Hi Brain,
Angstzuständen, Zwangsneurose,Antriebslosigkeit
Dafür ist Clomipramin ja der Klassiker, mit der besten Studienlage und den besten klinischen Erfahrungen.
Valdoxan (Agomelatin) ist im Augenblick so ziemlich das Gegenteil davon: Es gibt keine breiten Erfahrungswerte (die von Betroffenen hören sich eher nicht gut an), und es gibt keinen Nutzennachweis zu Zwangsstörungen. Genau genommen gar keinen Anhaltspunkt oder Hinweis. Ob es bei Antriebslosigkeit wirkt ist unbekannt. Insgesamt sind die Studien zu Depression enttäuschend ausgefallen - darum hat es auch nur um Haaresbreite und im zweiten Anlauf die Zulassung gekriegt, mit strengen Auflagen und Vorbehalten.
Was die Angst angeht: zu Generalisierter Angststörung gibt es
lediglich eine Einzelstudie, da war die Effektstärke 0,37 und das ist nicht sehr berauschend, erst über 0,50 wird als wichtig angesehen - d.h. ab da könnte ein erfahrener Psychiater sagen, ob der Patient das Medikament oder Placebo eingenommen hat. Agomelatin unterschied sich
statistisch von Placebo ab der 6. Einnahmewoche (und da waren noch einige Rechentricks inklusive, würde hier zu weit führen).
Sexuelle Nebenwirkungen sollten unter Agomelatin (VALDOXAN) seltener sein als unter Paroxetin - bei letzterem sind sie allerdings sehr häufig. Selten bis gelegentlich (mglw. häufiger als 1/1000 Patienten), aber dafür sehr gefährlich sind Leberschäden durch Agomelatin.
Insgesamt eine blöde Situation, wenn Du schon alles durch hast. Eine zentrale Frage wäre: warum sollte man etwas nehmen, das
möglicherweise weniger Nebenwirkungen hat, aber wo auch kaum mit einer erwünschten Wirkung zu rechnen ist? Abgesehen vom Placeboeffekt natürlich, der nicht zu unterschätzen ist und von dem wohl alle Antidepressiva-Einnehmer gewaltig profitieren.
Alles Gute
-PhilRS.