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Vor drei Monaten zu schnell abgesetzt - wie weitermachen?

Hier lassen sich auch viele Erfahrungsberichte über das Absetzen von Antidepressiva und Benzodiazepinen finden.
Gesperrt
ashnak
Beiträge: 107
Registriert: 15.03.2004 20:21

Vor drei Monaten zu schnell abgesetzt - wie weitermachen?

Beitrag von ashnak »

Hallo,

ich habe bis vor ziemlich genau drei Monaten Paroxetin genommen.
(Die Wirkung an sich war aus jetziger Sicht bereits sehr schlecht...
...inzwischen habe ich langsam wieder Gefühle...).
Ich habe anfangs von 40mg aus über ca. 6 Monate in 10mg-Schritten
reduziert und vor den erwähnten drei Monaten ganz aufgehört - wie ich
nach Lektüre hier jetzt weiß, war das deutlich zu schnell.

Die Entzugserscheinungen waren bereits in der Absetzphase da, aber die
gaben sich immer wieder, wenn auch nur einigermaßen. Aber sie waren
erträglich, auch bin ich eigentlich ein recht willensstarker Mensch und dachte mir einfach "Da musst du halt durch".

Nachdem ich ganz aufgehört hatte, ging in meinem Leben zunächst wieder
so richtig die Post ab - ich konnte Plötzlich wieder fünfzig Stunden die Woche Arbeiten, was mir viel Spaß machte, fing an, wieder auszugehen..

Na, ja die Schwierigkeiten nahmen zu. Ich bekam Extrsytolen, die z.Zt.
erfolgreich behandelt werden, Kreislaufstörungen, die berühmten "zaps"...

Das ist alles recht unangenehm, aber was mir langsam anfängt, den Kragen 'rumzudrehen, sind die Schlafstörungen. Ich habe noch nie besonders gut geschlafen, und nun habe ich seit zwei Monaten im Schnitt nur noch drei bis vier Stunden Schlaf die Nacht bekommen.
Dabei ist es so, daß ich nicht einschlafen kann; ich nicke kurz weg und wache dann mit einem unglaublich starken, aber kurzen Panikanfall auf;
eigentlich nur ein riesen Adrenalinschub. Jedenfalls bin ich danach wieder so wach, daß an Schlafen nicht mehr zu denken ist. Und das jeden Abend...

Die Frage nun an die Runde hier:
Wie mache ich jetzt weiter? Wie lange können die Entzugsrscheinungen noch anhalten? Ist es besser, das jetzt vollends durchzustehen, oder ist da ein Rückschritt besser, und ich dosiere mich von den zehn Milligramm nochmal in kleinen Schritten herunter? In dem Fall hätte ich die Drei Monate umsonst gelitten :-(.

Außerdem behagt mir auch der Gedanke nicht, wieder unter die Wirkung dieses Teufelszeugs zu geraten.
Als ich es noch hochdosiert nahm, dachte ich eigentlich immer, es ginge mir Gut... ...aber wie ich dann während des Entzugs merkte, war ich damit von allem abgeschnitten - es war wie eine Art kontrollierte Depression, die einen zwar so leidlich seine Brötchen verdienen lässt, aber sonst gab es da nicht mehr viel im Leben.

Freue mich auf Eure Antworten,
Ashnak
Hannes Wien
Gründer
Beiträge: 903
Registriert: 27.10.2003 14:16
Wohnort: Wien
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hi ashnak

Beitrag von Hannes Wien »

ich hab zwar nie paroxetin genommen aber zoloft reicht auch.... hab noch immer einen tinnitus ,... gegen schlafstörungen kann man ja auch was nehmen was nicht abhängig macht...... sinequan kannst bis zu 150 mg nehmen oder Trazodon auch bis zu 150 mg wenn du einschlafstörungen hast... kannst du noch Bikalm® (zolpidem ) nehmen aber vorsicht die wirken wie die benzos allerdings mit nur 2 h halbwertszeit machen nicht wirklich abhängig aber vorsicht ist geboten.

auf das paroxetin solltest du verzichten hast es ja schon 3 monate durchgehalten

viel erfolg
hannes
CloneX
Gründer
Beiträge: 1165
Registriert: 10.10.2003 17:01
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Beitrag von CloneX »

Ashnak,

es ist wirklich schwierig da eine Antwort drauf zu gebe. In gewisser Weise habe ich das selbe Problem. Ich glaube ich hätte damals auch langsamer Reduzieren müssen...und da ich schon seit Monaten Probleme mit dem Absetzen habe, kam es mir schon manchmal in den Sinn doch wieder etwas zu nehmen und langsam zu reduzieren. Aber ich habs gelassen. Ich will das Gift nicht mehr in meinem Körper haben. Dann kommen auch wieder Nebenwirkungen und so dazu... da hab ich keinen Bock drauf. Vielleicht wär es aber auch besser gegangen. Ich weiß es nicht. Man kann sich nur für einen Weg entscheiden.

Da du schon 3 Monate clean bist... die meisten würden wahrscheinlich raten jetzt nicht mehr zurückzugehen. Wenn du willst kannst du auch mal im paxilprogress.org forum nachfragen (ist englisch).

Die berühmte Frage wie lange es dauert...kann dir keiner beantworten. 3 Wochen. 3 Monate. 3 Jahre. wer weiß das schon. normalerweise ist es aber so dass die symptome immer weniger werden. es kann jede woche schon besser werden. ich bin mitlerweile im 10. monat (scheisse..ich kanns kaum glauben) und es wird langsam akzeptabler. bis ich wieder ganz fit bin schätze ich nochmal auf weitere 10 monate :( .
Das was du spürst sind verzögerte Entzugserscheinungen, die können immer etwas länger anhalten. Aber ich will dir da nicht den Mut nehmen. Bereits nächsten Monat kann es schon steil bergauf gehen...sicher ist nur: es WIRD bergaufgehen.

Vielleicht willst du die üblichen Hilfsmittel wie Fischöl, usw. verweden. Und vor allem... tu dir nicht zuviel Stress an.
ashnak
Beiträge: 107
Registriert: 15.03.2004 20:21

Re: hi ashnak

Beitrag von ashnak »

Hallo Hannes,

vielen Dank für Deine Antwort.
Hannes Wien hat geschrieben:ich hab zwar nie paroxetin genommen aber zoloft reicht auch.... hab noch immer einen tinnitus ,... gegen schlafstörungen kann man ja auch was nehmen was nicht abhängig macht...... sinequan kannst bis zu 150 mg nehmen oder Trazodon auch bis zu 150 mg wenn du einschlafstörungen hast... kannst du noch Bikalm® (zolpidem ) nehmen aber vorsicht die wirken wie die benzos allerdings mit nur 2 h halbwertszeit machen nicht wirklich abhängig aber vorsicht ist geboten.
Nun, ja, bis heute morgen hatte ich eigentlich vor, es mal bei Baldrian zu belassen. Aber da hatte ich einen akuten Rückfall meiner Grunderkrankung, einer Angststörung. Das erste mal, daß ich wegen dieser Probleme eine Stunde vor Kernzeitende von der Arbeit weg musste...
Zurückzuführen ist das Ganze vermutlich auf die Erschöpfung aufgrund der Entzugserscheinungen sowie auf den Versuch, mir wieder ein gesellschaftliches Leben aufzubauen, was wohl doch zu anstrengend war...

...jedenfalls werde ich mir morgen früh vor der Arbeit eine Packung Valium bzw. das erwähnte Zolpidem oder so was besorgen... ...für eine Woche zum Schlafen und danach für absolute Notfälle. Mit Diazepamen habe ich Erfahrung, ich habe mal ein dreiviertel Jahr Tavor genommen, und bin dann Problemlos wieder davon losgekommen.
Hannes Wien hat geschrieben: auf das paroxetin solltest du verzichten hast es ja schon 3 monate durchgehalten
Ja, es wäre wohl ein Verlust. Solange ich mich arbeitsfähig erhalten kann, werde ich es auch nicht tun. Aber für meine Arbeitsfähigkeit würde ich wohl fast alles tun...
Hannes Wien hat geschrieben: viel erfolg
hannes
Danke!

Gruß,
Ashnak
ashnak
Beiträge: 107
Registriert: 15.03.2004 20:21

Beitrag von ashnak »

Hallo CloneX,

vielen Dank für Deine Antwort.
CloneX hat geschrieben: Die berühmte Frage wie lange es dauert...kann dir keiner beantworten. 3 Wochen. 3 Monate. 3 Jahre. wer weiß das schon. normalerweise ist es aber so dass die symptome immer weniger werden. es kann jede woche schon besser werden. ich bin mitlerweile im 10. monat (scheisse..ich kanns kaum glauben) und es wird langsam akzeptabler. bis ich wieder ganz fit bin schätze ich nochmal auf weitere 10 monate :( .
Das klingt ja nach rosigen Aussichten... ...und eigentlich hatte ich dieses Jahr auf eine Beförderung in der Firma gehofft. Das wird wohl ein harter Kampf werden... :-(.
Ich weiß, unter diesen Bedingungen von Karriere zu reden klingt wohl ein wenig seltsam... ...aber ich habe irgendwann im Verlauf meiner Krankheit beschlossen, daß weder diese Störung noch irgendeine ihrer Folgen mich jemals kleinkriegen werden. Ich werde meine Lebensziele trotzdem erreichen. Ich weigere mich, zu vegetieren.
CloneX hat geschrieben: Das was du spürst sind verzögerte Entzugserscheinungen, die können immer etwas länger anhalten. Aber ich will dir da nicht den Mut nehmen. Bereits nächsten Monat kann es schon steil bergauf gehen...sicher ist nur: es WIRD bergaufgehen.
Hab´da heute einen bösen Schlag bekommen:
Meine Angststörung war mit einer Wucht, wie seit zwei Jahren nicht mehr, wieder da. (Hat Tucholsky nicht mal eine Geschichte geschrieben, wie er seine Angst aus dem Fenster des fahrenden Zuges warf, sie ihm aber bald wieder ausrichten ließ, daß sie bei bester Gesundheit und bald wieder zurück sei? - genau!)
Es war das erste mal, daß ich weich geworden bin und einen Gleitzeitzettel geschrieben habe... ...vor allem der Schlafmangel belastet mich zur Zeit wohl zu sehr.
CloneX hat geschrieben: Vielleicht willst du die üblichen Hilfsmittel wie Fischöl, usw. verweden. Und vor allem... tu dir nicht zuviel Stress an.
Das war ja das schöne, die letzten Wochen: Ich konnte die Arbeit seit langem wieder als keine Belastung, sondern etwas, wo man gerne hingeht, empfinden. Also eher Eu- denn Disstress. Alles so Dinge, die auf Paroxetin völlig verdreht waren.

Gruß,
Ashnak
CloneX
Gründer
Beiträge: 1165
Registriert: 10.10.2003 17:01
Wohnort: Deutschland :)
Danksagung erhalten: 20 Mal

Beitrag von CloneX »

Hi Ashnak,

nimm dir aber nicht mich als Beispiel :) Ich bin nicht gerade ein "gutes Beispiel" - es gibt allerdings auch schlechtere. Vielleicht ist bald schon alles vorbei, vielleicht nicht.

Du scheinst einen starken Willen zu haben, und das ist wichtig.

Normalerweise halten die Symptome nicht dauernd an - dass heisst deine Schlafprobleme können schon bald aufhören...und durch andere ersetzt werden oder einfach verschwinden.

Und mit Stress meine ich nicht unbedingt nur negativen Stress - auch positiver Stress, der schlaucht, kann beim Absetzen belasten. Aber auch da ist jeder wieder unterschiedlich.

Wird schon :) Viel Erfolg
Gesperrt