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Seit das ADFD gegründet wurde, haben sich die Verschreibungen von Psychopharmaka ungefähr verdreifacht! Die Gründe warum diese Substanzen verschrieben werden sind sehr unterschiedlich. Es wäre interessant und hilfreich für die Gemeinschaft und auch Außenstehende, einen besseren Einblick in die Verschreibungshintergründe zu bekommen. Darum ...


... macht bitte alle bei unserer Umfrage zum Verschreibungsgrund mit :)


Gutachten stellt Langzeiteinsatz von Neuroleptika in Frage (madinamerica Übersetzung)

Eine Sammlung von Artikeln, die über wissenschaftliche, politische und wirtschaftliche Hintergründe der Behandlung von seelischen Leiden mit Psychopharmaka berichten.
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Hunk89
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Gutachten stellt Langzeiteinsatz von Neuroleptika in Frage (madinamerica Übersetzung)

Beitrag von Hunk89 »

Hallo liebe ADFDler,

ich habe ein neues Hobby entdeckt, welches das Überstzen von psychiatrischen Texten für ADFD ist.
Bitte beachtet die Regeln des Forums zum langsamen Ausschleichen und überschreitet keinesfalls die "5-10% weniger nicht öfter als alle 4 bis 6 Wochen" Regel. Der Autor ist Justin Karter für "www.madinamerica.com" (2. Dezember 2016).

LG
Hunk

Original: Review Questions Long Term Use of Antipsychotics
Quelle: https://www.madinamerica.com/2016/12/re ... sychotics/

Gutachten stellt Langzeiteinsatz von Neuroleptika in Frage
Patienten, die sich von einer einzigen psychotischen Episode erholen, erhalten oft langfristig Neuroleptika, obwohl es für diese Praxis keine Evidenz gibt.

In einer Analyse des „British Journal of Psychiatry“ stellen Experten die Evidenz für die verbreitete Praxis, nach einer einzigen psychotischen Episode langfristig Neuroleptika zu verschreiben, in Frage. Sie schlagen vor, dass Psychiater die schweren Nebenwirkungen bedenken und die Patienten langsam zur niedrigsten Dosis, die leidvolle Symptome verhindert, zu reduzieren.

„Patienten, die sich nach einer akuten Psychose erholen, bekommen oft über viele Jahre prophylaktisch Neuroleptika verschrieben, vor allem, wenn bei ihnen Schizophrenie diagnostiziert wurde. Betreffend der Langzeiteffektivität dieser Praxis gibt es jedoch einen Mangel an Evidenz und wachsende Sorge über die kumulativen Effekte von Neuroleptika auf die physische Gesundheit und auf Gehirnstruktur.“

Es ist zur gängigen Praxis geworden, dass diejenigen mit einer Schizophrenie-Diagnose für lange Zeit prophylaktisch Neuroleptika nehmen, um neuen Symptomen vorzubeugen. Dies steht seit kurzem auf dem Prüfstand. Dieser Artikel behandelt besonders fünf Probleme dieser Praxis: Die Effekte der Medikamente auf physische Gesundheit, auf Gehirnstruktur, die Effektivität (oder die fehlende Evidenz der Effektivität) von Langzeiteinnahme, Neuroleptika-induzierte Dopamin-Rezeptor-Sensitivität und behandlungsresistente Schizophrenie.

Physische Gesundheit

Durch die erheblichen Nebenwirkungen von antipsychotischen Medikamenten auf physische Gesundheit schlagen die Forscher vor, dass die Psychiater, wenn immer möglich, Medikamente mit niedrigeren Risiken für Gewichtszunahme verschreiben und sich bei Patienten für gesunde Ernährung und Sport einzusetzen. Über diese Empfehlungen hinaus sind Psychiater angehalten „den Einsatz oder zumindest die Dosis von Langzeitneuroleptika“ zu reduzieren.

Gehirnstruktur

Die Forscher, die sowohl Menschen-, als auch Tierstudien zitieren, beschreiben wie typische sowie atypische Neuroleptika mit reduziertem Hirnrindenvolumen, eingeschränktem Gedächtnis, Veränderungen der grauen Masse und kognitivem und funktionalem Abbau verbunden sind. Die Methodik dieser vorangegangenen Studien machen es schwer, zwischen den Effekten der Medikamente und den Veränderungen durch die Diagnose zu unterscheiden. Die Forscher schlussfolgern, dass Sie sich über die Effekte der Medikamente auf Hirnstruktur nicht sicher sind.

Effektivität des Langzeitgebrauchs

Die Forscher schreiben, dass „fortbestehender Langzeitgebrauch von Neuroleptika eher auf Hoffnung basiert als auf Evidenz“. Sie zitieren Studien (inklusive Harrow und Wunderink), die zeigen, dass ein signifikanter Prozentsatz der Patienten mit Psychose erfolgreich und „ohne langfristige Einbußen“ von Neuroleptika entzogen werden kann.

Dopamin-Rezeptor-Hypersensibilität

Auf Tierstudien verweisend behaupten die Forscher, dass Neuroleptila Veränderungen an D2/D3 Dopamin Rezeptoren hervorrufen können, die auf lange Sicht zu verminderter Effektivität der Medikamente führen. Die Forscher argumentieren, dass die Möglichkeit im Raum steht, dass „Neuroleptika Schizophrene Patienten anfälliger für künftige Rückfälle machen, als es beim natürlichen Verlauf der Störung der Fall wäre.“
(...)
The assumption of withdrawal or rebound psychosis confounds previous studies of long-term use, as they often compared the outcomes of patients maintained on the drugs to those who were withdrawn.
(...) (kann mir dafür Jemand eine Übersetzung anbieten???)

„Es besteht dringende Notwendigkeit für neurochemische und bildgebende Studien, die Dopamin-Hypersensibilität bei Patienten zu untersuchen. Ebenso brauchen wir weitere randomisierte und kontrollierte Studien, die das Risiko des Rückfalls nach Dosisreduktion und/oder Absetzen von D2 Blockern sowie von partiellen Agonisten (Abilify), untersuchen, um Richtlinien aufzustellen, wann und wie Neuroleptika sicher reduziert werden können.“

Behandlungsresistente Schizophrenie

Die Forscher behaupten, dass Patienten, die mit behandlungsresistenter Schizophrenie diagnostiziert wurden, möglicherweise eine Supersensitivität oder Hochregulierung von D2 Rezeptoren haben und verlangen Studien, um herauszufinden ob behandlungsresistente Schizophrenie Patienten weiterhin mit „nicht-Clozapin-Neuroleptika“ behandelt werden sollten oder ob dies nur Nebenwirkungen erzeugt.

In ihrem Fazit fragen die Forscher, „was sollte der weise Psychiater im Angesicht der Befürchtungen, die wir vorgetragen haben, tun?“ Sie schlagen vor:

„Er oder Sie wird akute Psychosen mit der minimal nötigen Dosis Neuroleptika behandeln und wann immer möglich Gewicht schonende Neuroleptika einsetzen. Partielle Dopamin-Agonisten haben diese Eigenschaft und neigen möglicherweise weniger dazu, eine Dopamin Hypersensibilität zu erzeugen. Nach Genesung sollte der Psychiater mit jedem Patienten arbeiten, um die Dosis auf das niedrigste Level, dass psychotische Symptome kontrolliert, zu reduzieren. Bei einer Minderheit der Patienten wird dieses Level null sein.“

Sie betonen, dass eine solche Herangehensweise nur dann umgesetzt werden kann, wenn es mehr Zugang zu und mehr Verlass auf nicht-pharmakologische Behandlungen wie Psychotherapie, gibt. Sie fordern Psychiater dazu auf, sich einzusetzen, um sicherzustellen, dass ihre Patienten Zugang zu alternativen (nicht pharmakologischen) Behandlungsmethoden haben.
Medikament dosis morgens-dosis mittags-dosis abends-dosis nachts
Quetiapin Prolong 200-200-0-0
Quetiapin 0-0-0-300
Olanzapin 5-5-7,5-7,5
Venlafaxin 0-0-0-37,5
Trazodon 25-25-25-0
Metformin 500-500-500-500

Zu schnell reduziert:
Rückschlag auf 1000mg Seroquel
Und 25mg Zyprexa
Seroquel ca. alle 5-6 Monate jeweils um 100mg reduziert.
Letzte Reduktion Seroquel: 1. April: Reduziert von 800mg auf 700mg.
Wie es hier empfohlen wird ist es mir zu schnell :schnecke:
Lisamarie
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Re: Gutachten stellt Langzeiteinsatz von Neuroleptika in Frage (madinamerica Übersetzung)

Beitrag von Lisamarie »

Hallo Hunk, du fleißiges Bienchen, lieben Dank für deine Übersetzung, können wir gut gebrauchen. <3 dein neues Hobby gefällt uns. <3
Lg :hug: Petra
Arianrhod
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Re: Gutachten stellt Langzeiteinsatz von Neuroleptika in Frage (madinamerica Übersetzung)

Beitrag von Arianrhod »

Hallo Hunk, danke, dass lässt mich aber auch hoffen, dass die " Da hilft keine Psychotherapie, da helfen nur Pillen"- Generation von Psychiaterm langsam ausstirbt.....

liebe Grüße Arian
[spoil]2005 mit Burnout und Depression in eine Tagesklinik gekommen.

Zuerst einmonatige Behandlung mit diversen Antidepressiva: Doxepin, Mirtazipin, Sulprid,
hypomane Reaktion
wobei die AD sofort und ohne Ausschleichen von den Ärzten abgesetzt wurden.


Verschiedene Diagnosen: schizoaffektive Psychose, Depression, bipolare Störung, Schizophrenie, dissoziative Identitätsstörung


Erst 2 Jahre Behandlung mit Amisulprid . Zu schnell auf eigene Faust abgesetzt.
Schwere Supersensitivitätspsychose .

Einstellen auf verschiedene Neuroleptika: Haloperidol, Quetiapin, Olanzapin, Risperidon, Paliperidon, Aripiprazol
Außerdem Lorazepam, Promethazin, Chlorprothixen, Melperon, Pipamperon

jahrelang , vieles gleichzeitig und in höchster Dosierung.
u.a. Berentung, 60 kg Gewichtszunahme
seit 2012 Ausschleichen von 800 mg Quetiapin retard innerhalb von 2 Jahren.
Meinen Absetzbericht findet man hier:
http://adfd.org/austausch/viewtopic.php ... 47#p120447
Seit Januar 2014 keine Neuroleptika mehr.

Ich leide seit 3 Jahren unter Nervenschmerzen, Kribbeln und Lähmungen. Bei mir wurde eine Polyneuropathie diagnostiziert und ein Zusammenhang mit NL vermutet - leider nicht beweisbar.

Außer Neuroleptika habe ich zwischenzeitlich auch Oxycodon ( ein Opioid) und Trimipramin nach zweijähriger Einnahme abgesetzt , die ich wegen chronischer Schmerzen verschrieben bekommen habe.
Pregabalin habe ich am 7.9.2016 endgültig ausgeschlichen.

Die Anzahl meiner Dauermedikamente beträgt gerade "0". :)

Ich weiß mittlerweile 2019 , dass ich Asperger- Autistin bin .
Hunk89
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Re: Gutachten stellt Langzeiteinsatz von Neuroleptika in Frage (madinamerica Übersetzung)

Beitrag von Hunk89 »

Hallo Arian,

ich denke schon, dass es da eine Entwicklung nach vorne gibt...

Überleg mal was die vor 100 Jahren mit den Leuten gemacht haben :evil:
Medikament dosis morgens-dosis mittags-dosis abends-dosis nachts
Quetiapin Prolong 200-200-0-0
Quetiapin 0-0-0-300
Olanzapin 5-5-7,5-7,5
Venlafaxin 0-0-0-37,5
Trazodon 25-25-25-0
Metformin 500-500-500-500

Zu schnell reduziert:
Rückschlag auf 1000mg Seroquel
Und 25mg Zyprexa
Seroquel ca. alle 5-6 Monate jeweils um 100mg reduziert.
Letzte Reduktion Seroquel: 1. April: Reduziert von 800mg auf 700mg.
Wie es hier empfohlen wird ist es mir zu schnell :schnecke:
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