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 ! Nachricht von: Oliver

Dieses Forum ist im Ruhezustand.

Es hat sich eine neue Gemeinschaft aus Betroffenen und Angehörigen gegründet, die sich weiterhin beim risikominimierenden Absetzen von Psychopharmaka unterstützt und Informationen zusammenträgt. Die Informationen, wie ihr dort teilnehmen könnt findet ihr hier:

psyab.net: wichtige Informationen für neue Teilnehmer


Die öffentlichen Beiträge auf adfd.org bleiben erhalten.

Bereits registrierte Teilnehmer können hier noch bis Ende 2022 weiter in den privaten Foren schreiben und PNs austauschen, aber es ist kein aktiver Austausch mehr vorgesehen und es gibt keine Moderation mehr.

Ich möchte mich bei allen bedanken, die über die geholfen haben, dieses Forum über 18 Jahre lang mit zu pflegen und zu gestalten.


Weitere Unklarheiten beim Entzug!

Hier lassen sich auch viele Erfahrungsberichte über das Absetzen von Antidepressiva und Benzodiazepinen finden.
Gesperrt
Sven
Beiträge: 75
Registriert: 16.08.2004 08:01
Wohnort: Zürich

Weitere Unklarheiten beim Entzug!

Beitrag von Sven »

Ich brauche noch mal einen Rat.

Ich bin an der kritischen Phase des Absetzens anbelangt. Ich bemerke dass ich mehr und mehr wieder ich selbst bin. Obwohl ich äußerst langsam reduziert habe bekomme ich nun wieder Absetzerscheinungen.
Ein Schwindel (allerdings schwächer als beim letzten mal) bei Kopfbewegungen, seltsame Kopfschmerzen, als fließe ein kleiner unangenehmer Elektrosmog durch meinen Kopf, wie ,,unter Strohm".
Dann ist meine Laune mies (aber noch nicht depressiv) ich fühle mich schlapper als sonst, wie nach ner durchzechten Nacht. Ich habe Heißhungerattacken und nehme zu obwohl ich jeden Tag jogge.

Frage 1: Kan es sein dass man beim Absetzen von SSRI massiv zunimmt und Heißhunger bekommt, obwohl man vorher durch den Mist abgenommen hat :?:

Frage 2: Repariert sich unser Gehirn nach den SSRI wieder soweit wie es vor den SSRI war, oder bleiben Folgeschäden. Zuerst wird ja das Hirn downreguliert und es gleicht dann
das viele Serotonin durch Abbau von Serotonin-Rezeptoren aus, jetzt wo das viele Serotonin durch mein Absezten wieder fehlt, mangelt es ja an dem Stoff und das macht die
depressivähnlichen Symptome bei mir. Ich frage mich ob mein Hirn schnell genug wieder upreguliert und jemals wieder zum normalen Gleichgewicht kommen kann :?: :!:

Momentan gehts mir so mau, dass ich ich mich frage ob ich je wieder der Alte werde der ich vor dem Schrott war. War ich vor den SSRI einfach ein nur ein Angsthase der
leicht depersonalisieren konnte, so bin ich jetzt während des Entzugs und auch während der SSRI Therapie ein psychisches Wrack.

Sven
S
Robert77
Beiträge: 50
Registriert: 02.06.2004 10:16

Beitrag von Robert77 »

Hallo Sven!

Nun denn...willkommen im Club !
Diese "Zaps" von denen Du sprichst sind typisch beim Absetzen...ich hatte das auch heftig, als ich Citalopram abgesetzt habe. Diese Stromschläge im Kopf haben dann ungefähr 3 Wochen angedauert...da heissts, so hart das auch klingen mag, hart sein und durchhalten. Oder wieder eine kleinere Dosis nehmen, die dann in kleineren (viel kleineren!) Schritten abgebaut wird.
Das mit dem Zunehmen ist wohl bei jedem anders...ich hab während der AD-Einnahme massiv zugenommen von 59 kg (zu dürr!) auf 74,5 kg (naja...jetzt reichts dann auch!) Jetzt hat sich das ganze bei 70kg eingependelt, ich persönlich bin damit ganz zufrieden.
Ich bin bestimmt der letzte der SSRI verhamlost..jedoch glaub ich nicht dass auf lange Zeit Folgeschäden im Hirn bestehen.
Ich wünsch Dir auf jeden Fall alles Liebe....
Sven
Beiträge: 75
Registriert: 16.08.2004 08:01
Wohnort: Zürich

Beitrag von Sven »

Hallo!

Danke für die schnelle Antwort. Es ist erschreckend für mich wie mächtig ein Medikamnt sein kann. Ich treibe jeden Tag Sport und ernähre mich fast fleischlos, naschen tue ich nur wenig, trotzallem nehme ich zu, das kann faktisch nur am SSRI liegen. Ich frage mich ob die Mediziner wirklich wissen, welche Hormon und Transmittersysteme die ADs beeinflussen können. Serotonin wird ja auch im Darm gebraucht usw.

Es ist für mich wie ein ein Schwimmen in einem tollen warmen Meer. Die Oberfläche ist ruhig, doch unter einem geht es 3000 Meter tief runter und dort lauert Unbekanntes und Fremdes und wenn man Pech hast, dann zieht einem ein Strudel eben direkt dorthin runter, und Du erlebst und siehst Sachen, die Du lieber nicht kennengelernt hättest!

Die sog. Zapps, wie haben sich die bei Dir geäußert? Bei mir ist es wie ein ständiger unangenehmer Strom der einem hibbelig macht, manchmal so eine art elektrischen Kitzel im Schädel drinnen und an den Schläfen. Mich beunruhigt dass sehr weil ich es so noch nie hatte. Habe Cipramil schon mal abgesetzt und da hatte ich ,,nur" miese Laune und Schwindel, die nach nem Monat verschwunden war, und zwar nicht allmählich sondern von jetzt auf gleich wars vorbei ! Jetzt kämpfe ich mächtig, nur warum?

Schlimm ist immer, wenn man ein Symptom hat und es nicht kennt, dann hat man Angst dass es was schlimmes sein könnte, verstehst Du. Vielleicht ist das kribbeln in meinem Kopf ja nur vorrübergehend und es geht weg, aber ich kenne das halt nicht.

Sven
S
Robert77
Beiträge: 50
Registriert: 02.06.2004 10:16

Beitrag von Robert77 »

Hallo!

Nun zu Deiner Ernährung kann ich nichts sagen...ich würd einfach geniessen, in ne dicke Tafel Schokolade beissen etc...genußvolles Essen bringt mehr (auch gesundheitlich) als irgendein widerwilliges "Körnerfressen". Aber egal.
Genau wie Du "Deine" Zaps beschrieben hast, haben sie sich auch bei mir geäußert. Du darfst da den Mut nicht verlieren..dieser ganze Entzug ist im Prinzip eine "einfache" Sache...wenn man ihn durchhält. Und da liegt das Problem...wenn man sich immer vor Augen hält dass diese Symptome AUF JEDEN FALL nachlassen werden, auch wenn es Wochen dauert.

Also: das was Du hast ist normal, jedoch extrem beunruhigend wenn man nicht weiss was es ist. Versuch Dich damit zu arrangieren...klingt hart, ist aber so. Vergleichs mit einem Schnitt mit dem Brotmesser in den Finger...es tut weh, bloss es wird definitiv "heilen".
Noch ein Tip: Fischölkapseln können (!) die Symptome lindern..machen aber gern mal Flitzekacke :D
Weierhin würde ich meinem Körper eine erhöhte Elektrolytzufuhr gönnen...soll heißen Magnesium, Calcium etc. Auf gut Deutsch: Trink mal ein Glas Milch und ess ne Banane. Wie gesagt, das kann die Symptome lindern...
Sven
Beiträge: 75
Registriert: 16.08.2004 08:01
Wohnort: Zürich

Beitrag von Sven »

Danke Robert.

Seltsam aber ist doch immer wieder tröstend, dass es anderen auch beschissen geht oder ging und man nicht der einzigste ,,Psycho" ist der sowas durchmacht. Ich halte es auf alle Fälle durch, meine Freundin weiss Bescheid und hilft mir dabei. Ich nehme auch Fischölkapseln ein, ob das was hilft ? Immerhin, diesmal habe ich kaum Schwindel und der allein war schon kack unangenehm. Für heute ein paar letzte Fragen an Dich:
hattest Du auch andauernd so einen Kopfdruck / leichte Nonstoppkopfweh, eher nervend als schlimm...??? Ich vertage momentan auch keinen Alkohol mehr obwohl ich Weinkenner und Liebhaber bin verkneife ich es mir, denn schon 2 Gläser und der nächste Tag ist ein einziger ,,vertrahlter" Scheißtag :sick: . Das hatte ich so auch noch nie. Will nicht sagen, dass ich ein Trinker bin, aber ich konnte vorher schon was trinken und Party machen :lol: . In der Packungsbeilage steht ja, dass Citalopram nicht mir Alkohol agiert. Vielleicht einfach nur Einbildung ... Sven
S
Robert77
Beiträge: 50
Registriert: 02.06.2004 10:16

Beitrag von Robert77 »

Nichts zu danken.

Du scheinst eine Freundin zu haben die Dich unterstützt..sehr gut! Genauso eine Freundin hab ich auch, und das ist, salopp gesagt, in solchen Sachen "die halbe Miete". Stell Dir vor Dich schlaucht alles...und dann ist da niemand der einen stützt.
Kopfschmerzen hatte ich auch ziemlich lang...ähnlich wie Du ihn beschreibst...ging bei mir auch weg. Jetzt hab ich nur noch Kopfschmerzen hin und wieder beim Aufstehen morgens.
Alkohol hab ich noch nie sonderlich vertragen, jedoch wars während der Einnahme von ADs eher schlechter...war aber eher eine Abneigung oder Graus vor Alkohol.
Gesperrt