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 ! Nachricht von: Oliver

Dieses Forum ist im Ruhezustand.

Es hat sich eine neue Gemeinschaft aus Betroffenen und Angehörigen gegründet, die sich weiterhin beim risikominimierenden Absetzen von Psychopharmaka unterstützt und Informationen zusammenträgt. Die Informationen, wie ihr dort teilnehmen könnt findet ihr hier:

psyab.net: wichtige Informationen für neue Teilnehmer


Die öffentlichen Beiträge auf adfd.org bleiben erhalten.

Bereits registrierte Teilnehmer können hier noch bis Ende 2022 weiter in den privaten Foren schreiben und PNs austauschen, aber es ist kein aktiver Austausch mehr vorgesehen und es gibt keine Moderation mehr.

Ich möchte mich bei allen bedanken, die über die geholfen haben, dieses Forum über 18 Jahre lang mit zu pflegen und zu gestalten.


Trevilor nehmen oder nicht?

Hier lassen sich auch viele Erfahrungsberichte über das Absetzen von Antidepressiva und Benzodiazepinen finden.
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NiceGuy35Bln
Beiträge: 2
Registriert: 12.01.2005 03:29

Trevilor nehmen oder nicht?

Beitrag von NiceGuy35Bln »

Hallo Ihrs,

ich hab vor 2 Jahren nach einer schlimmen und für mich vollkommen unbegreiflichen Trennung vollkommen den Halt im Leben verloren.

Auch jetzt wo ich diesen Satz schreibe, kullern wieder Tränen.

Diverse Versuche, mein bisher normales und bürgerliches Leben aufrecht zu erhalten (Streßreich, wöchentliche Dienstreisen, berufliche Exrembelastung), verliefen für mich innerlich im Sande, und es kamen immer neue Katastrophen hinzu. Ich hab nur noch Menschen mit Probleme getroffen, und jedes neue Desaster hat meine eigene, persönliche Situation weiter verschlimmert.

Oft genug hatte ich nicht oder kaum die Kraft überhaupt aufzustehen, jeder neue Tag, den ich überstanden hatte, war ein Erfolg. Hab mich weitgehend von der Öffentlichkeit abgekapselt und auf Arbeit nur noch Im Internet surfen können. Hab oft Weinkrämpfe bekommen und bin dann schnell auf Klo, hab mich ausgeheult und gehofft dass es keiner merkt. Meine Konzentrationsfähigkeit ist bis heute nur knapp über Null, es sei denn es geht um die Themen die mich beschäftigen. Die durchdenke und widerkäue ich den ganzen Tag.

Ich bin vor 4 Monaten zum Arzt wegen anhaltender Rückenbeschwerden und wurde aufgrund tatsächlich vorhandener Defekte krank geschrieben,

Erst wollte ich - wie immer - gar nicht lange krank geschrieben werden, aber schon nach einer Woche war mir klar, dass ich in meiner Arbeitshölle nicht zurückkehren kann ohne drauf zu gehen. Seit dem jammer ich dem Arzt was von Rückenschmerzen vor, und dieser schreibt seinen gut zahlenden Privatpatienten ohne Nachfrage munter weiter krank.

Die Ruhe hat mir natürlich einigermaßen gut getan, die extreme Geräuschüberempfindlichkeit und meine Dünnhäutigkeit haben abgenommen und es ging mir eigentlich wieder ganz gut-

Vor Weihnachten spitzte sich dann wieder mal meine neue Beziehungskiste zu und es wurde offensichtlich, dass diese bald vorüber sein würde.

Ich hab dann den Fehler gemacht, einen Kopf Gras zu rauchen (was ich sonst nicht oft mache, vielleicht alle paar Monate mal n Zug) um schlafen zu können, aber das verkehrte sich ins Gegenteil. Krasse Angstanfälle, Panikattacken, Blitze im Kopf, Todesangst, Herzrasen, Zittern am ganzen Körper, stundenlange Rastlosigkeit in der ich tagelang durch die Stadt gelaufen bin, unfähig auch nur einen klaren Gedanken zu fassen. Ausser den ewig gleichen, natürlich... warum mich mein Ex-Freund verlassen hat.

Nach 5 Tagen hatte ich solche Angst, dass ich zu meinem Neurochirurg ging. Ich hatte Besuch, und bin vollkommen durchgedreht. Ich glaubte wirklich ich würde gleich sterben. Der Doc wies mich sofort in eine Nervenklinik ein, in der ich dann 3 Tage blieb. Vorrangig, um meinen körperlichen Gesunheitszustand zu checken. Ergebnis: alles normal, also konnte ich einigermaßen beruhigt wieder nach Hause.

Dazwischen war Weihnachten, und jetzt im Januar ist eigentlich alles wieder ganz okay. Beziehung wird wohl enden, aber damit habe ich mich abgefunden.

Was bis jetzt geblieben ist, ist meine Antriebslosigkeit. Obwohl ich n großen Kreis von Freunden hab, hab ich kaum mehr Kontakt zu denen. Hab nicht das Gefühl, mit denen über meine Geschichten reden zu können. Sitz den ganzen Tag vorm Rechner und kann phasenweise immer noch nicht schlafen.

Lesen, Fehlanzeige. Keine Konzentration- Fernsehen kotzt mich an. Ich finde nicht mal den Anschalter. Würde gern zum Sport, aber finde nicht den Anfang. Eigentlich ein krasses Dilemma.

Ich sitz im Zentrum einer Millionenmetropole in meiner kleinen Luxusbude, und finde tangelang weder den Weg zur Dusche, noch den nach draussen. Ich hocke nur vor dem Rechner und rede und rede und rede. Keine Bewegung, keine Abwechslung. Nichts.

Nur das Nichts.

Ich schätz ma, das ist eine ausgewachsene Depression, zumal ich auch den Gedanken hab, dass ich gerne wieder arbeiten würde, aber mich gleizeitig vor dem Gedanken grusel.

Und jetzt kommt ihr an den Start. Ich vertraue Ärzten nur noch bedingt, weil die schon viel bei mir kaputt gemacht haben.

Mein Hausarzt, der mich seit über 20 Jahren kennt und behandelt hat mir Trevilor verschrieben. Das war vor ca. 8 Monaten (noch bevor ich aufgehört hab zu arbeiten), weil ich ihm von der Trennung erzählt hab. Er sagte, wenn das Loch zu groß würde, sollte ich das nehmen.

Ich hab aber nur die Packungsbeilage gelesen, und das Zeug nicht angerührt. Ich rauche nicht mehr (was nicht einfach war, gerade jetzt könnte ich mir eine anstecken), trinke so gut wie keinen Alk und nehme keinerlei Tabletten. Ich bin eigentlich ein bewußter und weitgehend gesunder, intelligenter und leistungsfähiger junger "Hot Shot" und war bislang der Auffassung so einen Scheiss nicht schlucken zu müssen, um mein Leben aufrecht zu erhalten.

Aber nach nun genau 2 Jahren, in denen ich es immer noch nicht geschafft hab, diese Trennung zu verarbeiten (immerhin waren es ja auch fast 10 Jahre), bin ich meiner Sasche nicht mehr so sicher.

Ich will wieder leben. Teilhaben am Leben und ein gesunde, aktiver Mensch sein. Ich hab die Schnauze voll vom rumhängen und mich bejammern.

Trevilor einschmeissen, ja oder nein?

Eure Meinung ist gefragt!

Alles Liebe erst Mal
Noch niemals auf Tabletten gewesen, aber mit meinem Scheiss allein. Trevilor verschrieben bekommen, aber nicht eingenommen. Hier, weil ich erst wissen wollte welche Risikien die tollen Pillen bergen. Und jetzt der festen Überzeugung, dass es auch so gehen wird.
Oliver
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Beitrag von Oliver »

Hallo Nicguy.

Willkommen im Forum :)

Meine persönliche Antwort auf Deine Frage: definitiv nicht ... und auch kein anderes Antidepressivum. Was Du von Dir erzählst, klingt danach als seist Du mit deinem Leben äußerst unglücklich und Dir sind einige unschöne Dinge passiert. Ich denke, Du hast eine relativ klare Vorstellung, wie dein Leben aussehen sollte und welche Faktoren Dich glücklich oder zumindest zufrieden machen sollten: Du sagst, Du bist ein weitgehend gesunder, intelligenter und leistungsfähiger junger "Hot Shot" mit Luxusbude in einer Millionenstadt - also solltest Du doch glücklich sein. Vielleicht hast Du aber einfach noch nicht die Faktoren gefunden, die Dir ein für Dich sinnvolles und erfülltes Leben ermöglichen - das klingt jetzt vielleicht ein bisschen nach Predigergequatsche, aber ich will Dir sicher kein Patentrezept verkaufen. Ich spreche nur aus meiner eigenen Erfahrung heraus, dass ich lange Zeit ein ähnliches Bild von mir im Kopf hatte und ähnlich verzweifelt war. Jetzt lebe ich völlig anders, als ich mir das jemals hätte träumen lassen und mir geht's gut damit ... es ist aber absolut überhaupt gar nicht das Leben von dem ich dachte, dass es mir gefallen würde. Hoffe das klingt jetzt nicht zu wirr, aber ich würde es gerne allgemein halten ...

Ich denke, was für Dich Sinn machen würde, wäre eine Gesprächstherapie in der Du vielleicht ein wenig mehr darüber rausfindest wer Du bist und was Du willst. Auch könntest Du da vielleicht rausfinden, wieso Du so große Probleme hast über diese Trennung hinauszukommen und wieso Du nichts mehr mit Deinem großen Freundeskreis zu tun haben willst..

Es könnte auch nicht schaden, Dich umfassend auf Schilddrüsenprobleme, Lebensmittelallergien, etc. checken zu lassen, denn Depressionen können auch solche Ursachen haben.

Antidepressiva brauchst Du für diese Prozesse meiner Meinung nach so nötig wie ein Loch im Kopf, sie können Deine Latte an Problemen auch durchaus noch verlängern, wie Du in diesem Forum sehr schön nachlesen kannst.

Alles Gute
Oliver
Ich sag jetzt auch einfach mal in meiner Signatur Hallo und Tschüss :)

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Beitrag von Linda »

Hallo und willkommen im Forum.

Was in mir beim Lesen Deiner Nachricht aufkam war das Gefühl, dass Du aufgrund der Trennung "einfach" Dein Grundvertrauen verloren hast. Das kenne ich auch. Es dauert wirklich sehr lange, bis man/frau eine solche Erfahrung aufarbeitet. Es kann einen völlig aus der Mitte schmeißen und man braucht Zeit, manchmal sehr viel, um wieder zurückzufinden. Wenn es Dir hilft, kannst Du gerne mehr über Deine Trennung schreiben, auch im geschützten Bereich (ist vor der Öffentlichkeit verborgen).

Zudem hast Du offensichtlich auch festgestellt, dass Du in Deiner Arbeit überfordert und unzufrieden bist - einerseits schlecht, anderseits gut, weil Du diese Erkenntnis nützen kannst, um Dich neu zu orientieren und einen neuen Anfang zu wagen. Umbruchzeiten sind immer sehr schwer. Ich schliesse mich Oliver an und fände es auch gut, wenn Du mit einem Gegenüber sachlich Deine Situation überdenken könntest, um einfach Klarheit in verschiedener Hinsicht für Dich selbst zu schaffen. Ich rate Dir auch ab, zu versuchen, Lebenskrisen mit Antidepressiva zu bewältigen - da schafft man sich unter Umständen noch mehr Probleme, als man ohnehin schon hat. Meiner Ansicht nach zeigst Du eine "normale" Reaktion für jemanden, der etwas verloren hat, der trauert, der festgestellt hat, dass er im Leben etwas ändern muss, und momentan nicht weiss, wie das gehen soll. Ein Rückzug ist in solchen Situationen ein Schutzmechanismus, und wie Du selbst schreibst, bist Du dadurch schon für Dich ein Stück weitergekommen, wenn Du jetzt weisst, dass Du nicht in die Arbeit zurückkannst. Du brauchst offensichtlich diese Auszeit - gönne sie Dir doch, aber als konstruktiver Rückzug. Wenn Du Dich zusätzlich unter Druck setzt, dass Du wieder "funktionieren" sollst, kommst Du auch nicht weiter.

Du hast geschrieben, dass Du nur noch Menschen mit Problemen getroffen hast. Alle Menschen haben aber Probleme - sie gehören zum Leben dazu. Das Leben ist nicht nur eitler Sonnenschein, Genuss und Vergnügen, wie uns unsere heutige Gesellschaft vorgaukeln will. Meiner Ansicht nach ist es da, damit wir wachsen können - und die Bewältigung von Problemen gehört da dazu.

Vielleicht hast Du Dich mit Deiner eigenen Erwartung überfordert, dass Du schon längst über diese Trennung hättest hinweg sein sollen. Warum musst Du es aber sein - es gibt keine Regeln, wie lange man dazu brauchen soll. Vielleicht wirst Du es nie verstehen, warum Dein Freund Dich verlassen hat. Zu manchen Fragen gibt es keine Antwort und vielleicht ist es auch nicht wichtig - es gibt Sachen im Leben, die man einfach akzeptieren muss.

Ich würde Dir raten, zu einer Beratungsstelle zu gehen, um mit einem Aussenstehenden Deine Situation zu überdenken. Manchmal reichen ein paar Sitzungen, um wieder Klarheit zu bekommen. Scheue Dich nicht, andere um Unterstützung zu bitten. Man(n) muss nicht immer stark und leistungsfähig sein. Schwäche am eigenen Leib zu erleben ist auch eine wichtige Erfahrung im Leben.

Linda
Dana
Beiträge: 139
Registriert: 12.12.2004 08:51

Beitrag von Dana »

ich kann das problem sehr gut verstehen da ich selber vor einem halben jahr verlassen wurde. die gründe sind zwar klar und nachvollziehbar - jedoch der schock wirkt bis heute noch in mir nach.......... mein selbstbewusstsein ist, wenn es darum geht, neue männer kennenzulernen nachwie vor ziemlich im keller und ich fühle mich ziemlich einsam, obwohl ich einen guten job und freunde habe.

seit zwei wochen fühle ich mich elendich depressiv und grübele so vor mich hin, ob ich wieder in die pharmakiste greifen soll - aber ich sage mir innerlich einfach NEIN!


ich habe eine psychotherapie angefangen und nehme begleitend dazu homöopathische tropfen (psychosomatische energetik) - diese werden speziell auf meine situation ca. alle zwei monate getestet - und helfen mir sehr, verdrängte konflikte zu verarbeiten - ich erhoffe mir licht am ende des tunnels irgendwann zu sehen und einen weg der heilung und nicht der unterdrückung der emotionen, wie es mit psychopharmaka passiert zu erreichen.

der entzug von benzos und SSRI liegt nun 8 monate zurück und ich leide immer noch unter etlichen symptomen.............

ich kann nur jedem dringend, wenn es irgendwie geht vor der einnahme solcher medikamente abraten - wichtig ist, einen alternativen weg zu beschreiten und nicht nur einfach abzuwarten

lg
dana
ashnak
Beiträge: 107
Registriert: 15.03.2004 20:21

Beitrag von ashnak »

Hallo NiceGuy,

ich selber stehe Psychopharmaka nicht ablehnend, aber sehr kritisch gegenüber.

Die Entscheidung, Psychopharmaka zu nehmen ist nie einfach, und es kann sie Dir auch niemand abnehmen, auch kein Arzt.

Aus Deinem Posting lese ich bereits zwei Dinge heraus, die schon mal nicht so gut sind. Zum einen sollten, wenn es denn schon nötig wird, Psychopharmaka nur von einem Facharzt, d.h. einem Psychiater verordnet werden, und nicht vom Hausarzt. Die meisten Psychiater haben eine Ausbildung zum Psychiater und ärztlichen Psychotherapeuten, meistens sind sie auch noch Fachärzte für Neurologie. Wenn schon, dann kann Die nur ein Arzt mit einer solchen Ausbildung bei der Entscheidung helfen, ob und welche Medikamente Du brauchst. Ein Allgemeinmediziner lehnt sich da zu weit aus dem Fenster, womit wir auch schon bei der zweiten Sache wären, die mir nicht gefällt:
Dein HA hat Dir also einfach eine Schachtel Pillen in die Hand gedrückt, und Dich heimgeschickt. Ganz offensichtlich versteht er nicht viel von Psychopharmaka, denn die meisten Antidepressiva sollten einschleichend, d.h. mit einer nach einem bestimmten Plan ansteigenden Dosierung verabreicht werden, bis die gewünschte Dosis erreicht ist. So werden Nebenwirkungen gemildert. AD haben auch eine Wirklatenz von zwei bis vier Wochen, d.h., sie fangen erst nach dieser Zeit an zu wirken. Der ganze Prozess der Medikamenteneinnahme muss ärztlich überwacht werden, damit gegebenenfalls nicht hinnehmbare Nebenwirkungen rechtzeitig erkannt werden und festgestellt werden kann, ob dieses spezifische Mittel überhaupt bei Dir anspricht. Wenn Du kein sehr schwerer Fall bist, wirst Du das Medikament auch irgendwann wieder absetzen, und auch beim Ausschleichen sollte Dir ein guter Arzt zur Seite stehen. Bei bestimmten Medikamenten müssen dann nocht regelmäßig die Leber- und Nierenwerte überwacht werden. Außerdem wird Dir kein vernünftiger Psychiater AD geben, ohne daß er Dir auch zu einer Psychotherapie rät, denn die Medikamente lindern fast nur die Symptome und haben kaum einen heilsamen Effekt. Sie helfen Dir im besten Fall, Dir selbst zu helfen, wenn du zu krank bist, als daß psychotherapeutische Maßnahmen noch griefen könnten, was durchaus nicht immer der Fall ist. Hat Dein HA Dir zu einer Psychotherapie geraten?

Jetzt kommen wir zu der Frage, die nur Du selbst entscheiden kannst, nämlich ob Du ein Psychopharmakum nehmen willst. Meine Kriterien hierzu sind:

Bin ich in einem Zustand, der irgendwie meine Existenz bedroht?
Bin ich noch in der Lage, erlernte verhaltenstherapeutische Verfahren anzuwenden? (Wenn Du noch nie eine Therapie hattest, hat diese Frage für Dich natürlich keine Bedeutung).
Bin ich noch in der Lage, klar zu denken und zu handeln?
Muss ich trotz der Erkrankung einen entscheidenden Lebensabschnitt meistern, der nicht warten kann?

Ansonsten ist es aber besser, wenn Du es erst einmal mit einer Psychotherapie ohne medikamentöse Unterstützung versuchst. Dein Therapeut kann Dich auch in der Frage beraten, ob Du ohne Medikamente weiterkommst, oder nicht.

Letztlich haben alle Medikamente einen bestimten Nutzen und bestimmte Risiken, und man muß sehr genau abschätzen, ob der Nutzen wirklich überwiegt.

Nach meinen Erfahrungen mit Paroxetin werde ich auch keine "modernen" AD mehr nehmen. Man kann über fast alle Medikamente sagen, daß sie um so sicherer sind, je älter sie sind. Z.B. ist bei Imipramin, daß es seit 1957 gibt, kaum noch mit bösen Überraschungen zu rechnen. Bei SSRI kann das schon wieder ganz anders aussehen...

Vielleicht noch ein Wort zum Thema Psychiater:
Ein guter Psychiater sollte Dir zuhören, Du solltest Dich ernstgenommen fühlen und es sollte Dich respektieren. Vor allem sollte er auf Dich eingehen, falls es mit Medikamenten Schwierigkeiten irgendwelcher Art gibt. Auch wenn Du keine Medikamente nehmen musst, dann hast Du mit einem guten Psychiater noch eine unabhängige Instanz, die Dir vielleicht auch mit Rat zur Seite steht, falls Du mit deinem Psychotherapeuten nicht zurecht kommst. Du solltest Dich also nicht scheuen, den Arzt zu wechseln, wenn dir der betreffende Psychiater nicht zusagt.

Ich hoffe, diese Ausführungen helfen Dir ein bischen weiter.

Gruß,
Ashnak
Seit Januar 2004 kein Paroxetin mehr.
Seit 13.11.04 kein Johanniskraut mehr.
Bei extrmem, akutem Bedarf Bromazepam oder Lendormin (< 1x/Monat)
Seit 16.12.04 leider wieder Lorazepam und Bromazepam in wechslender Dosierung.
Seit 29.12.04: Leider wieder Imipramin und Trimipramin, einschleichend. *seufz*
Seit 10.1.05: Ausschleichen der Benzodiazepine
Astrid
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Beitrag von Astrid »

Hallo Nachbar,
wohne auch in Bln und auch mittendrin und kenne all die Symptome die du beschreibst aus eigenem Erleben. Sie sind typisch für Depressionen, Angsterkrankungen und Panikattacken. Ich hab die jahrelang mit mir rumgeschleppt, weil es mir – anders als dir – zwischendurch immer mal wieder gut ging. Aber dann ging irgendwann gar nichts mehr. Freier Fall in den Abgrund ging nicht mehr tiefer. Ein großer Zufall führte mich zu einem Neurologen, dem ersten Menschen, der mir sagen konnte, was mit mir los ist, der es verstand und mir Lösungsmöglichkeiten aufzeichnete. Eine der Möglichkeiten war ein AD einzunehmen, um aus meinem katastrophalen Gesamtzustand rauszukommen. Das tat ich NATÜRLICH NICHT! Stattdessen intensivierte ich meine Therapie. Doch diese diente nur noch dazu, mich irgendwie von Woche zu Woche einigermaßen vor dem k.o. zu bewahren. Drei Wochen später war es dann soweit. Es ging nicht mehr ohne.
Zunächst begann unter Paroxetin ein neues Martyrium. Die ersten drei Wochen waren die absolute Hölle.
Danach begann die Zeit der Gesundung. Ich nahm die Chance wahr.

Diese letzten drei Sätze möchte ich nicht als Befürwortung für ein AD verstanden wissen. Ich kann nur aus meiner eigenen Erfahrung sagen, dass es mir die Chance bot überhaupt in die Lage zu kommen, meine Therapie zu dem werden zu lassen, was sie eigentlich sein soll, nämlich ein Weg zu Veränderungen.

Das Ausschleichen von Paroxetin stellte dann die nächsten Hürden dar.
Ich sprach mit meinem Neurologen darüber, dass es doch unmöglich sein kann, Menschen gegen die ursprünglichen seelischen Qualen mit Mitteln zu behandeln, die wiederum andere qualvolle Zustände hervorrufen. Er bestätigte mir, dass die medizinische Forschung noch keinen anderen Weg gefunden hat. Die Alternative sei, der rein therapeutische Weg, der aber unter den uns bekannten Symptomen leider häufig nur stationär gegangen werden kann.

Ich bin jetzt nach 10 Monaten des Reduzierens immer noch dabei etwas Paroxetin einnehmen zu müssen, nur um Absetzsymptome so gering wie möglich zu halten. Wirken tut das Zeug nicht mehr gegen Depressionen.
Vor zwei Monaten begann ein Rückfall in die Depression. Es wäre ein leichtes gewesen, die Dosis wieder auf das „hilfreiche“ Maß zu erhöhen. Aber das wollte ich nicht. Diesmal will ich es ohne Medikamente schaffen.

Ich wünsche JEDEM, es wenn es eben geht ohne Medikamente zu versuchen. Ashnaks ausführlicher Antwort und seinem Rat schließe ich mich in allen Punkten an.
Wenn du möchtest, kann ich dir gerne die Adresse von meinem Neurologen in einer pn mitteilen. Ich habe mit ihm sehr gute Erfahrungen gemacht und schätze nicht nur seinen ärztlichen Rat, sondern auch seine Fähigkeit zuhören und sich in Menschen hineinversetzen zu können.
Parallel dazu rate ich dir, so wie meine Vorredner auch schon, unbedingt zu einer Therapie.
Rückzug vom sozialen Leben und sogar vom Freundeskreis, sind eindeutig Zeichen für eine Depression einhergehend mit der Angst vor weiterer Kränkung. Der Rückzug soll vermeintliche Sicherheit bieten. Wovor? Das ist eine Frage, für die alleine sich eine Therapie lohnen würde. Du schreibst selbst, dein Ziel sei es wieder als gesunder und aktiver Mensch am Leben teilzunehmen. Das ist ein gutes Ziel.

Liebesentzug – was mit einer Trennung in der Regel einher geht – ist eine der schwerwiegendsten menschlichen Kränkungen. Mann weiß heutzutage, dass sie Kettenreaktionen hervorrufen können. So kann beispielsweise ein Kind durch die Trennung der Eltern, den Verlust eines Elternteils derartig traumatisiert sein, dass es im Erwachsenenleben keine Beziehungsfähigkeit entwickelt. Eine fatale Folge, unter der wiederum andere Mitmenschen zu leiden haben.
Auch in deinem Fall scheint die nicht nachvollziehbare Trennung durch deinen Freund, eine so stärke Kränkung verursacht zu haben, dass die nicht aufhören wollenden Gedanken und Grübeleien und der Schmerz dir jegliche Kraft rauben. Nach zwei Jahren begleitet von solch starken psychischen Begleitumständen darf man von einer – bitte nicht übel nehmen - Überreaktion sprechen, die dich schlicht und ergreifend außer Gefecht setzt.
Es lohnt sich bestimmt, diesen Zusammenhang in einer Therapie näher zu betrachten.

Kurzum meine Meinung zu dir: Erstmal keine Tabletten, sondern einen guten Neurologen zu Rate ziehen und eine Psychotherapie zu machen.

Mit herzlichen Grüßen aus Tiergarten
von
Astrid
anna_a
Beiträge: 11
Registriert: 29.12.2004 23:02

Beitrag von anna_a »

hallo niceguy,

vielleicht möchtest du es vorläufig einmal mit einem natürlichen antidepressivum versuchen?
nämlich johanniskraut. du musst dann darauf achten, es in ausreichender dosierung zu nehmen (meist wird zu niedrig dosiert).
j. ist klinisch als wirksam getestet. so wie auch chemische ad's hilft es nicht jedem.
aber es ist allemal einen versuch wert, denke ich.

ansonsten würde ich mich hier einigen anschließen, und besser mit einem psychiater sprechen als mit deinem hausarzt, weiters und vor allem unbedingt psychotherapie.
ad's sind scheinbar eine komplexe geschichte. in meinem fall hat mir selbst der psychiater unglaublich viel blödsinn erzählt.

wie alle hier, beachte in welchem forum du schreibst, stehe ich ad's kritisch gegenüber. auch ich habe sie lange abgelehnt, irgendwann ging's nicht mehr.
ich weiß nicht, ob ich sie wieder nehmen möchte. aber ich bin sehr froh, SEHR froh, zu wissen, dass es einen anker gibt, auf den ich notfalls zurückgreifen kann.
ich habe mich mit vielen menschen im internet unterhalten, die auch depressionen haben. vielen davon haben medikamente sehr geholfen. ich konnte beobachten, wie manche erst wieder zugänglich wurden, erst wieder auf irgendetwas reagieren konnten, einigermaßen klar im kopf wurden.

klar bist du noch im kopf. vielleicht magst du ja auch erst mal mit einer psychotherapie beginnen, und sehen, wie's weitergeht?!

lg
anna
symptome: antriebslosigkeit, müdigkeit, diverse körperliche beschwerden, atemnot, traurigkeit, freudlos, sozialer rückzug, schreckhaftigkeit, usf.
diagnose: mittelschwere d. / rezidivierende d. (das war vor eineinhalb jahren, nach bereits einem jahr depression und besserung durch psychotherapie. aktuell neue diagnose psychiater: dysthymia, vermutet angststörung (diagnose therapeutin: mittelschwere d.)
medikation: venlafaxin, 150mg, 03 2003-11 2004 (20 monate)
1. absetzversuch: in stetig sinkender dosis (bis 50mg) 03-2004-07-2004. erneuter d.schub, medikation wiederaufgenommen (nach einigen wochen erst).
absetzverlauf (20.12-2004, zuvor dosissteigerung): 3 wochen 225>> 2 tage 300>> 2 tage 225>>1 woche 150>>3 tage 75>> 2 tage 37,5>>75
NiceGuy35Bln
Beiträge: 2
Registriert: 12.01.2005 03:29

Pillen - NEIN DANKE!

Beitrag von NiceGuy35Bln »

Hallo zusammen,

vielen Dank erst mal, dass Ihr Euch die Mühe macht auf meinen Beitrag einzugehen.

Es macht schon Mut, und es bestärkt mich eigentlich nur in dem, was ich ja selber auch schon immer von Kindesbeinen an gedacht habe: Finger weg von Kippen, Drogen, Alk und Pillen!

Ich hatte nur nie damit gerechnet, dass mich jemals etwas derart aus der Bahn werfen würde. Es klingt - nüchtern gelesen - so lächerlich, aber es war einfach so. Ich hab monatelang neben mich an die leere Stelle gegriffen, mit dem 2. Kopfkissen gekuschelt und ständig geflennt wenn irgend ein Gröni-Lied im Radio kam.

Ich hab erst angefangen, alle Bilder wegzuräumen, alle Erinnerungen zu löschen oder zu elimienieren, habs dann versucht rückgängig zu machen, natürlich ohne Erfolg... bla. Die ganze Lithanei.

Am Ende bin ich aus meiner Heimat weg gezogen nach Berlin, wo ich einen neuen Anfang machen wollte. Ich konnte die Wohnung nicht mehr ertragen, wo mich alles einfach nur erinnerte. Ich konnte MICH nicht mehr ertragen, nichts mehr, einfach nichts. Ich wollte nur noch weg.

Aber der Weg in die Isolation war natürlich nur noch bescheuerter.

Es war wie aus einem Hochgeschwindigkeitszug gegen eine Mauer rasen, ins Trudeln geraten, loslassen müssen und dann vollkommen die Kontrolle über alles verlieren. Oft hab ich gedacht, bitte Aufschlag, komm endlich - damit ich von hier neu anfangen kann, aber es ging tiefer und tiefer.

Inzwischen ist es eigentlich gar nicht mehr so schlimm. Scheinbar zumindest, denn ein kleiner Anlass kann vieles davon wieder zu Tage fördern und ich traue mich nicht, wieder in den Alltag einzutauchen.

Aber egal - das hab ich ja schon beschrieben.

Eins ist für mich klar - Keine HappyPills!

Ja, Anna Johanniskraut hab ich schon mal probiert, weil ich generell im Winter nicht so besonders gut drauf und total antriebslos bin.. War auch ganz okay, eigentlich, hab dem dann nach ner Zeit keine Bedeutung mehr beigemessen und es gelassen. Gute Idee, eigentlich! Werd ich aber auch erst mit dem Therapeuten besprechen.

Astrid, vielen Dank für die positive Bewertung meiner Ziele. Genau daran halte ich mich schon die ganze Zeit fest, und ich weiss sehr wohl dass es eine Überreaktion ist. Eine, die halt durch die Massierung der Ereignisse, bzw auch durch deren Unbegreiflichkeit ausgelöst wurde. Ich weiss, das ich raus will, aber ich glaub schon dass ich das nicht mehr allein hinbekomme. Ich wäre Dir sehr dankbar für die Adresse von dem Neurologen!

Ashnak - ja ich kann es auch kaum glauben, dass mir mein Hausarzt einfach irgendwelche Tabletten verschreibt. So bin ich nicht, und das weiss er eigentlich auch. NIcht umsonst hab ich die nicht einfach eingeworfen - ich habs immer gern wenn ich weiss wie die wirken und welche Risiken die bergen. Ja, deine Ausführungen haben mir diesbezüglich ganz entscheidend weiter geholfen.

Dana, die Zeit des Handels ist für mich gekommen. Hier zu posten war ein erster Schritt, ich hoffe Astrids Adresse hilft mir weiter! Danke für die Aufmunterung...

Linda, ja... und die letzten Geschichten (Mißerfolge) haben das Faß erst richtig zum Überlaufen gebracht. Ich war Mißerfolge nicht gewohnt, hatte immer den strategisch richten Blick. Was passiert ist, ist zweierlei: Zweifel an mir und meinen Fähigkeiten, Frage ob ich jetzt am Ende bin und alle meine Karten ausgereizt hab, nicht vielleicht doch alles falsch gemacht (denn sonst ginge es mir ja jetzt wohl kaum so dreckig) und auf der anderen Seite ist mein Vertrauen in andere Menschen arg erschüttert. So viele, die einem Versprechungen machen, so lange die Zeit gut ist, die einen nach Strich und Faden ausnehmen, und wenn man sie dann braucht sich einfach verpissen. Teils aus Bequemlichkeit, teils aus Berechung, teils aus Unvermögen. Ich hab Zeit meines Lebens noch nie einen Freund im Stich gelassen, und wurde in den letzten 2 Jahren bitterer als je zuvor enttäuscht, und das ausgerechnet von denen die alles von mir bekommen haben, und für die ich immer da war. Ich stehe da, ausgezogen bis aufs letzte Hemd und zweifel an allem, woran ich bisher geglaubt hab.

Arbeit ist nebenher, sie und die aus obigen Schilderungen resultierenden finanziellen Probleme verstärken alles nur noch.

Danke für das Angebot, hier weiter im kleinen Kreis zu posten. Ich denk nochmal drüber nach... rede nicht unbedingt so gerne darüber.

Ich bin halt so, dass ich ein sehr schlechtes Gewissen meinem Arbeitgeber gegenüber habe, der viel Vertrauen in mich setzt - aber gleichzeitig eigentlich auch derjenige ist, der mich stützt und mir sagt, dass es halt so lange dauert wie es dauert. Er weiss von allen Problemen, und er weiss auch dass es tief sitzt, und er weiss dass es nicht von heut auf morgen geht. Aber... der Rest der firma nervt halt jeden 2. Tag wann ich denn endlich wieder komme, und langsam wird es eng. Man weiss nie, wie lange mein AG meinen Stuhl bei meinem Kunden noch frei halten kann. Es ist schon eine Bedrohung, aber...

und damit komm ich zu Dir, Oliver, Du hast schon Recht wenn Du sagst, dass ich vielleicht GRUNDLEGENDE Änderungen vornehmen müsste. In solchen Fällen sind Mütter ja nicht von schlechten Eltern, besonders wenn sie einem geradeheraus sagen, was sie denken :) Mein Möm hat schon immer gesagt, dass mir diese scheiss Ellenbogen-Gesellschaft nicht liegt, und dass ich auf die Fresse fallen würde wenn ich diesen Idioten auch noch nach eifere. Sie lebt auf einem Resthof und ist er letzte lebende Hippie, nebenbei bemerkt :) Wäre ich ihrem Rat gefolgt, lebte ich jetzt als armer aber glücklicher Kunsttischler irgendwo in einer kleinen Klitsche im Süden Europas. Ok, das ist natürlich etwas überzeichnet, aber es zeigt in die richtige Richtung.

Ich bin mir nicht mehr sicher, ob sie nicht Recht hat.

So viel dazu.

Ich denke also, und das ist die erste Essenz aus Euren Gedanken zu meinem Text, dass ich mir durchaus noch Zeit lassen sollte, erst mal Hilfe bei einem Profi suchen, und mir dann Stück für Stück überlegen wie ich wirklich MEIN Leben so gestalte, dass ich selber für mich glücklich werde.

Da denke ich so und so schon lange drüber nach. Ich weiss halt nicht, wie lange meine PKV das mitmacht, ich glaub ein Jahr krank ist Max, dann muss die BU ran (hab ich aber auch) - oder wie war das?

Schreibt einen der Arzt denn wirklich so lange krank, oder hab ich nur n Monate bis er sagt "jetzt aber los"? Mit so was hab ich mich natürlich noch nie beschäftigt.

Na dann... ich werde jetzt versuchen zu schlafen. Habt einstweilen nochmal vielen Dank, ich drück Euch die Daumen dass Ihr Eure Wege ebenfalls schafft und ich denke ich werde Euch auf dem Laufenden halten!

Liebe Grüße
NiceGuy
Noch niemals auf Tabletten gewesen, aber mit meinem Scheiss allein. Trevilor verschrieben bekommen, aber nicht eingenommen. Hier, weil ich erst wissen wollte welche Risikien die tollen Pillen bergen. Und jetzt der festen Überzeugung, dass es auch so gehen wird.
Dana
Beiträge: 139
Registriert: 12.12.2004 08:51

Beitrag von Dana »

Dana hat geschrieben:Liebesentzug – was mit einer Trennung in der Regel einher geht – ist eine der schwerwiegendsten menschlichen Kränkungen.
ich habe mir noch mal die antwort von astrid durch gelesen und bin gestern schon über den zitierten satz von ihr gestolpert - da ist viel viel wahrheit dran!!

ich habe mich in meinem fall oft gefragt, warum ich nicht einfach drüber hinweg komme - wie alle meine freunde es mir wünschen, es einfach zu vergessen - aber wie kann ich einfach etwas vergessen, was so tief kränkend ist. in meinem fall hat der mann ziemlich genau gewusst, welche katastrophalen emotionalen auswirkungen ein liebesentzug für mich hat - ich bin in meinen überlegungen soweit gegangen, dass ich sicher bin, dass er mit meinem emotionen bewusst oder unbewusst gespielt hat - ich stand wirklich vor einem totalen zusammenbruch und er hat noch am telefon weiter seine spielchen gespielt. die ursache, warum mich das sooo fertig gemacht hat, denke ich, ist in meiner kindheit / beziehung zu meinen eltern zu finden bzw. zu suchen.


zum thema AD's: ich habe einen guten freund, der ist allgemein mediziner - dort war ich gestern wegen einer erkältung und ich habe ihn gefragt, was er über absetzerscheinungen von SSRI und co.'s so weiss - zu meinem erstaunen war er sehr gut informiert über die enormen risiken und erklärt dies auch ganz genau seinen patienten - ein fallbeispiel eines angstpatienten hat er mir dann noch anonym erzählt - diesem menschen wurde zu seinem erstaunen die angst durch paroxetin völlig genommen (nach jahrelangen erfolglosen psychotherapien) - wenn er das medikament jedoch reduziert treten seine symptome sofort wieder neu auf.

ich denke mittlerweile, viele mediziner, die menschen in eine AD abhängigkeit treiben - wissen sehr genau, was sie den menschen "antun", wollen vielleicht einfach ihre ruhe haben und verschreiben dann solche medikamente. sie könnten ja auch weiterhin trizyklika etc. vorher ausprobieren.

naja......... würde mich freuen, wieder von euch zu lesen!

lg

dana
ashnak
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Registriert: 15.03.2004 20:21

Beitrag von ashnak »

Hallo Dana,
Dana hat geschrieben: sie könnten ja auch weiterhin trizyklika etc. vorher ausprobieren.
Genau das ist der Grund, warum ich immer noch hundert Kilometer zum gleichen Psychiater fahre. Es hatte das nämlich so gemacht, und wenn es anders gekommen wäre, hätte ich vielleicht jetzt eine solche Abneigung gegen AD im Allgemeinen, daß ich nicht mal welche nehmen würde, wenn es wirklich notwendig ist. Dann wäre ich am Beginn meiner aktuellen Kriese wohl völlig verzweifelt, weil ich nicht mal mehr die Notbremse Medis hätte in Betracht ziehen können.
(So handhabe ich das nämlich: Ich versuche es lieber ohne, kann mich dann aber an den Notnagel AD klammern und verliere nicht vollends die Hoffnung.)
Diese vehemente Abneigung gegen Medis bekomme ich auch fast immer von Leuten zu hören, die als erstes ein SSRI bekamen, und ich kann es inzwischen sehr, sehr gut verstehen. Hätte ich nicht vorher meine Erfahrungen mit Imipramin gemacht, ich würde vermutlich die Medikamente ebenfalls kategorisch ablehnen. (Und mit Erfahrungen meine ich jetzt nicht nur die Absetzsymptome... ...da ist deutlich mehr zu Bruch gegangen...)

Gruß,
Ashnak
Seit Januar 2004 kein Paroxetin mehr.
Seit 13.11.04 kein Johanniskraut mehr.
Bei extrmem, akutem Bedarf Bromazepam oder Lendormin (< 1x/Monat)
Seit 16.12.04 leider wieder Lorazepam und Bromazepam in wechslender Dosierung.
Seit 29.12.04: Leider wieder Imipramin und Trimipramin, einschleichend. *seufz*
Seit 10.1.05: Ausschleichen der Benzodiazepine
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