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Anhaltende Nebenwirkungen nach dreitägiger Einnahme von Duloxetin

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Josef K
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Anhaltende Nebenwirkungen nach dreitägiger Einnahme von Duloxetin

Beitrag von Josef K » Montag, 18.04.16, 15:11

Hallo.


Ich habe vor ziemlich genau acht Wochen drei Tage lang Duloxetin beta 30 mg eingenommen, also nur 90 mg insgesamt. Begleiterscheinungen wie verstärktes, "krampfhaftes" Gähnen, Herzrasen und eine Art "Zittrigkeit" zeigten sich bereits Stunden nach der ersten Einnahme. Am zweiten Tag machte sich dann eine erektile Dysfunktion bemerkbar machte, woraufhin ich die Einnahme nach der dritten Dosis einstellte.

Mein Problem ist, dass die letzte Einnahme jetzt wie gesagt acht Wochen her ist, folgende Nebenwirkungen aber nicht verschwunden sind:
- Zittern/Herzrasen: Fühlt sich an, als hätte ich 10 Tassen Espresso intus. Das Zittern ist eher gefühlt, als tatsächlich vorhanden, da ich eigentlich keine Probleme habe den linken Unterarm/die linke Hand (in dem/der das Gefühl am stärksten ist) ruhig zu halten. Allerdings klappere ich auch manchmal nach dem Gähnen mit den Zähnen - so wie wenn man friert (was ich nicht tue).
- Erektionsprobleme: Dieses Problem bereitet mir sehr, sehr große Sorgen. Die Symptome lassen leider nur den Schluss zu, dass eine SSRI-bedingte sexuelle Dysfunktion (PSSD) vorliegt. Es fällt mir schwer durch visuelle Reize eine Errektion zu bekommen. Diese kann ich zwar durch manuelle Stimulation erreichen und dann auch zum Orgamsus kommen, allerdings unter erschwerten Umständen, da die Eichel nicht vollständig durchblutet wird und (dadurch) teilweise taub ist. Ich habe generell das Gefühl, dass die Verbindung "Penis-Rest des Körpers" massiv gestört ist. Sexuelle Erregung ist ja nun mal nicht lokal auf das Geschlechtsteil beschränkt, sondern erstreckt sich über den ganzen Körper. Das fehlt einfach. Und nicht nur das. Es fühlt sich eher so an, als kämpfe der Körper/Kopf dagegen an, weil der mechanische Reiz eher ein unangenemes Gefühl (phasenweise samt einer Art Schluckreflex ("Kloß im Hals")) auslöst; sozusagen eine negative Rückkopplung.

Besagte Nebenwirkungen sind bisher allerdings nicht über den gesamten Zeitraum konstant gewesen, sondern sind durchaus Schwankungen unterlegen. Das Zittern war nach ca. 3 Wochen weigehend verschwunden, ist die letzten 14 Tage allerdings wieder sehr ausgeprägt zurückgekehrt.
Auch das Ausmaß der PSSD-Symptome variiert, was Taubheit und Errektionsfähigkeit betrifft. Interessanterweise gab es in den acht Wochen auch drei kleinere Zeitfenster von 12-36 Stunden, in den fast wieder alles beim Alten war: Eine Woche nach der letzen Einnahme war ich für gut einen Tag wieder bei 100% und hatte schon aufgeatmet. Leider ging's im Laufe des nächsten Tages wieder deutlich bergab. Erst gute zwei Wochen später, ergab sich wieder ein halber Tag, an dem ich eine deutliche Verbesserung verspürte. Zuletzt war das Wochenende von zwei Wochen einer dieser raren Momente, in denen wieder fast alles funktionierte.

Bei dem Versuch zu rekonstruieren, was diese temporären Verbesserungen begünstigt haben könnte, wäre ich am ehesten geneigt zu sagen, dass das Nachgehen von Freizeitaktivitäten geholfen hat; In zwei von drei Fällen traten am nächsten Tag Verbesserungen ein. Das weiss ich so genauch, weil ich aufgrund meiner Antriebslosigkeit und gewisser äußerer Umstände aktuell praktisch gar nichts mache. Ich bin aber gerade dabei, mein Fahrrad wieder flott zu machen, um herauszufinden, ob sportliche Aktivität einen positiven Effekt erzielt. Gleichzeitig spiele ich mit dem Gedanken mit Mitteln wie Ginko oder Ginseng zu supplementieren.

Ich hatte im Übrigen noch nie Probleme mit meiner Potenz, ich bin ja auch erst Ende 20. Dennoch habe ich Erfahrungen mit diesen Nebenwirkungen bereits WÄHREND einer mehrwöchigen Einnahme von Sertralin gemacht (aber erst nach der Erhöhung von 50 mg auf 100). Die Erektionsprobleme waren nach dem (relativ abrupten) Absetzen des Medikaments allerdings innerhalb von 48 Stunden vollständig verschwunden. Darauf folgte ein 6-wöchiges Intermezzo mit in jeder Hinsicht völlig wirkungslosem Valdoxan. Tja, und dann das folgenschwere Duloxetin...

Ich muss gestehen, dass ich mich aktuell sehr viel schlechter fühle, als ich es jemals zuvor getan habe. Die Maßnahme, psychotherapeutsiche Hilfe in Anspruch zu nehmen hat paradoxerweise zu einem gegenteiligen Effekt geführt. Vor allem stehe ich komplett alleine da, weil es das, was ich hier beschreibe, laut meinem Therapeuten gar nicht gibt.
Ich wäre auf jeden Fall für jegliche Ratschläge, Anmerkungen, Erfahrungswerte dankbar, die mir eventuell dabei helfen könnten, dieser Hölle zu entkommen.

Murmeline
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Re: Anhaltende Nebenwirkungen nach dreitägiger Einnahme von Duloxetin

Beitrag von Murmeline » Montag, 18.04.16, 15:59

Hallo Josef,
dennoch habe ich Erfahrungen mit diesen Nebenwirkungen bereits WÄHREND einer mehrwöchigen Einnahme von Sertralin gemacht (aber erst nach der Erhöhung von 50 mg auf 100). Die Erektionsprobleme waren nach dem (relativ abrupten) Absetzen des Medikaments allerdings innerhalb von 48 Stunden vollständig verschwunden. Darauf folgte ein 6-wöchiges Intermezzo mit in jeder Hinsicht völlig wirkungslosem Valdoxan. Tja, und dann das folgenschwere Duloxetin...
Du versucht mit verschiedenen Psychopharmaka irgendeiner Grundproblematik nachzukommen, erlebst aber eher Nebenwirkungen und Nachwirkungen, das kennen hier leider viele. Sexuelle Dysfunktionen können beides sein, Erfahrungsberichte findest Du über die Suche: search.php?keywords=pssd
Die Maßnahme, psychotherapeutsiche Hilfe in Anspruch zu nehmen hat paradoxerweise zu einem gegenteiligen Effekt geführt. Vor allem stehe ich komplett alleine da, weil es das, was ich hier beschreibe, laut meinem Therapeuten gar nicht gibt.
Ja, leider gibt es noch zu viele Fachmenschen, die Absetzprobleme nicht kennen - der Diskurs darüber ist schlecht und nicht jeder informiert sich eigenständig.
Interessanterweise gab es in den acht Wochen auch drei kleinere Zeitfenster von 12-36 Stunden, in den fast wieder alles beim Alten war: Eine Woche nach der letzen Einnahme war ich für gut einen Tag wieder bei 100% und hatte schon aufgeatmet. Leider ging's im Laufe des nächsten Tages wieder deutlich bergab. Erst gute zwei Wochen später, ergab sich wieder ein halber Tag, an dem ich eine deutliche Verbesserung verspürte. Zuletzt war das Wochenende von zwei Wochen einer dieser raren Momente, in denen wieder fast alles funktionierte.
Das auf udn ab ist bekannt und nennt sich Wellen mit Symptomen und Fenster mit symptomfreien Zeiten. Das sind Funktionsstörungen eines irritierten ZNS, bei Dir durch die verschiedenen Medikamente, die Dir alle eher unerwünschten Arzneimittelwirkungen gebracht haben.

Das Probleme länger als 8 Wochen anhalten ist nicht ungewöhnlich, sagt aber noch nichts darüber aus, ob diese dauerhaft anhaltend sind. Da heisst es erstmal noch abwarten udn schauen, was sich verändert - und am besten, auch wenn es schwer ist, ohne jeden Tag nur darauf konzentriert zu sein, ob es endlich besser ist.
Bei dem Versuch zu rekonstruieren, was diese temporären Verbesserungen begünstigt haben könnte, wäre ich am ehesten geneigt zu sagen, dass das Nachgehen von Freizeitaktivitäten geholfen hat; In zwei von drei Fällen traten am nächsten Tag Verbesserungen ein. Das weiss ich so genauch, weil ich aufgrund meiner Antriebslosigkeit und gewisser äußerer Umstände aktuell praktisch gar nichts mache. Ich bin aber gerade dabei, mein Fahrrad wieder flott zu machen, um herauszufinden, ob sportliche Aktivität einen positiven Effekt erzielt.
Wenn Du schon erste Punkte gefunden hast, die die Situation besser machen, unbedingt weiter verfolgen.
Gleichzeitig spiele ich mit dem Gedanken mit Mitteln wie Ginko oder Ginseng zu supplementieren.
Gegen/Für was soll das helfen? Vielleicht wartest Dui noch ein bisschen, bevor Du hier etwas ausprobierst. Wenn Du das machst, schau immer nach reinen Substanzen und teste sie vorsichtig, nur bei guter Verträglichkeit langsam steigern, und immer nur eines nach dem anderen hinzunehmen.

Erstmal viele Grüße, Murmeline
Erfahrung mit Psychopharmaka (Citalopram, langjährig Venlafaxin und kurzzeitig Quetiapin), seit Sommer 2012 abgesetzt
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Josef K
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Re: Anhaltende Nebenwirkungen nach dreitägiger Einnahme von Duloxetin

Beitrag von Josef K » Dienstag, 19.04.16, 15:09

Hallo, Murmeline,


vielen Dank für Deine Antwort. Es tut gut, bei jemandem Gehör zu finden, der die Problematik anerkennt und sich damit auskennt.

Der Beitrag über das irritierte ZNS ist sehr aufschlussreich. Besonders die Aussage, die sich auch in Deinem Post von gestern wiederfindet, dass die Gesamtheit der eingenommenen Medikamente eine Rolle spielen kann (ich war bisher davon ausgegangen, dass die Nachwirkungen ausschließlich durch die kurze Einnahme von Dulexetion ausgelöst wurden), ist interessant - wenn auch im Endeffekt nicht mehr von Bedeutung.
Die Tatsache, "dass quasi alles möglich ist" und somit keine Prognosen möglich sind, ist hingegen etwas unbefriedigend.

Wie gesagt werde ich erst einmal versuchen mit sportlicher Aktivität zur Regeneration meines ZNS beizutragen. Besser als nichts zu tun, dürfte das allemal sein.

padma
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Re: Anhaltende Nebenwirkungen nach dreitägiger Einnahme von Duloxetin

Beitrag von padma » Dienstag, 19.04.16, 18:53

hallo Josef, :)

ich bin da sehr optimistisch, dass sich bei dir alles wieder normalisiert.

ein bleibendes PSSD ist wirklich sehr selten. Und du erlebst ja bereits Fenster, das zeigt m.E.n. dass kein bleibender Schaden enststanden ist, sondern dass es sich um eine zeitlich begrenzte Funktionsstörung des ZNS handelt.
Wie gesagt werde ich erst einmal versuchen mit sportlicher Aktivität zur Regeneration meines ZNS beizutragen. Besser als nichts zu tun, dürfte das allemal sein.
Das kannst du versuchen. Sport ist nicht für jeden hilfreich, aber für manche schon. Fischölkapseln können evtl. bei der Regeneration des ZNS helfen.

liebe Grüsse,
padma
Diagnose: somatoforme Schmerzstörung ,Fibromyalgie
seit 2002 Fluoxetin zur Schmerztherapie

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Josef K
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Re: Anhaltende Nebenwirkungen nach dreitägiger Einnahme von Duloxetin

Beitrag von Josef K » Donnerstag, 21.04.16, 17:28

Hallo padma,


ich hoffe, du behälst recht. Das letzte Fenster ist halt auch schon wieder zweieinhalb Wocher her...

Fischölkapseln hatte ich sogar schon genommen (4g/Tag), direkt am Anfang, weil ich die da hatte. Kurze Zeit später öffnete sich das erste Fenster und ich hielt einen Zusammenhang für zumindest plausibel. Nachdem es aber rasch wieder bergab ging und trotz andauernder Einnahme der Kapseln keine Verbesserung zu verzeichenen war, habe ich diese Hypothese erst einmal verworfen. Vielleicht war auch Dosis zu niedrig.

Auch Kaffe und Alkohol scheinen meines Erachtens keinen Einfluss auf die Symptome zu haben.

Gruß,
Josef

Jamie
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Re: Anhaltende Nebenwirkungen nach dreitägiger Einnahme von Duloxetin

Beitrag von Jamie » Freitag, 22.04.16, 5:06

Hallo Josef K,

auch von mir noch willkommen hier :).

Ein PSSD ist eine schwerwiegende Störung / Schädigung und ich hoffe, dass du nicht davon betroffen bist.
Da du schon kurzzeitig mal eine Verbesserung verspürt hast, bin auch ich zuversichtlich, dass sich das im Laufe der Zeit wieder regulieren wird.

Meines Erachtens darfst du nie wieder AD aus der SSRI / SNRI - Gruppe nehmen; die ersten Probleme unter Sertralin waren bereits ein Hinweis und das jetzt ist eine schwere Warnung. Egal was es ist / war, das dich dazu bewogen hat, AD zu nehmen - du solltest dich im Interesse deiner langfristigen Gesundheit unbedingt nach Alternativen umsehen, insbesondere nichtmedikamentösen Therapien.

An deiner Stelle würde ich diese Folgewirkungen melden; es gibt dazu Meldebögen.
Je mehr Menschen diese nutzen, umso besser kann dokumentiert werden, dass diese Medikamente keinesfalls so harmlos und unschädlich sind, wie sie uns seit Jahr und Tag von der Pharmaindustrie verkauft werden. Die Meldebögen werden an das BfArM weitergeleitet und diese Behörde hat die Pflicht zu reagieren, wenn sich Vorfälle häufen: www.adfd.org/austausch/viewtopic.php?f=19&t=7889


Grüße
Jamie
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Josef K
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Re: Anhaltende Nebenwirkungen nach dreitägiger Einnahme von Duloxetin

Beitrag von Josef K » Freitag, 22.04.16, 12:52

Hallo Jaimie,


ich hoffe nur, dass die kurzzeitigen Verbesserungen nicht nur eine Art letztes Zucken war, bevor der Patient endgültig dahinscheidet.
Aktuell ist es leider nicht gut.

Antidepressiva werde ich generell unter gar keinen Umständen mehr nehmen. Nicht nur wegen der Nebenwirkungen und möglichen Dauerschäden - es haben sich bei mir während der Einnahme auch überhaupt keine positiven Eigenschaften bemerkbar gemacht.

Gruß,
Josef

Wort
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Re: Anhaltende Nebenwirkungen nach dreitägiger Einnahme von Duloxetin

Beitrag von Wort » Montag, 25.04.16, 15:14

Jamie hat geschrieben: Ein PSSD ist eine schwerwiegende Störung / Schädigung
Ich denke, eine Situation, in der Antidepressiva-induzierte Symptome nach dem Absetzen zumindest vorübergehend nicht verschwinden, ist sehr oft schwerwiegend. Man weiß jedoch nicht die Ursache von PSSD. Es kann sein, dass es verschiedene Ursachen gibt.

Meiner Meinung nach müsste es auch eher Post-SSRI Syndrom heißen als PSSD, da viele PSSD Betroffene noch weitere SSRI-induzierte Symptome haben.
Es ist gut, dass du es nur 3 Tage genommen hast. Es hätte noch schlimmer werden können, z.B. Blockierung von Gefühlen und Asexualität.

Ja, kaum ein Arzt oder Therapeut weiß, dass es sowas gibt. Es gibt aber Professoren, die darüber Bescheid wissen, z.B. der Neuropsychiater Professor Marcel Waldinger aus Holland.

Literatur (darunter auch Literatur zu SSRI-induziertem PGAD)
1)
Adson DE, Kotlyar M
Premature ejaculation associated with citalopram withdrawal. (2003)
Abstract: https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/146 ... t=Abstract
http://www.researchgate.net/publication ... Withdrawal
2)
Csoka AB, Shipko S.
Persistent sexual side effects after SSRI discontinuation. (2006)
http://www.researchgate.net/publication ... ntinuation
3)
Bolton JM, Sareen J, Reiss JP
Genital anaesthesia persisting six years after sertraline discontinuation. (2006)
Abstract: http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/16709553
http://www.mediafire.com/?ja7uun3cr7mmgu7
4)
Bahrick A
Post SSRI Sexual Dysfunction (2006)
http://www.researchgate.net/publication ... ysfunction
5)
Kauffman RP, Murdock A
Prolonged Post-Treatment Genital Anesthesia and Sexual Dysfunction Following Discontinuation of Citalopram and the Atypical Antidepressant Nefazodone (2007)
http://benthamopen.com/contents/pdf/TOWHJ/TOWHJ-1-1.pdf
6)
Csoka AB, Bahrick A, Mehtonen OP
Persistent Sexual Dysfunction after Discontinuation of Selective Serotonin Reuptake Inhibitors (2008)
Abstract: http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/18173768
http://www.researchgate.net/publication ... Inhibitors
7)
Bahrick A
Persistence of Sexual Dysfunction Side Effects after Discontinuation of Antidepressant Medications: Emerging Evidence (2008)
http://benthamopen.com/contents/pdf/TOP ... J-1-42.pdf
8)
Bahrick A, Harris MM
Sexual Side Effects of Antidepressant Medications: An Informed Consent Accountability Gap (2008)
http://www.mediafire.com/?418mevgy4gzo9eo
9)
Leiblum SR, Goldmeier D
Persistent genital arousal disorder in women: case reports of association with anti-depressant usage and withdrawal. (2008)
Abstract: http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/18224549
http://www.researchgate.net/publication ... Withdrawal
10)
Farnsworth KD, Dinsmore WW
Persistent sexual dysfunction in genitourinary medicine clinic attendees induced by selective serotonin reuptake inhibitors. (2009)
Abstract: http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/19103903
http://www.mediafire.com/view/2ing236fw ... sworth.pdf
11)
Stinson RD
The impact of persistent sexual side effects of selective serotonin reuptake inhibitors after discontinuing treatment: a qualitative study (2013) (Doktorarbeit in Psychologie zu PSSD)
http://ir.uiowa.edu/cgi/viewcontent.cgi ... ontext=etd
12.1)
Netherlands Pharmacovigilance Centre Lareb
SSRIs and persistent sexual dysfunction (2012)
http://www.lareb.nl/LarebCorporateWebsi ... 3_SSRI.pdf
12.2)
Ekhart GC, van Puijenbroek EP
Does sexual dysfunction persist upon discontinuation of selective serotonin reuptake inhibitors? (2014)
Abstract: http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/24838589
http://www.tijdschriftvoorpsychiatrie.n ... Ekhart.pdf
13)
Eli Lilly
Full prescribing information for PROZAC (2014), Seite 14
http://pi.lilly.com/us/prozac.pdf
14)
Hogan C, Le Noury J, Healy D, Mangin D
One hundred and twenty cases of enduring sexual dysfunction following treatment. (2014)
Abstract: http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/24902508

15)
Waldinger MD, van Coevorden RS, Schweitzer DH, Georgiadis J
Penile anesthesia in Post SSRI Sexual Dysfunction (PSSD) responds to low-power laser irradiation: a case study and hypothesis about the role of transient receptor potential (TRP) ion channels. (2014)
Abstract: http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/25483212
http://www.sciencedirect.com/science/ar ... 9914008462
16)
Waldinger MD
Psychiatric disorders and sexual dysfunction. (2015)
Abstract: https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/26003261
http://www.sciencedirect.com/science/ar ... 2470000274
17)
Ben-Sheetrit J, Aizenberg D, Csoka AB, Weizman A, Hermesh H
Post-SSRI Sexual Dysfunction: Clinical Characterization and Preliminary Assessment of Contributory Factors and Dose-Response Relationship. (2015)
Abstract: http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/25815755
http://www.researchgate.net/publication ... lationship


Weitere Artikel zur PSSD
1)
Primary Psychiatry (Kauffman RP)
Persistent Sexual Side Effects after Discontinuation of Psychotropic Medications (2008)
http://primarypsychiatry.com/persistent ... dications/
2)
Gesundheitstipp (Schneider R)
Erst Depression, dann tote Hose (2010)
https://www.ktipp.ch/artikel/d/erst-dep ... tote-hose/
3)
de Volkskrant (Effting M)
Blijvende seksuele stoornis door antidepressivum (2014)
http://www.volkskrant.nl/vk/nl/2672/Wet ... open.dhtml
Übersetzung ins Englische auf http://wp.rxisk.org/pssd-one-hundred-and-twenty-cases/ unter "Lareb in English"
4)
Oncns.com (H. Lundbeck A/S 2015)
Some drugs, not much rock and roll (2015)
http://oncns.com/content/some-drugs-not ... k-and-roll

Es gibt noch weitere Artikel auf Rxisk.org, die hab ich hier aber nicht erwähnt, weil die oft zu schlimm klingen.. Die Seite ist momentan anscheinend auch im Umbau.

Jamie
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Re: Anhaltende Nebenwirkungen nach dreitägiger Einnahme von Duloxetin

Beitrag von Jamie » Montag, 25.04.16, 15:21

Hallo wort,

das ist ja eine gewaltige Sammlung, die du da mittlerweile zusammengetragen hast.
Dürfen wir vom adfd diese Linksammlung vielleicht nutzen / weiterverwenden?

Grüße
Jamie
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Wort
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Re: Anhaltende Nebenwirkungen nach dreitägiger Einnahme von Duloxetin

Beitrag von Wort » Montag, 25.04.16, 15:30

Klar, ich bin auf Teile der Liste schließlich auch durch andere Seiten/Foren gestoßen.
Die Mediafireuploads sind aber von survivingantidepressants.org, wohl von Altostrata:
http://survivingantidepressants.org/ind ... rder-pssd/

Josef K
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Re: Anhaltende Nebenwirkungen nach dreitägiger Einnahme von Duloxetin

Beitrag von Josef K » Montag, 02.05.16, 12:38

Josef K hat geschrieben: ich hoffe nur, dass die kurzzeitigen Verbesserungen nicht nur eine Art letztes Zucken war, bevor der Patient endgültig dahinscheidet.
Diese Befürchtung scheint sich nun zu bewahrheiten. Das letzte Fenster ist nun vier Wochen her und die PSSD-Symptome haben sich leider auf einem Niveau eingependelt, das ich als sehr schlecht bezeichnen würde: Die genitale Taubheit ist sehr stark ausgeprägt, trotzdem ist stellenweise ein leichtes, unangenehmes Brennen der Eichel vorhanden.

Bei der "inneren Unruhe" sind zwar noch Schwankungen zu verzeichnen, inwiefern/ob ich diese beeinflussen kann, vermag ich nicht zu beurteilen. Ich hatte dann doch nochmal auf Kaffe verzichtet und prompt eine Verbesserung verzeichnet, nur um am dritten Tag (ohne Kaffe) eines Besseren belehrt zu werden. Sport (so meine Vermututng) hatte bestenfalls keinen Einfluss darauf, eher einen negativen.

Dementsprechend ist auch meine Stimmung. Die Hoffnung, dass sich die PSSD nochmal bessert, befinden sich im freien Fall gen Null.

Jamie
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Re: Anhaltende Nebenwirkungen nach dreitägiger Einnahme von Duloxetin

Beitrag von Jamie » Montag, 02.05.16, 15:40

Hallo Josef,

das sind schlechte Neuigkeiten. Ich kann dir leider nicht mal groß Hoffnung machen, weil über PSSD viel zu wenig bekannt ist.
Es kann sein, dass es in ein paar Wochen doch nochmal besser wird, oder sukzessive über Monate, aber es kann auch schlecht laufen und es ändert sich lange Zeit gar nichts mehr.

Ich würde das an deiner Stelle eindringlich dem behandelnden Neurologen melden und - das ist vielleicht etwas krass ausgedrückt, aber ich denke du verstehst, was ich meine - zur Rede stellen respektive mal genau nachfragen, wie das sein kann und was das sein soll? ???
3 Tage Duloxetin und dann sowas????
Und lass dich bloß nicht auf die Schiene schieben, das käme von deinen Depressionen, dass die Libido im Eimer ist.
:evil:

Als zweites würde ich dem BfArM Meldung erstatten - je mehr das machen, desto besser: http://www.adfd.org/austausch/viewtopic.php?f=19&t=7889

AD haben immer noch den Ruf harmlos und gut verträglich zu sein; dass dies nicht so ist, weiß das Forum zur Genüge :( .
Evtl. kannst du Teilnehmer wort mal per PN anschreiben; ich glaube er hat früher mal eine inoffizielle anonyme Gruppe für PSSD - Opfer betrieben, aber ich weiß nicht, ob es die noch gibt.


Grüße
Jamie
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Re: Anhaltende Nebenwirkungen nach dreitägiger Einnahme von Duloxetin

Beitrag von Wort » Montag, 02.05.16, 16:57

Man muss jedoch nicht die Hoffnung aufgeben. Es kann sich auch noch nach Jahren bessern.
Man kann es auch noch positiv sehen, dass du deine Gefühle durch das Duloxetin nicht verloren hast.

Einen Arzt zur Rede stellen, bringt glaube ich da nicht viel, man sollte es jedoch zumindest demjenigen, der das verschrieben hat, berichten.
Viele Ärzte würden argumentieren, dass sowas gerade wegen der kurzen Einnahmezeit nicht passieren könne (weil sie es sich nicht vorstellen können) und sehen den Patienten dafür selbstverantwortlich(psychisch).

Ich empfehle auch, dass du deinen Fall bei Bfarm meldest (bei Ausgang der Symptome nicht "unbekannt" angeben, das ist gleichbedeutend mit "keine Angabe").

Es gibt eine deutsche yahoo PSSD Gruppe, eine englische yahoo Gruppe, ein englisches Forum und ein kleines deutsches Forum(welches momentan halb geschlossen ist). Ich hab das nicht betrieben, lediglich Positives beigesteuert. Aber viel bringt es nicht, da dauernd aktiv zu sein, es werden Erfahrungsberichte zu Medikamenten ausgetauscht.
Medikamente ausprobieren ist aber riskant und bislang hat man nichts gefunden, was allgemein hilft.
Jeder Betroffene sollte jedoch etwas dazu beisteuern, dass sowas wie PSSD bekannter wird. Momentan verschicken ein paar aus dem deutschen Forum eMails über PSSD an Ärzte. Kannst bei dieser Aktion ja mitmachen wenn du willst.

http://www.survivingantidepressants.org ist übrigens ein sehr gutes Forum, wo man viel Unterstützung bekommt.

Irgendwo sollte man registriert sein, damit man es mitbekommt, falls irgendwann wieder eine neue Studie durchgeführt wird. Ich weiß nicht, ob du bei der aktuell laufenden Studie von Ben-Sheetrit mitmachen kannst, du solltest ihm vlt eine Mail (auf Englisch) schicken.

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