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 ! Nachricht von: Oliver

Dieses Forum ist im Ruhezustand.

Es hat sich eine neue Gemeinschaft aus Betroffenen und Angehörigen gegründet, die sich weiterhin beim risikominimierenden Absetzen von Psychopharmaka unterstützt und Informationen zusammenträgt. Die Informationen, wie ihr dort teilnehmen könnt findet ihr hier:

psyab.net: wichtige Informationen für neue Teilnehmer


Die öffentlichen Beiträge auf adfd.org bleiben erhalten.

Bereits registrierte Teilnehmer können hier noch bis Ende 2022 weiter in den privaten Foren schreiben und PNs austauschen, aber es ist kein aktiver Austausch mehr vorgesehen und es gibt keine Moderation mehr.

Ich möchte mich bei allen bedanken, die über die geholfen haben, dieses Forum über 18 Jahre lang mit zu pflegen und zu gestalten.


Angst und Sucht

Hier lassen sich auch viele Erfahrungsberichte über das Absetzen von Antidepressiva und Benzodiazepinen finden.
Gesperrt
Ra-Ho

Angst und Sucht

Beitrag von Ra-Ho »

Hallo, ich bin neu hier und deshalb erst einmal ein Gruß an die Forums Gemeinde. Nachdem ich mir zahlreiche Beiträge durchgelesen habe, würde ich gern einige eigene Gedanken anführen: Meine Krankengeschichte mit Angst und Panik ist über 30 Jahre lang. Daraus kann auch jeder errechnen, ganz jung bin ich nicht mehr. Nach längerer Dauereinnahme von 50mG Tavor die Woche, wurde ich in den achtziger Jahren kalt entzogen. 3 sehr harte Wochen waren das und dann ging es langsam aufwärts.
Danach hatte ich über 12 Jahre Ruhe. Ruhe vor meiner Psyche, nahm keine Medikamente. Gründete eine Familie.
Mitte der neunziger Jahre begannen langsam und sich stetig steigernd, wieder diffuse Ängste. Ich versuchte sie zu verdrängen. 1998 eskalierte die Situation. Mit extremen Panik Attacken. Alle Versuche, echte und wirksame Hilfe zu erreichen, bei Psychiatern, Kliniken, Psychologen, scheiterten. Ich wurde mit Sprüchen und Phrasen vertröstet. Eines wusste ich noch, es gibt eine Gruppe Psychopharmaka, die helfen. Monatelang sperrte ich mich. Aber als ich nicht einmal mehr allein vor die Tür konnte, brach mein Widerstand. Serotonin Wiederaufnahmehemmer halfen nicht. Wie bei ca. 35% der Angstgestörten.
Also nehme ich seit nunmehr 10 Jahren jeden Tag 3.5mG Alprazolam. Immer die gleiche Dosis. Nicht steigernd, aber auch nicht reduzierend. Mir geht es damit einigermaßen. Ich kann fast alles unternehmen. Aber bin natürlich hochgradig abhängig!
Manchmal denke ich über einen Versuch des Absetzens nach. Zur Zeit mal wieder. Deshalb meine Anmeldung hier. Mit 5X Jahren ist das nicht mehr ganz unproblematisch. Auch fehlt mir der richtige Glaube, wenn ich wirklich ohne Benzos leben würde, wäre ich dann auch angstfrei? Ach übrigens, 2 Versuche von Verhaltenstherapien brachten mich kein Stück weiter.
Vielleicht habe einige Menschen hier neue Erkenntnisse und Ratschläge für mich.
Danke im voraus....
mücke
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Re: Angst und Sucht

Beitrag von mücke »

Hallo Ra Ho

Willkommen im Forum.

Bist du körperlich gesund?
Ist deine Schilddrüse ok? Die kann auch Ängste verursachen.

Wieviel Tavor hast du genommen, 50 mg? oder Tipfehler?

Du hast 2 Möglichkeiten:
1. langsam abdosieren, z. B. in 0,25 mg Schritten oder
2. Umstellung auf Diazepam sh.:
http://www.benzo.org.uk/german/index.htm
http://www.adfd.org/austausch/viewtopic.php?t=2207

Gruss Mücke
Ra-Ho

Re: Angst und Sucht

Beitrag von Ra-Ho »

Hallo Mücke,

es waren seinerzeit genau 50mg die Woche. Jeden Tag 7 Tabletten.
Der Entzug kam nur, weil mein Arzt starb und mir niemand sonst die Medis verschreiben wollte.
Ich war in einem LKH. Die Ärzte und Pfleger zynisch und brutal. Ich bekam nicht einmal Mittel gegen Krämpfe. Da hat sich wohl einiges inzwischen geändert.
Alles früheren Gesundheits Checks waren OK. Inkl. Schilddrüse.
Nach den Tabellen ist das etwa die Dosierung, welche ich jetzt auch mit Alprazolam habe.
Bisher fehlt mir aber noch der vollständige Wille zum Absetzen.
Ich lebe auch in einer ländlichen Region und kann kaum auf kompetente ärztliche Hilfe zurück greifen.

Gruß
Rainer
torasap

Re: Angst und Sucht

Beitrag von torasap »

Ra-Ho hat geschrieben: Nach längerer Dauereinnahme von 50mG Tavor die Woche, wurde ich in den achtziger Jahren kalt entzogen. 3 sehr harte Wochen waren das und dann ging es langsam aufwärts.
Danach hatte ich über 12 Jahre Ruhe. Ruhe vor meiner Psyche, nahm keine Medikamente.

Mitte der neunziger Jahre begannen langsam und sich stetig steigernd, wieder diffuse Ängste. Ich versuchte sie zu verdrängen. 1998 eskalierte die Situation. Mit extremen Panik Attacken. Alle Versuche, echte und wirksame Hilfe zu erreichen, bei Psychiatern, Kliniken, Psychologen, scheiterten. Ich wurde mit Sprüchen und Phrasen vertröstet. Eines wusste ich noch, es gibt eine Gruppe Psychopharmaka, die helfen. Monatelang sperrte ich mich. Aber als ich nicht einmal mehr allein vor die Tür konnte, brach mein Widerstand. Serotonin Wiederaufnahmehemmer halfen nicht. Wie bei ca. 35% der Angstgestörten.
Also nehme ich seit nunmehr 10 Jahren jeden Tag 3.5mG Alprazolam. Immer die gleiche Dosis. Nicht steigernd, aber auch nicht reduzierend. Mir geht es damit einigermaßen. Ich kann fast alles unternehmen. Aber bin natürlich hochgradig abhängig!
Manchmal denke ich über einen Versuch des Absetzens nach. Zur Zeit mal wieder. Deshalb meine Anmeldung hier. Mit 5X Jahren ist das nicht mehr ganz unproblematisch. Auch fehlt mir der richtige Glaube, wenn ich wirklich ohne Benzos leben würde, wäre ich dann auch angstfrei? Ach übrigens, 2 Versuche von Verhaltenstherapien brachten mich kein Stück weiter.
Danke im voraus....


Du hast also längere Zeit 50mg Tavor /Woche eingeworfen? Das sind 1000mg Diazepam/Psychopax Woche und pro Tag schlappe 143mg. 1000 / 7 = 142,857143. Du scheinst eine gute Kondition zu haben Ra-ho. Dann hast du in 3 Wochen diese riesige Menge kalt entzogen? Das ist fast nicht zu glauben dass es danach 12 Jahre aufwärts gegangen ist. Und nun knallste dir schon 10 Jahre 3.5 mg Alprazolam täglich rein was ja auch immerhin 35mg Diazepam sind.

Du hast zum absetzen schon mal die falsche Einstellung weil du schon vorher Zeifel hegst ob du danach angstfrei leben kannst. Das wirst du sicher nicht in einem Jahr schaffen wenn du es machen würdest. Ein Benzoentzug ist wie Sex ohne Kondom man weiß nie was man sich als nächstes einfängt.

Übrigens solltest du noch mit dem PKW am Strassenverkehr teilnehmen dann solltest du folgendes wissen. Bei einem Unfall zahlt deine Versicherung keine Eurone.

Die Nebenwirkungen wenn du das Lorazepam absetzt werden sich folgendermassen bemerkbar machen: Du wirst depressive Phasen durchmachen die sich gewaschen haben, du fühlst nichts mehr weil du extreme Wahrnehmungsstörungen bekommen wirst. Du fühlst deine Extremitäten nicht mehr und das macht wiederum Angst, deine Rübe wird sich nur noch hohl anfühlen du wirst nicht mehr schlafen können und wenn du nach einigen Stunden wieder aufwachst stehst du völlig neben dir und dir wird speiübel sein. Deine Nerven werden völlig blank liegen. Deine Geduld wird auf eine harte Probe gestellt werden und wenn du wirklich davon loskommen willst dann musst du diese Zustände sehr lange Zeit akzeptieren können. Denn nur mit Akzepanz kann man es schaffen.

Es gibt keine Ersatzmedis die dir den Leidensdruck nehmen könnten. Doch es ist langfristig machbar und für mich war es der einzigste Weg in die Freiheit. Denn Sucht ist eine Geisel von der ich mich inzwischen zu 80% befreien konnte. Es war ein irrwitziger Weg und dennoch bin ich nicht mehr der gleiche als vor der Benzoeinnahme. Aber egal jede Nebenwirkung nehme ich gerne in Kauf als noch einmal in dieser Finsternis zu versinken. Langfristig wartet nur die vollkommene Verwarlosung. Ich hatte 3 Delire überlebt. Manche trinken auch lange Zeit Flaschenweise Alkohol um sich zu entspannen doch eines Tages kommt der Tag an dem es nicht mehr funktioniert und dann sieht man alt aus. Bild

Und Therapien können nur dann erfolgreich sein wenn der Therapeut und der Patient motiviert sind. Bis man den richtigen findet das kann dauern wenn man die falsche Einstellung dazu hat. Wer natürlich den schnellen Weg der Chemie bevorzugt der ist meist kein Freund von Therapien. Warum? Weil derjenige schnelle Hilfe will und die gibt es mit Therapien nicht. Es ist eine harte lange Zeit wenn man das Übel an der Wurzel packen will ohne als chemischer Abfalleimer zu enden. :roll:

Ich wünsche dir dass du für dich die richtige Entscheidung treffen wirst denn jeder sollte wissen was er vom Leben erwartet und Leben mit einer Abhängkeit ist für mich kein erstrebenswertes Ziel. Heute fühle ich wieder und nehme alles so wahr wie es in Wirklichkeit ist und dieses Feeling war mir das ganze Szenario des Entzugs wert.
LG Tora :wink:
Ra-Ho

Re: Angst und Sucht

Beitrag von Ra-Ho »

Laut den Tabellen ist die Umrechnung Lorazepam/Diazepam falsch. Das Verhältnis ist 1:10 ! 1 50Mg Tavor=500Mg Valium
torasap

Re: Angst und Sucht

Beitrag von torasap »

Ra-Ho hat geschrieben:Laut den Tabellen ist die Umrechnung Lorazepam/Diazepam falsch. Das Verhältnis ist 1:10 ! 1 50Mg Tavor=500Mg Valium
Du hast zwar recht was die Umrechnung betrifft aber deine Sichtweise finde ich dennoch bedenklich denn du wusstest aus deiner Tavorzeit sehr genau auf was du dich mit Alprozolam eingelassen hast. Warum also erst wieder 10 Jahre ein anderes Benzo :?: Bild
Ra-Ho

Re: Angst und Sucht

Beitrag von Ra-Ho »

Ich habe meine Vorstellung im Benzodiazepin Forum wiederholt und bin gerne bereit, obwohl ich niemandem Rechenschaft schuldig bin, mit allen Menschen zu diskutieren, warum ich, der ich den harten Entzug kenne, mich nach Monaten quälender Panikattacken, welche meine Lebensqualität auf Null brachten, wieder für solch ein Mittel entschieden habe. Die erste und wichtigste Antwort ist: Weil niemand mir Hilfe geben konnte!
torasap

Re: Angst und Sucht

Beitrag von torasap »

Ra-Ho hat geschrieben:Ich habe meine Vorstellung im Benzodiazepin Forum wiederholt und bin gerne bereit, obwohl ich niemandem Rechenschaft schuldig bin, mit allen Menschen zu diskutieren, warum ich, der ich den harten Entzug kenne, mich nach Monaten quälender Panikattacken, welche meine Lebensqualität auf Null brachten, wieder für solch ein Mittel entschieden habe. Die erste und wichtigste Antwort ist: Weil niemand mir Hilfe geben konnte!


Weil niemand dir Hilfe geben konnte :?: Ist das dein Ernst? Ich könnte noch verstehen wenn du gesagt hättest du hast beim Entzug keine Hilfe gefunden. Das ist nämlich in den meisten Fällen die Regel und deshalb gibt es sehr wenige Menschen die so einen Entzug erfolgreich durchhalten bzw. später zu AD`s oder ähnlichem greifen.

Kann es denn wirklich hilfreich sein wenn man 10 Jahre betäubt durch die Gegend läuft anstatt sich einen geeigneten Therapeuten zu suchen :?: Die Grundvoraussetzung für eine erfolgreiche Therapie ist in erster Linie der Willen des Patienten. Da kann der Therapeut noch so gut sein wenn man als Patient nicht ausreichend motiviert an sich arbeitet. Der Therapeut kann uns nur mögliche Wege aufzeigen, aber laufen muss man schon alleine. Ich finde jetzt stehen deine Karten westentlich schlechter als vor 10 Jahren. Denn nun musst du mit dem Entzug fertig werden und gleichzeitig musst du damit rechnen dass deine Grunderkrankung wieder zum Vorschein kommt. Das schwierige dabei ist die Tatsache dass man das nur sehr schwer unterscheiden kann. Deshalb ist es zwingend notwendig sich diesen Grunderkrankungen zu stellen.

Wie willst du denn nun weiter vorgehen. Das Ausschleichen ist nämlich um einiges schwieriger als das einschleichen. Ich kann deshalb sehr gut nachvollziehen wenn jemand sagt: Ich schaff das einfach nicht und die Benzos weiter zu sich nimmt. Das muss jeder für sich selber entscheiden. Bei deiner Menge wird es schon deshalb schwierig weil du ja eine ganze Menge von dem Zeug auftreiben musst um überhaupt an einen Entzug denken zu können. Oder willst du wieder einen kalten Entzug machen? Mich hätte der kalte Entzug fast umgebracht und es ist auch nicht sehr klug so etwas zu tun. Ich bin mal gespannt wie du dich entscheiden wirst. Alles gute weiterhin.
Tora :)
mücke
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Re: Angst und Sucht

Beitrag von mücke »

Hallo Ra-Ho
Ich habe meine Vorstellung im Benzodiazepin Forum wiederholt und bin gerne bereit, obwohl ich niemandem Rechenschaft schuldig bin, mit allen Menschen zu diskutieren, warum ich, der ich den harten Entzug kenne, mich nach Monaten quälender Panikattacken, welche meine Lebensqualität auf Null brachten, wieder für solch ein Mittel entschieden habe. Die erste und wichtigste Antwort ist: Weil niemand mir Hilfe geben konnte!
Welche Art Therapie hast du denn versucht?
Auch eine Verhaltenstherapie?
Mir hat übrigens auch keine Therapie wirklich geholfen.
Ich versuche aber trotzdem so weit wie möglich aktiv zu sein, drinnen wie draußen.
Ein Benzo hatte ich auch genommen, mache das aber nicht mehr, da ich psychisch sofort wieder abhängig werde.
Das Dumme ist nur, du sitzt jetzt auf dem Benzo fest und ein Entzug ist kein Zuckerschlecken.
Was nun?

Gruss Mücke
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Re: Angst und Sucht

Beitrag von mücke »

Hallo torasap
Kann es denn wirklich hilfreich sein wenn man 10 Jahre betäubt durch die Gegend läuft anstatt sich einen geeigneten Therapeuten zu suchen Die Grundvoraussetzung für eine erfolgreiche Therapie ist in erster Linie der Willen des Patienten. Da kann der Therapeut noch so gut sein wenn man als Patient nicht ausreichend motiviert an sich arbeitet.

Warum bist du so streng?
Würdest du mir so antworten, wäre ich sauer und würde mich nicht verstanden fühlen.
Der Wille ist zwar eine Voraussetzung für eine Therapie.
Nur, und das war auch bei mir der Fall, stellt sich nicht immer Erfolg ein.
Der Therapeut kann uns nur mögliche Wege aufzeigen, aber laufen muss man schon alleine.
Nun, ich bin mit Therapeut gelaufen.
Kann man wörtlich nehmen.
Ich habe mit ihm zusammen Angstbewältigungstraining gemacht.
Er kam zu mir nach Hause.
Langfristig hat es mich aber nicht gesunden lassen, bis heute.
Ich stehe immer wieder vor der gleichen Situation, kann aber mittlerweile etwas besser damit umgehen.

Gruss Mücke
Gesperrt