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Mirtazapin abgesetzt und Venlafaxin ausgeschlichen

Wenn Antidepressiva abgesetzt werden, kann dies zu schweren und langwierigen Entzugserscheinungen führen. Viele Hersteller und Ärzte verharmlosen diese Problematik leider.
sinua
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Mirtazapin abgesetzt und Venlafaxin ausgeschlichen

Beitrag von sinua » Dienstag, 17.02.15, 14:49

Hallo,

ich bin neu hier :). Ich habe bereits vieles durchgelesen, die allgemeinen Infos zu AD, Forenregeln und auch Absetzgeschichten, die meiner Medikamentenkombi ähneln. Ich finde es sehr hilfreich, dass es ein solches Forum gibt und möchte allen hier Engagierten ein großes Lob aussprechen. Es hat mir schon viel gegeben, einfach nur eure Tipps und Methoden und Mutmachungen mitzulesen.
Leider bin ich beim Erstellen einer Signatur gescheitert, die entsprechenden Links scheinen (momentan?) nicht zu funktionieren.
Deshalb hier grob meine medikamentöse Geschichte (kann ja später in etwa meine Signatur werden):

>> Vorgeschichte:
-Pubertät Essstörung; 2011/2012 Erschöpfunssyndrom mit Verdacht auf Depression
-ab Februar 2014 Paräesthesie (Kribbeln/Taubheit + Schmerzen) im linken Arm - kein Sport mehr möglich, Ibuprofen 1800 2-3 Wochen lang, Untersuchung auf Rheumafaktoren (nix) und Lupus Erythematodes (unwahrscheinlich)
>> Diagnose schwere Depression (rezidivierend) ohne psychotische Symptome, April 2014
-typische Depressionssymptome inkl. suizidaler Gedanken
-2 Monate Klinikaufenthalt vollstationär, im Anschluss 2 Monate Tagesklinik teilstationär
> Medikation:
-6 Wochen Lorazepam (Standard-Dosis pro Tag 0,5-0-0,5-1), dann ausgeschlichen, glücklicherweise ohne größere Probleme
-morgens Venlafaxin retard aufdosiert bis 300mg (Höchstdosis bei Depressionen) - geringe Besserung nach ca. 5 Wochen, Dosis beibehalten
-ab der 6. Woche zusätzlich abends 15mg Mirtazapin wegen Schlafstörungen ohne Lorazepam - sofort nach der ersten Nacht Besserung der Stimmung, Dosis beibehalten
> Nebenwirkungen
- Venlafaxin:
-starke Übelkeit bei jeder Aufdosierung, dagegen 6 Wochen lang Pantoprazol 20 mg - weniger werdend bis ganz weg
-ca. alle 2 Wochen starke, pulsierende Kopfschmerzen ("Kopf im Schraubstock", "Gehirnschmerzen"), teilw. mit heftiger Übelkeit, totales Ausgeknocktsein, dagegen Paracetamol oder Ibuprofen mit geringer Wirkung - Kopfschmerzen mit der Zeit weniger oft geworden und meist im Zusammenhang mit Monatszyklus, dann aber auch 1-2 Tage vom Leben abgeschnitten
-ab einer bestimmten höheren Dosis "Kraftlosigkeit": schnell erschöpft, sogar Schuhe zubinden ist anstrengend und macht Herzklopfen, ab einem gewissen Zeitpunkt am Tag ist die Kraft alle und nichts kann sie zurückbringen - mit der Zeit leichte Besserung, Grund-Kraftlosigkeit ist geblieben
-Störung der Temperaturregulierung: starke Hitzewallungen und stark vermehrtes Schwitzen, besondere Schwierigkeiten bei hoher Luftfeuchtigkeit, plötzliches Frieren, Nachtschwitzen - leider so stark geblieben
-später festgestellt: Sexualtrieb = Null, fühle mich asexuell
- Mirtazapin:
-anfangs halluzinatorische, körperlich und psychisch anstrengende (Alp)Träume, erschöpfendes Hin und Her zwischen Traumphase und halbwachem Zustand - mit der Zeit Besserung aber bis zum Ende seltsames, anstrengendes, gewalt- und konfliktreiches Träumen mit Schlafreden, morgens Kampf gegen den Sog in den Schlaf zurück
-ca. 6 Wochen lang Schwindel und Gleichgewichtsschwankungen am nächsten Tag/Vormittag - weniger werdend bis fast ganz weg, mein Gleichgewichtssinn ist insgesamt schlechter geworden, anfällig für Schwindel
-am ersten Tag Gefühl wie betrunken: Torkeln, Unbekümmertheit und Enthemmtheit, unangebrachtes Lachen, alles ist irgendwie witzig, Denken ist anstrengend und ein willentlicher Akt - geringer werdend bis ganz weg
-anfangs Benommenheit - geringer werdend bis fast ganz weg
-das Mirtazapin scheint die vom Venlafaxin induzierte Kraftlosigkeit zumindest teilweise zu kompensieren

>> Langzeitdosis April 2014 bis Dezember 2014: Venlafaxin ret. 300mg morgens + Mirtazapin 15mg abends.
> Was ich außer Medikamenten mache:
-gesunde Ernährung, viel Rohkost, so wenig Fertigzeugs und Chemie-Zusätze wie möglich
-Sport (Ausdauer + Koordination + Spaß) 2x/Woche, alle Wege mit dem Fahrrad so lange es geht, wenn möglich Spaziergänge, regelmäßig Gymnastik ähnlich Pilates
-Selbsthilfegruppe "Depression" 1x/Woche
-Termine bei einer Psychologin alle 4-6 Wochen (Nachsorge vom Krankenhaus, passt besser zu mir als jede Woche Psychotherapie)
-Jobpause - auch wenn es mir schwerfällt, das Wichtigste ist jetzt, gesünder zu werden
-Meditation/Spiritualität nach Eckhart Tolle
-Ehrenamt für einen guten Zweck
-neue und alte Hobbies
--> Seit der Klinik stabiler psychischer Zustand, auch angesichts schwerer/stressiger Situationen wie z.B. Familienprobleme. Es geht mir so gut wie nie (was nicht schwer ist, da es mir davor schon immer ziemlich schlecht ging).

>>Ausschleichen Mirtazapin - anfangs alleine ohne Absprache, dann "beschleunigt" durch meine Psychiaterin
-ab 15.12.2014 3 Wochen 11,25 mg (3/4 Ausgangsdosis) - so gut wie keine Symptome
-ab 04.01.2015 2,5 Wochen 7,5 mg (1/2 Ausgangsdosis) - nach 5 bis 6 Tagen schleichend zunehmende Erschöpfung; 2 Tage am Stück pulsierende, starke Kopfschmerzen (vom Entzug, vom Venlafaxin?), 1 Woche später noch einmal; hin und wieder traurig
-ab 22.01.2015 2 Wochen 3,75 mg (1/4 Ausgangsdosis) - weiter starke/schnelle Erschöpfung - mögliche Aktivitäten eingeschränkt; 2 Tage am Stück starke Kopfschmerzen (Monatszyklus)
-ab 04.02. 2015 null Mirtazapin - weiter starke/schnelle Erschöpfung, nach 4 Tagen Gefühl überall Muskelkater, alles ist anstrengend, kaum Aktivitäten möglich - Besserung nach einer knappen Woche; nach 5 Tagen extreme Übelkeit, den ganzen Tag das Gefühl "jetzt muss ich mich übergeben" ohne Erbrechen, noch mehr Schwitzen (!) - nach 2-3 Tagen langsame, stetige Besserung der Übelkeit

17.02. heute - kaum noch Symptome, hin und wieder leichte Kopfschmerzen. Die Erschöpfung ist noch da, nicht mehr so extrem, aber es schränkt mich noch ein. Vom Gefühl her ist die Mirta-Entzugs-Erschöpfung aber auf dem Rückzug, die Venla-Kraftlosigkeit (die ja teilweise durch die Mirta-Einnahme kompensiert wurde), hat wieder übernommen. Auch die anderen Nebenwirkungen vom Venlafaxin sind noch da und belasten mich.
Leider habe ich mich beim Mirta-Ausschleichen von meiner Psychiaterin "hetzen" lassen. Sie wollte zu unserem nächsten Termin gerne sehen, wie es mir nach 2 Wochen ohne Mirtazapin geht und da habe ich alles beschleunigt. Das würde ich jetzt aber nicht nochmal machen.

Meine Frage an euch Erfahrene ist jetzt: Wie lange sollte ich warten mit dem Beginn des Venlafaxin-Ausschleichens? Denn obwohl ich jetzt kaum noch Symptome vom Mirtazapin-Entzug habe, ist mein Gehirn ja sicher noch nicht fertig mit der Umstellung. Da das Ausschleichen von Venlafaxin ja andere Anpassungsprozesse vom Körper erfordert, ist es wohl besser, die beiden Entzüge nicht zu vermischen, oder?
Das Problem ist, dass ich sehr ungeduldig bin, das Venlafaxin endlich wegzukriegen. Ich hatte nie das Gefühl, dass es mir viel bringt und die Hitzewallungen, die Libido-Störung, die extremen Kopfschmerzen und die Kraftlosigkeit habe ich lange genug ertragen müssen. Außerdem habe ich wegen meiner hohen Dosis die Horrorvorstellung jetzt monate-/jahrelang ausschleichen zu müssen und habe deshalb den starken Drang, lieber gestern als heute anzufangen.

Ich sehe, das ist alles sehr lang geworden, ich hoffe, ihr könnt trotzdem etwas damit anfangen.
Vielen Dank schonmal für eure Aufmerksamkeit, ich freue mich über jede Anregung.
Liebe Grüße,
Sinua
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Re: Venlafaxin 300 + Mirtazapin 15 ausschleichen - wie weite

Beitrag von padma » Dienstag, 17.02.15, 18:57

Hallo Sinua, :)

herzlich willkommen im ADFD.

Schön, dass du dich bereits eingelesen hast, danke für dein Lob fürs Forum :D .
Deine Signatur kannst du jetzt erstellen, beim ersten Beitrag ist man dafür noch nicht freigeschaltet.

300 mg Venlafaxin ist ziemlich heftig, :shock: gut dass du davon weg möchtest. Unsinnigerweise dosieren Psychater so hoch, wenn ein Antidepressiva nicht wirklich wirkt. Der Patient muss dann unter den Nebenwirkungen leiden :frust:
-ab der 6. Woche zusätzlich abends 15mg Mirtazapin wegen Schlafstörungen ohne Lorazepam - sofort nach der ersten Nacht Besserung der Stimmung, Dosis beibehalten
Das wird leider oft so gemacht, dass wegen Entzugsymptomen oder Nebenwirkungen ein weiteres Psychopharmaka gegeben wird. :frust: Die Schlafstörungen könnten auch durch das Venlafaxin mitverursacht worden sein.

Das "Ausschleichen" des Mirtazapins war viel zu schnell. :shock: Nach knapp 1 Jahr Einnahmehätte es wirklich langsam ausgeschlichen werden müssen.

Da die Absetzsymptome sich stark gebessert haben, kannst du zunächst noch etwas abwarten, wie es sich entwickelt. Leider könnten auch noch verzögerte Absetzsymptome auftreten. Je nach dem könnte eine erneute Wiedereindosierung einer kleinen Menge notwendig werden. Aber vielleicht hast du Glück, und dein Nervensystem kann sich so stabilisieren.
Wie lange sollte ich warten mit dem Beginn des Venlafaxin-Ausschleichens?
Nach dem schnellen Absetzen von Mirtazapin würde ich mindestens 3 Monate warten. Ich weiss,das klingt lange, aber das ZNS braucht wirklich Zeit sich anzupassen.
Außerdem habe ich wegen meiner hohen Dosis die Horrorvorstellung jetzt monate-/jahrelang ausschleichen zu müssen und habe deshalb den starken Drang, lieber gestern als heute anzufangen.
1 Jahr wirst du für das Absetzen wohl schon einplanen müssen. Aufgrund der sehr hohen Dosis kannst du zunächst evtl. etwas grössere Schritte als die allgemein empfohlenen 10 % machen. Ich hoffe, dass die NW zunehmend weniger werden, je niedriger du mit der Dosis dann kommst.

Wir alle hier würden gerne lieber heute als morgen unsere ADs los sein, aber erfolgreiches Absetzen benötigt v.a. Geduld.

Ich finde es klasse, dass du soviel machst damit es dir besser geht. Das sind lauter sinnvolle Alternativen zu Antidepressivas, die du aufzählst. Antidepressivas haben sowieso keine heilende Wirkung, stattdessen erhebliche NW und Risiken. Ich denke, du bist auf einem sehr guten Weg.

Mit dem Sport musst du während der Absetzphase evtl. etwas vorsichtig sein, bei manchen Betroffenen verstärkt er die Symptome.
Hier eine Liste mit möglichen Symptomverstärkern:
http://www.antidepressiva-absetzen.de/Stufe_3.html

soviel fürs Erste,
liebe Grüsse,
padma
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Neu: Infos rund um Antidepressiva, Absetzen, Umgang mit Entzug
: https://adfd.org/austausch/viewtopic.php?f=18&t=15490


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Re: Venlafaxin 300 + Mirtazapin 15 ausschleichen - wie weite

Beitrag von sinua » Mittwoch, 18.02.15, 11:40

Hallo Padma,
hallo an die anderen Mitleser,

vielen Dank für deine schnelle Antwort, Padma. Das hilft mir sehr!
Das "Ausschleichen" des Mirtazapins war viel zu schnell. :shock:
Meine Psychiaterin hatte glatt vorgeschlagen, die 7,5mg könnte ich einfach von heute auf morgen weglassen, aber das war mir dann doch zu krass.
Ich habe dieses Forum leider erst in der Phase mit den starken Absetzsymptomen gefunden.
Aber ich hoffe jetzt erstmal, dass ich mit dem Mirtazapin durch bin, mir geht's grad bis auf die Venlafaxin-Nebenwirkungen ziemlich gut.
Leider könnten auch noch verzögerte Absetzsymptome auftreten. Je nach dem könnte eine erneute Wiedereindosierung einer kleinen Menge notwendig werden.
Diese Möglichkeit gibt es ja zur Not immer noch, gut, dass ich das jetzt weiß, das beruhigt mich echt. Eh ich mich rumquäle, mach ich lieber das.
Nach dem schnellen Absetzen von Mirtazapin würde ich mindestens 3 Monate warten.
So etwas in der Art hatte ich befürchtet. Aber ich verstehe deine Argumente! Schätze, das wird ein unendlicher Kampf zwischen meiner Vernunft und meiner Ungeduld :? . Ich hab schon meinen Freund gebeten, in der Phase aufzupassen, dass ich keine Dummheiten mache :) , aber leider lass ich mich in Phasen solcher kurzentschlossenen Impulse schwer aufhalten. Dabei bin ich sonst sehr geduldig und vernünftig :) .
Aufgrund der sehr hohen Dosis kannst du zunächst evtl. etwas grössere Schritte als die allgemein empfohlenen 10 % machen.
Hat da jemand von euch Erfahrungswerte, wie hoch die Schritte anfangs sein können? Wären z.B. 50mg (16,7%) ok, oder lieber 37,5mg (12,5%)?
Muss ich da auch beachten, dass Venlafaxin "in 2 Stufen" wirkt? Der Oberarzt sagte mir, bis 150mg werde hauptsächlich das Serotonin beeinflusst und bei mehr als 150mg fange es an, auch auf das Noradrenalin zu wirken. In dem Sinne wären 50mg zwar 16,7% der Venlafaxin-Gesamtmenge (300mg), aber eben 33,3% der Noradrenalin-relevanten Menge (150mg).

Das mit dem Sport habe ich auch schon festgestellt. Vor dem Mirta-Entzug habe ich relativ normal Sport machen können, aber währenddessen musste ich einfach runterfahren (weniger intensiv mitmachen und eine zeitlang auch ganz ausfallen lassen). Das ist für mich immer mal wieder schwer (ein Überbleibsel der Essstörung wahrscheinlich), aber insgesamt habe ich da schon große Fortschritte gemacht. Also eine gute Gelegenheit, dieses Loslassen weiter zu üben ;) .

Vielen Dank für eure Unterstützung,
viele Grüße,
Sinua
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Re: Venlafaxin 300 + Mirtazapin 15 ausschleichen - wie weite

Beitrag von padma » Mittwoch, 18.02.15, 14:01

Hallo Sinua, :)
Meine Psychiaterin hatte glatt vorgeschlagen, die 7,5mg könnte ich einfach von heute auf morgen weglassen, aber das war mir dann doch zu krass.
Das ist leider eine häufiges Vorgehen der Ärzte. :shock: Sie wissen nicht, dass gerade im untersten Dosisbereich noch überprobertional viele Rezeptoren belegt sind.
http://www.adfd.org/austausch/viewtopic.php?f=18&t=8829 (die linkadresse am Ende des threads funktioniert, da kannst du dir die Tabelle zu Venlafaxin anschauen)

Mein Arzt hat den selben falschen Rat gegeben, dem ich leider gefolgt bin, da ich es nicht besser wusste. :frust:

Zu der Möglichkeit notfalls Mirtazapin wiedereinzudosieren: eine Zeitspanne von bis zu 6 Wochen nach 0, gilt als relativ sicher, danach steigt das Risiko einer paradoxen Reaktion. Bei Mirtazapin (tetrazyklisches AD), ist diese Zeitspanne möglicherweise länger.
Hat da jemand von euch Erfahrungswerte, wie hoch die Schritte anfangs sein können? Wären z.B. 50mg (16,7%) ok, oder lieber 37,5mg (12,5%)?
Das ist individuell sehr unterschiedlich. Manche vertragen bei der Dosishöhe eine Reduktion um 50 mg, für andere ist es zuviel.
Da du so heftige NW hast, könntest du es einmalig mit 50 mg und anschliessend mit 37,5 mg Reduktion versuchen. Ein gewisses Risiko ist es, das musst du für dich abwägen.
Muss ich da auch beachten, dass Venlafaxin "in 2 Stufen" wirkt? Der Oberarzt sagte mir, bis 150mg werde hauptsächlich das Serotonin beeinflusst und bei mehr als 150mg fange es an, auch auf das Noradrenalin zu wirken. In dem Sinne wären 50mg zwar 16,7% der Venlafaxin-Gesamtmenge (300mg), aber eben 33,3% der Noradrenalin-relevanten Menge (150mg).
Das kann ich nicht wirklich beantworten. Erfahrungsgemäss ist es so, dass auch bei Venlafaxin in diesem sehr hohen Dosisbereich grössere Reduktionsschritte oft vertragen werden. Der Hirnstoffwechsel ist so kompliziert, dass man vermutlich nur sehr schwer sagen, bei welcher Dosis genau was wie bei wem wirkt.

Um das mitzuberücksichtigen wäre mein Vorschlag, ab ca. 220 mg nur noch in ca. 22 mg Schritten abzudosieren, ab 175 mg dann in 17,5 mg Schritten (weiter unten dann noch kleinere Schritte). Also eine Möglichkeit wäre : 300 - 250 - 220 - 198 - 176 mg. Wenn es keine Probleme gibt, scheint mir das realistisch zu sein.Alternativ: 300 - 262 - 225 - 203 - 181 - 163 mg.

Leztlich muss man bei jedem Schritt schauen, wie es dir damit geht. Vielleicht schreiben dir Venlafaxinerfahrene mit hoher Ausgangsdosis noch was dazu.

Es wäre schön, wenn du uns von deinen Erfahrungen weiter berichten würdest, das hilft dann auch wieder anderen.

liebe Grüsse,
padma
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Re: Venlafaxin 300 + Mirtazapin 15 ausschleichen - wie weite

Beitrag von sinua » Donnerstag, 19.02.15, 13:31

Hallo padma,

danke dir für die weiteren Hinweise!
Schon krass, die Kurve vom Venlafaxin und der Rezeptorenbelegung zu sehen - da hätten wir es ja locker bei unter 100mg belassen können...
Naja, nu isses so und jetzt muss ich halt möglichst gut damit umgehen.

Der nächste Schritt ist also, abzuwarten wie es mir ohne Mirtazapin in den nächsten Wochen geht. Also gibt es hoffentlich erst einmal eine Weile nichts zu berichten. Wenn es mir doch schlechter gehen sollte, oder ich im positiven Verlauf das Gefühl habe, dass es Zeit ist ein Lebenszeichen zu geben :), melde ich mich wieder.

Bis dahin, toi toi toi für alle, die irgendetwas ausschleichen müssen :group: !
Liebe Grüße,
Sinua
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Re: Venlafaxin 300 + Mirtazapin 15 ausschleichen - wie weite

Beitrag von padma » Donnerstag, 19.02.15, 21:32

hallo Sinua, :)
Schon krass, die Kurve vom Venlafaxin und der Rezeptorenbelegung zu sehen - da hätten wir es ja locker bei unter 100mg belassen können...
ia, diese Extremdosierungen sind wirklich absurd und wohl v.a. ein Zeichen der Hilflosigkeit der Ärzte. :cry:

Dann hoffe ich mal, dass wir die nächsten Wochen nichts von dir hören. höchstens mal einen positiven Zwischenbericht, darüber freuen wir uns auch. :o

toi, toi, toi auch für dich.

liebe Grüsse,
padma
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Re: Venlafaxin 300 + Mirtazapin 15 ausschleichen - wie weite

Beitrag von sinua » Dienstag, 03.03.15, 16:34

Hallo ihr Lieben,

nach einem Monat ohne Mirtazapin habe ich keine Entzugssymptome oder Nebenwirkungen mehr. Nichts, was an die Mirta-Zeit erinnert.

Leider trifft mich jetzt das Venlafaxin mit seinen 300mg voller Nebenwirkungen noch übler.
Letztes Wochenende und das davor hatte ich wieder die schrecklichsten Kopfschmerzen, je 2 Tage am Stück, pulsierend im ganzen Gehirn, als ob mein Gehirn in einem Schraubstock zerquetscht würde, teilweise so stark, dass mir von den Schmerzen übel wurde. Dazu bin ich seit Wochen immer mal mehr mal weniger erkältet wegen der Hitzewallungen (est schwitze ich sinnlos, dann verkühle ich mich).
Das letzte Wochenende war der schreckliche Höhepunkt: eine starke Erkältung, die pulsierenden Kopfschmerzen in ihrer schlimmsten Form, gar nichts half, bei jedem Husten hatte ich das Gefühl, mein Kopf explodiert. Kein Schlaf möglich, die Schmerzen waren zu stark. Keine Aktivität oder Ablenkung möglich, nur vor-mich-hin-leiden. Ich war so am Ende, ich habe mehrmals einfach nur geweint, weil ich nicht mehr konnte, ich wollte nur noch, dass alles vorbei ist.
Seit Montag ziehen sich die Kopfschmerzen zurück, heute sind sie weg. Aber ich weiß, ich habe höchtens 25 freie Tage, dann kommen sie wieder, und wieder für mindestens 2 Tage.
Meine Erkältungssymptome sind weg, aber die Venla-Kraftlosigkeit ist richtig fies. Ich kann mir nicht einmal die Schuhe zubinden, ohne ins Schnaufen zu kommen. Ich kann nicht zum Sport gehen und nicht zu meinem Ehrenamt, ich kann meine Freunde nicht besuchen, ich kann nicht mal kochen ohne Pausen, das ist doch kein Leben! Und es gibt keinerlei Aussicht auf Besserung. Ich kenne all diese Symptome seit dem Krankenhaus, es sind genau die selben, sie sind mit der Aufdosierung des Venlafaxin aufgetreten und werden so lange bleiben wie das Venlafaxin. Mein Körper ist wie vollgestopft mit diesem Zeug, viel mehr als er (er-)tragen kann.
Ich kann in diesem Zustand keine 2 weiteren Monate auf dieser Dosis bleiben!!!

Liebe Grüße,
Sinua
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Re: Venlafaxin 300 + Mirtazapin 15 ausschleichen - wie weite

Beitrag von Lisamarie » Dienstag, 03.03.15, 18:22

Hallo Sinua, das ist ja wirklich sehr übel und ja das kann ich mir vorstellen das du das nicht nochmals zwei Monate erträgst. Wenn du so auf das Venlafixin reagierst würde ich 50 mg sofort runter gehen. Im oberen Bereich kann man mal einen schnelleren Schritt machen, vielleicht reicht das schon das es dir erstmal besser geht ? Dann allerdings wirklich sechs Wochen auf der Dosis bleiben und dann müssen wir mal neu überlegen wieviel du beim darauffolgenden Schritt gehen kannst, kommt auch drauf an wie du den Schritt jetzt verträgst. Wäre so meine Idee dazu, das ist ja kein aushaltbarer Zustand in dem du dich befindest.
Lg Petra
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2012 noch 5 Monate Mirtzapin,Pipamperon,Levomepromaxin
Bis auf die Praxiten von heute auf morgen kalt abgesetzt, erste Absetzbeschwerden nach sechs Wochen, aber dann
6 Monate heftigste Absetzproblematik.Magendarm 30 Kilo in vier Monaten abgenommen.Halbes Jahr bettlägerig.Schwer suzidal zum stabilisieren fast ein Jahr gebraucht.
Oxazepam reduzieren von umgerechnet 50 mg Diazepam:
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Re: Venlafaxin 300 + Mirtazapin 15 ausschleichen - wie weite

Beitrag von padma » Dienstag, 03.03.15, 18:44

Hallo Sinua, :)

ich schliesse mich da Petra :) an.

Das Mirtazapin hatte die NW etwas gedeckelt, die nun voll durchkommen. 50 mg zu reduzieren, halte ich bei der Dosishöhe :evil: auch für vertretbar.

alles Gute,
padma
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Re: Venlafaxin 300 + Mirtazapin 15 ausschleichen - wie weite

Beitrag von sinua » Dienstag, 03.03.15, 20:09

Liebe Petra, Liebe padma,

vielen Dank für euer Verständnis und eure Antworten! Ihr seid mir eine große Hilfe in meiner Ratlosigkeit und Unsicherheit!!!
Boah, ich bin total erleichtert, dass ich nicht noch 2 Monate so weitermachen muss. Meinetwegen dauern die Nebenwirkungen auch noch 2 Monate an, weil sie ja wahrscheinlich nicht sofort verschwinden bei der ersten Reduktion. Aber das ist viel besser als der Gedanke, noch 2 Monate die 300mg nehmen zu müssen und genau zu wissen, dass damit alles so bleibt.
würde ich 50 mg sofort runter gehen
D.h. gleich morgen?!

Ich habe in meinen alten Mitschriften nachgesehen, um zu sehen, ab welcher Höhe die Hitzewallungen angefangen haben.
Dabei ist mir etwas aufgefallen, was ich total vergessen hatte: in der Tagesklinik habe ich so lange auf den Hitzewallungen herumgeritten, bis meine Behandler entnervt zugestimmt haben, eine Reduzierung des Venlafaxins zu probieren (ca. Juli 2014, damals nahm ich noch das Mirtazapin). Brav habe ich die Anweisungen befolgt und von 300mg auf 225mg von einem Tag auf den anderen reduziert. Nach ein paar Tagen war ich dann sehr schlapp, hatte kaum Energie für die Tagesklinik, geschweige denn für meine Hobbies. Die Hitzewallungen blieben schön konstant. Nach ein paar solchen Tagen habe ich Panik gekriegt, dass das nun so bleibt, ich wollte mein aktives Leben zurück und habe um eine erneute Aufdosierung gebeten. Damals wusste ich all das zum Thema Reduzieren/Ausschleichen nicht, was ich heute dank euch weiß.
-> Damals habe ich eine Reduzierung um 75mg nicht gut vertragen - kann ich daraus ableiten, dass 50mg vielleicht zu gewagt sind? Wahrscheinlich nicht, es kann wohl niemand vorher wissen und ich muss es einfach ausprobieren, oder?

Vielen Dank für euer Interesse, eure Anteilnahme und eure Ratschläge,
Sinua
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Murmeline
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Re: Venlafaxin 300 + Mirtazapin 15 ausschleichen - wie weite

Beitrag von Murmeline » Dienstag, 03.03.15, 20:32

Hallo Sinua,

ganz sicher kann man es vorher natürlich nicht wissen.

Könntest Du Dir denn vorstellen, dass Du diesmal ggf. weniger Panik bekommen würdest, weil Dir mehr bewusst ist, dass zusätzliche Absetzerscheinungen wie Erschöpfung auftreten können? Wenn man die Veränderungen einordnen kann, hilft es einem ggf. etwas besser, nicht in Panik zu verfallen, dass das nun ein immerwährender Zustand ist, sondern vorübergehend. Wie schätzt Du das ein?

Grüße Murmeline
Erfahrung mit Psychopharmaka (Citalopram, langjährig Venlafaxin und kurzzeitig Quetiapin), seit Sommer 2012 abgesetzt
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Dein Behandler nimmt Absetzproblematik nicht ernst? Das geht anderen auch so, siehe hier
Einer Deiner Ärzte erkennt Probleme mit Psychopharmaka an? Dann berichte doch hier

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Re: Venlafaxin 300 + Mirtazapin 15 ausschleichen - wie weite

Beitrag von padma » Dienstag, 03.03.15, 20:34

Liebe Sinua, :)

ja, ich würde morgen um 50 mg runter gehen.
und von 300mg auf 225mg von einem Tag auf den anderen reduziert. Nach ein paar Tagen war ich dann sehr schlapp, hatte kaum Energie für die Tagesklinik, geschweige denn für meine Hobbies. Die Hitzewallungen blieben schön konstant.
Das kann sein, dass du zunächst wieder schlapp bist. Das ist zwar nicht schön, für eine gewisse Zeit aber aktzeptabel, oder? Damals konntest du es wahrscheinlich nicht einordnen und es hat dich auch deswegen geängstigt. Heute weisst du, dass es "nur" ein Absetzsymptom ist und von alleine wieder vergehen wird.

75 mg war natürlich auch sehr viel, es kann gut sein, dass eine Reduktion um 50 mg deutlich weniger Probleme macht.

Bei welcher Dosishöhe die Hitzewallungen nachlassen, kann man leider nicht vorhersagen. Die paar Tage, die du damals gewartet hattest, waren sicher zu kurz, es kann dauern bis NW nachlassen.

Ich würde es riskieren.

liebe Grüsse,
padma
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insanity
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Re: Venlafaxin 300 + Mirtazapin 15 ausschleichen - wie weite

Beitrag von insanity » Dienstag, 03.03.15, 20:37

300 mg sind echt hoch :frust: Ich konnt bei 112, 5 mg (davon 37,5 mittags) schon nicht mehr schlafen nachts.
Oder du probierst es erstmal mit 25 mg und guckst wie du reagierst? Dann kann man ja immer noch weiter runtergehen.
Da müssten jetzt allerdings die Experten sagen, ob man da dann auch lieber 4-6 Wochen wartet :?:
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Re: Venlafaxin 300 + Mirtazapin 15 ausschleichen - wie weite

Beitrag von Lisamarie » Dienstag, 03.03.15, 21:01

Hallo Sinua, Versuch wirklich den Schritt mit 50 mg weniger. Wenn du nur 25 mg runtergehst stellt sich vielleicht nicht die Erleichterung ein die du anstrebst und müsstest dann auch mindestens vier Wochen warten um weiter abzudosieren. Als ersten Schritt halte ich den für vertretbar. Berichte uns dann bitte wie dir das bekommt.
Lg Petra
2012 noch 5 Monate Mirtzapin,Pipamperon,Levomepromaxin
Bis auf die Praxiten von heute auf morgen kalt abgesetzt, erste Absetzbeschwerden nach sechs Wochen, aber dann
6 Monate heftigste Absetzproblematik.Magendarm 30 Kilo in vier Monaten abgenommen.Halbes Jahr bettlägerig.Schwer suzidal zum stabilisieren fast ein Jahr gebraucht.
Oxazepam reduzieren von umgerechnet 50 mg Diazepam:
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Re: Venlafaxin 300 + Mirtazapin 15 ausschleichen - wie weite

Beitrag von sinua » Dienstag, 03.03.15, 23:19

Hi nochmal,

ich bin grad ziemlich bewegt, dass ihr euch so für mich engagiert :) :cry:

Ich würde auf jeden Fall diesmal solche Absetzerscheinungen ganz anders bewerten, Murmeline. Einmal habe ich heute das geballte Wissen des Forums auf meiner Seite. Und noch dazu bin ich einfach viel solider, selbstbewusster und gelassener als damals. Beides zusammen würde mich damit diesmal ganz anders umgehen lassen. Ich traue es mir zu.
ja, ich würde morgen um 50 mg runter gehen.
Ok, dann werde ich gleich morgen meine Dosis reduzieren.
Versuch wirklich den Schritt mit 50 mg weniger. ... Berichte uns dann bitte wie dir das bekommt.
Ja Petra, das mach ich! Ich erwarte für morgen überhaupt keine Änderungen. Ich nehme ja die retard-Variante und wenn ich mal ganz selten meine Tabletten vergessen hatte, dann habe ich überhaupt nix gemerkt und am nächsten Tag normal weitergenommen. Deshalb gehe ich davon aus, dass morgen alles total normal läuft. Aber danach wird's spannend...
Ich halte euch auf dem Laufenden!
Ein großes Dankeschön an euch alle, padma, Petra, Murmeline und insanity! Ihr habt mir ein großes Stück weitergeholfen,
Sinua
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Re: Venlafaxin 300 + Mirtazapin 15 ausschleichen - wie weite

Beitrag von Murmeline » Mittwoch, 04.03.15, 7:03

Hallo Sinua,

schön, dass du eine Entscheidung für dich getroffen hast. Grundsätzlich glaube ich auch, dass dieser größere Schritt aktuell möglich sein sollte und wünsche dir alles Gute dafür! Eine optimistische Grundhaltung und dein Wissen helfen sicher, mit potentiellen Problemen umzugehen und nicht sofort in Panik zu verfallen. Vermutlich gehen manche Aspekte nicht gleich zurück, aber du bist dann auf dem Weg und das zählt! Ich hoffe, du findest auch einen Mittelweg, einerseits mögliche Probleme zu registrieren und zu akzeptieren und auf der anderen Seite eben auch nicht überzubewerten.

Liebe Grüße, Murmeline
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Dein Behandler nimmt Absetzproblematik nicht ernst? Das geht anderen auch so, siehe hier
Einer Deiner Ärzte erkennt Probleme mit Psychopharmaka an? Dann berichte doch hier

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Re: Venlafaxin 300 + Mirtazapin 15 ausschleichen - wie weite

Beitrag von insanity » Mittwoch, 04.03.15, 19:04

Murmeline hat geschrieben:Ich hoffe, du findest auch einen Mittelweg, einerseits mögliche Probleme zu registrieren und zu akzeptieren und auf der anderen Seite eben auch nicht überzubewerten.
Eine Psychiaterin hat mir mal empfohlen, den Beipackzettel nicht zu lesen, weil "dann machst du dich nur verrückt."
...informieren, wie du schon sagtest und gewappnet sein, halte ich auch für schlauer. Nur überbewerten ist wichtig.
In diesem Sinne wünsche ich dir alles Gute!
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Re: Venlafaxin 300 + Mirtazapin 15 ausschleichen - wie weite

Beitrag von sinua » Dienstag, 10.03.15, 14:23

Hallo ihr Lieben,

ein Update von mir eine Woche nach meiner ersten Reduktion des Venlafaxins um 50mg:
Es ist geht mir psychisch weiter ganz gut. Klar, die Einschränkung möglicher Aktivitäten/Beschäftigungen durch die Nebenwirkungen geht auch auf die Laune, aber ich habe nichts Depressives bemerkt.
Seit ein paar Tagen merke ich mal hier mal da leichte körperliche Symptome, die ich mit der Abdosierung des Venlafaxins in Verbindung bringe:
manchmal leichte Übelkeit,
manchmal leichte Kopfschmerzen, die irgendwie oben auf dem Kopf drauf zu sitzen scheinen (besser kann ich es nicht erklären :)),
selten leichter Schwindel.
Alles gut aushaltbar. Wenn ich beschäftigt/konzentriert bin, bemerke ich die Nebenwirkungen dann auch oft nicht mehr. Also wenn das so bleibt, wäre das super.
Ich merke, dass ich auf ungewohnte Nahrungsmittel immer noch sensibler als früher mit leichtem bis mittlerem Durchfall reagiere, aber das ist auch schon ein paar Wochen so. Meine Erkältung ist immer noch nicht ganz abgeklungen, mein Immunsystem tut sich deutlich schwerer als früher damit, aber das habe ich ja auch schon ein paar Wochen.
Ich bin weiterhin oft müde, schlafe viel (oft weit mehr als 9h).
Aber ich habe seit 1-2Tagen eine leichte Besserung der krassen Erschöpfung bemerkt. Ob das noch Reste vom Mirtazapin-Absetzen waren oder jetzt schon die Reduzierung des Venlafaxins hilft, diese fiese Nebenwirkung etwas zu lindern, weiß ich nicht - und eigentlich ist es ja auch egal. Ich kann wieder die Einkäufe für meinen Freund und mich übernehmen und bin gestern das erste Mal seit Wochen wieder mit dem Fahrrad zu meiner Selbsthilfegruppe gefahren! Dass ich überhaupt bei meiner Gruppe war, ist ein Fortschritt - das hatte ich seit Januar erst einmal geschafft. Dass ich mit dem Fahrrad hingefahren bin, ist eine weitere schöne Entwicklung. Ich habe zwar fast doppelt so lange für die kurze Strecke gebraucht wie in fitten Zeiten und tierisch geschwitzt trotz des gemächlichen Tempos, aber es hat geklappt! Und ich bin danach nicht sofort halbtot ins Bett gefallen - aber k.o. war ich schon :).
Außerdem habe ich wieder mit meinem neuen Hobby angefangen, nachdem ich mich wochenlang überhaupt nicht aktiv mit irgendetwas beschäftigen konnte und nur "herumhing".

Alles in allem bin ich zufrieden und freue mich über die Fortschritte.
Ich glaube, es war die richtige Entscheidung, mit dem Venla-Ausschleichen schon jetzt zu beginnen. Zwar können sich die Ausschleich-Symptome noch verschlimmern, ich bin ja erst seit einer Woche auf 250mg. Aber es macht allein psychisch einen Riesenunterschied, dass ich mich jetzt nicht mehr der Höchstdosis ausgeliefert fühle und den Weg, den ich bezüglich der Medikamente gehen will, schon angefangen habe.
Nun ist mein Bericht zwar viel länger geworden als ich das vorhatte, aber vielleicht ermuntert das ja andere Mitleser zum Durchhalten :hug: und zum geduldsintensiven langsamen Ausschleichen :sports: .
Liebe Grüße an alle und toi toi toi für euer Ausschleichen,
Sinua
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MurmelineOliver
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Lisamarie
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Re: Venlafaxin 300 + Mirtazapin 15 ausschleichen - wie weite

Beitrag von Lisamarie » Dienstag, 10.03.15, 19:33

Hallo sinua, das ist ja klasse was du da berichtest und es gibt dir sicher auch ein gutes Gefühl das du dich jetzt auf dem Weg befindest das Venlafixin los zu werden . Und klasse das du dir ein neues Hobby gesucht hast. Und schon wieder einiges unternehmen kannst. Nur bitte überanstreng dich nicht der Körper ist damit beschäftigt sich anzupassen und zuviel Action kann dann triggern. Also Versuch einen gesunden Mittelweg zwischen Action und Ruhe zu finden.
Lg Petra
2012 noch 5 Monate Mirtzapin,Pipamperon,Levomepromaxin
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Re: Venlafaxin 300 + Mirtazapin 15 ausschleichen - wie weite

Beitrag von sinua » Mittwoch, 11.03.15, 15:20

Liebe Petra,
Nur bitte überanstreng dich nicht der Körper ist damit beschäftigt sich anzupassen und zuviel Action kann dann triggern.
ja, das habe ich hier im Forum schonmal gelesen, dass es einigen so gegangen ist. Gestern habe ich dann auch einen ganz ruhigen Tag gemacht. Heute stand eine etwas längere Fahrt an, die ich früher immer mit dem Fahrrad zurückgelegt habe, aber das war mir dann doch zu doll - eben genau wegen der Warnungen bzgl. Absetzen und gleichzeitigem Auspowern. Und so fit wie früher bin ich eben noch nicht wieder - also hab ich den Bus genommen :)

Liebe Grüße an alle,
Sinua
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