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Seit das ADFD gegründet wurde, haben sich die Verschreibungen von Psychopharmaka ungefähr verdreifacht! Die Gründe warum diese Substanzen verschrieben werden sind sehr unterschiedlich. Es wäre interessant und hilfreich für die Gemeinschaft und auch Außenstehende, einen besseren Einblick in die Verschreibungshintergründe zu bekommen. Darum ...


... macht bitte alle bei unserer Umfrage zum Verschreibungsgrund mit :)


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padma
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Lexikon

Beitrag von padma »

hallo,

hier findet ihr kurze Erläuterungen zu Fachbegriffen, die im Forum öfters verwendet werden. Nach und nach werden weitere Einträge hinzu kommen.
Um zu einem Eintrag zu kommen, click den Anfangsbuchstaben an und scroll dann runter.

Informationen zu Psychopharmaka findet ihr in den Medikamentensteckbriefen

An dieser Stelle bedanken wir uns herzlich bei LinLina, die viel Arbeit in dieses Lexikon gesteckt hat.

liebe Grüsse,
das ADFD Team



Übersicht:

A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W XY Z


Begriffe:
Abhängigkeit, Absetzsyndrom, Agonist/Antagonist, Altostrata, anticholinerg, Antidepressiva, Ashton Manual,
Bioverfügbarkeit, Benzodiazepine, Brain Zaps, Chemisches Ungleichgewicht, Cortison, Dopamin,

Enzymatischer Abbau, Genotypisierung, Glutamat, Histamin-Intoleranz, iatrogen, Kaltentzug,
Kindling Effekt,

Metabolit, Neuro-Emotionen, Neuroleptika, Neurotransmitter, Off-Label-Use,
Paradoxe Reaktion, poop-out, Protrahierter Entzug, retard, Rezeptor,

Selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer, Selektive Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer, Serotonin, Serotininsyndrom, Serotonintransporter, Steady State, Synapse/ Synaptischer Spalt,

Tapering, Trizyklische Antidepressiva
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Re: Lexikon

Beitrag von padma »

A


Begriff

Abhängigkeit

Synonyme
Gewöhnung, körperliche/psychische Abhängigkeit, Sucht

Erklärung
Beim Absetzen vieler Medikamente, insbesondere bei Psychopharmaka aber auch bei Cortison und Beta-Blockern, treten aufgrund der Anpassung des Körpers an die regelmäßig zugeführte Substanz verschiedene Entzugssymptome auf. Zudem kann es zu einer Toleranzentwicklung kommen, das bedeutet die Wirksamkeit lässt trotz gleichbleibender Dosis nach. Dies entspricht einer körperlichen Abhängigkeit.

Psychische Abhängigkeit (Sucht) beinhaltet unter anderem das starke Verlangen, die entsprechende Substanz immer wieder zuzuführen (sog. Craving) und teilweise Kontrollverlust.

Der Sinn der grundlegenden Unterscheidung in suchterzeugende Benzodiazepine und „nur“ Absetzerscheinungen erzeugende Medikamente wie Antidepressiva und Neuroleptika ist aber aufgrund unserer Erfahrungen mehr als fraglich.

Weiterführende Links
* Antidepressiva machen abhängiger als man denkt!
* Abhängig von Antidepressiva?(Arzneitelegramm)
* http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/21992148[/url]



Begriff

Absetzsyndrom/-erscheinungen

Synonyme
Entzugserscheinungen, Entzugssyndrom

Erklärung
Gesamtheit an Symptomen, die durch das Reduzieren oder vollständige Absetzen von Psychopharmaka neu auftreten oder sich verstärken. Absetzerscheinungen können sowohl kurz nach der Reduktion auftreten oder auch erstmals nach Wochen oder sogar Monaten auftauchen. In schweren Fällen können sie chronisch verlaufen und die Betreffenden in ihrer Lebensqualität stark einschränken. Der biochemische Hintergrund ist nicht genau bekannt. Ursache ist aber wahrscheinlich die verzögerte Anpassung verschiedener Rezeptoren an die Dosisveränderung und eine daraus folgende Instabilität.

Weiterführende Links
* SSRI-Absetzsyndrom
* http://adfd.org/austausch/viewtopic.php?f=19&t=9345
* Grundlagen-Artikel Absetzsyndrom
* Altostrata: Eine Theorie über das Antidepressiva-Absetzsyndrom
* Symptome im Langzeitentzug (Monica Cassani)
* Neuroleptika Absetzsymptome




Begriff

Agonist/Antagonist

Erklärung

Agonist (altgriechisch agonistēs „der Tätige, Handelnde") bezeichnet in der Pharmakologie eine Substanz (Ligand), die durch Besetzung eines Rezeptors die Signalübermittlung in der zugehörigen Zelle aktiviert.

Ein Agonist kann sowohl eine körpereigene Substanz sein (z.B. Hormon, Neurotransmitter) als auch ein nicht-körpereigener Wirkstoff, der einen bestimmten Botenstoff in seiner Wirkung nachahmt bzw. ersetzt, in dem er an seinen Rezeptor bindet und dadurch die gleiche Reaktion auslöst, wie der Neurotransmitter selbst.

Agonismus ist das Wirkprinzip von Medikamenten, die als Ersatz eingesetzt werden, wenn die körpereigene Transmittersubstanz fehlt oder vermindert ist (z.B. L-Dopa bei Dopaminmangel). Psychopharmaka benutzen dieses Wirkprinzip um die Signalübertragung zu verstärken.

Von einem Partialagonisten spricht man, wenn der Transmitter in seiner Wirkung nur teilweise nachgeahmt oder ersetzt wird.

Als Antagonisten (altgriechisch antagōnistēs = Nebenbuhler, Feind) bezeichnet man eine Substanz, die die Wirkung eines Agonisten hemmt.

In der Pharmakologie bezeichnet Antagonist eine Substanz, die die Wirkung eines chemischen Stoffes (z.B. eines Neurotransmitters), dadurch verhindert, dass sie an seinen Rezeptor bindet und diesen blockiert. Ein Antagonist löst selbst keine pharmazeutisch bedeutsame Wirkung aus.

siehe auch "Neurotransmitter", "Rezeptor"

Weiterführende Links
* Agonist - Wikipedia
* Antagonist - Wikipedia
* Antagonist - flexikon.doccheck




Begriff

Altostrata

Synonyme
Kate

Erklärung
„Altostrata“ oder auch „Kate“ sind Pseudonyme einer vom Langzeit-Entzugssyndrom betroffenen US-Amerikanerin. Sie ist Gründerin der Webseite Surviving Antidepressants, wo Betroffene Informationen und Unterstützung zum Absetzen von Antidepressiva bekommen.
Altostrata hat sich umfassend mit der Problematik des Entzugssyndroms beschäftigt und wesentlich dazu beigetragen, dass dieses Thema in der Fachwelt und in der Öffentlichkeit diskutiert wird.


Weiterführende Links
* Surviving Antidepressants
* Altostrata: Eine Theorie über das Antidepressiva-Absetzsyndrom
* Langzeitentzugssyndrom: Erfahrungsbericht Altostrata




Begriff

anticholinerg


Erklärung

Als anticholinerg bezeichnet man in der Medizin (Neben-)Wirkungen, die sich aus der Hemmung des Neurotransmitters Acetylcholin ergeben. Acetylcholin spielt sowohl im zentralen Nervensystem sowie in Teilen des peripheren Nervensystems, zum Beispiel des Parasympathikus, eine Rolle.

Viele Psychopharmaka haben anticholinerge Nebenwirkungen, die leicht aber auch sehr schwerwiegend sein können.
Anticholinerge Nebenwirkungen betreffen den Mund-Rachen-Raum (Mundtrockenheit, verminderte Speichelbildung), die Augen (Sehstörungen, trockene Augen), den Magen-Darm-Trakt (Obstipation), die Harnwege (Störungen beim Wasserlassen, sog. Miktionsstörungen), das Herz, die Haut und Temperaturregelung, sowie das ZNS.
Zumeist können viele oder alle Körperschleimhäute ausgetrocknet werden, weil die Drüsenaktivität reduziert ist.
Es kann u.a. zu Angst, Verwirrtheit, kognitiven Einschränkungen, Krampfanfällen, Halluzinationen, Delirum, Koma kommen.

Psychopharmaka mit einer sehr starken anticholinergen Belastung sind u.a. : Amitriptylin, Clomipramin, Clozapin, Doxepin, Imipramin, Levomepromazin, Nortriptylin, Trimipramin.
Eine mittelstarke Belastung haben u.a. Carbamazepin, Haloperidol, Olanzapin, Opipramol, Paroxetin, Quetiapin.

Werden mehrere anticholinerge Medikamente eingenommen, verstärkt sich die anticholinerge Belastung.

Generell sollten alle älteren Patienten, sowie diejenigen,die bereits von Nebenwirkungen betroffen sind, die anticholinerg hervorgerufen werden können, als Risikopatienten gelten


Weiterführende Links
*Anticholinerg - Wikipedia
* Anticholinerge Belastung - Pharmazeutische Zeitung




Begriff

Antidepressiva

Abkürzung
AD

Synonyme
Stimmungsaufheller

Erklärung
Psychopharmaka, die vor allem gegen Depressionen, inzwischen aber auch bei einer Vielzahl anderer psychischer und körperlicher Symptome eingesetzt werden. Ihre Effizienz ist umstritten, insbesondere bei leichten und mittleren Depressionen ist die Wirksamkeit nicht eindeutig nachgewiesen.
Dagegen nimmt weltweit die Anzahl an Menschen, die unter Nebenwirkungen und Absetzschwierigkeiten leiden, massiv zu.
Es gibt verschiedene Klassen von Antidepressiva, die nach ihrem Wirkmechanismus (SSRI, SNRI) oder der chemischen Struktur (Trizyklika) benannt sind.

Weiterführende Links
* Antidepressiva - Geschichte der Therapie/Peter Ansari
* Antidepressiva sind nicht effektiv (Übersichtsartikel auf Englisch)
* Antidepressiva in Altersheimen
* Antidepressiva - Kampagne bei Jugendlichen
* Antidepressiva - lebensgefährliche Placebos
* Antidepressiva - Einnahme und Entzug, was passiert da? (Rhi von http://www.survivingantidepressants.org)




Ashton Manual

Erklärung
Das Ashton Manual ist eine 1999 von Prof. Heather Ashton verfasste Anleitung zum Absetzen von Benzodiazepinen. Es wird zunächst die Umstellung auf Diazepam und darauf folgend eine schrittweise Reduktion alle 1-4 Wochen empfohlen.

Erfahrungsgemäß ist das Absetzen nach Ashton eine gute Richtlinie. Allerdings ist die Höhe der Äquivalenzdosis recht hoch angesetzt, oft reicht etwas weniger Diazepam aus, dies muss individuell ausgetestet werden. Zudem müssen manche Menschen gerade im unteren Bereich der Absetzphase noch langsamer bzw. in kleineren Schritten vorgehen.
Zitat: „Die Rate der Dosis-Reduktion sollte niemals rigide, sondern stets flexibel sein und unter Kontrolle des Patienten und nicht des Arztes stehen und zwar angepasst an die individuellen Bedürfnisse des Patienten, die von Fall zu Fall unterschiedlich sein können.“

Der Einsatz von modernen Antidepressiva (SSRI/SRNI/Mirtazapin) als sog. Absetzhilfe kann sich in der Praxis sogar als gefährlich erweisen, weil dadurch Entzugserscheinungen nur überdeckt werden und man die Probleme dann häufig nur zeitlich verschoben beim Absetzen der AD erlebt, evtl. gemischt mit einer AD-Absetzproblematik.

Weiterführende Links
* Ashton Manual
* Hilfen zum Absetzen von Benzodiazepinen
* Benzoabhängigkeit
* Benzo-Umrechnungstabelle
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Beitrag von padma »

B


Begriff

Benzodiazepine

Abkürzung
Benzos

Erklärung
Benzodiazepine gehören zur Gruppe der Angst- und spannungslösende Medikamente (Anxiolytika, Tranquilizer) und werden sehr häufig bei Unruhezuständen und Schlafstörungen eingesetzt. Je nach Substanz überwiegt die muskelentspannende, die sedierende oder die angstlösende Wirkung. Benzos wirken vor allem auf GABA-Rezeptoren, der wichtigsten hemmenden Komponente des zentralen Nervensystems.

Aufgrund der schnell eintretenden Wirkung und einer raschen Gewöhnung des Stoffwechsels an die Substanz tritt sehr schnell körperliche und/oder psychische Abhängigkeit ein. Es besteht auch die Gefahr einer Toleranzentwicklung, d.h. trotz gleichbleibender Dosis lässt die Wirkung nach und es treten Entzugserscheinungen auf.

Das Absetzen von Benzodiazepinen sollte langsam und schrittweise vorgenommen werden. Ein schneller Entzug in einer Klinik empfiehlt sich meist nicht, da dem Körper nicht genug Zeit gegeben wird sich an die geringere Dosis zu gewöhnen. Zudem werden oft Ersatzmedikamente eingesetzt, die dann ihre eigene Absetzproblematik und Nebenwirkungen mit sich bringen. Bei Benzos mit kurzer Halbwertszeit (z.B. Lorazepam, Alprazolam, Oxazepam) empfiehlt sich eine vorherige Umstellung auf Diazepam.

Weiterführende Links
* Benzo-Absetz-Informationen
* Hilfen zum Absetzen von Benzodiazepinen
* Benzoabhängigkeit
* Benzo-Umrechnungstabelle





Begriff

Bioverfügbarkeit

Erklärung
Bioverfügbarkeit ist eine pharmkologische Messgröße, die angibt, wie schnell und in welchem prozentualen Umfang der Stoff (meistens Arzneistoff) aufgenommen wird und am Wirkort unverändert zur Verfügung steht.

Bei Medikamenten die intravenös verabreicht werden, ist die Bioverfügbarkeit definitionsgemäß 100%.
Wird ein Medikament durch den Mund eingenommen, wird der Wirkstoff bei manchen Medikamenten bei der ersten Leberpassage (First Pass Effekt) teilweise abgebaut, bevor er am Zielort ankommt. Dies führt zu einer Verringerung der Bioverfügbarkeit.

Die Bioverfügbarkeit kann bei unterschiedlichen Generika mit dem gleichen Wirkstoff voneinander abweichen. Setzt man das Orginalpräparat als Vergleichsgrösse mit 100 % an, so darf die Bioverfügbarkeit eines Generikums zwischen 80 und 125 % liegen. Dies kann ein Grund dafür sein, dass Herstellerwechsel manchmal nicht gut vertragen werden.

Die Bioverfügbarkeit kann bei Menschen mit eingeschränkter Leberfunktion und bei älteren Menschen ansteigen, da die Leber nicht mehr voll funktionsfähig ist. Die Einnahmedosis sollte bei den Betroffenen entsprechend verringert werden, damit es nicht zu einer gefährlichen Überdosierung kommt.

Weiterführende Links
* Bioverfügbarkeit - flexikon.doccheck.com
* Orginal oder Generika /Pharmazeutische Zeitung




Begriff

Brain Zaps

Synonyme
Zaps, Stromschläge im Gehirn

Erklärung
Gefühl, eine Art Stromschlag im Gehirn zu bekommen, der bei manchen in Gesicht und Extremitäten ausstrahlt. Stress, aber auch Entzug von SSRI/SNRI kann Brain Zaps auslösen. Die genaue Ursache ist nicht bekannt. Dieses elektrisierende oder vibrierende Gefühl kann von Geräuschwahrnehmung (z.B. Rauschen) und optischen Beeinträchtigungen begleitet sein. Die Zaps können sehr häufig oder selten, extrem schwer oder ganz leicht auftreten.
Kein anderes Symptom verweist derart zuverlässig auf ein Absetzsymptom / Absetzsyndrom wie Zaps. Diese sind eine sehr spezielle Erscheinung beim AD-Absetzen und von keiner anderen Medikamentengruppe außer psychoaktiven Wirkstoffen bekannt. Zaps sind ein verlässlicher Indikator für falsches / zu schnelles Absetzen.
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Re: Lexikon

Beitrag von padma »

C


Begriff

Chemisches Ungleichgewicht

Erklärung
Ein Erklärungsversuch zur Entstehung von psychischen Erkrankungen ist die Annahme, es bestehe ein Ungleichgewicht bzw. ein Mangel bei bestimmten Neurotransmittern.
Trotz jahrzehntelanger Forschung konnte diese Annahme bisher nicht bestätigt werden. Sie dient jedoch vielen Ärzten, der Pharmaindustrie und der Öffentlichkeit zur Rechtfertigung der oft jahrelangen Anwendung von Psychopharmaka. Beispiele sind der angebliche Serotoninmangel bei Depressionen und die Dopaminhypothese zur Entstehung von Schizophrenie.
Der Mythos vom chemischen Ungleichgewicht setzt Patienten massiv unter Druck, ihren Hirnstoffwechsel „korrigieren“ zu lassen. Oft wird dabei irreführend der Vergleich zur Insulinbehandlung bei Diabetes genannt.
Die Langzeiteinnahme von Psychopharmaka führt jedoch oft erst recht zu einer Verschlechterung des Zustandes und zu „abnormen“ Neurotransmittersystemen, die sich zum Teil nur sehr langsam wieder normalisieren.

Weiterführende Links
* David Healy - So Long and Thanks for all the Serotonin
* Mythos: Depressionen als Stoffwechselstörung im Gehirn
* 10 Mythen über Psychopharmaka von Prof. Peter Gøtzsche
* Depression-heute.de – Biochemisches Ungleichgewicht




Begriff

Cortison

Synonyme
Cortisol

Erklärung
Cortisol, oft fälschlicherweise Cortison genannt, ist ein Stresshormon und wird in der Medizin vor allem zur Entzündungshemmung und Immunsupression genutzt.
Der Körper schüttet es in Stresssituationen aus und aktiviert damit abbauende Stoffwechselvorgänge.

Injektionen von Cortisol werden von vielen Betroffenen im ADFD nicht mehr vertragen. Auch bei gesunden Menschen können (bei Injektionen häufiger als bei Tabletten) starke Unruhe- und Erregungszustände auftreten.

Bei Anwendung von Cortisol über einen längeren Zeitraum und/oder in höheren Dosierungen sollte das Präparat langsam ausgeschlichen werden um überschießende Reaktionen und andere Absetzsymptome zu vermeiden.

Weiterführende Links
*Entzug und Cortison
*Neuro-Emotionen beim Absetzen
*Cortisonpsychose
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Beitrag von padma »

D


Begriff

Dopamin

Erklärung
Wichtiger Neurotransmitter im zentralen Nervensystem. Er steuert vor allem Motivation und Antrieb. Der Dopaminspiegel wird von vielen Psychopharmaka beeinflusst. Insbesondere Neuroleptika hemmen die Übertragung von Dopamin im Gehirn und wirken daher antriebsmindernd und sedierend. Antidepressiva sollen die Menge an Dopamin erhöhen und somit antriebssteigernd wirken. Auch viele Nebenwirkungen oder Entzugserscheinungen wie das Restless-Leg-Syndrom, Akathisie ("Sitzunruhe") und andere extrapyramidale (motorische) Störungen stehen wahrscheinlich im Zusammenhang mit Dopamin.

Weiterführende Links
Dopamin - Wikipeda
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E




Begriff

Enzymatischer Abbau

Synonyme
Biotransformation

Erklärung
Die Biotransformation ist ein Stoffwechselvorgang, bei welchem nicht ausscheidbare Stoffe (körpereigene Stoffwechselprodukte oder von außen zugeführte Substanzen) durch chemische Prozesse in ausscheidbare Stoffe umgewandelt (transformiert) werden. Die für den Vorgang der Biotransformation ablaufenden Reaktionen finden überwiegend in der Leber statt.

Auch Arzneistoffe werden mithilfe diverser Enzymsysteme in der Leber abgebaut. Das für die Metabolisierung von Arzneimitteln besonders relevante System ist die sogenannte Cytochrom P450 Familie. Die für den Psychopharmaka-Abbau beiden wichtigsten zuständigen Enzymsysteme sind CYP2D6 und CYP2C19.

Nimmt man zwei oder mehr Medikamente ein, die über das selbe Enzymsystem abgebaut werden, kann es zu gefährlichen Wechselwirkungen kommen:
Bei einer Enzyminduktion (verstärkten Enzym­wirkung), wird der Abbau jener Medikamente, die durch das Enzym abgebaut werden, beschleunigt und deren Wirkung wird dadurch abgeschwächt.
Bei einer Enzyminhibition (abgeschwächten Enzym­wirkung), wird der Abbau jener Medikamente, die durch das Enzym abgebaut werden, verlangsamt. Das kann zu überschießenden Wirkungen, verstärkten Nebenwirkungen bis hin zu einer Arzneimittelvergiftung führen.

Gehört man einem speziellen Metabolisierungstyp an (z.B. poor metabolizer, intermediäre metabolizer), kann bereits die Einnahme eines einzelnen Medikamentes in der üblichen Dosierung zu schwerwiegenden Nebenwirkungen, Unverträglichkeit oder Vergiftung führen.

Weiterführende Links
* Biotransformation - Wikipedia
* CYP - P450 Familie / Metabolisierungstypen und mögliche PP-Unverträglichkeiten
* Cytochrome P450 Enzymfamilie - Pharmazeutische Zeitung
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Re: Lexikon

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F

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Re: Lexikon

Beitrag von padma »

G


Begriff

Genotypisierung

Erklärung
Eine Genotypisierung ist die Untersuchung der DNA auf bestimmte Gen-Varianten. In Bezug auf Psychopharmaka dient sie der Abklärung von Unverträglichkeiten bzw. Überreaktionen auf bestimmte Medikamente.
Die meisten Psychopharmaka (und auch viele andere Substanzen) werden durch verschiedene Cytochrom P450-Enzyme des Leberstoffwechsels abgebaut. Bei vielen Menschen, wahrscheinlich bis zu 30% der Bevölkerung, ist die Aktivität bestimmter P450-Enzyme unterschiedlich stark vermindert („poor metabolizer, ultra poor metabolizer“). Dadurch kann die Konzentration eines Medikaments und damit auch Wirkung und Nebenwirkung, trotz normaler Dosis, um ein Vielfaches ansteigen.

Zur Abklärung kann, z.B. eine Untersuchung der CYP 2D6 und/oder CYP 3A4 Variante (Abbau vieler Psychopharmaka) vorgenommen werden. Der Test ist jedoch keine Standarduntersuchung und wird daher von Krankenkassen nur in begründeten Fällen übernommen.

Weiterführende Links
* Genotypisierung – welcher Verstoffwechslertyp
* Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie Ihre DNA
* Cytochrome P450
* Wechselwirkungen der Psychopharmaka
* Vortrag: Interaktionen in der Psychopharmakotherapie




Begriff

Glutamat

Synonyme
Glutaminsäure

Erklärung
Glutamat ist ein wichtiger erregender Neurotransmitter im zentralen Nervensystem, wo es an spezielle Glutamatrezeptoren bindet. Glutaminsäure dient als Ausgangsprodukt in der Synthese von γ-Aminobuttersäure (GABA), des wichtigsten hemmenden Neurotransmitters im ZNS. Fehlfunktionen des Glutamat-Systems können zu innerer Unruhe, Schlafstörungen und anderen Symptomen führen. Womöglich spielt dies eine wichtige Rolle beim Antidepressiva-Entzugssyndrom.

Weiterführende Links
*An alle mit Nahrungsmittelintoleranzen: GLUTAMINSAEURE
*Altostrata: Eine Theorie über das Antidepressiva-Absetzsyndrom
*Langzeitsentzugssyndrom: Erfahrungsbericht Altostrata
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Re: Lexikon

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H


Begriff

Histamin-Intoleranz

Abkürzung
HIT, HI

Synonyme
Histaminose

Erklärung
Histamin ist ein wichtiger Neurotransmitter und ein Gewebshormon. Es bindet an Histaminrezeptoren und steuert so unter anderem allergische Reaktionen, Schlaf-Wach-Rhythmus, Auslösung von Erbrechen und Ausschüttung von Adrenalin.
Viele Psychopharmaka blockieren bestimmte Histaminrezeptoren und wirken daher sedierend.
Beim Absetzen kann die „Gewöhnung“ an die verminderte Histaminwirkung zu einer ausgeprägten Unverträglichkeit histaminhaltiger oder die Histaminfreisetzung fördernder Nahrungsmittel und Medikamente führen.
Diese „induzierte Histaminintoleranz“ ist häufig nicht im Blutbild nachweisbar. Sie kann sich nach völligem Absetzen und einer Regenerationsphase wieder zurückbilden.

Weiterführende Links
* Histaminintoleranz durch ADs und co.
* Histamin-Intoleranz im Entzug
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Re: Lexikon

Beitrag von padma »

I


Begriff

iatrogen

Synonyme
pharmakogen, medikamenteninduziert

Erklärung
Gesundheitsschäden oder Krankheiten, die durch ärztliche Therapiemaßnahmen verursacht wurden.
Sowohl unvermeidbare als auch vermeidbare, durch einen ärztlichen Fehler verursachte Schäden werden als iatrogen bezeichnet.
Nebenwirkungen, Absetzsymptome und Langzeitschäden von Psychopharmaka sind daher iatrogene Krankheiten (z.b. iatrogene Histaminintoleranz).
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Re: Lexikon

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J

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Re: Lexikon

Beitrag von padma »

K


Begriff

Kaltentzug

Synonyme
umgangssprachlich: Cold Turkey

Erklärung
Plötzliches Absetzen einer körperlich abhängig machenden Substanz, wie z.B. Benzodiazepine, Psychopharmaka, Neuroleptika, Opiate, usw.
Als Resultat eines Kaltenzuges können Entzugssymptome auftreten, die sich seelisch und körperlich äußern (bis hin zur Suizidalität) und je nach Suchtmittel, Dauer der Suchtmitteleinnahme oder Ausprägung der Abhängigkeit sehr stark variieren können.

Bei einem Kaltentzug besteht das Risiko eines schweren, langanhaltenden protahierten Entzugssyndrom. Ein Kaltentzug sollte daher, wenn nicht medizinisch notwendig (z.B. wegen lebensbedrohlicher NW), vermieden werden.

Weiterführende Links
FAQ: Darf ich Benzodiazepine kalt entziehen?
FAQs Psychopharmaka absetzen (Frage 1 und 3)
Was passiert bei der Antidepressiva-Einnahme und im Entzug?


Begriff

Kindling Effekt

Synonyme
Sensitivierung, Kindling

Erklärung
Der Kindling Effekt beschreibt das Phänomen, dass wiederholte, unterschwellige Reize zu einer stark erniedrigten Reizschwelle im zentralen Nervensystem führen. In der Folge kann es trotz gleichbleibender Reizstärke zu einer überproportional starken Reaktion kommen.

Das Konzept des Kindling Effekts diente zunächst als Erklärung, warum bei wiederholten Epilepsie-Anfällen diese in der Folge immer schwerer und häufiger auftreten.
In Bezug auf Alkohol- oder Medikamentenentzug bewirkt das Kindling bei wiederholtem Entzug immer stärkere Entzugssymptome, ein größeres Risiko von Krampfanfällen und starken psychischen Symptomen wie Angstzustände und extreme Übererregbarkeit des ZNS.

Möglicherweise ist dieser Effekt auch ein Erklärungsansatz, warum manche Betroffene, die zuvor viele Medikamente recht problemlos absetzen konnten, irgendwann dennoch große Schwierigkeiten beim Reduzieren einer bestimmten Substanz bekommen.

Weiterführende Links
* Kindling - Definition der DocCheck Flexikon
* Ausführlicher Wikipedia-Artikel auf Englisch über den Kindling Effekt bei Beruhigungsmitteln und Alkohol
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Re: Lexikon

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L

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Re: Lexikon

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M



Begriff

Metabolit

Synonyme
Metabolicum

Erklärung
Metaboliten (von griechisch: metabolites - umgewandelt) sind Substanzen, die als Zwischenstufen oder als Abbauprodukte von Stoffwechselvorgängen des Organismus entstehen.

Metaboliten kommen natürlicherweise in den Zellen vor, sie entstehen durch den Einfluss von Enzymen, sind in der Lage in Folgereaktionen einzutreten und werden nach einer begrenzten Zeit wieder abgebaut.

Auch die Wirkstoffe von Arzneimitteln werden in der Regel durch den Stoffwechsel enzymatisch verändert und vom Körper zu einem oder mehreren Metaboliten umgewandelt. Wenn ein solcher Metabolit selbst eine pharmakologische Wirkung entfaltet, spricht man von einem aktiven Metabolit.

Beispiele: Norfluoxetin ist ein aktiver Metabolit von Fluoxetin; N-Desmethyldiazepam (Nordazepam), Temazepam und Oxazepam sind aktive Metaboliten von Diazepam. Bei der Berechnung wie lange es dauert, bis ein Wirkstoff im Körper abgebaut bzw. ausgeschieden ist, ist auch die Halbwertszeit eines aktiven Metaboliten zu berücksichtigen.


Weiterführende Links
* Metabolit - Wikipedia
* Metabolit - flexikon.doccheck.com
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Re: Lexikon

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N


Begriff

Neuro-Emotionen

Synonyme
Neurogefühle

Erklärung
Empfindungen, die nicht der eigenen Gefühlswelt, sondern dem Körper bzw. direkt dem gereizten Nervensystem entspringen zu scheinen. Neuro-Emotionen können sich unter anderem als Wut, Angst, Panik, Melancholie, Schuld und Schamgefühle äußern. Sie treten oft in Wellen, unabhängig von äußeren Faktoren, auf und sind typische Psychopharmaka-Entzugserscheinungen.

Weiterführende Links
* Neuro-Emotionen beim Absetzen




Begriff

Neuroleptika

Abkürzung
NL

Synonyme
Antischizophrenika, Neurolytika, Antipsychotika, Neuroplegika, Psycholeptika, Psychoplegika

Erklärung
Neuroleptika sind antipsychotisch wirkende Medikamente, die in den Dopaminhaushalt eingreifen. Aufgrund ihrer sedierenden Wirkung werden Neuroleptika mit niedriger antipsychotischer Potenz oft auch bei Unruhe und Ängsten und sogar auch bei Schlafstörungen eingesetzt.

Insbesondere die Langzeiteinnahme und/oder hohe Dosierungen sind sehr risikoreich und es besteht die Gefahr von Langzeitschäden.

Konventionelle (z.B. Promethazin, Haloperidol) sowie neuere, sogenannte atypische (z.B. Risperdal, Seroquel) Neuroleptika rufen oft extrapyramidal-motorische Nebenwirkungen (Krämpfe, Störungen des Bewegungsablaufes) hervor und führen häufig zu starker Gewichtszunahme und Diabetes. Manchmal treten Veränderungen des Blutbildes oder Blutdrucks auf.

Wie andere Psychopharmaka auch, vermindern Neuroleptika bestimmte Symptome, können psychische Krankheiten jedoch nicht heilen.
Auch das Absetzen von Neuroleptika sollte in kleinen Schritten und über einen längeren Zeitraum erfolgen, um starke Entzugssymptome zu vermeiden.

Weiterführende Links
* Entzugssymptome Neuroleptika
* Neuroleptika erfolgreich abgesetzt
* Neuroleptika reduzieren und erfolgreich absetzen
* Off Label Gebrauch von atypischen NL
* Artikel zu Risiken von Neuroleptika




Begriff

Neurotransmitter

Synonyme
Transmitter

Erklärung

Der Begriff kommt aus altgriechisch neuron „Sehne, Nerv“ und lateinisch transmittere „hinüber schicken, übertragen“.

Als Neurotransmitter bezeichnet man Botenstoffe, die an chemischen Synapsen die Erregung von einer Nervenzelle (präsynaptisch) auf andere Zellen übertragen, verstärken oder modulieren. Sie wandeln dafür eingehend elektrische Signale in chemische um, die dann in der nachgeordneten Zelle (postsynapsisch) wieder elektrische Signale auslösen können.

Neurotransmitter befinden sich in Speicherbläschen (Vesikeln) in der Präsynapse. Werden sie durch ein Aktionspotential aktiviert, werden sie in den synaptischen Spalt zwischen zwei Nervenzellen ausgeschüttet. Der Neurotransmitter dockt dann an den spezifischen Rezeptor der Postsynapse an und übermittelt so die Signale.

Anschließend löst er sich wieder vom Rezeptor und wird entweder im synaptischen Spalt abgebaut oder wieder in die Präsynapse aufgenommen.

Chemisch werden Neurotransmitter in verschiedene Stoffklassen eingeteilt: Biogene Amine/ Monoamine (dazu gehören u.a. Acetylcholin, Noradrenalin, Adrenalin, Dopamin, Serotonin, Histamin); Aminosäuren (dazu gehört u.a. Glutaminsäure, GABA); Neuropeptide; Endocannabinoide

siehe auch "Synapse", "Rezeptor"

Weiterführende Links
* Neurotransmitter - Wikipedia
* Neurotransmitter - flexikon.doccheck.com
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Re: Lexikon

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O


Begriff

Off-Label-Use

Abkürzung
-

Synonyme
Verordnung von Arzneimitteln in nicht zugelassenen Anwendungsgebieten

Erklärung
Arzneimittel sind für die Verordnung in einem bestimmten Anwendungsgebiet und für bestimmte Patientengruppen (z.B. nur für Erwachsene) zugelassen. Werden Arzneimittel von Ärzten für von der Zulassung abweichende Einsatzgebiete oder Patientengruppen verordnet, nennt man das "Off-Label-Use". Beispielsweise wird das Antidepressivum Trazodon im Off-Label-Use auch als Schlafmittel bei Nicht-Depressiven verordnet.

Der Off-Label-Use ist grundsätzlich erlaubt, aber Ärzte haften für die medizinische Richtigkeit des Gebrauchs sowie für evtl. Nebenwirkungen. Deshalb werden Medikamente meist nur bei in Studien nachgewiesener Wirksamkeit verordnet bzw. wenn der Off-Label-Use in den Leitlinien für Ärzte empfohlen wird. An die Aufklärung des Patienten werden dabei besondere Anforderungen gestellt.

Weiterführende Links
* Off-Label-Use Wikipedia
* Verordnungsfähigkeit von Arzneimitteln in nicht zugelassenen Anwendungsbieten (Off-​Label-Use) Gemeinsamer Bundesausschuss
padma
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P


Begriff

Paradoxe Reaktion

Erklärung
Bei einer paradoxen Reaktion reagieren die Betroffenen auf ein Medikament genau entgegengesetzt der eigentlich beabsichtigten Wirkung, etwa mit Schlaflosigkeit bei einem schlaffördernden Mittel bzw. starker Unruhe auf eine beruhigende Substanz.
Paradoxe Reaktionen können in manchen Fällen sehr starke psychische und körperliche Symptome auslösen und von Angstzuständen, Herzrasen, bis hin zu Suizidimpulsen reichen.
Es ist daher ratsam, ein neues Medikament zunächst in sehr geringer Dosierung zu testen (weit unterhalb der empfohlenen Wirkdosis).

Hier im Forum beobachten wir häufiger eine Unverträglichkeit bei erneuter Einnahme eines bereits abgesetzten Medikaments, welche starke Ähnlichkeit mit einer paradoxen Reaktion aufweist.

Weiterführende Links
*FAQ-Erneutes Eindosieren



Begriff

poop-out

Synonyme
Resistenz, Toleranz

Erklärung
"Poop-out" bezeichnet die sich bei längerer Einnahme von Psychopharmaka oft einstellende Wirkungslosigkeit trotz Dosissteigerung.
Viele Betroffene berichten, sie müssten ihr Antidepressiva, Neuroleptika, etc. immer höher dosieren, um den gleichen Effekt zu erreichen. Irgendwann ist diese Möglichkeit jedoch ausgeschöpft und es treten nur immer mehr Nebenwirkungen auf.
Der Begriff „poop-out“ wurde in englischsprachigen Foren geprägt und bedeutet übersetzt etwa „erschöpft aufgeben, ausgepumpt sein“.



Begriff

Protrahierter Entzug

Synonyme
Langzeit-Entzugssyndrom

Erklärung
Von einem protrahierten Entzug spricht man, wenn Symptome nach dem Absetzen der Substanz länger als einige Wochen anhalten bzw. verzögert, nach anfänglicher Symptomfreiheit, auftreten.
Der protrahierte Entzug, auch Langzeit-Entzugssyndrom genannt, kann mehrere Monate oder auch Jahre andauern. Oft wechseln sich Zeiten der Symptomverbesserung mit schlechteren Phasen (sog. "Wellen“) ab.

Weiterführende Links
* Thread für Langzeitbetroffene
* Erfahrungsaustausch: Medikamente bei Betroffenen mit Langzeitentzug
* Symptome im Langzeitentzug (Monica Cassani)
padma
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Q

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Re: Lexikon

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R


Begriff

Retard

Abkürzung
-

Synonyme
retardiert, verzögerte Wirkstofffreisetzung

Erklärung

Manche Arzneimittel sind als "Retard"-Arzneimittel (bzw. "retardierte" Arzneimittel) erhältlich. Das Wort "retard" kommt vom lateinischen "retardare" (verzögern). Retardierte Arzneimittel geben den enthaltenen Wirkstoff langsam über längere Zeit und nicht unmittelbar ab.

Es gibt dabei verschiedene Unterformen z.B. sustained release (SR), extended release (ER, XR), controlled/continuous release (CR)

Die Retardierung kann auf verschiedene Arten erfolgen, z.B. durch einen Tablettenüberzug oder
wirkstoffhaltige Retardkügelchen.

Grundsätzlich sollten Retard-Medikamente nur gemäß den Hinweisen im Beipackzettel bzw. nach Rücksprache mit dem Apotheker zerteilt werden, da eine unsachgemäße Teilung eines Medikaments dessen Retard-Wirkung aufheben kann. Durch einen dann zu schnellen Wirkstoffanstieg kann es zu einer gefährlichen Überdosierung kommen.

Bei Retardtabletten ist zum kleinschrittigem Ausschleichen daher zumeist eine vorherige Umstellung auf ein nicht-retardiertes Präparat erforderlich.
Retardierte Präparate dürfen nicht zermösert oder in Wasser aufgelöst werden.

Weiterführende Links
* Retard Wikipedia
*Retard DocCheck Flexikon



Begriff

Rezeptor

(Biochemie)

Synonyme
Sensor, Sinneszelle

Erklärung

Rezeptoren (von lateinisch, "recipere" = aufnehmen, empfangen) sind eine spezifische reiz- oder signalaufnehmende Struktur. Sie sind zum einen für die Aufnahme äußerer Reize (wie z.B. Wärme, Kälte, Druck) zuständig und dienen zum anderen als "Andockstelle" für körpereigene (endogene) Signale die durch Liganden (z.B. Neurotransmitter, Hormone) übermittelt werden.

Je nach Funktion befinden sich zelluläre Rezeptoren entweder in Form von Membranrezeptoren in der Zellmembran (durchlässige Hülle) oder als Kernrezeptoren im Inneren einer Zelle.

An der Signalübertragung im ZNS beteiligte Rezeptoren besitzen eine spezifische Passform für Liganden (z.B. Neurotransmitter, Hormone), so dass diese nach dem Schlüssel-Schloss-Prinzip an dem Rezeptor andocken können.

Bestimmte Arzneimittel (z.B. manche Psychopharmaka) ahmen diese Passform nach und können so ebenfalls an diesen Rezeptoren andocken und die Signalübertragung verstärken oder hemmen.

Im ZNS befinden sich u.a. folgende Rezeptoren mit jeweiligen Untergruppen: Acetylcholinrezeptoren M1-5, N1-2; Adrenozeptoren α1A,B,D; α2A-C; β1-3; (für Adrenalin, Noradrenalin), Dopaminrezeptoren D1-5; Histaminrezeptoren H1-4; Serotoninrezeptoren 5 HT1-7; GABA-Rezeptoren A-B

siehe auch "Neurotransmitter"

Weiterführende Links
* Rezeptor - Wikipedia
* Rezeptor - Flexikon.doccheck.com
padma
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Re: Lexikon

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S


Begriff

Selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer

(Selective Serotonin Reuptake Inhibitor)

Abkürzung
SSRI

Synonyme
Selektive Serotonin-Wiederaufnahme-Inhibitoren

Erklärung
SSRI sind eine eigene Klasse innerhalb der Antidepressiva. Sie blockieren die Wiederaufnahme des Serotonin und erhöhen dadurch das Serotonin im synaptischen Spalt. Der synaptische Spalt befindet sich zwischen zwei Nervenzellen. Serotonin fungiert im synaptischen Spalt als sogenannter "Botenstoff" (Neurotransmitter), es überträgt Informationen von einer Nervenzelle zu einer anderen. Das Serotonin wird anschließend wieder von der präsynaptischen Zelle ("ausschüttende" Zelle) aufgenommen.

Dies geschieht über sogenannte Serotonintransporter. An diesen entfalten die SSRI ihre Wirkung, indem sie den Rücktransport hemmen und somit die Serotoninkonzentration im synaptischen Spalt erhöht wird. SSRI werden als "selektiv" bezeichnet, da im Vergleich zu anderen Serotonin-Wiederaufnahmehemmern ihre Einwirkung auf andere Transmittersysteme schwächer ist.

Bekannte SSRI-Wirkstoffe sind beispielsweise Citalopram, Escitalopram, Fluoxetin, Fluvoxamin, Paroxetin und Sertralin.

Weiterführende Links
* Serotonin-Wiederaufnahmehemmer Wikipedia
* Selektive Serotonin-Wiederaufnahme-Inhibatoren Gelbe Liste
* SSRI/ Selektive Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer seele-und-gesundheit.de
* Wie wirken Antidepressiva im Gehirn?



Begriff

Selektive Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer

(Selective Serotonin-Noradrenalin-Reuptake-Inhibitor)

Abkürzung
SSNRI

Synonyme
Selektive Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahme-Inhibitoren

Erklärung
SSNRI sind eine eigene Klasse innerhalb der Antidepressiva. Sie blockieren die Wiederaufnahme von Serotonin sowie Noradrenalin und erhöhen dadurch deren Konzentration im synaptischen Spalt.

Der synaptische Spalt befindet sich zwischen zwei Nervenzellen. Serotonin und Noradrenalin fungieren im synaptischen Spalt als sogenannte "Botenstoffe" (Neurotransmitter), sie übertragen Informationen von einer Nervenzelle zu einer anderen. Die Neurotransmitter werden anschließend wieder von der präsynaptischen Zelle ("ausschüttenden" Zelle) aufgenommen.

Dies geschieht über Serotonin- bzw. Noradrenalin-Transporter. An diesen entfalten die SSNRI ihre Wirkung, indem sie den Rücktransport hemmen und somit die Serotonin- bzw. Noradrenalinkonzentration im synaptischen Spalt erhöht wird. Sie werden als "selektiv" bezeichnet, da im Vergleich zu anderen Serotonin-Wiederaufnahmehemmern ihre Einwirkung auf andere Transmittersysteme schwächer ist.

Bekannte SSNRI-Wirkstoffe sind beispielsweise Duloxetin, Milnacipran und Venlafaxin.

Weiterführende Links
* Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer Wikipedia
* Selektive Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahme-Hemmer seele-und-gesundheit.de
* Wie wirken Antidepressiva im Gehirn?



Begriff

Serotonin

Erklärung
Serotonin ist ein Neurotransmitter, der unter anderem im Zentralnervensystem, im Darmnervensystem und im Blutkreislaufsystem eine wichtige Rolle spielt.

Neuere Antidepressiva wie SSRI greifen in den Serotoninhaushalt ein, indem sie die Wiederaufnahme hemmen und damit die Konzentration an Serotonin im synaptischen Spalt erhöhen sollen. Der genaue Wirkmechanismus ist jedoch ungeklärt und umstritten.

Eine Hypothese zur Entstehung von Depressionen besagt, die Betroffenen litten unter einem Serotoninmangel. Diese „Serotoninmangelhypothese“ konnte bisher nicht bestätigt werden, dient jedoch als einfaches Erklärungsmodell und zur Begründung der angeblichen Notwendigkeit einer medikamentösen Behandlung.

Im ZNS reguliert das Serotoninsystem unter anderem Wahrnehmung, Schlafregulation, Regulation der Temperatur, Sensorik, Schmerzempfindung, Appetit und Sexualverhalten. Zudem steht es in Wechselwirkung mit anderen Neurotransmittersystemen. Dies erklärt auch die Vielzahl an Wirkungen und Nebenwirkungen von SSRI.

Weiterführende Links
*Serotonin Funktionen - Wikipedia
* David Healy - So Long and Thanks for all the Serotonin
* Mythos: Depressionen als Stoffwechselstörung im Gehirn
* depression-heute.de: Serotonin



Begriff

Serotoninsyndrom

Synonyme
serotonerges Syndrom, Serotoninvergiftung

Erklärung

Das Serotonin-Syndrom ist eine akute und potenziell lebensbedrohliche Komplikation bei der Einnahme von Substanzen, die den Serotoninspiegel im Zentralnervensystem (ZNS) erhöhen. Dazu gehören die allermeisten Antidepressiva (tri- und tetrazyklischen Antidepressiva, selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer, Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer, MAO-Hemmer, Johanniskraut u.a.).

In sehr seltenen Fällen kann die Schädigung durch einen einzelnen Wirkstoff ausgelöst werden, zumeist ist es eine Wechselwirkung von serotonergen Arzneimitteln.

Sehr hohe Serotoninspiegel im ZNS wirken toxisch und können lebenswichtige Körperfunktionen beeinträchtigen, vor allem die Kreislauf- und Temperaturregulation sowie die Atmung.

Symptome eines Serotoninsyndroms sind u.a. Ruhelosigkeit, rasche unwillkürliche Muskelzuckungen, gesteigerte Reflexbereitschaft, Schwitzen, Fieber, Schüttelfrost, Übelkeit, schnelle Atmung, Pulsanstieg, Tremor, Krämpfe, Pupillenerweiterung, Halluzinationen, Bewusstseinstörungen


Wichtigste Maßnahme ist das Absetzen der serotonergen Medikamente. Die Beschwerden gehen dann meist innerhalb von 24 Stunden zurück.

Weiterführende Links
* Serotoninsyndrom - Wikipedia
* Serotoninsyndrom



Begriff

Serotonintransporter

Abkürzung
SERT

Synonyme
5-Hydroxytryptamintransporter (5-HTT), natriumabhängiger Serotonintransporter

Erklärung
Der SERT ist ein Transportmolekül, das für die Wiederaufnahme von Serotonin vom synaptischen Spalt in die präsynaptische Nervenzelle zuständig ist und so die Serotoninwirkung beendet.

Manche Psychopharmaka setzen am SERT an. Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI) verhindern die Bindung von Serotonin an den Transporter, so dass dieses länger im synaptischen Spalt verbleiben. Serotonin-Wiederaufnahmeverstärker (SSRE) verstärken hingegen die Bindung von Serotonin am Transporter, so dass weniger Serotonin im synaptischen Spalt zur Verfügung steht.

Auch Dopamin kann in geringem Ausmaß mit Hilfe des Serotonintransporters in die Zelle transportiert werden.
Dopamin- und Noradrenalintransporter arbeiten nach dem gleichen Mechanismus.

Bindet ein SSRI an den SERT, spricht man auch von SERT Belegung. Mit Zunahme der Dosis steigt die Belegung nicht linear sondern in Form einer Kurve an. Das bedeutet, dass bereits bei einer niedrigen Dosis überproportional viele SERT belegt sind. Für das Ausschleichen bedeutet es im Umkehrschluss, dass die Reduktionsschritte bei geringer werdender Dosis immer kleiner werden sollten.

siehe auch "Synapse", "Neurotransmitter", "Selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer

Weiterführende Links
* Serotonintransporter - Wikipedia
* Serotonintransporter - flexikon.doccheck.com
* Serotonintransporterbelegung Graphen



Begriff

Steady State

Synonyme
Fließgleichgewicht, Kumulationsgleichgewicht

Erklärung
Zustand, bei dem ein Gleichgewicht herrscht, d. h., dass Zufuhr und Abfuhr z. B. eines Medikamentes oder Energie gleichbleibend sind.

Manche Medikamente werden im Körper nur langsam abgebaut, das heisst sie haben eine lange Halbwertszeit. Nimmt man täglich ein Medikament ein, dessen Wirkstoff länger im Körper verweilt als dass es abgebaut wird, steigt der Wirkstoffspiegel im Blut langsam an, er kumuliert.

Es kann, je nach Halbwertszeit, Tage oder Wochen dauern, bis die Einnahme und der Abbau des Wirkstoffs ausgeglichen ist. Dann bleibt der Wirktoffspiegel bei gleichmässiger Einnahme konstant, der steady state ist erreicht.

Man rechnet, dass der steady state nach 5 Halbwertszeiten erreicht ist.
Hat ein Wirkstoff beispielsweise eine Halbwertszeit von 2 Tagen, so steigt der Wirkstoffspiegel im Blut 10 Tage lang an. Nach 10 Tage ist der steady state erreicht.

Erhöht oder reduziert man ein solches Medikament, dauert es ebenfalls so lange, bis wieder ein gleichbleibender Wirkstoffspiegel erreicht ist.

Weiterführende Links
* https://www.pharmawiki.ch/wiki/index.ph ... eady-State
* https://www.spektrum.de/lexikon/biochem ... state/5886




Begriff

Synapse/ Synaptischer Spalt

Erklärung

Eine Synapse (von altgriechisch: "syn" = zusammen und "haptein" = greifen) ist eine Kontaktstelle zur Übertragung eines chemischen oder elektrischen Signals von einer Nervenzelle auf eine andere Zelle (Nervenzelle oder andere Körperzelle).

Eine Synapse besteht aus 3 Elementen, erstens der Präsynapse (präsynaptischer Teil), von der das Signal ausgeht; zweitens der Postsynapse (postsynaptischer Teil), die das Signal empfängt; drittens dem Synaptischen Spalt, der zwischen beiden Strukturen liegt.

Es wird nach Art der Signalübertragung zwischen elektrischen und chemischen Synapsen unterschieden.
Bei der chemischen Synapse setzt die Präsynapse Neurotransmitter (Botenstoffe) aus Vesikeln (synaptisches Bläschen) frei, um das Signal zu übertragen. Die Neurotransmittermoleküle diffundieren (bewegen sich) durch den synaptischen Spalt und docken an passende Rezeptoren der Postsynapse.
Die Transmittermoleküle lösen sich nach einer gewissen Zeit wieder vom Rezeptor und werden entweder abgebaut oder wieder von der Präsynapse aufgenommen.

Chemische Synapsen arbeiten mit unterschiedlichen Transmittern und können durch Medikamente oder Drogen in verschiedenen Schritten der Signalübermittlung verändert werden. So hemmen beispielsweise Serotoninwiederaufnahmehemmer, die Wiederaufnahme von Serotonin in die Präsynapse und sollen so die Konzentration von Serotonin im synaptischen Spalt erhöhen.

Beispiele für chemische Synapsen sind: Adrenerge Synapsen (dazugehöriger Neurotransmitter ist Adrenalin), Cholinerge Synapsen (Neurotransmitter: Acetylcholin); Dopaminerge Synapsen (Neurotransmitter: Dopamin); GABAerge Synapsen (Neurotransmitter: GABA); Serotonerge Synapsen (Neurotransmitter: Serotonin)

siehe auch unter "Neurotransmitter","Rezeptor"

Weiterführende Links
* Synapse - Wikipedia
* Synapse - flexikon.doccheck.com
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