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Seit das ADFD gegründet wurde, haben sich die Verschreibungen von Psychopharmaka ungefähr verdreifacht! Die Gründe warum diese Substanzen verschrieben werden sind sehr unterschiedlich. Es wäre interessant und hilfreich für die Gemeinschaft und auch Außenstehende, einen besseren Einblick in die Verschreibungshintergründe zu bekommen. Darum ...


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Psychiater Murray über seine Fehler im Verständnis der Schizophrenie

Eine Sammlung von Artikeln, die über wissenschaftliche, politische und wirtschaftliche Hintergründe der Behandlung von seelischen Leiden mit Psychopharmaka berichten.
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Hunk89
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Psychiater Murray über seine Fehler im Verständnis der Schizophrenie

Beitrag von Hunk89 »

Hallo liebe ADFDler,

ich habe eine Stunde meiner Zeit für euch investiert und ich hoffe, es gefällt euch. Kann nach Bedarf umbenannt oder verschoben werden. Danke.

VG
Hunk

Original:
Researcher Acknowledges His Mistakes in Understanding Schizophrenia
Shannon Peters, January 26, 2017 veröffentlicht auf Mad in America, http://www.madinamerica.com
https://www.madinamerica.com/2017/01/re ... zophrenia/

Übersetzung:

Forscher gesteht Fehler im Verständnis der Schizophrenie ein.

In einem neuen Artikel, der im „Schizophrenia Bulletin“ erschien denkt Psychiater Sir Robin Murray über die Geschichte der Schizophrenie Forschung und darin gemachte Fehler nach. Murray, ein Professor des Instituts der Psychiatrie, Psychlogie und Neurowissenschaften in London gibt an, dass er soziale Faktoren, die zur Schizophrenie beitragen viel zu lange missachtet hat. Ferner berichtet er, dass er die negativen Effekte von antipsychotischen Medikamenten auf das Gehirn außer Acht gelassen hat.

„Erstaunlicherweise ist die Kraft des Kraepelinischen Modells so groß, dass manche Psychiater immer noch nicht die Evidenz akzeptieren und sich an der nihilistischen Ansicht, dass es einen progressiven schizophrenen Prozess gibt, festhalten. Eine Ansicht, die sehr zum Nachteil ihrer Patienten ist.“

Murray, der seine Arbeit als Psychiater 1972 begann, beschreibt den Wandel in amerikanischer Psychiatrie während der mittleren 70er Jahren vom „rein Psychoanalytischen hin zum rein Biologischem.“ Seit diesem Wandel lag der Fokus auf der Rolle von Dopamin und der Rolle von genetischen Faktoren in der „Schizophrenie“.
Während der 70er wurde „Schizophrenie“ als eine neurodegenerative Krankheit verstanden. Diese Theorie wurde von einer Studie gestützt, die vergrößerte Ventrikel im Gehirn von Individuen mit einer Schizophrenie Diagnose fand. Murray bereut, dass er und viele Andere eine weitere Studie, die zur selben Zeit publiziert wurde, nicht beachtete, die aufzeigte wie Langzeiteinnahme von antipsychotischer Medikation in bleibenden Gehirnveränderungen, wie erhöhter Sensitivität von Dopamin Rezeptoren resultieren kann. Dies kann zur Spätdyskinesie führen.

Nicht vor 2008, als eine neuere Studie die Effekte von Antipsychotika auf ventrikuläres Volumen aufzeigte, begann Murray den Langzeitwirkungen des Gebrauches von Antipsychotika Aufmerksamkeit zu schenken. Er gibt an „im Jahr 2016 ist es klar, dass hochdosierte Antipsychotika nicht zu den subtilen Gehirnveränderungen beim Beginn der Schizophrenie, sondern zu fortschreitenden Veränderungen danach führen". Murray prüft ebenso die Theorie, dass Schizophrenie eine neurologische Entwicklungsstörung ist, also die Idee, dass die Störung durch Probleme während der Geburt und der frühen Entwicklung ausgelöst wird. Heute nennt Murray diese Theorie eine Übertreibung der Evidenz.

Murray erörtert ebenso Dopamin Hypersensibilität, nämlich, dass Langzeiteinnahme von antipsychotischer Behandlung in einer Zunahme der Dopamin Rezeptoren resultieren kann, was die Sensitivität zu Dopamin erhöht und die Effektivität von antipsychotischer Medizin herabsetzt. Er gibt an: „Wir ziehen die Möglichkeit in Erwägung, dass antipsychotische Medikamente schizophrene Patienten anfälliger für zukünftige Rückfälle machen als es beim natürlichen Verlauf der Störung der Fall wäre.“
Murray glaubt an die Anwendung von antipsychotischen Medikamenten bei Schizophrenie, ist aber vorsichtiger bei ihrer Langzeiteinnahme geworden.

„Es gibt keinen Zweifel dass Antipsychotika in akuter Psychose notwendig sind. Aber müssen wir sie bei manchen Patienten weiterhin verschreiben weil wir den D2 (Dopamin) Rezeptor gegenüber dem überschüssigen Dopamin überempfindlich gemacht haben? In der Tat haben ich und die meisten Forscher diese wesentliche Frage vernachlässigt“.

Murray sagt, dass er erwartet, dass sich das Konzept „der Schizophrenie“ als eigenständige Störung hinfällig wird, wie „Wassersucht“. Er schreibt:

„In den Jahrzehnten nach 1976 habe ich mehr Zeit und Mühe investiert als ich in Erinnerung behalten will um herauszufinden was die Gehirnveränderungen in der Schizophrenie auslöst. Leider habe ich nicht die Effekte von Risikofaktoren wie ungünstige Geburtsereignisse auf Gehirnstruktur und Funktion, die schnell bei nicht schizophrenen Proben gesehen werden können und bei Leuten mit diagnostizierter Schizophrenie durch die Effekte von Antipsychotika und anderen nicht spezifischen Faktoren verdunkelt werden erkannt.“

Es ist bedeutend einen prominenten Psychiater zu haben, der die Fehler der Psychiatrie zugibt und zu mehr Forschung zu Umweltfaktoren und Epigenetik aufruft. Vielleicht signalisiert es einen Wandel im Feld der Psychiatrie wenn andere Murray´s Beispiel folgen. Er folgert:

„Wenn ich die Chance auf eine zweite Karriere hätte würde ich versuchen weniger mit dem Strom zu schwimmen. Die Fehler die ich gemacht habe, zumindest jene die ich erkannt habe, folgten normalerweise durch exzessives Festhalten an der vorherrschenden Orthodoxie.“

Übersetzt von Hunk am 7. und 8. Februar 2017

Artikel nimmt bezug auf:
Murray, R. M., (2016). Mistakes I Have Made in My Research Career
Original: https://academic.oup.com/schizophreniab ... rch-Career
Zuletzt geändert von Murmeline am 08.02.2017 11:23, insgesamt 6-mal geändert.
Grund: Ergänzung: Originalartikel und Verfasser des üebrsetzten Artikels, Link zum Orignal von Murray, Titel angepasst
Medikament dosis morgens-dosis mittags-dosis abends-dosis nachts
Quetiapin Prolong 200-200-0-0
Quetiapin 0-0-0-300
Olanzapin 5-5-7,5-7,5
Venlafaxin 0-0-0-37,5
Trazodon 25-25-25-0
Metformin 500-500-500-500

Zu schnell reduziert:
Rückschlag auf 1000mg Seroquel
Und 25mg Zyprexa
Seroquel ca. alle 5-6 Monate jeweils um 100mg reduziert.
Letzte Reduktion Seroquel: 1. April: Reduziert von 800mg auf 700mg.
Wie es hier empfohlen wird ist es mir zu schnell :schnecke:
Murmeline
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Re: Psychiater Murray über seine Fehler im Verständnis der Schizophrenie ein

Beitrag von Murmeline »

Herzlichen Dank für Deine Arbeit Hunk!
Erfahrung mit Psychopharmaka (Citalopram, langjährig Venlafaxin und kurzzeitig Quetiapin), seit 2012 abgesetzt
Hinweis: Das Team sorgt für die Rahmenbedingungen im Forum und organisiert den Austausch. Ansonsten sind wir selbst Betroffene und geben vor allem Erfahrungswerte weiter, die sich aus unserer eigenen Geschichte und aus Erfahrungen anderer ergeben haben.

Dein Behandler nimmt Absetzproblematik nicht ernst? Das geht anderen auch so, siehe hier
Einer Deiner Ärzte erkennt Probleme mit Psychopharmaka an? Dann berichte doch hier
Monalinde
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Re: Psychiater Murray über seine Fehler im Verständnis der Schizophrenie

Beitrag von Monalinde »

Hallo Hunk,

besonderer Dank an dich, du hast mir damit einen großen Gefallen getan. Mein Sohn leidet an paranoider Schizophrenie und ich bin begierig, neues Wissen auf diesem Gebiet zu erlangen. Ich war schon immer der Meinung, dass auch die Psyche einen nicht unwesentlichen Anteil am Verlauf dieser Erkrankung hat. Bis in unsere Provinz scheint das noch nicht vorgedrungen zu sein. Leider!

Herzlichst, Mona
2005 bis 2010 Einnahme von Remergil 7,5 mg und Trevilor bis zu 37,5 mg,
2010 bis 2012 Trevilor 37,5 mg ausschließlich,
Diagnose: Angst und Depression

Dezember 2012 auf Null abgesetzt, 10 Prozent im Rhythmus von 14 Tagen ( zu schnell)
Seit Dezembe 2012 im protahierten Entzug.
Symptome:
( Tinnitus 2011) , Speiseröhrenentzündung, Reflux, Schleim im Hals saures Aufstoßen seit 2014,
Albträume, Durchschlafstörungen, Erschöpfungszustände, Hautausschläge, Angstzustände,
Gelenkschmerzen, Schwindel, Schüttelfrost, Zwangsgedanken, Ohrwürmer, Neuroemotionen, Durchfälle)

2018:
Hautausschläge, Gelenkschmerzen, Schüttelfrost , Schwindel, verstopfte Nase, Albträume nicht mehr vorhanden, Reflux nur noch selten, Durchschlafstörungen sporadisch bei Stress

Ängste, Tinnitus, Neuroemotionen halten an.
Hunk89
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Re: Psychiater Murray über seine Fehler im Verständnis der Schizophrenie

Beitrag von Hunk89 »

Hi Mona,
gerne:)

Ich mach morgen oder so noch einen Artikel von Shannon Peters.

LG
Hunk
Medikament dosis morgens-dosis mittags-dosis abends-dosis nachts
Quetiapin Prolong 200-200-0-0
Quetiapin 0-0-0-300
Olanzapin 5-5-7,5-7,5
Venlafaxin 0-0-0-37,5
Trazodon 25-25-25-0
Metformin 500-500-500-500

Zu schnell reduziert:
Rückschlag auf 1000mg Seroquel
Und 25mg Zyprexa
Seroquel ca. alle 5-6 Monate jeweils um 100mg reduziert.
Letzte Reduktion Seroquel: 1. April: Reduziert von 800mg auf 700mg.
Wie es hier empfohlen wird ist es mir zu schnell :schnecke:
Hunk89
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Re: Psychiater Murray über seine Fehler im Verständnis der Schizophrenie

Beitrag von Hunk89 »

Ich wollte noch hinzufügen, dass Neuroleptika trotz allem nicht einfach attrok abgesetzt werden sollten. Hier im Forum wird das ja zu genüge erklärt. (5-10% alle 4 bis 6 Wochen bei ausreichender Stabilität).

LG
Hunk
Medikament dosis morgens-dosis mittags-dosis abends-dosis nachts
Quetiapin Prolong 200-200-0-0
Quetiapin 0-0-0-300
Olanzapin 5-5-7,5-7,5
Venlafaxin 0-0-0-37,5
Trazodon 25-25-25-0
Metformin 500-500-500-500

Zu schnell reduziert:
Rückschlag auf 1000mg Seroquel
Und 25mg Zyprexa
Seroquel ca. alle 5-6 Monate jeweils um 100mg reduziert.
Letzte Reduktion Seroquel: 1. April: Reduziert von 800mg auf 700mg.
Wie es hier empfohlen wird ist es mir zu schnell :schnecke:
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