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Erfahrungsbericht von Lukas (Olanzapin und Abilify erfolgreich abgesetzt)

Sammlung von Erfahrungsberichten mit Psychopharmaka.
Offene Reise
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Erfahrungsbericht von Lukas (Olanzapin und Abilify erfolgreich abgesetzt)

Beitrag von Offene Reise » Sonntag, 15.05.16, 14:55

Mein Einstieg

Damals hat mir die neue Diagnose gefallen – bipolar zu sein fand ich besser als Borderline zu haben. Und nach einigen erfolglosen Psychotherapien bin ich dankbar auf den Pillenzug gesprungen. Als die Ärztin die Praxis verließ, schenkte ich ihr einen riesigen Blumenstrauß und meinte, Olanzapin würde mir enorm helfen (lief damals unter Zyprexa).

Ja, die quälenden Selbstzerfleischungs-Gedanken waren wie weggeblasen, was für mich die Welt bedeutete. Auch die stechenden Schmerzen, die phasenweise auftauchten, sobald ich mich entspannte, waren kein Thema mehr. Was ich aber natürlich nicht wissen konnte, ist wie es die nächsten Jahre weiterging...

Wie ich auf Abilify kam

Nach einigen Jahren auf Olanzapin kamen diese Gedanken zurück, genauso wie die Schmerzen. Und das Müdigkeitsproblem, das ich schon aus Jugendtagen kannte, hatte sich weiter verschlimmert. An guten Tagen habe ich „nur“ zwölf Stunden geschlafen, das waren drei mehr als für mich üblich.

Gut, dann eben das nächste Medikament, dachte ich mir. Die Wahl fiel auf Aripiprazol (Abilify). Dass der verschreibende Experte ein siebartiges Gedächtnis hatte, beeindruckte mich nicht weiter (ein paar Mal in einer Sitzung danach zu fragen, welches Medikament ich aktuell nehme, sollte einem zu denken geben). Ich wollte einfach nur das Rezept, das mir zu einem guten Leben verhilft.


Das gute Leben ließ aber lange auf sich warten...

Die verhunzte Ausbildung
Die zurückgekehrten Selbstzerfleischungs-Gedanken, Schmerzen und Schlafprobleme waren nur der Anfang. Es kam eine weitere Ausbildung dazu, die ich in den Sand setzte. Es fing damit an, dass ich von heute auf morgen nicht mehr aus dem Bett kam. Als mir meine WG-Genossen auf‘s Dach stiegen, stellte ich auch keinen Wecker mehr. Zugegeben, wenn es mir nicht so egal gewesen wäre, mir wäre so ein ewiges Klingeln, bis das Ding von alleine ausgeht, auch auf den Geist gegangen.

Die unentspannte Ausstrahlung
Auf den Passfotos hatte ich einen Gesichtsausdruck wie ein Durchgeknallter, wobei die vielen zusätzlichen Kilos diesen Anschein verstärkten. Eine Ausbildungskollegin war auch so nett mir das zu bestätigen („Du hast so einen starren Blick“).

Die Ekel-Zunge
Über meine Zunge legte sich über lange Zeit eine Pilzschicht – vorne etwas schleimig und weiß, hinten genauso schleimig, aber in gelb. „Das sehen wir öfter bei Patienten, die schon länger Psychopharmaka genommen haben“, meinte ein Allgemeinarzt. Ist zwar nicht schön, muss ich aber wohl schlucken, war ich überzeugt. Hauptsache, ich bekomme mein Leben hin. Und es braucht schon eine Freundin, um küssen zu können...

Die unheimlichen Ständer

Wo wir bei diesem Thema sind - es heißt, seinen Lümmel nicht hochzubekommen gehört zu den häufigeren Problemen von psychiatrischen Medikamenten. Eins kann ich euch aber sagen: es ist auch nicht gerade ein erhabenes Gefühl, wenn das Dödelchen sich selbstständig macht und gegen den Besitzerwillen zur Höchstform aufläuft – es lebt sich anders, wenn man sich immer wieder Gedanken dazu machen muss, wie die Ausbeulung in der Hose verdeckt werden kann. Und die einzigen Reize, die diese Anschwellungen brauchten, waren die besagten Pillen und zuwenig Schlaf – Gedanken an Sex kamen dabei nie auf, dafür waren die Gliedschmerzen zu groß und der Moment denkbar unpassend.

Die fehlenden Orgasmen
Als ich eines Tages dann doch eine Partnerin gefunden hatte, waren zwar diese unheimlichen Ständer kein Thema mehr, dafür konnte ich keine Orgasmen bekommen. Und das nicht, weil wir es etwa zu zaghaft oder zu kurz versucht hätten. Ein Freund meinte einmal im Scherz, ich könne daraus eine Tugend machen und in Pornos auftreten. Kein so schöner Gedanke, wie ich fand.

Die uncoole Art Wasser zu lassen
Dann war da noch etwas mit dem Urinieren. Wenn das beste Stück es sich nach getaner Arbeit wieder in der Hose gemütlich machte, kamen einzelne Tröpchen nach.

Das alles hat damals mein Verhältnis zu den Pillen aber nicht eintrüben können. Diese Probleme hatte ich ja nicht jeden Tag vom Jahr und ich wollte doch so sehr zu meinem Leben kommen...

Abilify bekommt ein Solo
Olanzapin und Abilify liefen ein paar Wochen ersteinmal gleichzeitig. Ersteres setzte ich dann auf Empfehlung vom Experten von heute auf morgen ab, was zum Glück keine spürbaren Folgen hatte.

Ein paar Jahre später hatte ich aber immer noch nicht mein Leben hinbekommen. Dafür war ich ein regelmäßiger Gast der Krisenintervention, sprich bei der psychiatrischen Abteilung, die gerade ein Bett frei hatte (ein Flur konnte da auch mal reichen) und suizidale Notfälle aufnahm. Für alle, die sich damit auskennen – es war meist eine fakultativ geschlossene Einheit.

Mein Intermezzo mit Antidepressiva

Es gab noch eine Zeit, in der ich verzweifelt verschiedene Antidepressiva und Lithium ausprobierte, die ich alle nur für maximal einige Monate nahm und wegen üblen Verschlimmerungen abrupt fallen ließ. An der Stelle möchte ich es aber dabei belassen und komme gleich zu meinen Ausstiegs-Erfahrungen.

Mein Komplett-Ausstieg
Das Abilify schlich ich von 20 mg über viele Monate und in kleinen Schritten auf 5 mg runter und setzte es gegen den Widerstand der Ärztin vollständig ab - ich könne doch bei der Dosis bleiben, das hätte einen stabilisierenden Effekt bei Patienten mit Borderline, was ich mit „Ach du Schreck, ist die naiv!“ überging.

Einmal hatte ich mich inzwischen auf Mad in America umgeschaut und wusste daher, warum ich dieses Zeug nicht mehr wollte. Dazu war ich offiziell nicht mehr „krank“, denn meine Traumabearbeitung ist recht gut gelaufen und ich erfüllte nicht mehr die Diagnosekriterien für die Borderline Persönlichkeitsstörung, wie es so schön heißt (ich vergesse für einen Moment, dass ich das Diagnose-System vollständig der Tonne zugeführt habe).

Die Zeit direkt nach dem Absetzen

Wenige Tage nach der letzten Dosis schlitterte ich immer tiefer in einen körperlichen Zustand, der mir in dieser Heftigkeit neu war. Selbst Arbeiten am PC wurde zu einer größeren Anstrengung. Meine Arme waren zu schlapp, um die Hände auf die Tastatur zu bekommen. Das ging einige Wochen, bis ich mit Globulis und natürlichen Nahrungsmittelergänzungen langsam wieder zu kräften kam (zu meiner Überraschung wirkten die homöopatischen Mittel tatsächlich).

Als kleine Randnotiz: meine massiven Nährstoffmängel standen schon seit längerem in meinen Akten, ohne das jemand mir das gesagt hätte. Darunter waren zum Beispiel die Vitamine D3, B und zusätzlich Eisen. Allein diese drei Mängel hatten massive Auswirkungen auf meine Gedankenwelt, Gefühle und Körper. Aber das ist eine andere Geschichte, auf die ich vielleicht später ausführlicher eingehe.

Mit dem Absetzen hörte die Taubheit auf (und veränderte viel)


Huch, ich bin ein Mensch!

Kurz nach dem Absetzen fing es mit Brustschmerzen an, wenn ich emotional unter die Räder geraten bin, was ich als eine natürliche Reaktion auf den Stress empfunden habe. Sowas aber auch, ich lebe?!

Mein Körper meldete seine Problemstellen (und ich bekam es mit)

Als nächstes sind die Muskelschmerzen im Bein wieder aufgetaucht, die ich die gesamte Zeit auf Medikamente nicht mehr hatte. Stellte sich heraus, sie wollten mir etwas erzählen und verschwanden wieder, als ich eine zeitlang mich auf natürliche Weise um meinen Magnesiumhaushalt kümmerte. Manchmal kommen sie auch heute wieder, was aber recht schnell mit einer kleinen Magnesium-Kur geregelt ist.

Adé Schmerzen
Die krassen Gelenkschmerzen, die mir es unmöglich machten meinem Lieblingssport Joggen nachzugehen, verschwanden vollständig, ohne dass ich gezielt etwas dafür getan hätte. Mann, war das ein Genuss endlich wieder nach Lust und Laune sprinten zu können!

Hallo Geschmack!
Besonders gut errinnere ich mich, wie ich eines Tages beim Essen eine Geschmacksexplosion hatte. Es war so, als wären meine Geschmacksknospen angesprungen. Auch wenn ich mich recht schnell an das neue Niveau gewöhnte, die intensiven Wahrnehmungen tragen auch heute noch sehr zu meiner Lebensqualität bei. Meinen Körper nicht täglich mit einer Chemiekeule zu betäuben heißt auch, dass ich auch seine etwas subtileren Bedürfnisse wahrnehmen kann. Mittlerweile kann ich ganz genau spüren, was ihm besser bekommen wird – angeschmorter Paprika mit Hähnchenbrust oder doch besser eine Gyrospfanne. So kann ich ganz auf meine Individualität eingehen und meinem Körper das geben, was er wirklich braucht.

Die Beinzuckungen im Schlaf verschwanden
Das fand ich auch ziemlich unheimlich, wie meine Beine sich lange dazu berufen sahen, heftig zu zucken. Ich habe das meist nur mitbekommen, wenn ich selbst davon aufgewacht bin oder meine Partnerin mich wach machte, weil es sehr stark wurde und wir es so unterbrechen konnten.

Grenzen wahrnehmen können
Mein Workaholiker-Dasein hat sich auch erledigt, nachdem das Medikament eine Weile weg war. Dass ich gerne intensiver an etwas gearbeitet habe und dabei übertrieb, war nichts Neues. Dieses Mal schien diese Phase aber nicht enden zu wollen. Nach einigen Monaten hieß es dann von einem Professional, ich würde mich selbstüberschätzen und wäre gut beraten mich damit auseinanderzusetzen, was gedanklich-emotional schief hängt. Habe ich gemacht. War es aber nicht. Nachdem ich über viele Monate immer wieder darüber brütete und es mit der Hilfe von einem Einzelfallhelfer vergeblich zu lösen versuchte, wurde ich der Sache langsam überdrüsig. Naja, meine Grenzen wahrzunehmen ist nicht so einfach, wenn man betäubt ist... Als ich dann endlich ganz ohne Abilify unterwegs war, hat es nicht lange gedauert, und das Thema war gegessen.
Heute passiert es nur noch sehr selten, dass ich bis in die Morgenstunden arbeite. Auch vernachlässige ich nicht mehr wegen der Arbeit meine Bedürfnisse nach gutem Essen, Trinken oder Erholung. Genauso leidet nicht mehr meine Partnerschaft darunter, da es mir leichter fällt die Balance zu halten.

Im Nachhinein betrachtet liegt doch die Vermutung nahe, wegen dem Medikament all diese Zeit nicht zur Ruhe gekommen zu sein.

Meine Empathie-Fähigkeit ist gestiegen

Das alles kann aber nicht mit dem mithalten, was sich in meiner Partnerschaft veränderte. Meine Partnerin meinte eines Tages, ich wäre sprunghaft sehr viel empathischer geworden (mit den Pillen machte ich eher den Eindruck, ein Zombie zu sein).

So macht Petting richtig Spaß
Genauso wie meine Geschmacksknospen aufgewacht sind, wurde ich am ganzen Körper um einiges empfindsamer. Die Küsse und Berührungen habe ich von nun an viel intensiver wahrgenommen und ich bin bis heute immer wieder erstaunt, zu welchen Empfindungen mein Körper beim Sex fähig ist.

In meinem Blog und in einem Gastbeitrag auf MY FREE MIND habe ich noch einiges mehr zu den Themen Liebe und Partnerschaft geschrieben.

Endlich konnte ich auch die kleinen Dinge genießen
Auch wurde es mir möglich, die kleinen Dinge im Alltag zu genießen. Denn durch die gesteigerte Wahrnehmung erschienen sie gar nicht mehr so klein und unbedeutend. Dafür wurden sie umso wichtiger für meine Lebenslust.

Unterm Strich...

So gesehen bin ich recht gut davon gekommen und kann die weiteren Aufräumarbeiten kaum erwarten, die in den nächsten Zeiten anstehen. Zum Beispiel ist mein Gedächtnis in einigen Situationen noch arg löchrig; und sobald ich mit gewissen Reizstoffen oder Giften im normalen Alltag zu tun habe, fühlt sich mein Hirn etwas matschig an und meine Gedanken werden wirr, was man an chaotischen Handlungen erkennt (es wurde aber schon besser – es gab auch Zeiten, in denen Nudeln kochen schon mal zu einer Herausforderung werden konnte).

Da ist noch mehr, doch dazu schreibe ich vielleicht etwas auf meinem Blog.

Was es noch zu tun gibt...
Gerade stärke ich noch die Organe, die an Entgiftungsprozessen beteiligt sind, um später sanft und über einen langen Zeitraum entgiften zu können. Danach möchte ich meinen Körper grundlegend zum Beispiel mit homöopathischen Mitteln, natürlichen Nährstoff-Präparaten und verschiedenen Probiotika aufbauen.

Grundsätzlich merke ich manchmal, wie ich weiterhin darauf angewiesen bin täglich meine Eisenspeicher aufzufüllen und unter anderem B-Vitamine zu nehmen, da mein Körper ansonsten schnell kraftlos wird und ich in ein Stimmungstief falle.

Noch ein Gedanke zum Schluss...
Mir ist dabei wichtig, nur schonende und natürliche Mittel zu nutzen, die meinen Körper nicht „nebenbei“ weiter belasten.
Auf solche Tauschgeschäfte (ein Problem beseitigen wollen und dafür vier weitere in Kauf nehmen) möchte ich mich nicht mehr so schnell einlassen. Ich habe jetzt zur Genüge die Erfahrung gemacht, dass das auch meist nicht nötig ist und freue mich auf das, was da kommen mag.
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Re: Erfahrungsbericht von Lukas (Olanzapin und Abilify erfolgreich abgesetzt)

Beitrag von Jamie » Sonntag, 15.05.16, 22:14

Danke.
Sehr unterhaltsam und "nah" geschrieben, gefällt mir gut. Informativ ist es sowieso. :)

Ich wünsche dir weiterhin alles Gute auf deinem Genesungsweg

Grüße
Jamie
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Re: Erfahrungsbericht von Lukas (Olanzapin und Abilify erfolgreich abgesetzt)

Beitrag von Offene Reise » Montag, 16.05.16, 18:24

Danke Jamie fürs Feedback.

Eins möchte ich noch nachschieben, weil es mich lange beschäftigt hat - gewaltvolle Gedanken, die gegen mich gerichtet waren, hatte ich schon vor den Medikamenten (diese verschwanden im Wesentlichen mit der Traumabearbeitung und einer zu mir passenden Ernährung). Was mit den Pillen kam und ging waren agressive Gedanken gegen andere. Ich habe mich auf unbeschreibliche Weise abgestrampelt, um sie mit verhaltenstherapeutischen und kognitiven Methoden loszuwerden, was nie gelungen ist (es passt einfach nicht zusammen, ein netter Typ zu sein und gleichzeitig andere ständig in der Phantasie agressiv anzugehen. Da waren Gewissenskonflikte vorprogrammiert). Um so glücklicher und erleichtert war ich, als sich dieses Kapitel von alleine abgehakte, nachdem ich komplett frei war von den Medikamenten.

LG

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Re: Erfahrungsbericht von Lukas (Olanzapin und Abilify erfolgreich abgesetzt)

Beitrag von Murmeline » Dienstag, 17.05.16, 22:37

Hallo Lukas,

herzlichen Dank, dass Du Dir die Zeit genommen hast!
Ich hab mir erlaubt, in diesem Thread (NL erfolgreich abgesetzt) auf Deinen Erfahrungsbericht hinzuweisen:
viewtopic.php?p=140227#p140227

Danke auch, dass Du das ADFD-Forum unter Ressourcen auf Deinem Blog aufgenommen hast:
http://www.adfd.org - ein Forum mit unabhängigen Informationen über psychiatrische Pillen. Hilfreich für alle, die sich ein realistischeres Bild von der Situation machen und sich austauschen wollen.
:pillowtalk:

Du schreibst wirklich gut, anschaulich und zum Schmunzeln, sogar bei so einem schwierigen Thema.
Ich hoffe, Du verfolgst das Schreiben auf Deinem Blog weiter.
Was mit den Pillen kam und ging waren agressive Gedanken gegen andere. Ich habe mich auf unbeschreibliche Weise abgestrampelt, um sie mit verhaltenstherapeutischen und kognitiven Methoden loszuwerden, was nie gelungen ist (es passt einfach nicht zusammen, ein netter Typ zu sein und gleichzeitig andere ständig in der Phantasie agressiv anzugehen. Da waren Gewissenskonflikte vorprogrammiert). Um so glücklicher und erleichtert war ich, als sich dieses Kapitel von alleine abgehakte, nachdem ich komplett frei war von den Medikamenten.
Sowas ist schrecklich anstrengend (wir lesen hier nicht ständig davon, aber auch, leider gibt es das immer wieder mal). Gut, dass Du diese Gedanken zusammen mit den Pillen losgeworden bist.

Grüße, Murmeline
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Re: Erfahrungsbericht von Lukas (Olanzapin und Abilify erfolgreich abgesetzt)

Beitrag von Offene Reise » Mittwoch, 18.05.16, 21:37

Hey Murmeline,

danke auch für alles. :hug:

Habe ich gerne gemacht, das ist eine echt besondere Community, die ihr hier aufgebaut habt! :wink:

LG

Lukas
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Re: Erfahrungsbericht von Lukas (Olanzapin und Abilify erfolgreich abgesetzt)

Beitrag von Arianrhod » Freitag, 20.05.16, 17:14

Offene Reise hat geschrieben:
Einmal hatte ich mich inzwischen auf Mad in America umgeschaut und wusste daher, warum ich dieses Zeug nicht mehr wollte. Dazu war ich offiziell nicht mehr „krank“, denn meine Traumabearbeitung ist recht gut gelaufen und ich erfüllte nicht mehr die Diagnosekriterien für die Borderline Persönlichkeitsstörung, wie es so schön heißt (ich vergesse für einen Moment, dass ich das Diagnose-System vollständig der Tonne zugeführt habe).
.
Hallo Offene Reise,

ich wurde auch auf Grund einer postrtraumatischen Belastungsstörung falsch diagnostiziert und mit Neuroleptika zugehauen.
Olanzapin - Gewichtszunahme von 11 Kilo innerhalb von zwei Wochen und Abilify - machte mich schlaflos und - so wie bei dir - aggressiv gegen andere. ( nicht, dass ich jemanden was getan hätte. Aber ich dachte beispielsweise auf der Straße fremden Menschen gegenüber: Wenn du mich jetzt anlaberst, kriegst du eines in die Fr..... Gottseidank hat mich keiner angesprochen, die merkten wohl instinktiv, wie ich drauf war..,.. :( )
dazu noch eine weitere Anzahl Neuroleptika, steht in meiner Signatur.

Bei mir war es auch so, dass ich zu einer "Drehtürpatientin" wurde, rein in die Psychiatrie, raus, xmal zwangseingewiesen ( und zwar u. a. weil ich Medikamente verweigerte)

Jetzt mache ich Psychotherapie und bin halboffiziell meine Diagnose " Schizoaffektive Psychose" los .

Bringt mich aber auf den Gedanken, wie viele Menschen in den Psychatrien sitzen, die eine glatte Fehldiagnose haben.
Und mit Medikamenten behandelt werden, die Symptome, die der Patient gar nicht hat, unterdrücken sollen.

Wir nannten das in der Juristensprache bei uns im Studium früher "Untauglicher Versuch am untauglichen Objekt." :evil:

Dir weiterhin alles Gute.

liebe Grüße Arianrhod
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Re: Erfahrungsbericht von Lukas (Olanzapin und Abilify erfolgreich abgesetzt)

Beitrag von Arianrhod » Samstag, 21.05.16, 14:28

Offene Reise hat geschrieben:Die Ekel-Zunge
Über meine Zunge legte sich über lange Zeit eine Pilzschicht – vorne etwas schleimig und weiß, hinten genauso schleimig, aber in gelb. „Das sehen wir öfter bei Patienten, die schon länger Psychopharmaka genommen haben“, meinte ein Allgemeinarzt. Ist zwar nicht schön, muss ich aber wohl schlucken, war ich überzeugt. Hauptsache, ich bekomme mein Leben hin. Und es braucht schon eine Freundin, um küssen zu können...
Neroleptika verändern die Zusammensetzung des Speichels. Man bekommt schneller Mundinfektionen, ist aber auch anfälliger für Karies. Mir sind trotz regelmäßiger Zahnarztbesuche ( und es ist nicht einfach, sich um die eigene Gesundheit zu kümmern, wenn man 16 Stunden täglich schläft) zwei Zähne regelrecht "zerbröselt". Das erklärt mit die schlechte Zahngesundheit psychisch Kranker, die mit Neuroleptika behanelt werden ( und NICHT, dass sie sich irgendwie unhygienisch verhalten.) Dazu kommt, dass die Krankenkassen auch bei nachgewiesenen Medikamentenschäden nicht mehr Zuleistungen bei Zahnersatz geben und dass viele Betroffene wenig Geld haben.
Auch so en Punkt, den einem kein Psychiater vorher erklärt .....

liebe Grüße Arianrhod
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Re: Erfahrungsbericht von Lukas (Olanzapin und Abilify erfolgreich abgesetzt)

Beitrag von Offene Reise » Samstag, 21.05.16, 20:35

Hey Arianrhod,

als ich deine Beschreibungen gelesen hatte, dachte ich, wie die Rechnung oft nicht aufgeht. Wenn etwas den Körper so durcheinander bringt, dann muss doch etwas schrecklich schief laufen mit der "Behandlung". Wenn die Ärzte das auch so klar sehen würden, sie hätten ein großes Problem am nächsten Tag zur Arbeit zu erscheinen...

Ich selbst habe es aufgegeben, etwas von diesem zerfahrenen System zu erwarten und konzentriere mich auf die Alternativen (die für mich echt gut funktionieren).

LG

Lukas
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Re: Erfahrungsbericht von Lukas (Olanzapin und Abilify erfolgreich abgesetzt)

Beitrag von Arianrhod » Sonntag, 22.05.16, 15:01

Hallo Offene Reise,
IMHO werden die Prioritäten falsch gesetzt. Eine Priorität in der Psychiatrie heißt "Symptomfreiheit". Dem wird alles untergeordnet. Hat ein Patient psychotische Symptome, müssen die weg ( egal, was sie vielleicht sagen wollen). Dann ist es völlig wurst, ob der Patient depressiv, pseudodement, adipös, asexuell oder sonst was wird.
Mein Lieblingsvergleich: Wuchert Unkraut auf einer Wiese, wird die Wiese zubetoniert.:(
(anstatt ganz vorsichtig das Unkraut zu entfernen oder noch besser, nicht alles, was wir so nennen, ist wirklich Unkraut, manches ist essbar wie der Girsch.....)

Welche Alternativen hast du für dich gefunden? Das interessiert mich sehr.

liebe Grüße Arianrhod
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Re: Erfahrungsbericht von Lukas (Olanzapin und Abilify erfolgreich abgesetzt)

Beitrag von Offene Reise » Dienstag, 24.05.16, 15:52

Hey Arianrhod,

habe dir hier eine Antwort geschrieben.

LG

Lukas
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Zwei Jahre nach den Medikamenten (eine Fortsetzung von meinem ersten Erfahrungsbericht)

Beitrag von Offene Reise » Montag, 14.08.17, 12:39

Hey liebe ADFDler,

mein erster Erfahrungsbericht ist schon etwas mehr als ein Jahr her. Es ist viel passiert seitdem...

Freue mich über Feedback (besonders, wenn sich jemand hier wieder erkennt)!

LG

Lukas


Was sich bisher gut entwickelt hat…

Meine Leber kommt wieder zu Kräften – und bringt Ruhe in Kopf und Körper

Mein Gedächtnis wird besser
Die vielen Jahre Medikamenteneinnahme haben einige Spuren hinterlassen. Mit der Zeit konnte ich mich immer schlechter an Dinge erinnern – vieles, was länger als ein paar Minuten zurücklag, verschwand oft im Nichts. Das bezog sich auch auf länger zurückliegende Ereignisse. Sich da im Alltag zurechtzufinden war nicht einfach, aber zum Glück hat meine Frau geduldig die Lücken gefüllt wann immer sie konnte. Heute stehe ich viel sicherer auf den Beinen, da mein Erinnerungsvermögen mit der Zeit besser wird. Besonders schön ist, dass gute Kindheitserinnerungen zurückkommen und ich immer mehr Lücken schließen kann, gerade aus der Dating-Zeit mit meiner Frau.

Die Gedächtnislücken liegen also scheinbar nicht an eventuellen traumatischen Blockaden, sondern an einer strapazierten Leber…

Ich kann mich wieder präzise mitteilen
Auch mein Steckenpferd - mich gut ausdrücken zu können und dabei auch mal akrobatisch zu werden - hatte ganz schön gelitten. Viele Wörter sind nach und nach wie verschwunden. Am Ende lief es oft hinaus auf „Kannst du mir mal das Dingens reichen?“ oder „Schatz, kaufst du mir eine… Es ist gelb und gebogen und zum essen…?“ Mir sind die Namen von allen möglichen Dingen und Menschen nicht mehr eingefallen. Entsprechend oft bin ich ins Schwitzen geraten und stand unter einigem Stress – es gibt eben auch wichtigeres zu kommunizieren als seine Frau um Bananen zu bitten...

Der Ursache auf die Pelle gerückt
Es hat sich inzwischen herausgestellt, dass diese Probleme mit einer beleidigten Leber zusammenhängen (viele Medikamente schaden diesem Organ). Denn seitdem ich sie auf der einen Seite nicht weiter belaste und auf der anderen auf verschiedenen Wegen stärke, ging das Wortschwund-Problem, die Gedächtnislücken und das leidige Verwirrtsein stark zurück.

Nach ein paar Fehlversuchen mit üblen Verschlimmerungen bin ich auf das Leber-Tonikum von Salus gestoßen und habe entdeckt, dass auch Avocado und Mango meiner strapazierten Leber gut auf die Beine helfen.

Es wäre zwar noch Luft nach oben, aber zu mindestens habe ich pünktlich zu meinem Wiedereinstieg in die Arbeitswelt ein akzeptables Niveau erreicht. Ich komme zurecht, und das ist ja was zählt.

Sind Gifte für meine Gelenkschmerzen verantwortlich?
Je länger ich die Leber beim Entgiften unterstütze, desto mehr gehen die rheuma-artigen Schmerzen in meinen Fingergelenken zurück. Genauso überraschend war für mich, wie dadurch sich auch Probleme mit meinen Zahnwurzeln gebessert hatten.

Auch ist auffällig, wie belastbar meine Kniegelenke und mein Rücken ist – sie bleiben schmerzfrei, obwohl sie ordentlich gefordert werden durch meine Arbeit und das viele Tragen meiner Tochter (bei meinen früheren Sportverletzungen keine Selbstverständlichkeit). Das ist eines der Veränderungen, die meine Zufriedenheit stark verbessert haben und die ich auf mein medikamentenfreies Leben zurückführe (körperliche Fitness bedeutet mir viel, sodass ich ganz schön gelitten habe unter den vielen Einschränkungen).

Ich erhole mich langsam von der Armut

Bisher hatte ich es nicht auf dem Schirm, wie Armut einen in Beschlag nimmt. Genau genommen habe ich erst vor einigen Monaten einen Aha-Effekt, als ich zum ersten Mal auf die Armutsforschung gestoßen bin. In einem Zeitungsartikel wurde beschrieben, was es mit einem macht, wenn spätestens zum Monatsende Nudeln mit Ketchup reichen muss und der Schuldenberg sich vervielfacht, sobald die Inkassos ins Spiel gekommen sind. Das hat mich für mein eigenes Problem sensibilisiert und mir die Augen geöffnet für die Auswirkungen von existentiellen Nöten (von Profis hört man ja meist nur, dass die Probleme hauptsächlich in einem selbst liegen).

Meine Frau und ich haben vor kurzen ein Geschäft eröffnet, in das wir Vollzeit arbeiten und dadurch den Kontrast zu früher bemerken. Einmal sehe ich, wie leistungsfähig ich mittlerweile geworden bin (wer mit einem Baby zuhause einen Laden betreibt, weiß wie fordernd das sein kann) und zum anderen werde ich immer produktiver, je besser wir finanziell zu Rande kommen.

Rückblickend betrachtet hat dieser permanente Existenzdruck einen großen Anteil an meiner seelischen Not der vergangenen Jahre gehabt (ganz zu schweigen vom menschenverachtendem Umgang vom Jobcenter & Co.). Auch deswegen stelle ich den Sinn meiner Langzeit-Einnahme grundsätzlich in Frage.

Partnerschaft und Nachwuchs als Wundertüte des Lebens
Meine Frau und unser Töchterchen sind das Beste, was mir passiert ist. Durch nichts in meinem Leben habe ich mich so verändert wie durch sie, wenn es um positive Entwicklungen geht. Einmal muss ich immer wieder über meinen Schatten springen und größere emotionale Probleme angehen, um ein attraktiver Partner zu bleiben und zum anderen lerne ich viel über das Leben, in dem ich meiner Tochter beim Aufwachsen helfe.

Also schnell, einfach und bequem scheint es nicht zu sein (sorry, liebe Werbetreibende). Beschwerlich, ätzend und schön beschreibt das Leben wohl treffender… Oder wie der Psychiatrie-Professor Jim Van Os es ausdrückt: „Life sucks. Deal with it.“

Bisher hatte ich eine ausgeprägte Anti-Haltung auch zu unvermeidbarem Leid, Schmerz und Verlust, was zu noch größeren Problemen führte. Anstatt mit meinem Körper und den Gefühlen Kontakt aufzunehmen und mich auf sie einzulassen, habe ich die seelische Not als etwas Krankhaftes gesehen, das man als Feind in sich trägt und loswerden muss. Später habe ich mich zwar von der Krankheits-Idee gelöst, aber ich blieb den anderen Ansichten treu – dass seelisches Leid ein Defizit ist und möglichst schnell aus meinem Leben gehört. Mit Fehlern und widrigen Lebensumständen hadere ich auch heute noch regelmäßig und vergeude dadurch wertvolle Energie. Wenn nämlich eines dieser „defizitären“ Umstände, Gefühle oder Verhaltensweisen auftauchen, gräme und schäme ich mich manchmal.

Langsam öffne ich mich aber anderen Ansichten, die für mich plausibler sind: Vielleicht gehört das, was wir als Krankheit oder Defizit bezeichnen eher zu einem Wandlungsprozess, aus dem wir gestärkt und mit neuen Fähigkeiten herauskommen sollen? Voraussetzung für einen guten Ausgang einer „Erkrankung“ wäre wohl aber, ihr zuzuhören und den Zustand zu erkunden, anstatt mit vorgefertigten Schablonen heran zu gehen.

Zu diesem Thema kann ich euch den Film Crazywise ans Herz legen, der diese Gedanken weiter vertieft (auf Vimeo auch in deutscher Version zu haben).

Die Natur als treuer Weggefährte
Inzwischen habe ich in der Chakren-Lehre mein Zuhause gefunden (mit dem vorherrschenden westlichen Menschenbild kann ich nur wenig anfangen) und mache immer wieder die Erfahrung, dass die Natur zu den wichtigsten Helfern auf meinem Weg gehört. Entsprechend viel bin ich draußen unterwegs und sehr glücklich darüber, wie sie mir beim Verarbeiten schwieriger Gefühle unter die Arme greift, indem sie mir Halt gibt.


Woran ich gerade dran bin…
Meine Baustellen sind merklich geschrumpft, es geht also vorwärts. Insgesamt habe ich ein Fitness-Hoch erreicht, mit dem ich glücklich bin. Das merke ich vor allem, wenn mein Töchterchen viel Zeit auf meinem Arm verbringt oder wenn der Schlafmangel hoch geht und ich trotzdem gute Arbeit leiste.

Mit Stimmenhören umgehen

Noch habe ich oft die Defizit-Brille auf und sehe mich und mein Leben in einem negativ gefärbten Licht, in das der Wurm drinsteckt. Das ist ein wichtiges Thema, an dem ich sitze.
Dazu zähle ich auch die aggressiven Phantasien mir und anderen Gegenüber, von denen ich ja im ersten Erfahrungsbericht erzählt habe. Relativ neu ist hier, dass ich sie anders wahrnehme und interpretiere – in den Therapien wurden sie als sinnlose Gewaltfilme abgetan, die in mir ablaufen. Plausibler finde ich aber, sie als die Stimme von jemanden aus meiner Familie zu sehen.
Was ich nämlich all die Jahre nicht bedacht hatte war, dass ich weniger mit Worten, sondern viel in Bildern und Gefühlen denke. Sprich, wenn ich die gewaltvollen Bilder in Wörtern übersetze, beginnen sie Sinn zu ergeben. Das eröffnet mir natürlich ganz andere Möglichkeiten damit umzugehen. Jetzt geht es darum, in einen Dialog mit den Stimmen zu kommen und mich zu behaupten.

Es hat mir jedenfalls gut getan mich auf www.hearing-voices.org und www.willhall.net umzuschauen und nach anderen Ansätzen zu schauen. Mir ist dabei aufgefallen, wie wir unsere mentale Vielfalt nicht wirklich auf dem Schirm haben und man selbst sich darüber klarwerden muss, wie man als Individuum funktioniert – natürlich besonders dann, wenn man in unserer Gesellschaft nicht gut zurechtkommt. Manchmal bedeutet das nämlich nur, dass man noch nicht die eigene Art zu denken oder zu fühlen entdeckt hat. Der Ted Talk von Scott Sonnon hat mir dazu gut gefallen.

Meinen Körper stärken
Um mit der Entgiftung voranzukommen nehme ich das besagte Leber-Tonikum, für die gute Stimmung hilft mir Eisen und für meine körperlich-nervliche Kraft nutze ich ein B-Vitamin-Tonikum (natürlich zusätzlich zu einer passenden Ernährung).
Hier die Namen der Mittel, mit denen ich gute Erfahrungen mache: Ferrotone (Eisenpräparat), Vitamin-B-Komplex Tonikum und das Alepa Mariendistel Leber-Tonikum, beides von Salus.

Ein natürliches Leben aufbauen
Der dritte Bereich, das ich verändern möchte, ist das Hamsterrad, in dem so viele von uns stecken: wir müssen uns zu viel um Nebensächliches kümmern und kommen zu wenig zu den wesentlichen Dingen des Lebens – dass es eigentlich darum geht, ein erfülltes Leben zu führen, geht da etwas unter. Hier versuchen wir als Familie mehr und mehr auszusteigen aus diesem Wahnsinn, ohne dabei aus der Gesellschaft herauszufallen. So konzentrieren wir uns darauf, unseren Familienbund zu stärken, leben in einem Drei-Generationen-Haus und besinnen uns zurück auf eine natürliche Lebensweise, in der wir unsere denaturierten Gewohnheiten mehr und mehr ablegen. Als ein Beispiel arbeiten wir daran, uns ein stückweit selbst zu versorgen durch einen eigenen Gemüsegarten und eigene Heilkräuter.

Verbunden sein mit mir, meiner Familie und der Natur
Der zentrale Dreh- und Angelpunkt ist aber für mich, mehr mit mir in Kontakt zu kommen. Sprich mit meinem Körper, Gefühlen und meiner Seele. Mir macht es schwer zu schaffen, wenn ich entkoppelt bin – nicht nur von mir, sondern auch von meiner Familie und der Natur. Bei mir geht es also in erster Linie um Verbundensein, das mir fehlt.

Gabor Maté bringt es in dem Film Crazywise auf den Punkt, wie ich finde:

„Eine Gesellschaft, die unsere Spiritualität verneint und den sozialen Kontext zerstört, in dem sie Individualismus idealisiert und unsere emotionalen Bedürfnisse ignoriert, ist eine Gesellschaft, die Krankheiten hervorbringt.“


Und was ist mit den düsteren Zeiten?
Meine letzte längere Krise liegt gar nicht so lange zurück. Ich habe monatelang gebraucht, um mit Verwicklungen mit meiner Ursprungsfamilie umgehen zu lernen. In dieser Zeit musste ich mich mit suizidalen Gefühlen und ziemlich düsterer Stimmung auseinandersetzen. Wenn ich nicht vorgesorgt hätte, ich wäre wahrscheinlich auf Medikamente zurückgefallen. Dass es nicht dazu kam, führe ich auf diese Umstände zurück:

Ich möchte meine Gefühle durchleben können
Ich vergleiche Medikamente mit gewöhnlichen Drogen wie Kokain oder Alkohol – sie haben einen Effekt auf unsere Psyche, korrigieren aber keine Krankheitsprozesse. Außerdem gehe ich ohnehin nicht davon aus, dass meine Psyche im medizinischen Sinn erkranken kann. So gesehen sind Medikamente kein Muss. Das ist das eine. Das andere ist: ich möchte mich mit dem Warum auseinandersetzen, was nur bedingt möglich ist, wenn mich Substanzen betäuben.
Dementsprechend sehe ich für mich keinen Sinn darin medikamentös einzugreifen und halte lieber extreme Zustände aus. Denn wenn ich sie wahrnehme und mich auf sie einlasse, komme ich aus diesem Prozess gestärkt und gewandelt heraus. Zuletzt hat sich zum Beispiel meine Sexualität sprunghaft weiterentwickelt, was mir ein ganz anderes Lebensgefühl gibt.

Mich hat Bert McCrackens Sichtweise auf seine Krisen beeindruckt. Wenn er in der Zeit zurück gehen könnte, würde er seinem jüngeren Selbst Folgendes mitgeben:

„…diese Momente werden mich definieren, sie werden mich zu der starken und mutigen Person machen, die ich bin. Denn Angst ist unvermeidlich. Aber sich der Angst zu stellen ist alles, was es braucht um mutig zu sein. Mutig zu sein heißt nur das: die Angst zu durchleben.“

Bis zu meinen Traumasitzungen, in denen ich die Gefühle von damals durchlebt habe, wusste ich nichts davon – dass man Gefühle zulassen und durchleben muss, damit man gut zurecht kommt. Seitdem gelingt es mir um einiges besser Zugang zu meinen Gefühlen zu finden. Ich freue mich auf die Zeit, in der es eine Selbstverständlichkeit ist auch im Alltag mich auf schwierige Emotionen einlassen zu können.

Ich möchte wissen, wer ich wirklich bin
Mein wichtigster Antrieb keine Medikamente mehr zu nehmen ist, dass ich wissen möchte wie ich wirklich bin – entgiftet, mit weniger seelischen Altlasten und ohne betäubende Substanzen.

Ich habe die Unterstützung meiner Frau

Und zu guter letzt habe ich familiären Rückhalt. Meine Frau und ich haben nämlich die gleiche Einstellung, wenn es um Beziehungen geht: man hält zueinander, wenn es dem anderen schlecht geht, auch wenn es länger dauert. Und man hilft sich gegenseitig schwierige persönliche Themen zu bewältigen. So wurden wir zu einem richtig guten Team, in das jeder um den Rückhalt des anderen weiß. Das nimmt mir den Druck nach schnellen Lösungen zu suchen und gibt mir die Freiheit, meine Probleme in meinem Tempo zu ergründen.

Der Blick nach vorne
Nach und nach festigt sich mein Leben. Dass soviel sich in eine gute Richtung entwickelt hat macht Mut und gibt mir Hoffnung für das, was da kommen mag.
Zuletzt geändert von Offene Reise am Dienstag, 15.08.17, 13:13, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Erfahrungsbericht von Lukas (Olanzapin und Abilify erfolgreich abgesetzt)

Beitrag von Murmeline » Dienstag, 15.08.17, 12:15

Hallo Lukas,

herzlichen Dank, dass Du Dir die Zeit für ein ausführliches Update genommen hast. Diese Langzeitberichte über individuelle Entwicklungen nach Null sind so wichtig und es freut mich, dass Du hilfreiche Ansätze finden und neue Wege im Umgang mit Deinen Besonderheiten gehen konntest.

Alles Gute weiterhin! Murmeline
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Re: Erfahrungsbericht von Lukas (Olanzapin und Abilify erfolgreich abgesetzt)

Beitrag von Kimeta » Mittwoch, 16.08.17, 18:22

Lieber Lukas,

ich finde, das ist ein sehr toller und ermutigender Bericht, vielen Dank! Ich entnehme ihm viele Anregungen und interessante Gedanken. Besonders imponiert mir, dass Du Deinen ganz eigenen Weg und eigene Ziele gefunden und so starke Kraftquellen hast.

Ich wünsche Dir auf Deinem weiteren Weg nur das Allerbeste!

Viele Grüße
Kimeta
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Re: Erfahrungsbericht von Lukas (Olanzapin und Abilify erfolgreich abgesetzt)

Beitrag von Offene Reise » Donnerstag, 17.08.17, 8:24

Hey Murmeline und Kimeta,

danke euch für dieses tolle Forum! Es macht Spaß und hilft mir, meine Sachen hier zu schreiben. Euch auch alles Gute! :hug:

LG

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Re: Erfahrungsbericht von Lukas (Olanzapin und Abilify erfolgreich abgesetzt)

Beitrag von Offene Reise » Montag, 25.09.17, 10:29

Hallo liebe Foris,

mir ist noch etwas eingefallen, das mir hilft - nämlich die Idee, dass Verrücktsein der Standard ist.
Ich habe mich von der Idee verabschiedet, zwischen "normalen" und "verrückten" Menschen unterscheiden zu können. Wenn wir in unser Bildungswesen, das Finanzsystem oder die Gesundheitsbranche schauen - nur um einige wenige Bereiche zu nennen - dann sehe ich ziemlich verrückte Leute am Werk.

Ich finde, wir alle sind verrückt - es gibt nur unterschiedliche Arten davon und wir haben uns dazu entschieden, auschließlich eine Unterform als behandlungsbedürftig einzuordnen (und oft auch zu verurteilen).

​Inspiriert hat mich ein Zitat von Will Hall:

"Es gibt nur zwei Arten von Menschen: die Verrückten und die, die verrückt sind und es verstecken."

​Außerdem hat er eine spannende Frage aufgeworfen:

"Was bedeutet es in einer verrückten Welt als verrückt bezeichnet zu werden?"

Seitdem ich diese Perspektive eingenommen habe, lebt es sich weitaus gelassener und ich lasse mich nicht mehr so sehr unter Druck setzen einen "normalen" Eindruck zu machen...

:wink:

LG

Lukas
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Re: Erfahrungsbericht von Lukas (Olanzapin und Abilify erfolgreich abgesetzt)

Beitrag von Gwen » Montag, 25.09.17, 14:29

Hallo Lukas, ich habe hier gerade zum ersten Mal etwas von Dir gelesen. Ich finde es toll, dass Du von dem berichtest, was Dir geholfen hat. Du reflektierst sehr gut. Schön zu sehen, wie es jemand schafft!
Vielen Dank dafür!!
Viele Grüße Gwen
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Re: Erfahrungsbericht von Lukas (Olanzapin und Abilify erfolgreich abgesetzt)

Beitrag von Offene Reise » Dienstag, 26.09.17, 11:27

Hey Gwen,

danke für die lieben Worte! Bin auch echt froh drum wie es sich so entwickelt... und dankbar... :)

LG

Lukas
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Re: Erfahrungsbericht von Lukas (Olanzapin und Abilify erfolgreich abgesetzt)

Beitrag von Kimeta » Mittwoch, 29.11.17, 19:28

Hallo Lukas,

Du hast mir eine PN geschickt, aber ich kann Dir nicht antworten, Du hast offenbar den Empfang von PNs deaktiviert.

Meine Antwort: ich habe nichts dagegen.

Viele Grüße
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Re: Erfahrungsbericht von Lukas (Olanzapin und Abilify erfolgreich abgesetzt)

Beitrag von Offene Reise » Montag, 04.12.17, 23:50

Hey Kimeta,

danke! :)

LG

Lukas
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Re: Erfahrungsbericht von Lukas (Olanzapin und Abilify erfolgreich abgesetzt)

Beitrag von Sonnenscheindauer » Sonntag, 28.01.18, 19:29

Hallo Lukas
Im Moment in einer tiefen Sinnkrise steckend und mit Blockaden kämpfend und beim Abbau von Temesta nicht weiterkommend liest sich Dein Bericht wie Labsal für meine Seele. Du erzählst so offen, wie schlimm es war und dann wie schön das Leben sein kann, wenn man es geschafft hat, aus dem Kreislauf von Betäubung/Schwächung durch Medikamente und dadurch immer stärker an die Substanz gebunden werden, auszubrechen, aufzutauchen ins Licht, in die Wärme, an die frische Luft, ins Leben, ins Sein, in die Gefühle. Wunderschön. Hoffnungspendend. Kraftspendend. Ich danke Dir. Und möchte jedem Deine Worte zukommen lassen, der noch im Dunkeln gefangen ist...
Liebe Grüsse
Sonnenscheindauer.
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Meine Situation:
Erschöpfung nach Grippe mit starken Brustschmerzen mit Unruhe/Schwäche/Schlafprobleme > Verordnung von 1-3 Temesta 1 mg pro Tag in Reserve durch Psychotherapeut 2006
Abhängigkeit erkannt bei täglicher Einnahme von 2 mg nach ca. 6 Monaten
Mehrere drastische Absetzversuche in 2007 und 2008 (ganz weglassen, 0,5 mg weise in 7 Tagen) ohne Erfolg
Einnahme 2 mg bis 2016, also während 10 Jahren ohne Dosisänderungen
April 2016 Beginn mit Absetzen 1,25 mg weise bis auf 0,75 mg April 2017, diese ersten Schritte gehen mit zwar vielen Symptomen aber recht gut
Oktober 2017 nach einem schönen Sommer mit wenig Symptomen und gutem Allgemeinzustand Entscheid, 0,25 mg Temesta in einmal abzusetzen in den Ferien: Schwerste Phase seit je mit neu Sirren im Kopf, Brennen im Mund, trockener Zunge, Brennen auf der Haut überall, ich halte eine Woche durch und dann muss ich arbeiten gehen und gehe einen Schritt um 0,125 zurück. Die Symptome aber bleiben stark > nach 4 Wochen erneut Reduktion um 0,125 mit starken Symptomen. Die neuen Symptome seither bleibend...
Seither Stillstand auf 0,5, schwere Unruhe, generell unbestimmt seelisch leidend, ängstlich, mehrere Absetzversuche von weiteren 1,25 mg seither gescheitert

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