direkt unter meinem Fenster, also abends ein permanentes Gesprächs-Mischmasch bis 23:00. An früher schlafen ist da im Sommer nicht zu denken und ich freue mich jeden Montag sechs Tage lang auf die Sonntagsruhe.

Als ich mich vor ein paar Tagen nachts mit einem Freund treffen wollte, ist mir der Lärm dann richtig in den Kopf gefahren. Bereits bevor ich das Haus verlassen habe, fühlte ich mich etwas angestrengt/unwohl und war dann leicht "angreifbar". Das ist mir bereits öfters aufgefallen. Ich hab mich dann in einen nahegelegenen Park zurückgezogen, Bier getrunken und bin langsam wieder zur Ruhe gekommen.

Das bringt mich auch schon zum nächsten Thema: Alkohol. Wie schon mal erwähnt, greife ich gerne zu Bier, Schnaps und Konsorten, um meine Nerven etwas zu beruhigen. Durch den Alkoholkonsum legen sich dann meistens auch die Schweißausbrüche. Insofern ist der Alkohol sehr häufiger Begleiter, wenn ich Freunde treffe und unter Menschen gehe. Ein Faktum, welches mir am Keks geht. Ich will nicht auf Alkohol angewiesen sein, um unter Leute zu kommen, denn das macht mich zu einem "Konflikttrinker". Und das bedeutet, dass zwar keine körperliche aber eine psychische Abhängigkeit vorliegt.

Hinzu kommt, dass ich bzgl. Alkoholismus ein gebranntes Kind bin, da meine Eltern beide Alkoholiker sind (auch wenn sie es nicht wahrhaben wollen). Mein Vater greift meist schon morgens zur Flasche, meine Mutter ist im Schnitt fünf Tage die Woche abends leicht bis stark betrunken. Ein Umstand, der eigentlich seit jeher Normalität ist (so wie Alkoholkonsum seit jeher für mich Normalität ist), da beide mit ihrer Sucht noch nie ernsthaft (konstruktiv) konfrontiert wurden. Vorallem der starke Konsum meiner Mutter macht mir zu schaffen, da ich mich fast täglich damit auseinandersetzen darf. Zu meinem Vater hingegen habe ich schon gut zwei Jahre so gut wie keinen Kontakt (auch weil ich mir dieses Selbstbelügen nicht mehr länger ansehen wollte).
Ehrlich gesagt, fühle ich mich mit dieser Situation überfordert und (familiär) alleingelassen. Als Kind habe ich meine Eltern immer in Schutz genommen, bin dann mit 18 ausgezogen, da ich mit ihren Problemen nichts mehr zu tun haben wollte und eigentlich will ich das auch jetzt nicht...

Was ich in dem Zusammenhang noch interessant fand, war, dass mein Therapeut meinte, dass eine bipolare-störung oft mit einem gestörten Vaterbild zusammenhängt. Dieses ist bei mir seit früher Jugend negativ - auch wenn er ein sehr lieber Mensch ist, war er nie fähig Verantwortung zu übernehmen und Stärke zu demonstrieren. Im prinzip habe ich ihn immer als schwach empfunden.
Oft habe ich das Gefühl, ohne Vater aufgewachsen zu sein, obwohl ich ihn oft gesehen habe. Ich denke schon, dass das mein Selbstbild früh geschwächt hat und kann der Theorie meines Therapeuten durchaus was abgewinnen, da meine ersten "Stimmungsschwankungen" ins zwölfte, dreizehnte Lebensjahr fallen, wo es daran ging, zum Mann zu reifen.

Bei meinem Therapeuten hatte ich nebenbei erwähnt zuletzt einen sehr schönen Moment während einer Trance, in der ich erstmals zu meiner inneren Ruhe gefunden habe. Ich kann mich nicht erinnern, für einen Moment jemals so entspannt gewesen zu sein, einmal einfach alles fallen gelassen zu haben. Aus diesem Erlebnis habe ich sehr viel Kraft geschöpft und es ist faszinierend, dass man mit einigen Jahren auf dem Buckel, immer noch komplett "Unbekanntes" in sich entdecken kann. :)

Zu guter Letzt will ich euch noch von meinem heutigem Besuch bei meiner Psychiaterin berichten. Meinen Entschluss, die Medikamente abzusetzen hat sie sehr wohlwollend zur Kenntnis genommen. Von meinem Plan jedes Medikament 40-60 Wochen auszuschleichen war sie etwas erstaunt, da man auch "schneller absetzen kann". Allerdings mit dem Nachsatz, dass ich es so machen solle, wie ich mich am sichersten fühle. Insgesamt zeigte sie sich sehr zufrieden mit meiner Entwicklung und hat die Empfehlung ausgesprochen, dass mich meine Hausärztin noch weitere vier Wochen krankschreiben soll. Das macht mich wiederum zufrieden, weil ich somit weiterhin die Freiheit genieße, ungestört an mir zu arbeiten.

Liebe Grüße und eine gute Nacht,
Daniel
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suisse
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Re: Daniel89: Falsche Indikation. Will sämtliche Antidepressiva absetzen.

Beitrag von suisse » Sonntag, 12.08.18, 10:24

Hallo Daniel,

ich wollte dir auf diesem Wege einen lieben Gruß da lassen und dir viel Erfolg beim Absetzen wünschen.
Auch ich bin gerade dabei Escitalopram abzusetzen (nein Dritter Versuch)...

Wir schaffen das!!!!

LG Anna
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Re: Daniel89: Falsche Indikation. Will sämtliche Antidepressiva absetzen.

Beitrag von Daniel89 » Dienstag, 14.08.18, 16:59

Liebe Leute,

am Donnerstag werde ich das Escitalopram wieder um 10% von der Ausgangsdosis auf 8mg reduzieren. Die erste Reduktion ist gut verlaufen und besonders die letzten 14 Tage waren komplikationslos. Ich schreibe mir mögliche Absetzsymptome täglich auf. Das Einzige was regelmäßiger auftritt sind Übelkeit, Unruhe und verstärktes Gedankenkreisen. Letzteres hat sich die vergangenen zwei Wochen allerdings deutlich gelegt. Im Moment macht mir nur meine gereizte Stimmung und Unruhe am Abend zu schaffen. Zudem fühle ich mich die letzte Woche müde und ausgelaugt. In den ersten drei Wochen war ich dafür nahezu aufgeputscht, habe nur ungefähr sieben Stunden Schlaf benötigt und hatte einen starken Bewegungsdrang. Die letzten Tage ist es hingegen schwerer aus dem Bett zu kommen und in den Gliedmaßen fühle ich eine leichte Schlaffheit - psychisch geht es mir aber sehr gut.

Zahlt es sich eurer Meinung nach aus, den Wecker trotzdem früh wie gewohnt zu stellen, es zumindest zu versuchen, oder sollte ich auf mein aktuelles Schlafbedürfnis mehr Rücksicht nehmen und mir die neun bis zehn Stunden Schlaf einfach nehmen?

Den Grund für diese Symptome sehe ich allerdings in meiner Ernährungsumstellung, da ich mich seit ca. zwei Wochen vegetarisch Ernähre. Ich glaube nicht, dass es Mangelerscheinungen sind, dafür wäre es zu früh und ich esse ausgewogen. Aber es ist natürlich eine weitere große Umstellung für meinen Körper (und Stoffwechsel), nachdem ich mich zuvor doch sehr fleischlastig ernährt habe.
Grund für die Umstellung war in erster Linie die Übelkeit und das Gefühl, dass der Fleischkonsum sich allgemein negativ auf mein Wohlbefinden auswirkt. Bestärkt wurde dieses Gefühl durch Ruediger Dahlkes Ausführungen zu Stresshormonen im Fleisch von Nutztieren. Insgesamt fühle ich mich wohler, mein Hungergefühl wirkt natürlicher und ich habe keine Fressanfälle mitten in der Nacht :) Mein Gewicht ist von 93kg auf 89kg gesunken (bei 189cm), was prinzipiell ok ist (wenn es so bleibt), aber natürlich eine etwas zu schnelle Reduktion darstellt.

Zur abendlichen Unruhe: Im Moment fühle ich in mir eine steigende Ungeduld und habe das Gefühl, dass mein Leben zu statisch ist. Ich mache zwar viel, um meinen Tag auszufüllen und es macht mir alles Spaß. Aber es fühlt sich so an, als wäre es nicht das Richtige - als hätte ich den Tag nicht genutzt. Kurzgesagt: Ich mache mir Druck ohne klar sagen zu können weswegen. Womöglich überhör ich nur etwas.

Liebe Grüße
Daniel
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Re: Daniel89: Falsche Indikation. Will sämtliche Antidepressiva absetzen.

Beitrag von Tapira » Dienstag, 14.08.18, 17:09

Hallo Daniel,
was die Frage nach deinem Wecker angeht:
Musst du denn zur Arbeit?
Bei mir ist es so, dass ich höchstens an meiner Zubettgeh-Zeit was ändern kann, muss ja morgens ins Büro.
Ich gönne mir dann am Wochenende gerne das Ausschlafen und brauche das auch.
Ich finde, wenn du jetzt - übertrieben gesagt - nicht den ganzen Tag verschläfst, dann gönn dir etwas mehr Schlafzeit ruhig.
Dein Gehirn arbeitet ja fleißig daran, sich mit deinem Absetzen anzufreunden und sich wieder umzubauen, eventuell kommt die gesteigerte Müdigkeit ja auch davon?
Probiere es doch mal aus, wie du dich damit fühlst :)
Liebe Grüße und alles Gute!
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Re: Daniel89: Falsche Indikation. Will sämtliche Antidepressiva absetzen.

Beitrag von escargot » Dienstag, 14.08.18, 17:22

Lieber Daniel,

nein es zahlt sich nicht aus das erzwingen zu wollen und den Wecker früher zu stellen! Ich zumindest mache dann nach 3 Std. oft nochmal schlapp und muss mich dann wenn es irgendwie geht (manchmal auch wenn es nicht geht) dringend hinlegen.

Gönne dir das doch, wenn du es kannst und nicht in die Arbeit musst?

Ich war auch mal ein paar Jahre Vegetarierin.

Liebe Grüße
escargot

P.S.: Ach nochwas: wenn ich übermüdet bin, kämpfe ich auch verstärkt(er) mit Symptomen wie Reizüberflutung und Übelkeit etc.
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DIAGNOSEN
02.2014-12.2016 Paranoid-halluzinatorische Schizophrenie
01.2017-heute schizoaffektive Störung
05.2017-Schizophrenes Residuum

MEDIKATION
=> Bedarf max. 2 mg Tavor! (selten)

Täglich :
Olanzapin 0,8 mg, Risperdal 1,5 mg, Tavor 1 mg
800 mg Magnesium
2 X 425 mg Passionsblume
Vitamin B12
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Re: Daniel89: Falsche Indikation. Will sämtliche Antidepressiva absetzen.

Beitrag von Daniel89 » Dienstag, 14.08.18, 17:51

Liebe tapira, liebe escargot,

zur Arbeit muss ich nicht, aber da spielt wahrscheinlich auch meine persönliche Ungeduld mit rein. Es ist noch nicht so lang her, da habe ich bis in den Nachmittag hineingeschlafen, war trotzdem immer müde und heute ist das für mich ein Indiz für Kontrollverlust. Ich stehe momentan auch einfach gerne früh auf, gehe Laufen und genieße die ersten kühlen Stunden des Tages. Aber wenn ich mich dazu zwingen will zu genießen, ist es natürlich auch kontraproduktiv. :)

Ich werde versuchen, wieder einen Gang zurück zu schalten und meinen Bedürfnissen wieder Gehör und Raum schenken. Müdigkeit und Symptome gehen tatsächlich Hand in Hand, das vergesse ich gerne und mute mir dann zu viel zu.

Danke euch beiden!
escargot hat geschrieben:
Dienstag, 14.08.18, 17:22
Ich war auch mal ein paar Jahre Vegetarierin.
Und wie ist es dir damit gegangen?

Liebe Grüße
Daniel
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