Klick auf das Kreuzchen um das hier auszublenden ->

Aktuell: viele Aktive hier sind zur Zeit sehr eingespannt und es gibt viele Neuanmeldungen und große Aktivität. in Zeiten wie diesen ist der Selbsthilfeaspekt besonders wichtig. Bitte unterstützt Euch gegenseitig und wenn ihr neu seid: habt Geduld - das Freischalten moderierter Beiträge kann ein länger dauern.

Dieses Forum ist rein privat und ehrenamtlich betrieben. Um unsere Unabhängigkeit zu gewährleisten, nehmen wir auch keine Spenden an.

Die meisten Beiträge sind für nicht angemeldete Besucher nicht einsehbar. Der Erfahrungsaustausch über das Ausschleichen von Psychopharmaka ist nur registrierten Mitgliedern zugänglich.

Wir sind ein Selbsthilfeforum. Wer sich registriert, um einen eigenen Thread zu eröffnen, entscheidet sich auch dafür, sich aktiv mit den bereitgestellten Informationen auseinanderzusetzen. Neue Mitglieder bitten wir daher, sich im Rahmen ihrer Möglichkeiten, die Grundlagentexte durchzulesen und anzueignen. Wer nach der Registrierung nur still mitlesen will, ist auch willkommen.

Wenn Du am Austausch teilnehmen möchtest, lies bitte bevor Du Dich registrierst, die Info für Neue und Interessierte:

Wenn Du Nebenwirkungen von den Medikamenten oder vom Absetzen hast, dann melde sie auf jeden Fall den öffentlichen Stellen.

Seid Ihr Euch wirklich sicher?

Stell Dich bitte hier vor, wenn Du Probleme mit Psychopharmaka hast, Infos brauchst oder noch nicht weißt, ob Du abdosieren solltest.
:schnecke: Bitte lies unsere Forenregeln, bevor Du Dich registrierst.
SchwarzWeiss
Beiträge: 10
Registriert: Freitag, 14.08.15, 21:18

Seid Ihr Euch wirklich sicher?

Beitrag von SchwarzWeiss » Freitag, 14.08.15, 21:31

Hallo liebe Forumsmitglieder,

ich lese schon seit etlichen Monaten bei Euch.
Da ich seit nunmehr 14 Jahren Psychopharmaka nehme, zunächst aufgrund einer mittelschweren depressiven Episode durch Dekompensation, dann wegen meiner emotional instabilen Persönlichkeitsstörung und schließlich wegen Bipolarer affektiver Störung.
Die letzte Medikation war über Jahre unverändert. Cymbalta 120 mg, Seroquel prolong 600 mg, Lamotrigin 200 mg. Einen erfolgreichen Benzo-Entzug hatte ich vor ca. 6 Jahren. Seitdem vielleicht noch 2 oder 3 mal eine Notfallration genommen.
Da ich vor ca. einem halben Jahr plötzlich merkte, dass ich seit 2 Monaten konstant stabil - und glücklich - war (das hatte ich in meinem ganzen Leben noch nicht), dachte ich, die Zeit könnte gekommen sein, die Medikamente zu reduzieren / abzusetzen. So kam ich auch in Euer Forum.
Von da ausgehend habe ich auch sonst viel im Netz gelesen über die Thematik.
Bis hin dass ich mich extrem schuldig dafür fühle jetzt, dass ich damit angefangen habe, weil ich mich damit kaputt gemacht habe, und weil ich es ja selber so wollte, damit ich Aufmerksamkeit bekomme und mich hinter meiner Krankheit verstecken kann usw. - zumindest hab ich das so gelesen, dass das so ist. Und dass die Antidepressiva ja kaum mehr Wirkung haben, als Placebos.
Ich bin zwar nicht der Meinung, dass ich ohne die Psychiatrie und ohne Psychopharmaka noch am leben wäre (2 Suizidversuche). Und ich habe viel gute Psychotherapie über zig Jahre begleitend gehabt, und habe extrem hart an mir gearbeitet. Weil da dann auch steht, man nimmt die Psychopharmaka ja, um die Probleme zu deckeln und nicht an ihnen arbeiten zu müssen. Also ich brauchte die Medikamente, um überhaupt in die Lage zu kommen, etwas zu bearbeiten. Aber egal.
Nun will ich also mich stellen, ohne Medikamente leben und die sog. „normalen sozialen Probleme, die ja jeder hat“, selber lösen.
Soweit alles prima.
Ich habe langsam abgesetzt. Nach meinem Bauchgefühl nicht eins nach dem anderen, sondern immer im Kreis. So dass im Endeffekt das Verhältnis zwischen den Medikamenten immer gleich blieb.
Ich bin jetzt bei 0 Cymbalta, ca. 25 mg Lamotrigin (das hat so eine komische Ecke), und 200 mg Seroquel prolong.
Immer mal wieder Absetzsymptome. Am schlimmsten empfand ich die Brain Zapps (die ich schon während der Einnahme kannte, allerdings extrem selten). An manchen Tagen alle 10 Sekunden. Das fand ich dann nicht mehr witzig. Aber trotzdem noch erträglich im Gegensatz zu dem was seit ca. 1 Woche ist.
Bei Euch lese ich, dass es auf keinen Fall sein kann, dass durch das Absetzen eines Antidepressivums die ursprüngliche Depression wiederkehrt. Dass das nur Absetzsymptome sind, und man sich das immer wieder sagen soll.
Seid Ihr Euch da wirklich 100 % sicher? Weil wie ich im Moment bin, das ist so, wie ich in der Krankheit auf vollen Touren war. Bin wieder extremst verletzlich, fühle mich durch Kleinigkeiten total angegriffen und meiner Existenzberechtigung beraubt, bin ständig am Heulen, habe das Gefühl, mein Leben ist zu Ende, nichts hat mehr einen Sinn, paranoide Gedanken sind wieder da, unmögliches soziales Verhalten, und leider – was natürlich am schlimmsten und gefährlichsten ist – Selbstverletzungsdruck und sogar suizidale Gedanken – was beides wirklich lange ganz weg war.
Ich kann mit dem Problem ja auch schlecht zur Psychiaterin. Sie hat mich erst ein einziges Mal gesehen, im Dezember, und kennt mich logischerweise überhaupt nicht.
Und es steht ja überall, dass die das mit dem Absetzen sowieso nicht verstehen, und mich eh nur wieder aufdosieren würde oder einweisen (was wiederum das allerletzte ist, das ich will).
Erst mal soviel für den Anfang. Ist bestimmt ziemlich chaotisch, tut mir leid.
Liebe Grüße
Ich freue mich auf Eure Antworten.
Binka

Oliver
Gründer
Beiträge: 9557
Registriert: Freitag, 10.10.03, 23:58

Re: Seid Ihr Euch wirklich sicher?

Beitrag von Oliver » Freitag, 14.08.15, 23:00

Hallo Binka,

nein wir sind uns nicht 100%ig sicher. Niemand kann sich in dem Bereich für alle Menschen 100%ig sicher sein. Ich bin mir für mich und meine Situation 100%ig sicher, dass mir nie SSRIs hätten verschrieben werden sollen und ich bin mir ziemlich sicher, dass es vielen anderen auch so geht.

Wenn Du die Medikamente 14 Jahre genommen hast und Du damit stabil warst und im Grunde auch daran glaubst, dass die langfristige Einnahme von Psychopharmaka für Dich der richtige Weg ist, ist das aus meiner Sicht völlig in Ordnung. Ich würde nie auf die Idee kommen, zu versuchen, Dir das auszureden - das ist ganz allein Deine Entscheidung. Ich sage das, weil Dein Beitrag sich für mich so liest, als ob Du der Meinung bist, dass "wir" Dir den Konsum von Psychopharmaka ausreden wollen. Ich kann da nur für mich sprechen: Ich tue das bestimmt nicht.

Jeder soll eine informierte Entscheidung treffen können. Wir liefern hier die Infos dazu. Darüber hinaus hat sich hier eine Gemeinschaft geformt, die sich gegenseitig beim Absetzen unterstützt und natürlich gibt es hier viele, die sehr schlechte Erfahrungen mit Psychopharmaka gemacht haben und die hier einen Ort haben, wo sie ehrlich über diese schlechten Erfahrungen sprechen können. An anderen Orten, werden diese Stimmen zum Schweigen gebracht, oder sie werden als unwichtige Einzelfälle heruntergespielt. Hier ist jeder Einzelfall wichtig und über die Jahre ist immer klarer geworden, dass diese "Einzelfälle" gar nicht so selten sind.

Wenn es Dir nun so schlecht geht, dass Du Suizidgedanken hast, wende Dich bitte sofort an Helfer in Deiner Umgebung. Ich habe damals in einer suizidalen Phase gute Erfahrungen mit der Telefonseelsorge gemacht. Das war für mich sehr entlastend. Ich weiß nicht was Dir in Deiner Situation helfen könnte.

Was wichtig ist: Wenn es Dir nun schlecht geht, sollte es Dir wirklich egal sein, was "wir" denken. Du solltest Dir nun alle kompetente Hilfe holen, die Du bekommen kannst: Familie, Freunde, Dein Hausarzt, Beratungsstellen. Was auch immer Du kriegen kannst. Nimm es an. Was auch wichtig ist: Vertrau auf Deine Wahrnehmung. Wenn Deine Wahrnehmung ist, dass Dir die Medikamente geholfen haben und es Dir jetzt schlecht geht, weil diese Hilfe nun weg ist und Du es nicht erträgst, dann holst Du Dir eben diese Hilfe wieder, wenn Du das für richtig hältst.

Alles Gute
Oliver

SchwarzWeiss
Beiträge: 10
Registriert: Freitag, 14.08.15, 21:18

Re: Seid Ihr Euch wirklich sicher?

Beitrag von SchwarzWeiss » Freitag, 14.08.15, 23:36

Hallo Oliver,
vielen Dank für Deine schnelle und ausführliche Antwort.
Da ist wohl etwas falsch rüber gekommen oder ich habe mich nicht klar ausgedrückt.
Ich habe sehr vieles hier gelesen, was ich sonst noch gar nicht kannte, und erst danach durch gezieltes Suchen dann mehr gefunden. Und ich glaube, dass ich geschrieben hatte, dass ich das Forum hier gut finde. Falls nicht, dann sage ich es jetzt :-)
Und ICH will ja weg von den Medikamenten. Irgendwann muss auch mal Schluss sein. Bin selber erschrocken, dass es schon 14 Jahre sind.
Ahso: auf gar keinen Fall hier Angst um mich haben. SuizidGEDANKEN sind keine Planung. Und ich werde mit Sicherheit nichts mehr in der Richtung versuchen. Das ist mir so klar wie sonst kaum was.
Ich war auch nicht 14 Jahre stabil. Ich war diese zwei Monate stabil, in denen ich dann beschloss, die Medikamente auszuschleichen.
Es war auch nicht wirklich meine Entscheidung bzw. meine Meinung, dass ich super gerne für immer Psychopharmaka nehmen möchte. Ich wusste einfach nichts anderes. Ich habe meinem Arzt (es war vor allem einer, der mich 9 Jahre lang begleitet hat) völlig vertraut. Das was ich hier und dann auch in verschiedenen anderen Quellen gelesen habe, war mir einfach neu.
Und ich würde schon gern jetzt hören, was Ihr denkt, welche Erfahrungen Ihr gemacht habt. Weil was passiert, wenn ich damit zu "meiner" Psychiaterin gehe, das weiß ich auch schon, ohne hinzugehen. :-)
Und ich will die Medikamente ja nicht wieder nehmen, sondern die, die ich noch habe, weiter abdosieren.
Ich habe auch viele Tipps hier gefunden, was ich machen kann, um mit den Absetzsymptomen umzugehen, und obwohl ich wirklich viele Skills kenne, waren noch Sachen dabei, die mir völlig neu waren. Und ich habe auch den Eindruck, dass mir Omega-3 Kapseln und Vitamin B Komplex helfen.
Also wenn das vorhin so rüberkam, als möchte ich hier das Forum schelten, dann hab ich mich leider nur saudämlich ausgedrückt. Das wollte ich nicht.
Erstmal so weit jetzt.
Vielen Dank Oliver.
Binka

Freudentraenchen
Beiträge: 95
Registriert: Sonntag, 26.07.15, 12:23

Re: Seid Ihr Euch wirklich sicher?

Beitrag von Freudentraenchen » Samstag, 15.08.15, 0:37

Huhu Blinka,

bei mir ist übrigens gar nicht angekommen, dass du das Forum schelten wolltest. Dein Text wirkte auf mich eher so, dass du dich orientierungslos fühlst und nun nach einer für dich richtigen Einschätzung/Antwort suchst. Oliver hat es, wie ich finde, schön hervorgehoben. Es geht um dich, deine Intuition und Wahrnehmung.
Bis hin dass ich mich extrem schuldig dafür fühle jetzt, dass ich damit angefangen habe, weil ich mich damit kaputt gemacht habe, und weil ich es ja selber so wollte, damit ich Aufmerksamkeit bekomme und mich hinter meiner Krankheit verstecken kann usw. - zumindest hab ich das so gelesen, dass das so ist. Und dass die Antidepressiva ja kaum mehr Wirkung haben, als Placebos.
Da hab ich aufgemerkt... wer hat das so gesagt?
Darf ich vorsichtig fragen, ob das nicht vielleicht Einschätzungen sind, die du dir selbst zuschreibst? Also, ich kenne dich nicht, kann mir aber nicht vorstellen, dass die Realität so einfach ist. Eine Erkrankung hat auch einen Grund. Wahrscheinlich suchst sich die keiner am Beginn aus - und schuldig fühlen? Wofür? Du schreibst in deinem zweiten Post, dass du davon ausgegangen seist, die Medis würden helfen. Immerhin hattest du auch jahrelang Vertrauen zu deinem Arzt. Nun hat sich aber dein Informationsstand geändert u. du suchst nach einer anderen Lösung. Manchmal muss man Dinge moderat betrachten. (*g* Aber das sage ich als die Falsche: ich kenne die ein oder andere extreme Gefühlslage).

Selbst wenn es jemand so gesagt haben sollte - im Internet findet man ungemein viele negative und schreckliche Einschätzungen/Bewertungen. Unsensible Hassreden, die darauf abzielen Frust abzulassen... ich für meinen Teil kann mich da auch nicht so super abgrenzen. Am Besten also: die Dosis gewisser Infos reduzieren.

Zu der Reduktion kann ich nicht so viel sagen. Das Thema ist auch neu für mich.

Vielleicht war das ja hilfreich, alles Gute
S.
Diagnose: emotional-instabile Persönlichkeitsstörung und/oder paranoide Schizophrenie
Neuroleptika nehme ich wegen Wahnzuständen.

2010: hohe Dosen von unterschiedlichen Neuroleptika (Zeldox, Risperdal, Clozapin), zum Schluss 30 mg Abilify + 300 mg Amisulprid.
Anfängliche Wahnvorstellungen (vor Einnahme von Neuroleptika) steigerten sich nach plötzlichem Absetzen dieser und ließen sich lange Zeit nicht bessern. Es dauerte über 2,5 Jahre um wieder stabil zu werden.
2014: Nach Stabilisierung alles abgesetzt, falls ich Absetzerscheinungen hatte, habe ich diese nicht als solche eingeordnet
April 2015: Rückfall der Psychose, 8 mg Risperdal
ca. Mitte Juli: Reduktion von 8 mg auf 6 mg.
24.07.15: 3 mg Risperdal, Absetzerscheinungen: Kribbeln im Kopf, Herzklopfen, Kopfweh, Zittern, Dröhnen im Ohr, dass Tage später anhält
28.07.15: Dosis wieder auf 4 erhöht. Nehme kognitive Einbußen wahr, die sich bessern umso länger die Einnahme her ist.
02.08.15: Die starken Nebenwirkungen nicht länger ausgehalten. Reduktion auf 3 mg. Nach zwei Tagen Lichtempfindlichkeit, sich von Reizen (akustisch) schnell gestresst fühlen. Ansonsten alles o.k. Nach ca. einer Woche mäßige psychotische Symptome.
15.08.15: Aufgrund der psychotischen Symptome Erhöhung auf 3,5
(in der Zwischenzeit schwankte die Dosis leicht. Dummerweise habe ich experimentiert... aus Ungeduld. Ich weiß, nicht, überhaupt nicht gut.)
15.11.15: Runterdosiert auf 3,0
7.12.15: Erhöhung auf 3,25
12.12.15: Erhöhung auf 3,5

Meine AD-Geschichte bekomme ich nicht mehr ganz auf die Reihe. Hatte teilweise öfter ausgesetzt (bevor ich wusste wie gefährlich das werden kann).
2007: Fluoxetin (kalt abgesetzt)
Ab 2010: Citalopram (kalt abgesetzt)
Ab März 2015: 50 mg Sertralin

SchwarzWeiss
Beiträge: 10
Registriert: Freitag, 14.08.15, 21:18

Re: Seid Ihr Euch wirklich sicher?

Beitrag von SchwarzWeiss » Samstag, 15.08.15, 3:20

Hallo Freudentraenchen, schöner Nick :-)

Vielen Dank für Deine aufbauende Antwort. Da bin ich aber erleichtert, dass Du das anders aufgefasst hast. Ja, ich bin wirklich stark verunsichert.
Der Satz von mir, den Du zitiert hast, ist glaub ich gleichzeitig mein Empfinden nach dem Lesen verschiedener Seiten zum Thema, und auch einfach nur sarkastisch. Aber die Seiten, wo ich das gelesen habe, sind ziemlich seriös, mit vielen Studien und zig Quellenangaben, und auch kein Forum. Ich denke, ich bin derzeit einfach generell verunsichert und leicht zu beeinflussen. Ist ja auch kein ganz kleiner Schritt, nach so vielen Jahren die Medikamente abzusetzen, und dann noch völlig alleine.

"Manchmal muss man Dinge moderat betrachten." (das mit dem Zitieren hab ich noch nicht kapiert)

DA sagst Du was richtiges! Bin momentan nicht mehr so die Heldin, was differenziertes Betrachten eines Sachverhalts betrifft ;-) Daher auch die Nickwahl - den Zustand glaubte ich längst hinter mir, aber siehe da, da ist er wieder. *hmpf*

Du beschreibst das wirklich sehr gut in Deinem zweiten Absatz. Das stimmt natürlich alles. Vielleicht habe ich auch zuviel und zu wild auf allen möglichen Seiten zum Thema gelesen. Und durchlaufe jetzt so etwas ähnliches wie Trauer oder wie nennt man das. Wie wenn man erfährt, dass man schwer krank ist. Und dann all diese Phasen durchmacht. Abwehr, Verleugnung,... Akzeptanz. Weißt schon. Und im Moment bin ich eher fassungslos, dass ich das alles 14 Jahre lang nicht hinterfragt habe. Vielleicht war es ja tatsächlich für mich gut so.
Und jetzt, wie Du es schreibst, will ich einen anderen Weg gehen. Genau.
Ich habe auch die vielleicht unbegründete Hoffnung, dass sich mein Gewicht nach dem Absetzen zumindest teilweise wieder reduziert - ich habe enorm viel zugenommen in der Zeit, das hat interessanterweise niemand aus dem psychiatrischen Bereich je thematisiert. Und noch die Hoffnung, dass mein (in der Zeit erworbener) Diabetes sich bessert. *soifz*

Was ich noch nirgends wirklich finden konnte ist, ob nach dem Absetzen von Lamotrigin, das ja ein Antiepileptikum ist, auch bei Nicht-Epileptikern dann Anfälle auftreten können. Wobei ja wenn ich das richtig verstanden habe, auch Brain Zaps im Verdacht stehen, ganz leichte epileptische Anfälle zu sein.

Dir nochmals ganz lieben Dank für Deine Worte.

Binka

Lisamarie
Beiträge: 9530
Registriert: Freitag, 14.03.14, 19:16

Re: Seid Ihr Euch wirklich sicher?

Beitrag von Lisamarie » Samstag, 15.08.15, 8:48

Hallo Bianka, auch ich gehöre zu denen die ungefragt Jahrzehnte lang ein Benzo genommen hat das ich jetzt mühselig und in kleinen Schritten entziehe. Ich denke erst wenn wir bereit sind uns dem zu stellen suchen wir Hilfe und Informationen. Und sind bereit unseren Psychopharmaka ade zu sagen.

Also Brain Zaps sind keine kleinen epileptischen Anfälle sondern weisen auf ein sehr gereiztes ZNS hin. Das falsch oder zu schnell abgesetzt wurde. Kannst du uns mal berichten , wie und wie lange die Abstände zwischen den einzelnen Schritten waren ? Ich denke das du beide Medikamente runter gefahren hast hat dein ZNS extrem gereizt. Aber wir können dir erst konkrete Ratschläge an die Hand geben wenn wir das wissen wie du es bisher gemacht hast.

Und nein wir sagen nicht das die Grunderkrankung nicht wieder auftauchen kann, aber meistens kann man das unterscheiden, ob es Absetzproblematik sind oder die Grunderkrankung.

viewtopic.php?f=19&t=9345
Soweit erstmal von mir lg Petra
2012 noch 5 Monate Mirtzapin,Pipamperon,Levomepromaxin
Bis auf die Praxiten von heute auf morgen kalt abgesetzt, erste Absetzbeschwerden nach sechs Wochen, aber dann
6 Monate heftigste Absetzproblematik.Magendarm 30 Kilo in vier Monaten abgenommen.Halbes Jahr bettlägerig.Schwer suzidal zum stabilisieren fast ein Jahr gebraucht.
Oxazepam reduzieren von umgerechnet 50 mg Diazepam:
► Text zeigen

saphira63
Beiträge: 281
Registriert: Donnerstag, 30.10.14, 23:28
Wohnort: Braunshorn (bei Koblenz)

Re: Seid Ihr Euch wirklich sicher?

Beitrag von saphira63 » Samstag, 15.08.15, 9:55

Guten Morgen

ich weiß jetzt nicht genau, ob meine "Geschichter" hierzu passt, aber ich fühle mich irgendwie angesprochen. Seit ca. 20 Jahren mache ich immer wieder im Abstand von einigen Jahren, in denen es mir meist sehr, sehr gut ging, sowohl Depressionen von mittelschwer bis schwer, als auch Angstzustände (keine Panikattacken, sondern Angstzustände über 24 Std.) durch. Ich kann auch gar nicht zählen, wie oft ich schon Antidepressiva ein- und ausgeschlichen oder sogar abrupt abgesetzt habe. Ich denke, es gibt kaum ein AD, das ich nicht schon einmal "probiert" und wieder abgesetzt habe. Das eine hat Ödeme verursacht, das andere "passte Nicht" in das Budget meines Arztes, das dritte hatte eine paradoxe Wirkung, usw. usf.
Mein größter Wunsch ist es, irgendwann einmal gänzlich ohne ADs zu leben. Im letzten Jahr dachte ich, es endgültig geschafft zu haben. Ich hatte zu diesem Zeitpunkt seit dem Jahr 2010 und meinem bis dato letzten Klinikaufenthalt Cymbalta, ich glaube es waren 120mg, und Lyrika, 300mg. DAs Lyrika habe ich aus eigenem Antrieb recht schnell abgesetzt, das Cymbalta hat mr ein paar Mal einen Strich durch die Rechnung gemacht und ich musste wieder etwas mehr nehmen, bis ich es dann Ende des letzten Jahres geschafft hatte.
Ich war von einer Großstadt in ein kleines Dorf im Hunsrück gezogen, fühlte mich wohl und es ging mir.....anscheinend.......sehr gut. Ich dachte, mein Glück gefunden zu haben.

Dann auf einmal, Ende Märzt, bekam ich spät abends Schmerzen im Oberbauch. Ähnlich wie Sodbrennen, als ob ich - man verzeihe mir - heftig aufstoßen musste. Nur, das Gefühl und der Schmerz gingen nicht weg und steigerten sich. Ich rief dann schließlich, weil ich Luftnot bekam, die Rettung - und siehe da, im Krankenhaus stellte man fest, dass ich einen "leichten" Herzinfarkt hatte. Meine Cholesterinwerte waren eine Katastrophe, mein Blutzucker (ich bin seit 5 Jahren auch Diabetikerin) war im lebensgefählichen Bereich, ich selbst rauchte zu diesem Zeitpunkt an die 30 Zigaretten am Tag und ich habe immer noch extremes Übergewicht - der nette Ausdruck "Adipositas" klingt da viel liebevoller als schlicht und ergreifend "fett".

Ich will euch alles weitere erstmal im Großteil ersparen: SChock, der überhaupt nicht verarbeitet werden konnte, weil Untersuchungen, Operationen, usw. Herzkatheder, stunden- und tagelang keine Bewegung, Bettpfanne, auch wenn andere aus dem Zimmer Besuch hatten (wurde halt der Vorhang vorgezogen), Krankenwagenfahrten von diesem in jenes KH, da nur jenes die Herzkatheteruntersuchung machte, dann wieder zurück, Zimmer mit 3 Leuten am Überwachungsmonitor (heißt den ganzen Tag, die ganze Nacht "piep,piep,piep" und sobald ein Schlauch mal draußen war, Alarm), usw.
Dann an Ostern einfach nach Hause, ohne Reha - weil DIE gibt es nur für "sichtbare Infarkte", will heißen, auf dem EKG sichtbar. Meiner war ja NUR imBlut erkennbar. DAfür besitze ich jetzt 4 wunderschöne, Gott sei DAnk funktionierende Stents im Herzen, und zwei Hände voll wundervoller Medikamente, von denen ich zum Frühstück schon satt werden könnte.

Es kam, wie es kommen musste: Ich bekam eine Depression, wurde Mitte Mai stationär eingeliefert. Mit Nortrilen (wieder ein AD natürlich, das nächste, das ich noch nicht kannte) bessertn sich die Depressionen langsam, daf+ür rutschte ich in eine schwere Angststörung ab, die sich so äußerte, dass ich nicht mal mehr zuhause ohne Angst war. 24 Stunden am Tag. Die Ängste wurden trotz groér Bemühungen immer schlimmer, schlie0lich stellte man die Diagnose "Hospitalisierung", d.h., wenn man nicht mehr nach Hause will und im Leben nicht mehr klar kommt, gab mir noch einige Tage und entließ mich dann mitsamt meiner Angststörung, mitsamt einer Medikation, die vermutlich gar nicht angeschlagen hat, mitsamt ....ach nein.....ohne Therapeuten, denn den hier zu finden, ist Glückssache und mit der Option, jeden Tag eine Tagesstätte von morgens bis nachmittags aufzusuchen, bei der aber kein Programm stattfand, sondern die "Insassen" mehr oder weniger herumsaßen und Löcher in die Luft starrten, sofern dort welche zu starren waren.

Wirklich - außer mal eine Kette basteln, ein Bild malen oder puzzeln gibt es dort NICHTS! Nun - da sagt jeder, wieso gehst du denn dahin? Ich gehe dahin, weil ich es zuhause nicht vor Angst aushielt. Ich schaffte es teilweise nur noch mit allerletzter Kraft, morgens aufzustehen oder auf die Toilette zu gehen. Wer niemals Ängste hattem wird mich nicht verstehen.

Wie auch immer, irgendwann hatte ich einen Termin bei meinem Hausarzt und wusste nicht, wie ich mit meinen Ängsten dorthin kommen sollte. Das habe ich dann geschaffft, und bin im Arztzimmer fast zusammengebrochen. Nottermin beim Psychiater - der einzige am Ort, der aber telefonisch fast nicht zu erreichen ist - Einweisung....ah, geht nicht, sonst werden die Ängste noch größer - also: neues Medikament (altes, wieder mal Lyrika) dazu und ein nettes kleines Benzo namens Aprazamol. Ich sollte davon 3mg nehmen, das hat mich regelrecht weggeschossen, also nehme ich bisher, seit ca. 1,5 Wochen jetzt zweimal 0,5mg und von den Ängsten her geht es mir gut. Ich nehme jetzt so ca. 20 Pillen ein, davon 12 allein gegen Bluthochdruck, Betabblocker, Cholesterin, Magenschoner, Diabetes, usw. Allerdings habe ich jetzt das Gefühl, wieder in eine Depression zu fallen. Ich komm zuhause kaum noch klar, kann zwar die Hausarbeit erledigen aber was, wenn eben mal nichts zu tun ist oder auch keine Lust, etwas zu machen?

Und so bin ich hier, dieses Mal fast endgültig ein Wrack und dem Gedanken, vielleicht doch - mittlerweile fast 52 - nie mehr von den Pillen loszukommen.

Warum schreibe ich jetzt diesen Roman? Vielleicht, um zu zeigen, dass es auch andere gibt, die seit langen Jahren mit den Psychopharmaka hin- und herleben und experimentieren, vielleicht, weil auch ich immer wieder einen "Rückfall" hatte, der in diesen Fällen vermutlich wirklich KEIN Absetzsymptom ist.
Und vielleicht, weil ich immer noch nicht die Hoffnung verloren habe, auch mit dieser Phase irgendwann glücklich abzuschließen und irgendwann mal sagen zu können: Wieder ein Stück mehr Kraft gewonnen.

Auf jeden Fall wünsche ich dir alles erdenklich Gute!
Seit 1995 teilweise schwere Depressionen und Angsterkrankung.
Mehrere Krankenhausaufenthalte, Therapien.

Ebenfalls seit 1995 AD Einnahme, u.a. Saroten, Fluoxetin, Zoloft, Cipralex, Remergil, Trevilor, seit 2010 Cymbalta (120mg) und Lyrika (300mg)

abgesetzt und ohne Medikamente seit Ende 2014 (Insulin und Metformin wegen Diabetes)

--------------------------------------------------------------------------------------------------
27.03.2015 "nicht sichtbarer" Herzinfarkt - d.h. er ist nicht auf dem EKG zu sehen gewesen, sondern "nur" im Blut.
Aus diesem Grunde wurde keine - dringend notwendige - Rehamaßnahme genehmigt, da dies nur bei den "sichtbaren" der Fall ist.
Bei Herzkathederuntersuchung wurde entdeckt, dass 2 der drei Herzkrankzgefäße zu waren und deshalb 4 Stents gelegt wurden. Der Infarkt war leicht, die ERkrankung schwer.
Cholesterin, Blutdruck,Blutzucker, et. völlig aus der Reihe, deshalb jetzt noch eine Menge Medikamente.
Innerhalb jetzt auf gleich hörte ich als starker Raucher (über 30 St) mit dem Rauchen auf, leide teilweise immer noch darunter, gerade jetzt.
Und änderte meine Einstellung zum Diabetes. Ernährung, spritzen, usw.
Etwa zwei Monate später, im Mai, entwickelte sich ene Depression, es folgt stationärer Aufenthalt mit steigender schwerer Angststörung. Nach 10 Wochen am 20.7.15 entlassen, anscheinend "Hospitalisierung", also Angst, wieder zuhause zu leben, jeder weitere Tag im stat. Aufenthalt würde die Ängste verstärken, deshalb am 20,7. 15 entlassen, ohne Therapeuten, ohne Psychiater, dafür mit einer Menge Medikamenten und Ängsten, die mich daran hinderten, unter die Dusche zu gehen oder einen ambulanten Arzt aufzusuchen.


seit Juni 2015 - 250mg Opipramol (Reduzierung seit 3.8.2015) und 75mg Nortrilen
Alprazolam (1mg) (Reduzierung seit 23.9.2015) und Lyrica (150mg) seit August 2015
bisher Reduzierung von Opipramol und Alprazolam


Morgens:
75mg Lyrika
50 mg Nortrilen
5mg Ramipril (Blutdruck)
47,5 mg meto hexal (Betablocker)
40 mg Pantozol (Magenschoner)
Update: Alprazolam abgesetzt seit 18.2.16
(Alprazolam null!)

Mittags
25 mg Nortrilen
100 mg ASS (Blutverdünner)

Abends:
75mg Lyrika
5mg Ramipril
Simva (Cholesterin)
1/2 Meta Hexal
1000mg Metformin

Nacht:
Opipramol seit Juni 20 15, ursprünglich250mg ( morgens, mittags Nacht ) ,
ab August relativ schnell auf 100 g (nachts) runtergefahren,
dann 0,25mg reduziert auf nachts 75mg.



Seit 24.4. 62,5mg statt 75mg Opipramol
62,5mg (seit 24.4.)

Opipramol auf 0! Update: 9.9.16

Freudentraenchen
Beiträge: 95
Registriert: Sonntag, 26.07.15, 12:23

Re: Seid Ihr Euch wirklich sicher?

Beitrag von Freudentraenchen » Samstag, 15.08.15, 10:24

Hey Binca, (hatte deinen Nick falsch gelesen)

irgendwie kann ich Vieles in deiner Situation gut nachvollziehen. Wirklich...
Was hilft bei dieser Verunsicherung?
Mir hilft es mit Menschen zu sprechen, denen ich vertraue. Oft kann ich dadurch mein eigenes Chaos relativieren. Es braucht da manchmal diesen Stups der "Außenwahrnehmung". Allzu viele Vertraute gibt's allerdings gerade nicht - in der Isolation verliere ich schnell den Bezug zur Realität. Hast du Menschen um dich herum? Oder machst du eine Therapie? Vielleicht kennst du für dich eine Möglichkeit die Verunsicherung etwas zu lindern. Eine Tagesstruktur kann sicherlich auch hilfreich sein. So kenne ich es von mir selbst.

Das differenzierte Betrachten. Joa... *g* mich kostet es momentan auch eine Menge Hirngrips. Ich versuche mich einfach an Zeiten zu erinnern, die anders waren, wo ich moderater war. Hast du schon mal was von Achtsamkeit gehört? Ich will da unbedingt mit meiner Thera drüber sprechen - hab ein paar Übungen versucht und die scheinen super zu helfen. :-)

Ansonsten finde ich es sehr gut, dass du meinst, die Verunsicherung käme von der Reduktion. Weil du allein seist. Dieser Ansatz ist doch lohnenswert - sich immer wieder versuchen Verständnis entgegen zu bringen. Wobei solche Einbrüche, eben die Verunsicherung, sich vielleicht auch ganz gerne wieder in den Gedankenkreis hineinschleicht.

Das Gewicht. Hmm, das wüsste ich auch gern. Ich habe unter Clozapin 30 Kg zugenommen. War sogar in der Zeit im Krankenhaus - hat auch niemanden gekümmert. Nachdem ich von den Neuroleptika runter war, nahm ich wieder etwas ab. Nachdem ich nun erneut Risperdal nehme, gehe ich auf wie ein Hefeteig... dabei esse ich nicht sooo viel anders.

Hoffe du hast eine gute Zeit
S.
Diagnose: emotional-instabile Persönlichkeitsstörung und/oder paranoide Schizophrenie
Neuroleptika nehme ich wegen Wahnzuständen.

2010: hohe Dosen von unterschiedlichen Neuroleptika (Zeldox, Risperdal, Clozapin), zum Schluss 30 mg Abilify + 300 mg Amisulprid.
Anfängliche Wahnvorstellungen (vor Einnahme von Neuroleptika) steigerten sich nach plötzlichem Absetzen dieser und ließen sich lange Zeit nicht bessern. Es dauerte über 2,5 Jahre um wieder stabil zu werden.
2014: Nach Stabilisierung alles abgesetzt, falls ich Absetzerscheinungen hatte, habe ich diese nicht als solche eingeordnet
April 2015: Rückfall der Psychose, 8 mg Risperdal
ca. Mitte Juli: Reduktion von 8 mg auf 6 mg.
24.07.15: 3 mg Risperdal, Absetzerscheinungen: Kribbeln im Kopf, Herzklopfen, Kopfweh, Zittern, Dröhnen im Ohr, dass Tage später anhält
28.07.15: Dosis wieder auf 4 erhöht. Nehme kognitive Einbußen wahr, die sich bessern umso länger die Einnahme her ist.
02.08.15: Die starken Nebenwirkungen nicht länger ausgehalten. Reduktion auf 3 mg. Nach zwei Tagen Lichtempfindlichkeit, sich von Reizen (akustisch) schnell gestresst fühlen. Ansonsten alles o.k. Nach ca. einer Woche mäßige psychotische Symptome.
15.08.15: Aufgrund der psychotischen Symptome Erhöhung auf 3,5
(in der Zwischenzeit schwankte die Dosis leicht. Dummerweise habe ich experimentiert... aus Ungeduld. Ich weiß, nicht, überhaupt nicht gut.)
15.11.15: Runterdosiert auf 3,0
7.12.15: Erhöhung auf 3,25
12.12.15: Erhöhung auf 3,5

Meine AD-Geschichte bekomme ich nicht mehr ganz auf die Reihe. Hatte teilweise öfter ausgesetzt (bevor ich wusste wie gefährlich das werden kann).
2007: Fluoxetin (kalt abgesetzt)
Ab 2010: Citalopram (kalt abgesetzt)
Ab März 2015: 50 mg Sertralin

Sommersprosse
Beiträge: 699
Registriert: Montag, 01.06.15, 6:18

Re: Seid Ihr Euch wirklich sicher?

Beitrag von Sommersprosse » Samstag, 15.08.15, 10:45

Liebe Binka,

mit grossem Interesse und auch Nachdenklichkeit habe ich Deinen Thread gelesen, Deinen Titel ebenfalls dabei betrachtet.

Selbst habe ich erst vor kurzem dieses Forum für mich entdeckt und bin sehr froh es gefunden zu haben ! Es sollte einfach so sein.
Unsere Diagnosen ähneln sich ein wenig...nun selbst nehme ich seit 30 Jahren Psychopharmaka...bin heute 60 Jahre alt.
Was ich damit zum Ausdruck bingen möchte ist - ich weiss nicht einmal ob mir die Medikamente wirklich geholfen haben, helfen ?
Mir sagt man eine Austherapierung zu...niemand möchte sich mir, nach so vielen und jahrelangen Therapien annehmen.

Ich bin im nachhinein sehr froh darüber...heute weiss ich, dass alles was mein Leben begleitete ein wichtiger Lebensprozess für
mich war.
Bin vor einigen Jahren neue, andere Wege gegangen...wollte mich nicht diesen Aussagen hingeben und aussetzen.
Habe immer fleissig meine Medikamente genommen und kam immer mehr zu der Feststellung, warum machst Du das ?
Hilft es Dir wirklich ? Mir fehlte der Mut es auszuprobieren - Du hattest ihn, liebe Binka.

Oft vergessen wir bei unseren Sorgen die positiven, schönen Seiten des Lebens zu sehen. Vergessen leicht was wir im Leben
positiv verändert oder gelebt haben.
Ein ganz wertvoller Aspekt der nicht vergessen werden sollte.

Wir selbst bestimmen unsere Gefühlslage...was uns gut tut...wie wir mit negativen und auch positiven Einflüssen umgehen.
Hier > viewtopic.php?f=15&t=925 habe ich etwas dazu geschrieben.

Zweifel nicht an Dir selbst ob es richtig oder falsch war...in DIESEM Moment als Du Dich dafür entschieden hattest, KEINE Medikamente
mehr zu nehmen...war es richtig und angesagt.

Selbst werde ich in nächster Zeit ebenfalls einen Ausstieg wagen...möchte auch ehrlich dazu schreiben...ein wenig Respekt davor zu haben.
Es ist diese Ungewissheit...wie wird es mir darunter gehen ? Ich bin ein Mensch der Gewissheit und Fakten braucht...diese habe ich hier nicht.
Dennoch werde ich diesen Weg gehen...wenn ich ihn NICHT gehe werde ich nie erfahren ob ich ohne wirklich leben kann !!

Ich kenne Dich nicht und möchte mir nicht anmaßen etwas zu beurteilen...evtl. fehlt Dir eine Aufgabe die Dein Leben lebenswerter macht.

Wenn Du möchtest schreib mich gern zwecks Austausch über PN an.
Schreibe z.Zt. nicht regelmässig - schau aber tägl. im Forum rein.

Ich finde Deinen Ausstieg sehr mutig und bin dankbar das Du hier diesen, Deinen Beitrag gepostet hast.

Ich wünsche Dir von ganzem Herzen, dass Du niemals an Dir selbst zweifeln mögest...Deinen für DICH richtigen Weg finden mögest.

Ein schönes Wochenende und viele liebe Grüsse Sommersprosse
Ich habe z.Zt. ein kleines, techn. Problem - kann bei einigen Threads keine DANKSAGUNG vergeben, u. bitte um Verständnis

2. Reduzierungsverlauf:
► Text zeigen

SchwarzWeiss
Beiträge: 10
Registriert: Freitag, 14.08.15, 21:18

Re: Seid Ihr Euch wirklich sicher?

Beitrag von SchwarzWeiss » Samstag, 15.08.15, 19:53

Hallo Ihr Lieben und vielen vielen Dank für die schnellen und ausführlichen sowie teilweise auch sehr persönlichen Antworten. Das macht Mut.

Lisamarie:
Vielen Dank für den Link zu dem Thread... jui da hab ich erstmal Beschäftigung mit 960 Beiträgen :-)

saphira63:
Wow, da hast Du aber einiges durchgemacht. *uff*. Also erst habe ich ja gewaltig Angst bekommen. Von wegen Herzinfarkt. Wobei das bei mir nicht wirklich unbegründet wäre, bei dem Gewicht :-/
Vielen Dank, dass Du so viel über Dich geschrieben hast.

Freudentraenchen:
Du triffst gleich mehrfach ins Schwarze ^^
Ich habe nicht mehr wirklich ein soziales Netz. Im Laufe meiner Erkrankung haben sich nach und nach alle bisherigen Freunde und Verwandte aus meinem Leben geschlichen, laut oder leise. Was ich _jetzt_ verstehen kann. Die mir geblieben sind, haben wiederum kein Verständnis bzw. obwohl ich ja immer wieder mal versuche, was zu erklären, keine Kenntnisse über psychische Erkrankungen. Daher sind diese Beziehungen für mich dann so, dass ich halt _nicht_ über mich spreche, sondern mir anhöre, was der andere zu erzählen hat. Was einerseits ja gut ist, weil es meine Gedanken in die Welt der "normalen" (HIHI) lenkt. Andererseits aber auch schade, weil ich halt von niemandem wirklich Verständnis für meine Situation erwarten kann. Aber ... das scheint mein Karma zu sein. Sogar während ich mal 4 1/2 Monate in der geschlossenen war, habe ich täglich mit meinem Bruder telefoniert in der knappen Ausgangszeit. Und mir da dann Tag für Tag seine besch.... berufliche Situation angehört. Große-Schwester-Syndrom Wahrscheinlich *g*.
Tagesstruktur klappt zur Zeit gar nicht. Aber das ist nichts neues bei mir. Mit dem Rausgehen hapert es auch gewaltig. Allerdings wäre das bei der großen Hitze, die wir bis gestern hier hatten, auch nicht ratsam gewesen, mich mehr als 5 m von meiner Klimaanlage weg zu bewegen :D
Therapie habe ich derzeit keine. Ich könnte aber sicher wieder die 25 Minuten pro Monat in der PIA bekommen, bei der Psychologin, die mich quasi von Anfang an kennt. Das ist eine gute Idee. Gleich am Montag anrufen und nach einem Termin fragen.
Achtsamkeitsübungen kenn ich, und mache ich auch. Die helfen, das stimmt. Das ist ja einer der Eckpfeiler von DBT, daher kenne ich das alles.
Lieben Dank, dass Du mir so viel Verständnis entgegen bringst. Das tut wirklich sehr gut.
Das mit der Gewichtszunahme trotz gleichbleibender Ernährung habe ich jetzt erst gelesen, dass das so sein kann. Dass manche Psychopharmaka den Stoffwechsel herabsetzen. Bisher hörte ich nur immer, sie steigern halt den Appetit, man isst mehr, und dadurch wird man fett. Ich hoffe, das gibt sich bei Dir dann auch wieder. Bei mir ist das leider so extrem, selbst in der Psychiatrie seh ich niemanden, der vergleichbar Adipös ist.

Sommersprosse:
Ich bin 52. Boah das ist ja ein übles Gequake - "austherapiert". Aber gut, dass Du das Beste daraus gemacht hast für Dich.
MIttlerweile sehe ich das auch so, dass mein Kranksein einfach ein Teil meines Lebens ist. Und auch dadurch habe ich wertvolle Erfahrungen machen können. Manches hätte ich nie erlebt, hätte ich einfach nur weiter "funktioniert".
Deine Worte machen mir so viel Mut, vielen Dank dafür.
Das mit der fehlenden Aufgabe stimmt mit Sicherheit. Nur - und da verstecke ich mich glaub nicht hinter meiner Krankheit - ich bekomme es einfach nicht hin, das zu sein, was ich früher immer 100% war: zuverlässig, pünktlich, ausdauernd, gleichbleibend motiviert usw. Im Oktober beginnt hoffentlich wieder die Ergotherapie, die mir wirklich gut tut, sowohl die Arbeiten, die ich da machen kann, als vor allem auch die Gruppe selbst. Im Zuge der Umstrukturierung der Kliniken hier ist das alles drunter und drüber gegangen und noch ist alles am Umziehen. Das ist zwar nicht in dem Sinne eine Aufgabe, aber selbst das kleine Bisschen kann ja zur Struktur beitragen, umso mehr wenn es mir Freude bereitet.
Ich wünsche Dir alles Gute für Deinen Weg. So wie Du klingst, wirst Du das mit Sicherheit schaffen. Du strahlst schon in Deinen Worten so eine Zuversicht aus. Danke, dass Du das mit mir teilst.
Vielen Dank auch für den Link. Werde alles in Ruhe lesen.

Jetzt habe ich erst einmal fertig! :-)

SchwarzWeiss
Beiträge: 10
Registriert: Freitag, 14.08.15, 21:18

Re: Seid Ihr Euch wirklich sicher?

Beitrag von SchwarzWeiss » Samstag, 15.08.15, 20:21

Äh ja... haha... so geht's einem, wenn man Foren gar nicht kennt. Die 960 sind ja nicht die Beiträge in dem Thread über die Unterscheidung zwischen Absetzsymptomen und Grunderkrankung, sondern die Beiträge von Edgar, der in dem Thread den ersten Beitrag geschrieben hat. :D

Lisamarie
Beiträge: 9530
Registriert: Freitag, 14.03.14, 19:16

Re: Seid Ihr Euch wirklich sicher?

Beitrag von Lisamarie » Samstag, 15.08.15, 20:34

Hihi, ich hab schon gestaunt, was zum Teufel ich da eingestellt hab. :pillowtalk:
Lg Petra

SchwarzWeiss
Beiträge: 10
Registriert: Freitag, 14.08.15, 21:18

Re: Seid Ihr Euch wirklich sicher?

Beitrag von SchwarzWeiss » Samstag, 15.08.15, 21:25

*lach* :party: :party2:

Ulrich
Beiträge: 165
Registriert: Mittwoch, 17.04.13, 13:35

Re: Seid Ihr Euch wirklich sicher?

Beitrag von Ulrich » Sonntag, 16.08.15, 14:26

Hallo Schwarz Weiss,

Falls bei Dir eine Bipolarer affektive Störung besteht, kann ich Dich nur warnen die Medikamente abzusetzen.Das Antidepressiva ja,aber nicht die Stimmungsstabilisatoren Lamotrigin und das Seroquel.Das Seroquel (Neuroleptika) kann man aber durch etwas anderes (zb. Lithium) ersetzen,muß aber langsam ausgeschlichen werden.
Ich warne lieber vorher, weil wenn bei Dir eine Bipolare Erkrankung vorliegt,diese ist chronisch und kann jederzeit wieder ausbrechen,auch mit oder ohne Medikamenten. Bei gut eingestellten Stimmungsstabilisierern und richtigem Verhalten besonders der Schlaf ist die Gefahr geringer eine neue Phase auszulösen.Deshalb ist es wichtig Deine Grunderkrankung zu kennen!!!

Lg Uli
Bipolar Betroffener
Sehr sehr langer Benzodiazepinentzug überstanden!
Aktuelle Medikation: Lithium 675mg, 6,5mg Trimipramin- Langsam Metabolizer IM
Seit 12 Jahren Leiter von drei Bipolaren Selbsthilfegruppen

Sommersprosse
Beiträge: 699
Registriert: Montag, 01.06.15, 6:18

Re: Seid Ihr Euch wirklich sicher?

Beitrag von Sommersprosse » Sonntag, 16.08.15, 15:39

Hallo liebe Binka,

Du schreibst....
...ich bekomme es einfach nicht hin, das zu sein, was ich früher immer 100% war: zuverlässig, pünktlich, ausdauernd, gleichbleibend motiviert usw.
Ist es wirklich das was Du möchtest ? Es hätte sich in Deinem Leben NICHTS verändert !
100%...das möchten wohl viele gern geben und sein, wer kann das schon ?

Ich habe vor einiger Zeit ebenso gedacht bis mich plötzlich meine chronische Schmerzerkrankung (Fibromyalgie) einholte.
100% (körperlich) geht nicht mehr und wird es NIE mehr geben !! Dafür andere schöne Dinge an denen ich mich erfreuen kann.

Deine Eigenschaften die Du nicht mehr als 100% ansiehst - in kleinen Schritten versuchen zu gehen, was meinst Du ?
Selbst habe ich mir oft etwas abverlangt was nicht machbar, ich enttäuscht war.

Gebe Dir selbst die Chance Dein Ziel zu erreichen...fokussiere zunächst EINE Eigenschaft damit Dir die Möglichkeit gegeben ist,
ein Erfolgserlebnis zu haben. Richte es nicht als MUSS aus, es soll Dir spass machen.
DU entscheidest das Tempo wie - wann - wo Du Dir Ziele setzt.

Oftmals stellt sich - ohne darüber nachgedacht zu haben eine positive Veränderung ein.
Du kannst es schaffen, liebe Binka - ich wünsche Dir ganz...ganz viel Kraft diesen Deinen Weg zu gehen.

Viele liebe Grüsse schickt Dir Sommersprosse
Ich habe z.Zt. ein kleines, techn. Problem - kann bei einigen Threads keine DANKSAGUNG vergeben, u. bitte um Verständnis

2. Reduzierungsverlauf:
► Text zeigen

Freudentraenchen
Beiträge: 95
Registriert: Sonntag, 26.07.15, 12:23

Re: Seid Ihr Euch wirklich sicher?

Beitrag von Freudentraenchen » Sonntag, 16.08.15, 19:27

Huhu Binka, (hoffentlich habe ich deinen Nick nun richtig geschrieben),

Hmm... deine soziale Situation ist schwierig. Momentan geht es mir da ähnlich. Hier in Hamburg (ja, ich lebe im hohen Norden) habe ich in erster Linie professionelle Helfer. Aber das siehst du auch als eine Möglichkeit? Immerhin in der Spezialambulanz noch einmal nachzufragen.
Ansonsten gibt es ja zB Betreuer. Ich weiß nicht wie man das außerhalb Hamburgs nennt und ob es ähnliche Angebote unter welchem Namen sonstwo gibt, aber vielleicht könntest du mal beim sozialpsychiatrischen Dienst nachfragen? Eventuell gibt es ja auch Tagesstätten oder andere Freizeitangebote für Menschen mit psychischer Erkrankung.
Wie gesagt, ich habe mich im letzten Jahr, eigentlich seit ich meine Ausbildung abbrechen musste auch sehr isoliert. Es ist nicht gut u. ich hoffe, dass wieder auf die Reihe zu bekommen. Hatte angefangen etwas zu ändern, Freizeitangebote zu besuchen - aber dann setzten diese Risperdalnebenwirkungen ein, die mich ziemlich antriebslos zurücklassen.

Finde es auch interessant, was du da über deine Rolle in Gesprächen sagst: die Normalos (wobei das schwer zu trennen ist), können so etwas unter Umständen schwer nachvollziehen ja... oder es wird so einigen Leuten auch schnell mulmig zumute, wenn man von den eigenen schwierigen Lebensumständen berichtet. Das geht nur mit wenigen Leuten, dieses offene Reden über Erkrankungen. In den meisten Fällen sind diese Personen dann auch irgendwie betroffen.

Eine andere Sache, die ich nun feststellen musste finde ich da auch bemerkenswert. Ich glaube es ist wichtig in Gesprächen zu signalisieren, dass man etwas erzählen möchte. Durch das Risperdal bin ich schweigsamer als für gewöhnlich und weiß wenig zu erzählen. Dann merkte ich bei meiner besten Freundin, dass ich nur noch zuhört - und fühlte mich übergangen. Nachdem ich dann versuchte eine aktivere Rolle im Gespräch einzunehmen, war die Situation wieder ausgeglichener.

Dass du gute Erfahrungen mit DBT gemacht hast, finde ich schön. Ich hoffe ich kann mich damit auch noch auseinander setzen.

Alles, alles Liebe
S.
Diagnose: emotional-instabile Persönlichkeitsstörung und/oder paranoide Schizophrenie
Neuroleptika nehme ich wegen Wahnzuständen.

2010: hohe Dosen von unterschiedlichen Neuroleptika (Zeldox, Risperdal, Clozapin), zum Schluss 30 mg Abilify + 300 mg Amisulprid.
Anfängliche Wahnvorstellungen (vor Einnahme von Neuroleptika) steigerten sich nach plötzlichem Absetzen dieser und ließen sich lange Zeit nicht bessern. Es dauerte über 2,5 Jahre um wieder stabil zu werden.
2014: Nach Stabilisierung alles abgesetzt, falls ich Absetzerscheinungen hatte, habe ich diese nicht als solche eingeordnet
April 2015: Rückfall der Psychose, 8 mg Risperdal
ca. Mitte Juli: Reduktion von 8 mg auf 6 mg.
24.07.15: 3 mg Risperdal, Absetzerscheinungen: Kribbeln im Kopf, Herzklopfen, Kopfweh, Zittern, Dröhnen im Ohr, dass Tage später anhält
28.07.15: Dosis wieder auf 4 erhöht. Nehme kognitive Einbußen wahr, die sich bessern umso länger die Einnahme her ist.
02.08.15: Die starken Nebenwirkungen nicht länger ausgehalten. Reduktion auf 3 mg. Nach zwei Tagen Lichtempfindlichkeit, sich von Reizen (akustisch) schnell gestresst fühlen. Ansonsten alles o.k. Nach ca. einer Woche mäßige psychotische Symptome.
15.08.15: Aufgrund der psychotischen Symptome Erhöhung auf 3,5
(in der Zwischenzeit schwankte die Dosis leicht. Dummerweise habe ich experimentiert... aus Ungeduld. Ich weiß, nicht, überhaupt nicht gut.)
15.11.15: Runterdosiert auf 3,0
7.12.15: Erhöhung auf 3,25
12.12.15: Erhöhung auf 3,5

Meine AD-Geschichte bekomme ich nicht mehr ganz auf die Reihe. Hatte teilweise öfter ausgesetzt (bevor ich wusste wie gefährlich das werden kann).
2007: Fluoxetin (kalt abgesetzt)
Ab 2010: Citalopram (kalt abgesetzt)
Ab März 2015: 50 mg Sertralin

SchwarzWeiss
Beiträge: 10
Registriert: Freitag, 14.08.15, 21:18

Re: Seid Ihr Euch wirklich sicher?

Beitrag von SchwarzWeiss » Sonntag, 16.08.15, 20:24

Sommersprosse:

Hallo und danke für Deine Antwort.
Nein, es ist nicht das was ich will, das war die Antwort auf die Forderung, ich solle einer sinnvollen Tätigkeite nachgehen. Sprich: Arbeit, Ehrenamt u.ä. Das ist aber nicht möglich, wenn man Phasen hat, die über Wochen und Monate anhalten, in denen man es nicht einmal vor die Wohnungstüre schafft.
Deinen einen Satz habe ich nicht ganz verstanden. Ich soll mich regelmäßig überfordern, damit ich dann enttäuscht bin? Glaub da ist irgendwas verdreht, denke nicht, dass Du das sagen wolltest.
Mein Leben hätte sich nicht geändert? LOL das ist echt der beste Witz des Jahrtausends. Ich habe nur im Moment keine Kraft, darauf einzugehen.
Aber _ich_ bin ja nicht diejenige, die von mir fordert, zu funktionieren. Das habe ich mir lange schon abgeschminkt. Nur geh Du mal mit 52 und 15 Jahren psychischer Erkrankung mit zig Lanzeitaufenthalten in Kliniken im Lebenslauf auf den 1. Arbeitsmarkt. Der 2. ist mir leider verschlossen.
Solange ich die hohe Dosierung der Medikamente hatte, wäre an eine geregelte Arbeit überhaupt nicht zu denken gewesen. Derzeit ja noch weniger weil es mir immer wieder so schlecht geht. Allerdings kommt für mich nun auch noch die Angst dazu, dass ich - ohne Medikamente (was ich ja anstrebe) - nicht mehr als psychisch Krank gelte. Klar, jetzt kommen dann sicher die Antworten von wegen, willst Du dich hinter einer Krankheit verstecken? Oder gar es gibt gar keine psychischen Krankheiten, nur Befindlichkeiten usw. Aber vielleicht kann mich ja jemand verstehen, dass ich die absolute Panik davor habe, dass meine unbefristete Berentung neu bewertet wird und ich rausfalle aus der Rente.
Ich fürchte, das kommt jetzt so rüber wie ein arbeitsscheuer Drückeberger und Sozialschmarotzer.
Es ändert aber nichts, ich bin gerade nicht in der Lage, zu differenzieren oder mich besser zu verteidigen.

Hallo Freudentränchen,

ich bin ans GPZ angeschlossen und habe da auch eine Betreuerin, aber ich nutze das Angebot der Tagesstätte eben halt alles andere als regelmäßig geschweige denn kontinuierlich. Es muss mir aber auch schon sehr gut gehen, damit ich die Stimmung und auch den Lärmpegel dort ertrage.
Dein Tipp, dass ich in Gesprächen signalisieren sollte, dass ich etwas zu erzählen habe, ist gut. Werde das mal versuchen.

Jetzt muss ich mich aber erst einmal wieder hinlegen. Geht gar nicht mehr.

Alles Liebe und vielen Dank für Eure Antworten.

Jamie
Moderatorenteam
Beiträge: 19233
Registriert: Montag, 04.02.13, 22:37

Re: Seid Ihr Euch wirklich sicher?

Beitrag von Jamie » Sonntag, 16.08.15, 20:38

Hallo schwarzweiß,

verstehe dich und was du sagen willst, habe Sommersprosses Beitrag aber keinesfalls so kritisch aufgefasst wie du, war doch eigentlich lieb von ihr gemeint, oder? :)

Ich bin befristet berentet auf zwei Jahre, nächstes Jahr steht wieder Begutachtung an, wovor ich riesen Horror habe.
Ich bin nämlich überhaupt nicht gut beim Zeug und die Gutachterin erwartet sicher, dass sich in den zwei Jahren was getan hat.
Hat es auch irgendwie, aber alles im Schneckentempo und auch nicht alles zum Besten, leider.
Ich kann mir zur Zeit nicht mehr vorstellen ins Berufsleben zurückzukehren, da bekomme ich Panikattacken und hochgradigen emotionalen Stress, denn es ging mir so unsäglich dreckig, als ich arbeiten und funktionieren musste und dann noch die ganzen Medikamente um eben funktionieren zu können und gleichzeitig zu merken, dass man ungebremst auf den Abgrund zurast. Der blanke Horror. Ich habe mir geschworen, dass ich niemals mehr in so eine Situation kommen möchte, ich habe es beinahe mit meinem Leben bezahlt und es steckt mir noch sehr in den Knochen.
Ich verstehe dich schon- und die anderen auch.
Wer mir vorwirft ich sei arbeitsscheu, der hat nicht den leisesten Hauch einer Ahnung, welche Kämpfe ich seit 15 Jahren ausgetragen habe um zu überleben und auf solche Meinungen gebe ich auch nichts mehr, auch wenn es verletzend ist.

Namaste
Jamie
...........SIGNATUR...............


Das Team sorgt für die Rahmenbedingungen im Forum und organisiert den Austausch. Ansonsten sind wir selbst Betroffene und geben vor allem Erfahrungswerte weiter, die sich aus unserer eigenen Geschichte und aus Erfahrungen anderer ergeben haben.

Dies ist kein medizinischer Rat. Besprich Entscheidungen über Deine medizinische Versorgung mit einem sachkundigen Arzt / Therapeuten.



:!: mein Erfahrungsbericht (AD absetzen / erzwung. Kaltentzug / SSRI / Akathisie): http://adfd.org/austausch/viewtopic.php?f=51&t=12478


Meine PN-Funktion ist deaktiviert. Ich danke für euer Verständnis. Bei dringenden Problemen / Anfragen das Forum betreffend bitte an forenmaster@adfd.org wenden

-----------------------------

Infos über mich:
► Text zeigen

Sommersprosse
Beiträge: 699
Registriert: Montag, 01.06.15, 6:18

Re: Seid Ihr Euch wirklich sicher?

Beitrag von Sommersprosse » Montag, 17.08.15, 14:23

Hallo Binka,

ich kann Dich ebenfalls sehr gut verstehen - manchmal arbeitet mein Gehirn schneller als ich schreiben kann :wink:
wollte Dich keinesfalls verletzen oder Dich bevormunden.

Hatte da wohl etwas überlesen !?

Die Sorge mit der Berentung kann ich nachvollziehen - den Gedanken hatte ich ebenfalls schon.
NUR...wer schreibt vor, dass eine Erkrankung anerkennenswert, abhängig von einer Medikation gemacht wird ?

Das würde ja bedeuten, wenn wir uns entschließen keine Psychopharmaka mehr zu nehmen, dass wir - um nicht aus einem
Krankheitsbild zu fallen, uns in gewissen Abständen z. B. klinisch einweisen lassen :o eine Therapie anstreben müssten
oder dergleichen !?
Das kanns doch nicht sein, oder ?


Viele Grüsse
Sommersprosse
Ich habe z.Zt. ein kleines, techn. Problem - kann bei einigen Threads keine DANKSAGUNG vergeben, u. bitte um Verständnis

2. Reduzierungsverlauf:
► Text zeigen

Sommersprosse
Beiträge: 699
Registriert: Montag, 01.06.15, 6:18

Re: Seid Ihr Euch wirklich sicher?

Beitrag von Sommersprosse » Montag, 17.08.15, 14:50

Sorry, das ich kurz Deinen Thread entfremde, liebe Binka

möchte Jamie kurz in den :hug: nehmen.
Liebe Jamie, hab keine Angst vor der Begutachtung.
Erwartungen sind negative Eigenschaften...lass Dich dadurch nicht beirren.
Sei einfach DU...DU bist wichtig !...verändere bitte nicht Deine Persönlichkeit nur
weil man es Dir abverlangt.

Ich wünsche Dir viel...viel Kraft...verliere niemals den Mut, das zu sein was DU wirklich bist und möchtest.

Alles Liebe für Dich und viele Grüsse
Sommersprosse

Beitrag 1 x ergänzt am 17. 08. 2015 von Sommersprosse
Ich habe z.Zt. ein kleines, techn. Problem - kann bei einigen Threads keine DANKSAGUNG vergeben, u. bitte um Verständnis

2. Reduzierungsverlauf:
► Text zeigen

Antworten