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Jamies "all in a tumble" Thread

Sammlung von Erfahrungsberichten mit Psychopharmaka.
Muryell
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Re: Jamies "all in a tumble" Thread

Beitrag von Muryell » Montag, 23.07.18, 10:34

Liebe Jamie,

mir fehlen die Worte über das Verhalten der Zahnärzte in der Klinik.

Ich hoffe, es geht Dir besser und Du kannst Dich bald von den ganzen Strapazen erholen.

Alles Gute

Muryell
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Re: Jamies "all in a tumble" Thread

Beitrag von sigli » Dienstag, 24.07.18, 17:48

Liebe Jamie,

es liest sich wie ein Horror-Roman. Es tut mir wirklich sehr leid, was du alles mitmachen mußt.

Irgendwo hast du angegeben, dass du ein Implantat hast. Ob das so eine gute Idee war? Aber ändern könntest du das jetzt sowieso nicht.

Durchhalten! Es muß einfach besser werden.

Ganz liebe Grüße von

Sigli
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2.4.2018: Diazepam: 0 mg
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Re: Jamies "all in a tumble" Thread

Beitrag von Rosenrot » Montag, 06.08.18, 0:27

Liebe Jamie, :hug:

eigentlich war ich auf der Suche nach deinem früheren Beitrag zu eiskalten Getränken während extremer Hitze, da finde ich deinen 4-teiligen Bericht. :shock: :shock: :shock:

Mir fehlen die Worte. Es ist unfassbar.

Es tut mir so leid, dass du so leiden musstest. Wie kann man dir nur helfen...?

Einmal mehr zeigt sich, wie sehr man in den leidvollsten und schwächsten Momenten vorbereitet und gut informiert sein muss. Und dann noch das Selbstbewusstsein und die Kraft haben, die Situation zu kontrollieren und sich gegenüber den Ärzten zu behaupten.

Du hast es in bewundernswerter Weise gemeistert.

Ich wünsche dir von Herzen, dass du dich von diesen Erfahrungen erholen kannst und es stetig bergauf geht. :fly:

Liebe Grüße
Rosenrot
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Re: Jamies "all in a tumble" Thread

Beitrag von Jamie » Montag, 06.08.18, 14:52

Liebe Rosenrot, vielen Dank. :hug:

Hast du den Bericht mittlerweile gefunden?
Soll ich ihn dir raussuchen?

herzlichst, Jamie
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Re: Jamies "all in a tumble" Thread

Beitrag von Rosenrot » Montag, 06.08.18, 15:56

Oh, danke, Jamie. Das wäre sehr nett von dir, danach zu schauen. :)

Ich bin mit der Suchfunktion noch nicht weiter gekommen.

Ich würde es gerne meiner Schwester zeigen, denn die Zusammenhänge scheinen neu für sie zu sein. Leider trinkt sie eiskalt.

Liebe Grüße :hug:
Rosenrot
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Re: Jamies "all in a tumble" Thread

Beitrag von Rosenrot » Montag, 06.08.18, 16:08

Liebe Jamie, ich hab´s.

Schau hier: https://www.adfd.org/austausch/viewtopi ... 15&t=11975

Danke dir vielmals!

Pass gut auf dich auf bei diesem Wetter!

Alles Liebe :)
Rosenrot
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Re: Jamies "all in a tumble" Thread

Beitrag von Li-la022 » Montag, 06.08.18, 16:27

Hallo Jamie,

Ich habe gerade von deinen Erfahrungen in der Zahn Klinik gelesen. Das tut mir wirklich extrem leid das du das alles durchmachen musstest... daß erlebte aber auch die schmerzen.

Geht es dir denn aktuell besser?

Liebe Grüße Lila
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Diagnose Schlafstörungen / Pannikattacken

März 2017 - Dezember 2017 Opipramol 100mg verschrieben wegen der Schlafstörung
25.12 - 30.12 Reduzieren von 100mg auf 0mg ( wollte der Arzt)
ab 02.01.18 innere Unruhe, Angst, Nervosität, brennende Haut
11.01.18 wieder eindosieren von 50mg ( wollte der Arzt)
Mitte Januar Kopf MRT
zum 01.02.18 Arztwechsel da mein Hausarzt in Rente ging
03.02.18 inneres vibrieren links neben der Wirbelsäule. das vibrieren zog in die Po-Packe und in den Oberschenkel
12.02.18 neuen Arzt aufgesucht, er meint Symptome sind Psychisch Opipramol sofort auf 0mg ab 13.02.18 Escitalopram 5mg
Symprome: starkes Muskelzucken, innerliches Zittern, Schüttelfrost, Kälteschauer, Apettilosigkeit 10kg in 2 Wochen abgenommen,
16.0218 lt Arzt Escitalopram 10mg Symptome wurde immer schlimmer ab 18.02.18 wieder 5mg und ab 21.02.18 Esctialopram 0mg


Symptome : starke Angst und Panik ( vorallem wenn ich allein sein musste) inneres zittern, muskelzucken, frieren, schüttelfrost, brennende Haut, Mandelentzündung, 2x Notaufnahme o.B.
Blutbild o.B.
Schilddrüse o.B
Vitaminemangel oder Nährstoffmangel liegt nicht vor
Borreliose o.B.
MRT HWS und BWS o.B

Irgendwann sagte mir dann der Chef und die Kollegin meines Hausarztes das ich wohl in einem Entzug stecke. Dieser könnte 6-8 Wochen dauern war die Aussage!


Heute : 35 Wochen opipramol 0 , 32Wochen ohne Escitalopram


22.09.18 Aktuelle Symptome :
Wieder stärkere angst... Unruhe ab und an

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Re: Jamies "all in a tumble" Thread

Beitrag von Muryell » Dienstag, 07.08.18, 10:42

Liebe Jamie,

pass gut auf Dich auf.

Gute Besserung und ganz liebe Grüße

Muryell
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houelle1
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Re: Jamies "all in a tumble" Thread

Beitrag von houelle1 » Donnerstag, 30.08.18, 18:23

Liebe Jamie :)

Ich höre gerade 'Absolute Beginners' von David Bowie und musste 'an uns alle' denken - fangen wir doch auch immer wieder mit dem Leben 'ganz von vorne' und 'ganz neu' an, in Minischritten.

Wollte mich bei dir bedanken für den 'sicheren Ort' - kein Therapeut ist bisher auf die Idee gekommen, mir das vorzuschlagen :) Und ich habe den meinen gefunden. Nur so viel: es kommt eine schnurrende Tigerkatze vor, die sich in einem Liegestuhl auf meinem Bauch zusammenkuschelt und ein Rund formt <3

Hab Dank für Deine Unterstützung hier -
ich merke die heute ganz stark!

Ich hoffe so sehr, dass Du einige ruhige Augenblicke finden oder Dir verschaffen kannst!!

Take care,

Houelle
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Diagnosen: Angst und Depression gemischt, generalisierte Angststörung, Somatisierungsstörung, hypochondrische Störung

2008: erstmals Deanxit (1-0-0) für ca. 4 Monate, keine Absetzproblematik

Dezember 2014-Juni 2015: neuerlich Deanxit, Absetzversuch nach Auslassmethode
fehlgeschlgen, massive Verschlechterung der Symptomatik

Juli 15-September 15: Versuche mit Opipramol, Amitryptilin, Abilify, Mirtazapin, alles nicht vertragen. Über vier Wochen regelmäßig (2-3 Mal/Woche Tavor, 1 mg)

14.September 2015-29.September 2015, freiwilliger Psychiatrieaufenthalt: Buspiron (20 mg?) und Olanzapin (5mg), dann Lyrica (mg?) und Olanzapin. Lyrica nicht vertragen, massive Entfremdungsgefühle. Entlassungsmedikation: Olanzapin 10 mg, Cipralex 10 mg. (habe ich aber nie genommen)

Oktober 2015-Dezember 2015, ein Mal IMAP-Spritze (Fluspi): Dosierung?

Dezember 2015-Juli 2016: Deanxit selbstmächtig eindosiert, 3 Wochen super gefühlt, dann wegen massivem Schwindel und Derealisierung auf 3/4 reduziert, dann langsam auf die Hälfte. Hälfte wohl zu abrupt abgesetzt. Symptome: ständig wechselnd: zuerst große Erschöpfung, dann Aggression, Weinkrämpfe, dann Depressivität und Angst, permanente Reizüberflutung, ertrage Leute schwer. Seit 2 Monaten nicht arbeitsfähig

August 2016: 2 Tage Seroquel retard 50 mg (nur noch müde), 10 Tage Opipramol 50 mg, wegen aufkommender starker Zwangsgedanken Reduktion auf 25 mg, wegen Unruhe: auch Opi abgesetzt

Ende August: 1/2 Deanxit wieder eindosiert. Fühle mich etwas stabiler

seit 3.10.2016: 5 mg Cipralex. Fühle mich abgetötet und verzweifelt, massive Schlafstörungen, trotzdem auf 10 mg hochdosiert, Stabilisierung, allerdings alles 'verlangsamt', sehr starke Tagesmüdigkeit (um 17..00 zu Bett), was mit meine Beruf schwer vereinbar ist

ca. Februar 2017: Reduktion auf 5 mg (zu schnell, ich weiß), nichts gespürt, außer 2 Wochen Übelkeit

Februar 2017-Juni 2017: immer weiter 'runtergebröselt' (nicht nachmachen, da ungenau!!) bis 0.

Böses Erwachen Ende Juli 2017: Heulkrämpfe, starke Depressivität. Wiedereindosierung von 1,5 mg, Stabilisierung

25.10.2017: letzte Dosis genommmen seitdem auf 0: vier Wochen wunderbar, als wäre ich nie 'krank' gewesen. Dann schleichen sich Symptome ein, starke Stimmungsschwankungen, Alltagsbewältigung eher schwierig, aber auch Fenster. Ich war wohl zu schnell mit Absetzen, v.a. mit dem letzten Schritt, ca. 1 mg auf 0.

ca. seit Dez 2017: Verstärkung der Symptome.

seit Feb 2018: v.a. morgendliche Unruhe, verstärkte Ängste. Alltag wird schwieriger.

26. Februar 2018: Symptome zu stark; kaum Alltag möglich; dosiere 0,1 mg Escitalopram wieder ein

14.03. 2018: Lasse Esci wieder weg. Bluthochdruck und Panikattacken. Seitdem wieder auf 0. Fühle mich gerade gut.

Jamie
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Re: Jamies "all in a tumble" Thread

Beitrag von Jamie » Samstag, 01.09.18, 22:27

Hallo in die Runde,

zuerst einmal möchte ich mich entschuldigen für Wirbel gesorgt zu haben.

Der veröffentliche Text, für den es für mich d´accord geht, dass er wieder ausgeblendet wurde, wurde alleine von mir gepostet.
Das Team hat nichts damit zu tun.
Ich habe intern (es gibt noch einen kleinen Bereich, wo ich als Ehemalige reinschauen kann) eine Klärung des Themas angestoßen bzw. erbeten und meine Position dargelegt.

Das möchte ich auch für euch tun.

Gerade von weg kamen viele Fragen und Vermutungen, die ich aber nicht einzeln abarbeiten möchte.

Ich bin eine Waage vom Sternzeichen her und lege großen Wert auf Ausgewogenheit und umfassende Perspektiven.
Dazu gehört für mich auch, dass ich mir immer gewahr bin, dass Hoffnung und Verzweiflung, Leben und Tod oft erschreckend nah beieinander liegen.

Ich habe den Bericht nur aus einem einzigen Grund veröffentlicht und dieser entspricht der Intention der Verfasserin, die darum gebeten hat, dass ihr Tod nicht vergebens ist und dass dieser Text verbreitet wird.
Dieser Bitte wollte auch ich, als Benzo-Überlebende, nachkommen.
Man muss keine "Bösartigkeit" :o oder tiefergehende Psychothemen als Motiv annehmen , sondern das war der Hauptgrund.

Mir war allerdings nicht ganz klar, wie sehr das auf Ablehnung stößt, denn ich hielt es für mich (ich rede nur von mir) für eine Selbstverständlichkeit, dass alle Menschen hier wissen, dass Entzüge manchmal auch nicht so ausgehen, wie man erhofft.

Ich tue mir etwas schwer damit den Tod auszublenden.

Vielleicht, weil ich biographisch bedingt selber so nah dran gewesen bin und das eines meiner Themen ist.
Die Komplikationen nach der Herz-OP haben zu einer Situation geführt, in der ich mit einem Bein bereits im Jordan stand, um bildlich zu bleiben, und ich habe nur mit großem Glück und himmlischem Schutz meinen Herzkreislaufstillstand überlebt.
Ich wäre sonst einfach sang und klanglos nachts verstorben und da ich den ganzen Prozess aktiv mitbekam, ist da auch nichts nebulös oder verwaschen.

Ich kann nicht mehr zurück hinter diese Erfahrung, denn sie geschah sehr jung, als ich 21 war, und jetzt gehe ich langsam auf die 40 zu und alles ist komplett verwandelt seitdem.
Mir ist klar, dass ich genauso gut jetzt nicht existieren könnte.
Ich denke das verändert meinen Umgang mit dem Thema Tod.

Das zweite Mal, bei dem ich dem Tod sehr nahe war, war tatsächlich innerhalb meines Entzugs, aber nicht bei den Benzos, sondern beim Sertralin. Das war das mit Abstand Schlimmste in meinem Leben und ich habe auf dem Bett gelegen und mir den Tod herbeigewünscht, denn alles hat nur besser sein können als diese elende Siechtum. Dachte ich zumindest.
Heute bin ich froh gekämpft zu haben.

Nun habe ich mich heute also hingesetzt und drüber gegrübelt, warum ich mit dem Bericht auf solche Ablehnung gestoßen bin und habe folgendes entdeckt. Ich hatte es vorher intuitiv irgendwie geahnt, konnte es aber nicht näher mit Inhalt füllen.
Der wesentliche Unterschied besteht darin, dass ich Überlebende bin.
Und ihr seid noch am Überleben.

Dies ist fundamental wichtig. Mit Clarissa und Berlin 2013, mit denen ich oft genug nicht einer Meinung war / bin, und die sich für den Verbleib des Textes einsetzen, eint mich, dass wir es alle drei hinter uns haben.
Wir sind Überlende.
Wir haben es geschafft.
Und es liegen mittlerweile Jahre zwischen uns und Entzug.
Und nein, kein Grund sich als was Besseres zu fühlen, bloß nicht.
Aber das macht was mit einem.

Ich will sagen, dass ich glaube, dass ich gestern nicht begriffen habe, dass ich auf einem mental anderen Stand (kein besserer, ein anderer) bin als andere, die noch direkt im Entzugs-struggle sind.
Insofern meine Entschuldigung an alle und ich hoffe, sie wird angenommen.

Nun habe ich Einfühlungsvermögen und bin empathisch (ich hoffe nicht, dass das zur Disposition steht), aber es gibt etwas, das mir wesenseins geworden ist und das ist, dass ich mir aufgrund dessen, was ich durchgemacht habe, aber auch mit dem Wissen, es überlebt zu haben, eine gewisse Form von Sachlichkeit und auch Distanz aufgebaut habe und solche Berichte nicht mehr so "persönlich" nehme. Sie berühren mich, aber sie greifen mich nicht an.
Ich kann mitschwingen, aber lasse mich nicht runterziehen.

Ich habe hier verpasst nachzuspüren, dass es nicht allen so gehen kann / wird und das tut mir leid.

Was mich ganz persönlich mehr mitnimmt als Suizidthemen:
Mich greift mehr an, wenn ich hier die verzweifelten Hilferufe lese.
Sehr getriggert hat mich das eine Video, da gab es auch eine Triggerwarnung, wo die Frau von Akathisie betroffen ist und während des Videos keine Sekunde still steht.
Da ich erwachsen bin, mache ich keinem einen Vorwurf, denn ich entscheide, was ich mir anschaue und was nicht und wenn Trigger davor steht, sollte ich gewarnt sein.
Insofern kein Thema.
Dennoch schwere Kost, denn Akathisie war auch mein Thema und gerade darum bin ich hier vulnerabeler als evtl. bei anderen Sachen.
Aber so geht es doch jedem hier - jeder hier hat seine ganz eigenen Schmerzthemen, nicht wahr?

Ich hoffe ich konnte nun zur Klärung und Erklärung beitragen.

:pillowtalk: Namaste
Jamie

---
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Re: Jamies "all in a tumble" Thread

Beitrag von Jamie » Samstag, 01.09.18, 22:56

Hallo.

Und noch ein Nachtrag.

Ein übergeordneter, von mir aus gerne philosophischer Austausch wäre schön mit denjenigen, egal ob AD, Benzos oder NL, die den Entzug rum haben und dem Forum treu geblieben sind.

Ich habe das Gefühl diese Vorgänge führen zu fundamentalen Veränderungen, die manchmal nicht von jedem begriffen werden können.

Ich lese ja immer wieder, die Teilnehmer wollen ihr altes Leben zurück.
Also ich will es nicht.
Mein Leben ist zwar hart und schwer und immer noch voller Symptome, aber ich habe mental und emotional so viel erlebt und gelernt, bin so gewachsen und gereift, dass ich nicht zurücktauschen will.
Ich wäre ja meiner Essenz beraubt!

Manchmal werde ich gefragt, woher ich meine Stärke nehme.
Ich nehme sie daraus überlebt zu haben.
Den schwersten Kampf des Lebens gefochten zu haben.
Und zu leben.
Das ist mir heute noch mal deutlich klar geworden.

Ich wünschte alle könnten wissen, wie sich das anfühlt.
Es ist wie zu wissen: Wenn man das überlebt, kann man so ziemlich alles überleben! Wirklich!
Und was das für eine Kraft gibt.....

Ich wünsche es allen hier.

Jamie :bettzeit: (good night)
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Re: Jamies "all in a tumble" Thread

Beitrag von Guglhupf » Sonntag, 02.09.18, 0:05

Hallo Jamie :)

ich hab die Diskussion um das Thema ehrlicherweise nicht mitbekommen, habe den Thread bzw den Post selbst auch gelesen. Zumindest teilweise. Obwohl es die Triggerwarnung gab, ist es wohl der menschlichen Neugier geschuldet wider besseren Wissens so etwas doch zu lesen. Wie wenn man sagt denke nur ja nicht an einen pinken Elefanten - man kann nicht nicht daran denken.

Ich habe den Thread dann relativ rasch wieder geschlossen, weil ich den Wunsch einer suizidalen Person, ihren Suizid - ihre ganz persönliche Entscheidung ihrem Leben, das für sie nicht mehr lebenswert erscheint, ein Ende zu setzen - nicht als eine Art Wunsch sehe, den man in die Welt hinaustragen sollte. Ich sehe ehrlicherweise auch die Äußerung ihres Wunsches nach der Verbreitung ihrer Entscheidung als im besten Fall nicht ernst zu nehmend, denn wie zurechnungsfähig kann eine Person sein, die diesen Schritt zu Ende geht? Der Tod ist einfach ein Thema, das sehr vielen - auch mir - Angst bereitet, obwohl er zum Leben gehört.

Da du bereits auf eine gewisse Art damit Erfahrungen gemacht hast, stehst du ihm sicher sehr viel anders gegenüber als Menschen wie ich, die mit ihm nur bei Begräbnissen zu tun haben. Und ich sage ganz ehrlich - sogar da sträube ich mich so gut es geht, weil ich dann immer sehr schnell an einen Punkt komme, an dem ich mir die Frage stelle warum wir leben. Warum bauen wir uns Häuser, gehen arbeiten, haben Lebensziele wenn das im Angesicht des Todes in sekundenschnelle vorbei sein kann? Manchmal kann ich dem Thema distanziert und vernünftig begegnen - wie auch jetzt - manchmal und besonders wenn ich instabiler bin schlägt es jedoch hohe Wellen und ich hatte oft schon tagelang mit schlimmsten Symptomen zu kämpfen, weil mich das Thema so triggert.

Wie viele Leidende hier sind so tief verzweifelt, dass sie sich nur von Tag zu Tag retten? Da kann ein solcher Post im schlimmsten Fall schon sehr schwerwiegende Folgen haben. Ich kann deine Beweggründe nachvollziehen, finde die Entscheidung das Thema auszublenden aber auch gut.

Alles Liebe
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Re: Jamies "all in a tumble" Thread

Beitrag von Berlin-2013 » Sonntag, 02.09.18, 9:33

Leben zurück haben wollen bedeutet nur das ich endlich wieder....

1. Tanzen gehen kann ohne Gleichgewichtstörungen
2. Roller fahren ohne mich oder andere zu gefährden
3. Endlich wieder politisch aktiver sein könnte ohne diese stressreaktionen
4. Artikel verfassen ohne diese konzentrationsmacke
5. Spielplätze aufsuchen ohne akustische überreitzung
6. Spazieren gehen ohne Schmerzen...und ohne Schwäche in den Beinen
uvm.
Das hatte/kannte ich vor diesen Entzug nämlich nicht. Und ich habe in den schlimmsten Zeiten bewusst alles über Leon'sTod hier gelesen weil es die Wahrheit ist und die kann ich nicht einfach ausblenden.

Der Wunsch von cassandras Leiden und Tod das alles ganz vielen zugänglich gemacht wird, sollte entsprochen werden denn es ist ihr Vermächtnis an die Welt und könnte 1000 Leben retten. Das ist für mich emphatisch Handeln.
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viele Grüße und 2018 wird super
Ich war viel zu schnell unterwegs und es hat alles verschlimmert und den Entzug unnötig verlängert!! :schnecke: besser ZEIT UND GEDULD
13. September 4 Jahre nach 0 mg :party2: Heilung des ZNS leider noch nicht 100 Prozent aber 85 %

Zur Zeit EIN helles strahlendes Licht am Ende des Tunnels :party2:


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weg
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Re: Jamies "all in a tumble" Thread

Beitrag von weg » Sonntag, 02.09.18, 10:08

hi berlin
Berlin-2013 hat geschrieben:
Sonntag, 02.09.18, 9:33

Der Wunsch von cassandras Leiden und Tod das alles ganz vielen zugänglich gemacht wird, sollte entsprochen werden denn es ist ihr Vermächtnis an die Welt und könnte 1000 Leben retten. Das ist für mich emphatisch Handeln.

es gibt doch hier einen thread "medien":

https://adfd.org/austausch/viewtopic.ph ... en#p265061

und so wie jamie schreibt steht er ja auch schon in einer öffentlich zugänglichen zeitung.

herzlich
weg
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Re: Jamies "all in a tumble" Thread

Beitrag von Towanda1 » Sonntag, 02.09.18, 10:30

Guglhupf hat geschrieben:
Sonntag, 02.09.18, 0:05
Ich sehe ehrlicherweise auch die Äußerung ihres Wunsches nach der Verbreitung ihrer Entscheidung als im besten Fall nicht ernst zu nehmend, denn wie zurechnungsfähig kann eine Person sein, die diesen Schritt zu Ende geht? Der Tod ist einfach ein Thema, das sehr vielen - auch mir - Angst bereitet, obwohl er zum Leben gehört.
Hallo Gugelhupf und alle,

wieso ist ein Mensch, der sich bewußt entscheidet, seinem Leben ein Ende zu setzen, nicht zurechnungsfähig? Der Text, den sie geschrieben hat, klingt nicht so als wäre sie nicht Herr ihrer Sinne gewesen.

Für mich gehört der Tod zum Leben, ich habe im Laufe meines Lebens schon mehrere Menschen begleiten dürfen auf ihrem Weg in den Tod. Und es waren immer sehr erfüllende Momente. Ich habe mich sehr viel mit diesem Thema auseinandergesetzt, auch philosophisch, und dadurch die Angst davor ziemlich verloren.

Danke, Jamie, für Deine Ausführungen!

LG Towanda
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11.02.18 - 22,50 mg Mirtazapin - Zustand stabilisiert sich, NW: leichte Muskel- und Gelenkschmerzen,
aber gut auszuhalten, hin und wieder Kribbelbeine
19.02.18 - Psychiatertermin - bei 22,5 mg bleiben
29.03.18 - 18,75 Mirtazapin
07.04.18 - wegen Gewichtszunahme Intervallfasten begonnen
14.05.18 - Psychiatertermin - Kribbelbeine sind schlimmer geworden, Empfehlung: Mirtazapin auf 15 mg reduzieren
22.05.18 - 15,00 mg Mirtazapin - 3 Tage später leichte Stimmungsschwankungen, 1 x Drehschwindel,
insgesamt nicht so stabil, Tagesschwankungen, aber auszuhalten
26.06.18 - 5 Glob. Ciprofloxacin C30 einmal wöchentlich
30.06.18 - 13,50 mg Mirtazapin - Wasserlösmethode
01.07.18 - 13,50 mg Mirtazapin - Umstieg auf Feinwaage und Nagelfeile :D
03.08.18 - 12,00 mg Mirtazapin
09.09.18 - 10,80 mg Mirtazapin
10.10.18 - 9,50 mg Mirtazapin

Weitere Medikamente:
Wegen Fluorchinolone-Schädigung jede Menge NEMs
1 x wöchentlich Ciprofloxacin C30 5 Globuli
1 x wöchentlich Mirtazapin C30 5 Globuli
1 x tgl. Thyreoidea comp. 5 Globuli


Ich bin nicht auf der Welt, um so zu sein, wie andere mich haben wollen

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Re: Jamies "all in a tumble" Thread

Beitrag von Guglhupf » Sonntag, 02.09.18, 12:28

Hallo Towanda :)

ich mag Jamies Thread nicht mit dem Thema spamen möchte dir nur schnell antworten.

Für mich ist das Thema Suizid so un-be-greifbar, so weit weg, dass ich nicht verstehen kann, wie man sich bewusst und mit klarer Absicht bzw klaren Gedanken dazu entscheiden kann.

LG Anna
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Kaenguru70
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Re: Jamies "all in a tumble" Thread

Beitrag von Kaenguru70 » Sonntag, 02.09.18, 12:38

Guten Morgen,


Mir sind Diskussionen sehr unbehaglich (ich bin wie Jamie Waage), da ich da viel Streit in meiner Kindheit ertragen musste und dem gerne aus dem Weg gehe .

Eine Meinung habe ich dennoch, aber ich versuche mehrere Ansätze zu verstehen.

Ich hätte den Text in meiner Verfassung nicht lesen sollen, aber man weiß oft nicht im Vorhinein, wie sehr es einen tangiert. Bisher habe ich im Forum alles gelesen. Ich gebe zu, an manches habe ich mich nach und nach rangetastet.

In meiner Persönlichkeitsstruktur ist es mir schwer Distanz zu wahren, das muss ich lernen. Zum einen ist das Veranlagung, zum anderen wurde mir da etwas anerzogen. Immerhin weiß ich jetzt warum das bei mir so ist, das nimmt mir immer so ein 'Schuldgefühl', warum ich anders bin.

Das Thema Suizid ist für mich sehr heikel, da dies in meiner Familie sehr präsent war. Es wurde mehrfach versucht und immer wieder als Symptom geäußert.
 Auch ich kenne Suizidgedanken, bin trotzdem sicher es nie in die Tat umzusetzen.
Hier sind wir für meine Begriffe an einem Punkt, wo es sehr heikel wird und auch Äußerungen sehr schmerzhaft sein können. Ich glaube so individuell die Menschen sind, genauso individuell sind Gedanken zu Suizid.

Es kränkt mich zutiefst, wenn jemand sagt, dass man Menschen nicht Ernst nehmen kann, die Suizid begehen.
Cassandra ist im Besitz ihrer geistigen Kräfte, sie hatte lediglich eine unaushaltbare Situation zu ertragen.

Für mich war der Gedanke an Suizid immer so ein letztes Hintertürchen zu wissen, dass ich eine Möglichkeit habe schlimmes Leid zu beenden.
Wenn ich körperliche Schmerzen hatte, war ich nie an diesem Punkt  bei seelischem Schmerz schon.

Auch hier scheinen Menschen sehr verschieden zu sein und das sollte man respektieren.
Ich kenne eine Form der Depression, wo ich innerhalb von Stunden eine derartige Verschlimmerung hatte, dass ich an mich halten musste, um mir nicht Schaden zuzufügen.

Stunden später konnte es schon besser sein und das ist eine schlimme Erfahrung. Um diese Zeiten zu überstehen nahm ich Beruhigungsmittel. Das kann ich jetzt nicht mehr und das macht mir große Angst.

Ich erinnere Situationen, in denen ich laut weinend im Flur auf und ab getigert bin und versucht habe den Sog zur Messerschublade in der Küche zu ignorieren.

Warum hat mich Cassandras Bericht nun so getriggert?
Es ist die Auswegslosigkeit ihrer Situation und genau in der befinde ich mich in abgemilderter Form auch. Ich habe die ganze Zeit nach dem Lesen nach Distanz zu ihrem Fall gerungen. Ich habe gestern meine Symptome gezählt und bei 30 war noch kein Ende.

Da ich erst 4 Wochen geschafft habe und zudem eine GAS habe, zu rezidivierenden Depressionen neige und noch 1-3 Medikamente absetzen muss, hat mich die nackte Panik ergriffen.
Man sucht doch händeringend nach positiven Beispielen, wo einem versichert wird, dass man heilt. Baylissas Texte sind Gold wert und auch die Erfolgsstories auf Benzobuddies.

Mein Fehler, ich habe den Text gelesen, aber hier haben mir ja schon manche zugestimmt, dass es schwierig ist sich fernzuhalten.

Der Text steht in einer Zeitung und er gehört verbreitet. Die Frage ist, ob er hier stehen muss. Wie Jamie schon schrieb, ist es ein großer Unterschied, ob man sich nach eigener Heilung so etwas durchliest, oder wenn man selber noch viele der Symptome hat.

Ich denke es sollte einen Verweis bei Medien geben, aber die Warnung, dass es um Suizid geht und man ihn im aktuellen Entzug besser nicht liest. Jetzt sind ja die meisten im Forum im aktuellen Entzug, als denke ich, ist das hier nicht so das richtige Publikum.


Ich bin freiwillig in den Entzug gegangen, weil ich wusste, die Benzos müssen weg und um eine Toleranz zu verhindern. Es geht mir aber jetzt viel viel schlechter, als unter der Einnahme vor einem Jahr.
Wenn ich jetzt sage, dass ich mein altes Leben zurück will, dann meine ich, dass ich keine Entzugssymptome mehr haben will.

Ich möchte wieder Fernsehen, lesen, mit meiner Familie zusammen sein können, auf ein Fest gehen, bei Sonne spazieren gehen können, eine Kopfschmerztablette nehmen können, nicht ständig Übelkeit haben, Sport machen können, Termine planen.
 Das hier fühlt sich nicht nach Leben an , sondern nach Entsetzen. Dann braucht man dringend Zuspruch, dass man selber heilen wird.

Dann kreisen die Gedanken, warum Cassandra nicht heilen konnte.
Wieviel Zeit hat sie sich gegeben, wurde es langsam besser, lag es an Polymedikation.
Tausend Fragen gepaart mit eigener Angst um ein vernünftiges Leben.

Ich habe für mich die Frage nach einem lebenswerten Leben und der Frage ob ich es schaffe ohne PP zu leben und den Entzug zu stemmen noch nicht beantwortet.
Mit all dem ist man sehr alleine, weil man sich vor der Außenwelt versteckt. Wer ist als Gesunder schon bereit mit einem in solche Abgründe zu schauen.

Ich danke Jamie für die Bereitschaft nach dem Lesen mit mir zu schreiben. Es hat mich erschreckt, wie hilflos und ängstlich ich mich fühlte, ich möchte erwachsen und stark sein. Aber Ängste, Depressionen und Entzug machen aus mit teils ein Häufchen Elend.

Ihre Worte haben mich beruhigt und mir geholfen die Distanz zu Cassandras Schicksal aufzubauen.

Ich ringe sehr oft um meine seelische Stabilität und die nächsten Tage muss ich mich erstmal fangen. Komischerweise ist es heute schlimmer als gestern.

Mir ist nicht nach weiteren Diskussionen, ich finde sie werden nicht immer ausreichend respektvoll geführt. Da reicht meine Kraft nicht.

Mir war aber danach als einer derjenigen, die sich zuerst geäußert haben, nochmal etwas zu schreiben.

Ich wünsche euch alle einen symptomarmen Sonntag

Viele Grüße
Sarah
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Re: Jamies "all in a tumble" Thread

Beitrag von Katharina » Sonntag, 02.09.18, 13:23

Hallo :group: !

Da es sich um s. handelt habe ich begonnen zu überfliegen und um meinetwillen abgebrochen.

Ich musste wie eine Wahnsinnige als Kind !
dagegen angehen, natürlich unbewusst -
das mir das nicht gelang.

Ich bekam im Institut 'Schelte' dafür für etwas was ich nicht begreifen kann mit 4.
Da hatte ich noch 'sichtbare Zeichen' für Psycho-'logisch' denkende Menschen.

In Anschluss unsichtbar.
Keine Schelte mehr.

Das Ganze hat mein Leben durchzogen in grauenhafter Form, unbewusst: ich musste mich fragen weshalb steh ich mit dem Rad am Bahnhof was mache ich hier auf diese Art und Weise.

Und viele ähnliche 'unbegreifliche' so genannte Unfälle
mit unbeschreiblich strafenden Konsequenzen von Seiten der Erwachsenen.

Gruß,
Katharina

P.s.:
Gibt es keinen S.-thread
für Menschen die darüber lesen möchten ?
So dass sich niemand erschrecken muss ala'
Cave Trigger Gefahr?
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Re: Jamies "all in a tumble" Thread

Beitrag von Katharina » Sonntag, 02.09.18, 16:04

Hallo,

Wichtiger als mein
P.s.:

ist jemand hier in Not in diesen Stunden -

oft bewegt es die eigene Person wie mit Marionetten Bändern fremd geführt zu diesem Thema.

Tapfer, bitte -
versucht gut zu atmen traut euch um euret Willen bewusst zu werden 'da steh ich'

das muss nicht sein.
Telefon, Hilfe anrufen.

Katharina
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Re: Jamies "all in a tumble" Thread

Beitrag von weg » Montag, 03.09.18, 9:37

:hug:

hi foris

dieser bericht wird lang. es ist mir ein bedürfnis zu schreiben auf welchem boden er gewachsen ist.

ich habe 3 todesnähe- oder todeserlebnisse durchgemacht:

nach einer amphetaminvergiftung (es kam sauberes a. auf den markt). ich war die einzige die überlebt hat. die anderen sind gestorben.

ich kam ins spital. eine sitzwache hütete mich. ich war froh darüber. als ich mal klarer aufwachte war sie weg. nur noch der leere stuhl stand vor meinem bett.
ich rannte zu meinem schlafplaltz (ich hatte damals kein zu hause) und schluckte das restliche a., das heisst ich leckte den boden ab, um jeden brosamen zu erwischen..

das waren einsamste klarste momente. es war und ist das ende meiner dogenkarriere.

mit solchen menschn wie mir ging man damals in den späten 60igern bis 80igern jahren nicht zimperlich um: die solen verr....cken, an die wand stellen, unnütze kreaturen, belasten das gesundheitssystem....

ich war sehr einsam. ich konnte mit niemandem sprechen. ich hatte oder habe latent immer noch schuldgefühle, einmal dass ich überlebt habe und die anderen nicht und dann auch, dass ich eben viele kosten verursacht habe.




meine zweite todesnähe war als ich krebs bekam. das war fast 30 jahre später. meine „drogen-und medikamenten-missbrauch-karriere“ musste da wieder besprochen werden um zu sehen, wie ich behandelt werden kann.

meine vorgeschichte wurde bekannt. mir wurde wohlwollend aber auch ablehnend begegnet. es hat sich dann ein professor vor mich gestellt. ich wurde trotz allgemeiner versicherung seine privatpatientin, einerzimmer....später hat er mir noch einmal geschrieben und mir hoffnung gemacht.

dann kam ich zu einer onkologin, die sich meiner sehr annahm. ich bekam zum ersten mal pflege, eine pflege die ich als kleinkind nie erhielt. es hat mir sehr geholfen.

ich war dem krebs gegenüber sehr sachlich eingestellt. es war nun einmal so und es war mir immer bewusst und klar: es war und ist richtig, dass ich krebs bekam. ich habe nie daran gelitten. es war und ist eine schwere zeit unter deren folgen ich noch heute körperlich leide.

rückwirkend ist mir auch klar, dass der entzug, von mir lächerlich erscheinenden 5 bis 10 mg zolpidem, so schwierig wurde. vorgängig hatte ich noch wegen der von der chemotherapie ausgelösten polyneuropathie eine episode mit lyrika. nach kaum einer wöchigen einnahme mit der geringsten dosis bekam ich ein delirium. ich vertrage keine medikamente mehr.






achtung: kann triggern.
die dritte todesnähe erlebte ich vor ca. 3 jahren. ich wurde von einem berggänger fast mit in den tod gerissen. er ist ausgerutscht neben mir nochmals aufgeprallt und dann 700 meter tief abgestürzt. nur ein körperlicher überlebensinstinkt hat mich ausweichen lassen. ich wurde dabei leicht verletzt.

ich habe mich wie wohl noch nie so erschrocken. mit polizei gab es noch abklärungen - vielleicht hat ihn ja jemand heruntergestossen.... so nachspiele kommen ja dann auch noch dazu. ich konnte nichts dafür. es ist mit mir geschehen.



warum schreibe ich das:

für mich waren es drei todeserfahrungen in denen ich ganz anderrs reagierte:

mit der ersten:
mit schuldgefühlen. die umwelt wünschte mir den tot.

mit der zweiten:
das ist halt nun die gerechte strafe, dass ich ein so schlechter mensch bin. ich habe mich selber verurteilt. die umwelt war wohlwollend.


mit der dritten:
starke körperliche reaktion. zu hause (ich habe jetzt ein zu hause) tat mir mein körper so weh, als wäre ich selber heruntergestürzt. ich konnte jahrelang nicht mehr auf einer schmalen strasse laufen. ich habe mich nach und nach wieder den gleichen gefahren in den bergen ausgesetzt und habe diesen unfall überwunden. meine naivität und unbeschwertheit habe ich jedoch verloren.



ich meine, dass jeder mit seinen todeserfahrungen anders umgeht. sicher spielen darin seine momentane befindlichkeiten, die möglichkeit so etwas mit sich vereinbaren zu können, letztendlich an den eigenen tod erinnert zu werden.

die einen leben die wut aus, die anderen versinken in stille, die dritten nehmen einen radiergummi...jede reaktion ist verständlich und richtig, wenn sie nicht an anderen menschen abreagiert werden.


was hat mich so betroffen gemacht an jamies threads:

die aufmachung:

vielleicht habe ich übersehen, dass da eine quellenangabe stand, woher sie den bericht abkopiert hat.
ich habe mich hinterfragt, was es für mich verändert hätte, wenn ich eine quellenangabe oder den link zur zeitung gesehen hätte, oder wenn der bericht im „medien-thread“ veröffentlicht würde.

so ein kleines detail hätte meine betroffenheit anders aussehen lassen. sie wäre versachlicht. um es „brutal“ auszudrücken: solche artikel erscheinen oft in der zeitung. so wie auch die selbstverbrennungen von tibetischen mönchen, wie die kriegsberichten...ich bin so furchtbar abgehärtet.

der bericht vermittelt mir in dieser „aufmachung“ eine nähe. eine nähe zu C. die ich aber dann doch nicht entwickeln konnte. C. ist für mich zu weit weg obwohl sie eine „von uns“ ist. sie ist auf eine art so weit weg wie die flüchtlinge, die im meer vertrinken.

es ist ein legitimer, verständlicher schutzmechanismus.

meine betroffenheit liegt in einer anderen ecke.

es ist der „nachruf-leserbrief“ von diesem arzt. warum muss er da nochmals erklären, dass C. leiden wirklich schwer ist, dass es so entzugssymptome gibt. nimmt er denn C. in ihren schilderungen nicht ernst. es schwingt da für mich kein mitgefühl mit. trocken sachlich geht es um die bestätigung der leidensgeschichte von einer fachperson.

es erstaunt ihn lediglich: dass in C‘s bericht keine aggressiven äusserungen oder anklagen gegen die ärtzte erwähnt werden. die ärzte erscheinen ihm nur als inkompetent und ignorant erwähnt.

eine andere betroffenheit sind die symptome die von C berichtet werden und die vom arzt für mich verdoppelt werden und mir viel klarer sind, was für schädigungen die im hirn auslösen.

ich habe meine sympome als vorübergehende beeinträchtigungen wahrgenommen. als etwas das sich mit der zeit ausheilt.

ich habe mich immer wieder gefragt, wie denn mein ZNS heilen kann, wenn es doch schon seit meiner kind- und jugend- und erwachsenenzeit sich gar nie wirklich normal entwickeln konnte.

nun ist mir bewusst, dass ich eine irreparable hirnschädigung habe. ich muss mir das eingestehen, lernen damit umzugehen und es akzeptieren. ändern kann ich es nicht mehr.

ich muss mir mehr ruhe, gelassenheit und distanzen erarbeiten.

so hat also jamies bericht doch einiges in mir angestossen.

herzlich
weg
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seit 28.06.2018 auf 0

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