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 ! Nachricht von: Oliver

Dieses Forum ist im Ruhezustand.

Es hat sich eine neue Gemeinschaft aus Betroffenen und Angehörigen gegründet, die sich weiterhin beim risikominimierenden Absetzen von Psychopharmaka unterstützt und Informationen zusammenträgt. Die Informationen, wie ihr dort teilnehmen könnt findet ihr hier:

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Ich möchte mich bei allen bedanken, die über die geholfen haben, dieses Forum über 18 Jahre lang mit zu pflegen und zu gestalten.


Bitte hilft mir, diese Gedanken machen mich verrückt.

Hier lassen sich auch viele Erfahrungsberichte über das Absetzen von Antidepressiva und Benzodiazepinen finden.
Gesperrt
Martin
Beiträge: 3
Registriert: 02.06.2005 19:08

Bitte hilft mir, diese Gedanken machen mich verrückt.

Beitrag von Martin »

Hallo Leute,

Ich brauche dringend eure Hilfe und euren Rat.
ich halte es einfach nicht mehr aus. Ich denke seit langer Zeit (1-2 jahren) jeden tag über völlig unnötige Sachen nach.
Ich weiss, dass diese Gedanken völlig unnötig sind, aber sie drängen sich immer wieder auf.

Vor allem auf der Arbeit ist es schlimm, wenn ich unter Menschen bin, ist es richtig extrem. In Gesprächen kann ich mich gar nicht mehr konzentzrieren, weil die Gedanken immer im Kopf sind bzw. bilden sich optisch vor meinen Augen auf...
Ich bin physisch da, aber seelisch bin ich bei diesen Gedanken, bin gar nicht mehr bei der Sache.
Nach den Gesprächen mache ich mir dann innerlich immer Vorwürfe, warum ich immer an diesen Gedanken hängen bleibe?
Und ob es den anderen aufgefallen ist, dass ich abgelenkt war?
Wenn ich mich unter Druck setze, vor allem auf der Arbeit (Sage mir innerlich immer "vergiss diese Gedanken, das bringt doch nichts, kannst auch ohne diese Gedanken leben"), wird alles noch schlimmer.
Nach der Arbeit, wenn ich wieder alleine bin, dann gehts einigermaßen.

Es belastet mich sehr, denn diese Gedanken rauben mir die Lebenslust, kann gar nicht mehr vernünftig denken und mich konzentrieren.
Diese Gedanken entstehen, wenn ich irgendetwas mache, sage oder denke. (z.B. beim Einschalten des Fernsehers, beim Anziehen, beim Lesen.)
Ich bleibe dann plötzlich innerlich dort hängen und komm da nicht mehr los.
Dann kommen die Gedanken wieder und sagen dir "Stop, so ist das nicht richtig, du hast da eine falsche Bewegung gemacht usw.)
Und wenn ich da erstmal hängen bleibe, dann komme ich da auch nicht so schnell weg, obwohl ich versuche immer wieder zu vergessen....
Danach mache mir immer wieder Vorwürfe, dass ich immer noch nicht geschafft habe, dass ich mich immer noch nicht vernünftig anziehen kann usw..Dann mache ich mir gedanken wie es in der Zukunft wird, wenn ich mich nochmal anziehe...?

Es ist ein Teufelskreis, je mehr man sich in diese Gedanken hereinsteigert, desto schlimmer wirds, vor allem auf der Arbeit, wenn ich mit anderen Menschen zu tun habe.... meine Leistung hat sehr nachgelassen.
Dieser Verfolgungswahn macht alles noch schlimmer, dann denke ich immer, dass die Menschen was davon mitbekommen könnten, was sie dann über mich denken würden.

War auch schon beim Psychater, meinte es seien Zwangsgedanken, hatte mir Paroxetin verschrieben, hatte es eine Zeitlang genommen, aber unregelmäßig.
So viel hatte es mir auch nicht gebracht. Hatte mir auch eine kon. Verhaltenstherap. verschrieben, bin aber nicht hingegangen, weil ich es erstmal ohne schaffen wollte.
Habe seit einigen Tagen mit Johanniskraut angefangen, das dauert wohl noch 1 bis 2 Monate, bis es wirkt..wenn es denn überhaupt wirkt?
Bitte hilft mir, ich würde mich sehr freuen...
Vielen Dank im Voraus.
Blancanieves
Beiträge: 452
Registriert: 11.05.2005 11:32

Beitrag von Blancanieves »

Hallo Martin!!

Martin: es ist wichtig, dass du deine Medikamente nimmst! und dass, du eine Therapie machst!!!!!!!!!!!!!

Vergeude nicht deine Zeit und tu was!!! :frust:
Was du hast ist eine Krankheit, die du ernst nehmen solltest!!! Sonst kann diese Krankheit schlechter werden und das möchtest du nicht oder?
Warum hast du deine Medikamente nicht regelmässig genommen?

Welche ist die Ursache deiner Krankheit? Hat dir dein Arzt gesagt, woher das Ganze kommt?

Wenn du es ohne Medis schaffen möchtest, brauchst du dann eine Therapie, dort kannst du über alles reden und dich richtig aussprechen... Das ist sehr, sehr wichtig!!

Ich möchte dir "Omega 3 Fettsäuren" empfehlen, bei www.epamax.de
findest du hochdosierte Präparate. Aktuelle Studien haben gezeigt, dass Omega 3 Fettsäuren helfen können und nebenbei machst du etwas Gutes für dein Immunsystem. Frag deinen Arzt danach...

Bleib stark! Gruß, Blancanieves
Bitte an die Schilddrüse denken, falls die Depressionen, Ängste und Co. keinen erkenntbaren Auslöser haben.. Und Frauen sollten auch an die Sexualhormone denken..
Hier wird darüber berichtet: http://www.adfd.org/forum/viewtopic.php?t=4341
Britta
Beiträge: 86
Registriert: 09.12.2004 10:39
Wohnort: Nordhessen

Beitrag von Britta »

Huhu Martin,

da schliess ich mich an. Wenn ich gemein wäre, würde ich jetzt behaupten, dass es ja noch nicht ganz so schlimm sein kann, wenn du Bie Medikamente nur unregelmäßig nimmst und nicht zur Therapie willst.

Ich stürze mich jedenfalls auf jeden Strohhalm.

Du musst schon etwas Geduld und Furchhaltevermögen haben, um eine Besserung zu bewirken. Es dauert manchmal Wochen bis die Medis wirken.

Viel Glück
Britta
Leide seit ca. 8 Jahren an schlimmer innerer Unruhe und diffusen Ängsten. Diagnose: gen. Angststörung mit Depression
Therapien
12 Wochen psychosomatische Klinik, 3 1/2 Wochen Reha, seit 2 Jahren Verhaltenstherapie, regelmäßige Arztbesuche bei meiner Ärztin in unserer psychatrischen Klinik, regelmäßig Angstgruppe
Medikation
bereits erfolglos ausprobiert: Bespar, Saroten, Dipiperon, Atosil (reagier ich paradox drauf), Stangyl und div. andere Medis
-seit 2002 Zoloft 50mg/seit 08.12.04 Zoloft 25mg morgens/seit 02/2005 Zoloft, ca. 10mg morgens/seit 18.05.05 kein Zoloft mehr - Tavor bei Bedarf
-seit 08.02.05 Insidon Tropfen (ca. 45-50 Tropfen auf 3x täglich verteilt, davon die größte Menge abends)
-März 05 bis Juli 05 Akupunktur - ohne großen Durchbruch
-seit Juni 05 1xtgl. 12mg Perazin (mehr vertrag ich nicht)
-ab August 05 "Jarsin" Johanniskraut-Präparat
Martin
Beiträge: 3
Registriert: 02.06.2005 19:08

Beitrag von Martin »

Danke für eure Antworten habe mich sehr gefreut.

Mein Arzt hat mir nicht gesagt, woher das kommt, er meinte nur, dass ich unter Depressionen und Zwangsgedanken leiden würde.
Ich habe die Tabletten erst nach einiger Zeit unregelmäßig genommen, weil ich gemerkt hatte, dass es nicht wirklich eine Hilfe ist..
Hab die dann auch irgendwann ganz abgesetzt, aber die Gedanken sind geblieben.

Hilft denn so eine Verhaltenstherapie wirklich? Was wird da so genau gemacht? Übernimmt die Krankenkasse die Kosten?
Darf die Krankenkasse eigentlich dem Arbeitgeber Auskunft über die Krankheit geben?

Vielleicht wisst ihr eine Antwort auf diese Fragen?

Diese Gedanken sind wie ein tiefer Sumpf, wenn man erstmal reinfällt, dann kommt man nicht mehr so leicht raus...
Und wenn ich dann noch unter Menschen bin, fühle ich mich immer beobachtet,
aber nur wenn ich wieder hängen geblieben bin und ganze Zeit innerlich über völlig unnötige Sachen nachdenke.

Wenns mir mal gut geht und ich keine Gedanken im Kopf habe, dann ist alles so schön und dieser Beobachtungswahn ist auch nicht mehr da, weil ich gedanklich nicht abgelenkt bin und immer beim Geschehen dabei bin.
Aber diese Zeiten liegen leider schon weit in der Vergangenheit, zur Zeit geht es mir echt dreckig.

Hoffe ihr schreibt mir zurück und lasst mich nicht alleine....Danke
Britta
Beiträge: 86
Registriert: 09.12.2004 10:39
Wohnort: Nordhessen

Beitrag von Britta »

Hallo Martin,

ich kenne dieses "Kopfkino" nur allzu gut.

Mir hilft dann oft Autogenes Training um die Gedanken auf eine andere Ebene zu bringen. Außerdem gehe ich zur Akupunktur um ruhiger zu werden und entspannen zu können.

Therapie hat bei mir nur bedingt geholfen. Mein Problem ist, dass ich die Gedanken, Ängste nicht richtig fassen kann. Bleibt diffus und da ist es schwer die Auslöser zu finden.

Wenn es mir gut geht hab ich auch keine Ängste.

Wenn du eine Therapie verordet bekommst, zahlen die KK in der Regel.
Auskunft dürfen sie deinem Arbeitgeber nicht geben.

Verlier nicht den Mut. Die Krankheit baut sich oft über Jahre auf und es braucht einfach seine Zeit.

Britta
Leide seit ca. 8 Jahren an schlimmer innerer Unruhe und diffusen Ängsten. Diagnose: gen. Angststörung mit Depression
Therapien
12 Wochen psychosomatische Klinik, 3 1/2 Wochen Reha, seit 2 Jahren Verhaltenstherapie, regelmäßige Arztbesuche bei meiner Ärztin in unserer psychatrischen Klinik, regelmäßig Angstgruppe
Medikation
bereits erfolglos ausprobiert: Bespar, Saroten, Dipiperon, Atosil (reagier ich paradox drauf), Stangyl und div. andere Medis
-seit 2002 Zoloft 50mg/seit 08.12.04 Zoloft 25mg morgens/seit 02/2005 Zoloft, ca. 10mg morgens/seit 18.05.05 kein Zoloft mehr - Tavor bei Bedarf
-seit 08.02.05 Insidon Tropfen (ca. 45-50 Tropfen auf 3x täglich verteilt, davon die größte Menge abends)
-März 05 bis Juli 05 Akupunktur - ohne großen Durchbruch
-seit Juni 05 1xtgl. 12mg Perazin (mehr vertrag ich nicht)
-ab August 05 "Jarsin" Johanniskraut-Präparat
Oliver
Gründer
Beiträge: 11072
Registriert: 10.10.2003 23:58
Hat sich bedankt: 713 Mal
Danksagung erhalten: 420 Mal

Beitrag von Oliver »

Hallo Martin.
Ich habe die Tabletten erst nach einiger Zeit unregelmäßig genommen, weil ich gemerkt hatte, dass es nicht wirklich eine Hilfe ist..
Das kommt häufig vor - die Wirkung von Antidepressiva wird im Allgemeinen überschätzt.
Hilft denn so eine Verhaltenstherapie wirklich? Was wird da so genau gemacht? Übernimmt die Krankenkasse die Kosten?
Sie hilft bei Depressionen besser und nachhaltiger als Medikamente (siehe Startseite) - die Therapie ist von den Kassen anerkannt, wird also übernommen.
Darf die Krankenkasse eigentlich dem Arbeitgeber Auskunft über die Krankheit geben?
Nein.

Alles Gute
Oliver
Blancanieves
Beiträge: 452
Registriert: 11.05.2005 11:32

Beitrag von Blancanieves »

Hallo Martin!!

Wenn du wieder gesund werden möchtest, brauchst du Geduld, Durchstehensvermögen und viel Kraft, da es Momente geben werden, wo du denken wirst: "Du drehst völlig durch". In solchen Momenten wirst du viel Kraft brauchen... Und ich sage dir, viele hier kennen dieses Mistgefühl, viele von uns dachten, jetzt kann ich nicht mehr... wozu auch noch kämpfen...usw. usw, usw. Trotzdem irgendwie, irgendwann und mit Hilfe der richtigen Medikamenten und/oder einer Therapie, geht es uns wieder gut, und können richtig leben, lachen, essen, schlafen usw.

Gehe noch einmal zu deinem Arzt und redet mit ihm, sage ihm, dass du gesund werden möchtest. Mir hat übrigens Citaloprahm geholfen.. Ich würde an deiner Stelle nochmals dieses Paroxetin nehmen... und abwarten... und dann andere Medikamente ausprobieren. Bei einigen Menschen dauert es lange, bis sie das richtige Medikament gefunden haben.

Also, ab Montag anfangen und etwas tun... und nicht aufgeben..
Denke bitte an die schönen Momenten deines Lebens, welche waren diese? Warum waren diese Momente schön? Was kannst du tun, sodass es dir wieder gut geht? Alles hängt von dir ab, du entscheidest wie es weiter gehen soll...Verdienst du nicht glücklich zu sein?

Und mach dir keine Gedanken wegen deinem Arbeitgeber, der hat bestimmt auch seine Probleme...

Gruß, Blancanieves
Bitte an die Schilddrüse denken, falls die Depressionen, Ängste und Co. keinen erkenntbaren Auslöser haben.. Und Frauen sollten auch an die Sexualhormone denken..
Hier wird darüber berichtet: http://www.adfd.org/forum/viewtopic.php?t=4341
Martin
Beiträge: 3
Registriert: 02.06.2005 19:08

Beitrag von Martin »

Hallo Leute,

Dankeschön für eure Antworten.
Ich werde weiter kämpfen und nächste Woche gleich zum Arzt gehen.
Ich brauche medizinische Unterstützung, alleine schaffe ich das leider nicht.
Hoffe ich werde da wieder rauskommen und kann endlich wieder LEBEN.
Blancanieves
Beiträge: 452
Registriert: 11.05.2005 11:32

Beitrag von Blancanieves »

:) Hi. Martin!! :o

So redet man!!!!

Martin wir haben nur dieses Leben... und solange wir "da sind" und anständige Menschen sind, die etwas positives bewirken und für jemanden wichtig sind, müssen wir immer, immer versuchen unsere Probleme zu lösen, dazu sind Probleme ja da...

Das Leben ist so Martin... ich denke aber, dass wir irgendwann, irgendwie oder irgendwo es erfahren werden: Warum wir Menschen ab und zu so leiden müssen...bis dahin sollten wir so gut es geht versuchen, dass unser Leben lebenswert ist...

Alles Gute und bleib cool und stark!!

Gruß, Blancanieves
Bitte an die Schilddrüse denken, falls die Depressionen, Ängste und Co. keinen erkenntbaren Auslöser haben.. Und Frauen sollten auch an die Sexualhormone denken..
Hier wird darüber berichtet: http://www.adfd.org/forum/viewtopic.php?t=4341
Simulant
Beiträge: 1
Registriert: 11.10.2005 19:44
Wohnort: Düsseldorf

Hallo Martin!

Beitrag von Simulant »

Habe gerade Deine Geschichte gelesen und möchte Dir ein paar Dinge mit auf den Weg geben. Eines der Übel sind die Schuldgefühle, die sich einem aufdrängen, weil man wieder in so einen Teufelskreis der Gedanken geraten ist. Ich habe das selbst durchlebt und irgendwann angefangen, meine Gefühle, also wie ich auf bestimmte Symptome reagiere (wie Zwangsgedanken und Schuldgefühle und auch die Angst vor der Zukunft) analysiert und dabei festgestellt, daß ich letztendlich in eine Erschöpfung getrieben werde, die es fast unmöglich macht, sich zu erholen und zu entspannen und genau diese Entspannung und Ruhe brauchst Du um auf Dauer klar zu kommen. Sei Dir darüber im Klaren das es Jahre dauern kann, ehe Du auf Dauer stabil bist. Ich selbst habe aufgehört zu arbeiten und angefangen, hart an mir selbst zu arbeiten. Du musst überhaupt keine Schuld- oder Schamgefühle haben, denn was Du hast ist so menschlich wie nur irgend was. Glaube nicht, das die ausschließliche Einnahme der Tabletten Deine Probleme löst; Du musst an Dir arbeiten und versuchen, Deine innere Welt in Ordnung zu bringen. Ich würde Dir unbedingt raten, Ausdauersport zu treiben. Was ich auch als sehr wichtig erachte, ist das selbstständige Zubereiten von Speisen. Diese kann dann wie eine Medizin wirken. Ich habe selbst 8 Jahre lang gekämpft um wieder halbwegs frei und glücklich leben zu können. Ich hoffe. Du hast gute Freunde die hinter Dir stehen. Gib Dich nicht der Illusion hin, dass du von hier auf jetzt wieder in Ordnung kommst. Das ist sehr Zeitintensiv. Ich könnte Dir auch Literatur empfehlen und auch einiges Aufklären, wenn Du es wünschst.

Das soll jetzt aber erst einmal genug sein. Ich hoffe das Du die Ruhe findest die Du Dir erhoffst und bin jederzeit bereit, Dich zu unterstützen.

Schönen Gruß aus Düsseldorf
Gesperrt